Autor Thema: Bedürfnis Führung?  (Gelesen 6355 mal)

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Offline Träumling

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Bedürfnis Führung?
« am: 08. Februar 2008, 12:44:33 »
Hallo Foris,

ich bitte um eure Mithilfe bei der Klärung eines Themas, das mich grad etwas ratlos dastehen lässt.

Ich weiß nicht, ist "Führung wollen" ein Bedürfnis oder ist es nur Ausdruck von Mangel bei anderen Bedürfnissen?

Ich glaube als Kind ist es normal zurück zur Mama zur rennen, aber als Erwachsener? Kann es da wirklich ein Bedürfnis sein das mal jemand anderes die Zügle in die Hand nimmt und sagt wie es jetzt weitergeht? Das steht den Bedürfnissen nach Autonomie und Selbstverwirklichung doch gegenüber, gehts trotzdem? In dem Buch das ich von Rosenberg gelesen habe, beschreibt er wie sich Menschen in einer schrecklichen Situation vor dem Blick auf ihre Verantwortung drückten und greuel begangen, in dem sie immer nur sagten: "Befehl von oben!" Wie schrecklich!

Und vielleicht noch hinten dran eine andere Frage: Wie ist das wenn etwas ein Bedürfnis nur zum Teil befriedigt. Sagt ihr dann, dadurch fühle mich mich etwas Selbstständiger oder macht ihr garkeine Unterschiede? Ich finde es mitunter komisch zu Sagen, das etwas "mein Bedürfnis nach Sicherheit" befriedigt, weil noch so viel mehr geschehen müsste um dieses Bedürfnis wirklich zu befriedigen - es aber ungesagt lassen obwohl da ein Großer Schritt in Rcihtung Erfüllung des Bedürfnisses gegangen worden ist, würde der Sache irgendwie nicht gerecht werden.

Grüße,
Träumling
Wenn etwas sich lohnt zu tun, dann lohnt es sich auch dann, wenn wir es nicht so gut können.
v.u.

Offline Rübenigel

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Re: Bedürfnis Führung?
« Antwort #1 am: 08. Februar 2008, 16:18:52 »
Liebe Träumling,

ich möchte Dir gerne meine Ideen zum ersten Teil Deines Postings mitteilen:

Das Bedürfnis nach "Führung"... mmmh. Also was könnte dahinterstecken? Welche Gefühle sind da im Vorfeld unterwegs? Unsicherheit, Irritation, Unentschlossenheit...? Dann könnte es das Bedürfnis nach Unterstützung sein:"Könntest du mich bitte darin unterstützen, dass wir ... zusammen besprechen? Ich bin mir nicht so ganz im klaren darüber, was mein Ziel ist und dein Feedback könnte mir helfen, das herauszufinden..."

Was mir noch in den Sinn kommt ist das Bedürfnis nach Halt ("Kann ich mich mal bei Dir anlehnen und eine Weile nichts entscheiden... ich fühle mich gerade schwach/erschöpft und brauche einen Moment eine starke Schulter, an der ich mich fallen lassen und Kraft tanken kann.")

Ist da was für Dich dabei?

Herzliche Grüße, Rübenigel

Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Träumling

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Re: Bedürfnis Führung?
« Antwort #2 am: 09. Februar 2008, 11:42:13 »
Hallo Rübenigel!

Eigentlich passen beide die Gefühle von beiden deiner Vorschläge ganz gut!

und dennoch bin ich nach wie vor irgendwie verwirrt! Ich denk beser noch ne Runde nach!

Gruß,
Teresa
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v.u.

Offline Claudia

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Bedürfnis Authentizität
« Antwort #3 am: 11. Juli 2008, 06:18:48 »
(übernommen aus anderen Therad, weil ich finde, dass es hier thematisch gut rein passt...)


Hallo und guten Morgen Michael,

Authentizität  als Bedürfnis - oh, das ist etwas, mit dem ich mich sehr gut verbinden kann! Echtheit, mich nicht verbiegen müssen, so sein zu dürfen, wie ich bin... Es gibt eine Autorin, deren Texte ich sehr schätze. Sie schreibt zu diesem Thema:

5. März - Sei so, wie du bist

Wenn ich Menschen begegne oder eine neue Beziehung eingehe, unterwerfe ich mich vielen repressiven Einschränkungen. Ich lasse meine Gefühle nicht zu. Ich unterdrücke meine Wünsche und Bedürfnisse. Ich wehre mich gegen meine eigene Geschichte. Ich erlaube mir nicht, die Dinge zu tun, die ich tun möchte, die Gefühle zu haben, die ich spüre, oder das zu sagen, was ich sagen muss. Ich verwandle mich in einen unterdrückten, perfektionistischen Roboter, anstatt der zu sein, der ich bin: ICH.
(Anonym)


Manchmal befiehlt unsere instinktive Reaktion in einer neuen Situation: Sei nicht so, wie du bist.

