Autor Thema: Wortschatz Empathie  (Gelesen 13334 mal)

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Offline matameko

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Wortschatz Empathie
« am: 01. April 2011, 08:33:01 »
Hallo zusammen,

ich starte hier eine Wortschatz- und Satzbaustein- Sammlung zum Thema Empathie. Habt ihr schon einmal erlebt, dass jemand einen Satz gesagt hat und sich dann Erleichterung bei euch breit gemacht hat: "Ja, genau so geht es mir. So hätte ich es auch gesagt wenn mir diese Worte dazu eingefallen wären." Lasst uns diese Wortschätze feiern und teilen.

Sonnige Grüße,

Stefan
« Letzte Änderung: 01. April 2011, 08:40:00 von matameko »

Offline matameko

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Re:Wortschatz Empathie
« Antwort #1 am: 01. April 2011, 08:38:37 »
1. Na, ist die Festplatte erst mal voll?

2. Ja, das ist bestimmt sehr aufwühlend für dich, das alles zu erleben?

Offline Plejaden

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Re:Wortschatz Empathie
« Antwort #2 am: 01. April 2011, 09:11:41 »
3. Und das tut weh?

(hier zweifle ich. Ich habe beim Hören Erleichterung verspürt, aber impliziert der Satz einen Verursacher?)

Plejaden
« Letzte Änderung: 22. Juni 2011, 21:35:52 von Plejaden »

Offline matameko

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Re:Wortschatz Empathie
« Antwort #3 am: 01. April 2011, 19:43:41 »
Zitat
impliziert der Satz einen Verursacher?
Es kommt glaube ich darauf an, was du mit dem Satz verbindest, z.B.
a) "Ich empfinde Schmerz, weil mein Bedürfnis nach Verbindung nicht erfüllt ist." oder
b) "Er hat mir weh getan, der böse Täter! Wieso macht er nie den Mund auf?"
Unabhängig davon dürfen wir uns meiner Meinung nach immer erleichtert fühlen. Was zunächst zählt ist dass du durch die Worte mit deinem Gefühl des Schmerzes in Kontakt gekommen bist. Das Gefühl kann dich dann direkt zu a) führen oder du nimmst die Wolfsshow b) als Hilfe um über diesen Umweg zu a) zu gelangen. Was meinst du?
« Letzte Änderung: 01. April 2011, 19:45:38 von matameko »

Offline Claudia

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Re:Wortschatz Empathie
« Antwort #4 am: 02. April 2011, 13:42:47 »
Stefan,

gib mir ein bisschen mehr Unterstützung. Ich möchte gern mitmachen und kriegs's noch nicht zusammengereimt, was wir hier suchen.


Liebe Grüße,

Claudia
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Offline matameko

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Re:Wortschatz Empathie
« Antwort #5 am: 02. April 2011, 14:47:27 »
Hi Claudia,

stell dir bitte vor, wie ich in einer Tanzschule stehe. Es ist ein Abend nach einem langen Arbeitstag. Ich möchte die neue Figur hinbekommen. Aber irgendwie klappt es nicht. Meine Tanzpartnerin sagt: schau, das ist doch ganz einfach, wir müssen nur ... und so.. drei Fragezeichen schweben über meinem Kopf:  ??? Innerlicher Druck macht sich breit. "Ich schaff das heute glaube ich nicht mehr." "Ach komm, lass uns noch mal probieren." Der Tanzlehrer kommt vorbei, lächelt und meint: "Na, ist die Festplatte für heute voll?" => Ja, genau! ... Erleichterung macht sich breit.

Wenn er in der Situation so etwas gesagt hätte wie "Fühlst du dich gerade ..." hätte ich das glaube ich nicht annehmen können. Das macht mich neugierig und ich möchte herausfinden welche Empathie-Formulierungen in der Praxis "funktionieren". Die Worte machen wahrscheinlich nur 20 % oder so von der Situation aus. Die Haltung des Tanzlehrers, das freundliche Lächeln, die Tonlage der Stimme usw. ... das alles hat zu der "Empathie-Erleichterung" beigetragen.

Eine andere Situation: In einem GFK-Kurs erzählt eine Teilnehmerin von ihren Erlebnissen. Wir sind mit unserer Aufmerksamkeit bei ihr ... ich möchte ihr gerne etwas zu dem sagen was sie erzählt hat ... mir fehlen allerdings die Worte. Die Leiterin des Kurses sagt  "Ja, das ist bestimmt sehr aufwühlend für dich, das alles zu erleben?" Und ich denke mir WOW! Woher nimmt sie gerade dieses treffende Wort? Das Wort "aufwühlend" war in meinem aktiven Wortschatz nicht vorhanden. Und ich sah wie sich bei der Teilnehmerin die "Empathie-Entspannung" ausbreitete.   

Solche Erlebnisse sind immer wieder ein Wunder für mich. Vielleicht kannst du dich an eine ähnliche Situation erinnern, in der du Empathie bekommen hast? Was hat dein Gegenüber in der Situation gesagt? War es vielleicht ein "Hmmm, *seufz*"? oder ein "Und das tut weh?"

Es geht mir hier um Situationen, in denen Empathie in der Praxis gewirkt hat, und speziell um den Anteil der Sprache daran. Es bringt glaube ich nichts solche Worte mechanisch anzuwenden, da Empathie aus mehr besteht als aus den Worten. Dennoch glaube ich dass so eine Wortschatz-Sammlung hilfreich sein kann.

Je mehr Möglichkeiten ich in meinem aktiven Wortschatz zur Verfügung habe, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit dass ich mich so ausdrücken kann wie ich es gerne möchte.

Ist dein Bedarf an Unterstützung dadurch schon erfüllt?

Sonnige Grüße,

Stefan


 

         
     

Offline Claudia

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Re:Wortschatz Empathie
« Antwort #6 am: 02. April 2011, 19:59:15 »
Hallo, Stefan,



wunderbar! Danke, danke!

Melde mich später mit einem Beispiel.


Gruß,
Claudia
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Offline Plejaden

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Re:Wortschatz Empathie
« Antwort #7 am: 02. April 2011, 21:31:07 »
Zitat
impliziert der Satz einen Verursacher?
Es kommt glaube ich darauf an, was du mit dem Satz verbindest, z.B.
a) "Ich empfinde Schmerz, weil mein Bedürfnis nach Verbindung nicht erfüllt ist." oder
b) "Er hat mir weh getan, der böse Täter! Wieso macht er nie den Mund auf?"
Unabhängig davon dürfen wir uns meiner Meinung nach immer erleichtert fühlen. Was zunächst zählt ist dass du durch die Worte mit deinem Gefühl des Schmerzes in Kontakt gekommen bist. Das Gefühl kann dich dann direkt zu a) führen oder du nimmst die Wolfsshow b) als Hilfe um über diesen Umweg zu a) zu gelangen. Was meinst du?

Vielen Dank für diese hilfreiche Aufschlüsselung.

Die Situation: Ich war irritiert über das Verhalten eines Freundes. Ich schilderte einer Freundin, was ich beobachtet hatte. Erst durch den Satz "Und das tut weh?" durfte ich den Schmerz in mir entdecken - und würdigen und hatte dadurch die Chance, nach dem Bedürfnis zu forschen.
Ohne die Empathie wäre ich im Unverständnis steckengeblieben.

Zitat
Je mehr Möglichkeiten ich in meinem aktiven Wortschatz zur Verfügung habe, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit dass ich mich so ausdrücken kann wie ich es gerne möchte.

Dies ermutigt mich als Anfängerin sehr, denn ich suche oft nach Formulierungen, wenn ich Situationen nach GFK betrachte! Danke dafür!

 :)

Offline Sina

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Re: Wortschatz Empathie
« Antwort #8 am: 12. April 2013, 20:33:38 »
Ich konnte früher nicht gut um Hilfe bitten, statt dessen hab ich mich allein gequält.
Oder vorwurfsvoll geguckt bzw. gejammert, dass ich so viel zu tun hab.

Nun bin ich weiter gekommen, denn mein Mann fragt oft: "Kann ich helfen?"
Damit erlaubt er mir, mich hilfsbedürftig zu fühlen, und jetzt kann ich schon öfter sagen:
"Kannst du netterweise mal mit anfassen?"

Offline matameko

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Re: Wortschatz Empathie
« Antwort #9 am: 12. April 2013, 21:25:26 »
Hi Sina,
zum Thema für andere da sein und helfen habe ich mal etwas schönes gehört, das ich gerade teilen möchte. Ich stelle es als einen kleinen Dialog dar:

A: Wie ist das für dich, wenn du für die anderen da bist?
B: Das fühlt sich gut an. Ich mag es, wenn ich anderen helfen kann.
A: Ja, es ist ein Geschenk, das Leben von jemand anderen bereichern zu können.
B: Ja, genau. Dann spür ich auch dass ich mit meinem Sohn in Verbindung bin.
A: Wenn es für dich so ein großes Geschenk ist, das Leben der anderen zu bereichern ...
was hälts du davon, deinem Sohn auch ab und zu das Geschenk zu geben,
dein Leben bereichern zu können? Wenn du ihm um etwas bittest gibts du ihm die Gelegenheit eines seiner wichtigsten Bedürfnisse zu erfüllen. Er hat ja auch das Recht, sich mal so toll zu fühlen.
B: (lacht) So hab ich das noch nicht gesehen. 

Als ich das gehört habe hat sich meine Einstellung zum "um Hilfe bitten" etwas geändert. Mir fällt es allerdings trotzdem noch manchmal schwer, meine Bedürfnisse als Geschenk für andere zu sehen.