Wer sonst könnten wir sein? Wer sonst möchten wir sein? Wir brauchen nicht anders zu sein, als wir sind.

Das größte Geschenk, das wir in eine Beziehung einbringen, ist: der zu sein, der wir sind.

Wir denken vielleicht, andere fänden uns nicht sympathisch. Wir haben Angst, ein Mensch könne uns verlassen oder beschämen, sobald wir loslassen und wir selbst sind. Wir machen uns Sorgen darüber, was andere von uns denken.

Die Menschen schätzen unsere Gesellschaft, wenn wir uns selbst akzeptieren und entspannt sind, nicht aber, wenn wir steif und gehemmt sind.

Wollen wir wirklich mit Menschen zusammen sein, die keinen Gefallen an uns finden? Müssen wir uns und unser Verhalten von der Meinung anderer abhängig machen?

Wenn wir uns die Freiheit nehmen zu sein, wer wir sind, üben wir damit eine heilsame Wirkung auf unsere Beziehungen aus. Der Umgangston wird entspannter. Wir entspannen uns. Der andere entspannt sich. Alle fühlen sich weniger gehemmt oder beschämt, da alle aufrichtig sind. Wir können nicht anders sein, als wir sind. So ist es uns zugedacht. So ist es gut.

Unsere Meinung über uns selbst ist wirklich das einzige, was zählt. Und wir können uns die Anerkennung zollen, die wir wünschen und brauchen.

Heute entspanne ich mich und bin in meinen Beziehungen so, wie ich bin. Ich tue das nicht in unangemessener oder herabsetzender Weise, sondern in einer Weise, die zum Ausdruck bringt, dass ich mich selbst annehme und mich als die Person schätze, die ich bin. Hilf mir, Gott, dass ich keine Angst mehr habe, ich selbst zu sein.




Kraft zum Loslassen
Tägliche Meditationen für die innere Heilung
von Melody Beattie
Copyright: Heyne
ISBN: 3453047656



Mir selbst die Erlaubnis zu geben echt zu sein, so wie ich bin, und zu dem zu stehen, was ich will und was mir wichtig ist, ist mir ein ganz dringendes Bedürfnis geworden. Aus diesem Grund ist es mir auch kostbar in der Ausbildung zu sehen, wie es ist, wenn es ein Nein gibt oder wie Menschen es "überleben", wenn sie in Opposition gehen oder "einfach" für sich sorgen. Ich würde mir für mich gern noch mehr Bestärkung darin wünschen, authentisch zu leben. Es wird immer dann eng, wenn ich merke/höre, dass beim anderen dann unerfüllte Bedürfnisse entstehen oder bleiben. Das liegt wohl mit an der genossenen Erziehung, in der vermittelt wurde, dass meine Bedürfnisse nicht berechtigt sind, aber ich verpflichtet bin, den Bedürfnissen anderer z.B. nach Ruhe oder Unterstützung nachzukommen...

Ich hätte mir im Vorfeld gewünscht, es nicht gleich an so heftigen Konfliktigkeiten beobachten zu dürfen, wie es in meiner Ausbildungsgruppe geschehen ist. Und ich hätte mir auch gewünscht, dass ich andere Lösungsmöglichkeiten erleben darf als die, die ich jetzt kennen gelernt habe, und die mein Bedürfnis zum Beispiel nach Verbundenheit ziemlich unerfüllt lassen...

Aber so war es nun mal und ich kann es nicht ändern.


Allseits einen schönen Freitag und einen guten Start ins Wochenende!

Claudia



P.S.: Ich stelle diese Zeilen auch bei "Gefühle und Bedürfnisse" ein, weil ich denke, dass es da gut hinpasst.
« Letzte Änderung: 12. Juli 2008, 10:16:31 von Claudia »
Unsere neuen oder erneuerten Beziehungen sind durchweg in Augenhöhe