Find ich super, wie dein Mann dich unterstützt.

LG

Offline Claudia

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Re:Wortschatz Empathie
« Antwort #10 am: 12. April 2013, 21:58:32 »
Hi Claudia,

stell dir bitte vor, wie ich in einer Tanzschule stehe. Es ist ein Abend nach einem langen Arbeitstag. Ich möchte die neue Figur hinbekommen. Aber irgendwie klappt es nicht. Meine Tanzpartnerin sagt: schau, das ist doch ganz einfach, wir müssen nur ... und so.. drei Fragezeichen schweben über meinem Kopf:  ??? Innerlicher Druck macht sich breit. "Ich schaff das heute glaube ich nicht mehr." "Ach komm, lass uns noch mal probieren." Der Tanzlehrer kommt vorbei, lächelt und meint: "Na, ist die Festplatte für heute voll?" => Ja, genau! ... Erleichterung macht sich breit.
<snip>
Stefan

   
   


Hallo, Stefan,


ich telefonierte vorgestern mit meinem Steuerberater und sagte zu ihm ich wäre ziemlich in Panik und den Tränen nahe, weil mich diese Einkommenssteuer so stressen würde. Und er antwortete sinngemäß: Das stresst dich schon? Was sollen denn andere Selbstständige sagen...


Jauuuuuuullllllllll...


C.
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Offline matameko

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Re: Wortschatz Empathie
« Antwort #11 am: 12. April 2013, 22:49:07 »
Au weia.

Offline Sina

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Re:Wortschatz Empathie
« Antwort #12 am: 12. April 2013, 23:01:11 »
... Und er antwortete sinngemäß: Das stresst dich schon? Was sollen denn andere Selbstständige sagen...
Oje... :(
Nach Rosenberg ist alles, was die Menschen sagen: Bitte und Danke.
Was war das denn wohl?
Vielleicht "Bitte stör mich nicht mit solcher Kleinigkeit?"  :-\

Offline matameko

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Re: Wortschatz Empathie
« Antwort #13 am: 13. April 2013, 07:50:24 »
Ich würde gerne erst den Fokus auf die/den "Forumel" (in dem Fall Claudia) legen und dann auf die andere Person/Gruppe die erwähnt wird.

Ich vermute (da das ja auch zu diesem Thema passt) dass Claudia gerne etwas Verständnis oder Empathie bekommen hätte, z.B. "Hmm. Das scheint eine ganz schöne Herausforderung für sie zu sein?" oder "Haben sie gerade viel um die Ohren?" Es könnte z.B. auch sein, dass es Claudia um zwischenmenschliche Verbindung ging, während eine halbe Stunde lang über Zahlen und Gesetze gesprochen wird oder sie einen anderen Menschen gerade kennenlernt. Oder sie brauchte vll. etwas Wertschätzung dafür wie sie sich für diesen Job engagiert und wie viel Mühe sie schon in diese Selbstständigkeit investiert hat, mit der sie das Leben von anderen Menschen bereichern und auch gut für sich sorgen möchte.

Er selbst war vielleicht ganz überrascht. Für ihn scheint das so einfach zu sein und er braucht eine Erklärung/Verständnis, was jemand anderen an einer Steuererklärung so schwer fällt? (Ähnlich wie vielleicht ein Deutsch-Referentar, der zum 5ten mal einem Schüler in der 5ten Klasse die 5te Grammatikregel des Lehrplans erklärt.)

Vielleicht war er auch etwas beklommen weil er es (noch) nicht gewohnt ist mit Geschäftspartnern über Gefühle zu sprechen und wollte Claudia etwas ermutigen, im Sinne von "Du brauchst dir keine Sorgen machen, das schaffen wir schon" (Den Satz hätte Claudia vermutlich auch nicht hören wollen. :)  ).         

Das Gegenteil von gut ist (manchmal) .... gut gemeint. ;)  :wolf0:

Offline Claudia

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Re: Wortschatz Empathie
« Antwort #14 am: 13. April 2013, 09:35:44 »
Zitat
Vielleicht war er auch etwas beklommen weil er es (noch) nicht gewohnt ist mit Geschäftspartnern über Gefühle zu sprechen und wollte Claudia etwas ermutigen, im Sinne von "Du brauchst dir keine Sorgen machen, das schaffen wir schon" (Den Satz hätte Claudia vermutlich auch nicht hören wollen. :)  ).       



Genau das hätte ich am liebsten von ihm gehört.

Wir kennen uns schon viele Jahre. Und Zahlen sind für mich SO schwierig *blink-blink* (Glaubenssatz... Da hätte ich mir Ermutigung und Mitgefühl gewünscht. "Wir schaffen das, ich steh dir zur Seite..."

Und genau das kann er im Moment wegen "Überlastung" (Interpretation) nicht leisten...

C.
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