Autor Thema: Gewaltfrei kommunizieren mit meinem Mann- finde keinen Weg  (Gelesen 5728 mal)

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Offline miaflorentine

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Gewaltfrei kommunizieren mit meinem Mann- finde keinen Weg
« am: 02. November 2012, 01:20:14 »
Liebes Forum,
nachdem ich neulich schon einen anderes Thema begonnen habe hoffe ich, dass ich eure Bereitschaft nicht überstrapaziere, indem ich kurz darauf schon ein zweites erföffne- noch bevor ich hier im Forum durch eigene Beiträge etwas zurück schenken konnte. Doch durch die einfühlsame Unterstützung in meinem ersten Thema habe ich das Vertrauen gefasst, auch mein zentrales Thema zu teilen- wenn mir dabei auch ein wenig mulmig ist, alla "was wird man dann über mich denken". Doch ich habe den Wunsch nach Entwicklung und daher fasse ich mir ein Herz.

Es geht um meinem Mann. Wir führen seit 7 Jahren eine Beziehung und sind seit zwei Jahren verheiratet, haben einen 5 jährigen Sohn, leben gemeinsam.
Als ich meinen Mann kennen lernte, hatte ich mich grade erst aus einer desaströsen Beziehung gelöst, in der ich viel zu lang ausgeharrt habe. So wußte ich ziemlich genau, was ich auf keinen Fall wieder wollte und verlieh dem auch nachrücklich Ausdruck. Ich ahnte, dass noch zuviel Schmerz in mir lebendig war, um mich auf eine neue Beziehung einzulassen. Aber mein Wunsch, nach einer "starken Schulter" und Liebe, war stärker als meine Vernunft (wie so oft zuvor). Mein Mann wirkte damals so fest im Leben stehend, so stark, vernünftig, liebevoll, zärtlich. Balsam für meine Seele. Wir errichteten unsere Beziehung auf dem Fundament dessen, was uns (angeblich beiden) wichtig war: Ehrlichkeit.
Heute kann ich kaum begreifen, wie ich mich so täuschen konnte. Ich kann es mir nur so erklären, dass mein Mann den aufrichtigen Wunsch hatte, der Mensch zu sein, den ich brauchte und dass ich nur sah, was ich sehen wollte. Wir lebten ein Jahr ein ziemlich "junges" leben. Er Zivi, ich in der Ausbildung, aber darüber hinaus kaum Verantwortung, die wir zu tragen hatten. Lange Nächte, feiern, Freunde treffen, Filme schauen, arbeiten und alles von vorne. Kurz bevor ich meine Ausbildung beendete wurde ich ungeplant schwanger. Ich befand mich in einer Phase meines Lebens, in der ich mich selbst kaum spürte und in vollkommener Unordnung war.
Im Laufe der Schwangerschaft nahm dann alles seinen Lauf. Wir kauften eine kleine, aber gemütliche Wohnung, die renovierungsbedürftig war. Der zivildienst meines Mannes endete und er suchte eine Ausbildung. Nun war gemeinsame Verantwortung gefragt. Und es war, wie ein böses erwachen. Mein Mann reagierte darauf mit völliger "Ignoranz" (ich weiß, dass ist ein Urteil, aber mir fällt gerade kein passenderes Wort ein). Mein Bäuchlein wurde immer dicker, aber die Wohnung blieb weiterhin in einem untragbaren Zustand. Ich bettelte jeden Tag darum und verwies auf den nahenden Geburtstermin (Nestbau), doch bekam immer nur das selbe zu hören "Morgen fang ich an. Jaja, mein Gott, setz mich nicht unter Druck!" Dabei war mein Mann arbeitslos und saß den ganzen Tag zu Haus, oder ging feiern. Ein Monat vor der Geburt griffen meine Eltern ein und redetem meinem Mann ins Gewissen. Richtig freiwillig geschah auch dies nicht, aber mein Vater ist eine ziemliche Respektsperson und mein Mann wollte es sich mit ihm wohl nicht verscherzen. Nun kam zwar Bewegung in die Sache, aber sobald über diese gemeinsame Arbeit mit meinem Vater hinaus etwas anfiel (zB Wärmelampe anbringen, Regal aufhängen) lief ich wieder gegen eine unüberwindbare Wand und tat dann einfach selbst alles, was ich irgendwie konnte. Um ein Beispiel von vielen zu nennen, kurz vor der Geburt war der Kinderschrank immer noch nicht aufgebaut. Nach Monaten war mein Mann dann endlich bereit, sich daran zu setzen, aber nur fünf Minuten. Danach ging er auf eine Feier mit dem Fazit, es würden Schrauben fehlen (aber auch ohne Handlung, Zb diese im Baumarkt zu besorgen). Heulend vor Wut baute ich den riesen Schrank selbst auf (Schrauben waren alle da) und begriff nicht, warum er sich so verhielt.
Rechnungszahlungen wurden monatlenag aufgeschoben ("bis zur dritten Mahnung geht das...")nicht, weil das Geld fehlte, sondern weil mein Freund schlicht keine Lust hatte, sich zu kümmern. Parallel dazu begannen auch die Lügen. Weil ihn Diskussionen schlicht nervten, begann er, mir alles zu verheimlichen. Auch, wenn ich ihm die Mahnungen direkt vor die Nase hielt behauptete er stur, es handle sich um ein Fehler seitens des Unternehmens und er hätte bezahlt. Ich war völlig überfordert. Ich wußte nicht, wie ich mit soviel Gleichgültigkeit und unehrlichkeit umgehen sollte. Es war furchtbar. Und es waren weder lösungsorientierte Gespräche möglich, weil mir nur mit "Jaja, mach ich", ohne folgende Handlung geantwortet wurde, oder mein Freund ging einfach. Wenn es ihm zu ungemütlich wurde, dann nahm er seine Jacke und verschwand.
Es war eine unglückliche Zeit für mich. Nichtsdestrotz, bei der Geburt war mein Mann dabei und wir erlebten gemeinsam den kostbarsten Moment unseres bisherigen Lebens. Die ersten sechs Monate waren wundervoll. Wir entdeckten beide soviel ungeahnte Gefühle für unser Kind in uns. Waren wie verliebt und taten kaum etwas anderes, als unser Kind zu bewundern und jeden Laut, den es von sich gab, jede kleine Regung.
Nach einigen Monaten begann die Ausbildung meines Mannes, zum Speditionskaufmann. Aufgrund meiner Erfahrungen hatte ich meine Bedenken, hoffte aber, die Ausbildung würde ihm gut tun. Doch bereits nach wenigen Wochen kündigte man meinem Mann. Er war ständig unkonzentriert, die Rechtschreibung war ungenüdend, immense Flüchtigkeitsfehler. Der Arbeitgeber sah keine Chance, die Fähigkeiten meines Mannes "betriebswertig" auszubauen. Und damit kam die nächste Krise auf uns zu. Mein Mann hatte nichts zu tun und suchte auch nicht danach. Die Erfahrung hatte ihm sichtlich zugesetzt und er begann, sich vollständig zu vernachlässigen, auch körperlich.
Für mich entstand zunehmend das Gefühl, zwei Kinder zu Hause zu haben. Und ich hätte meinen Mann auch "mütterlich" aufgefangen, für eine Weile. Ihm beigestanden, ihn aufgebaut und unterstützt. Doch leider nahmen seine Lügen in so schmerzhaften Ausmass überhand, dass ich erst entsetzt war und dann mit Ablehnung reagierte. Diese Lügen erstreckten sich nun nicht mehr nur auf unsere Verantwortung, der er sich offenbar nicht gewachsen fühlte, sondern bald waren auch andere Frauen, Alkohol, ausgegebenes Geld und alle möglichen weiteren unschönen Dinge ein Thema.
Immer und immer wieder bat mein Freund mich hingebungsvoll um Verzeihung und (noch) glaubte ich daran, wollte daran glauben, dass er reifer werden, sich entwickeln würde. Ich war unreif, hiflos und fand keine Lösungsansätze, ausser immer wieder "Machtworte" zu sprechen, die ein schlechtes Schausspiel waren, weil ich mich wegen unserem Kind gebunden fühlte, mich längst wieder in einem Teufelskreislauf der Abhängigkeit befand und mein Wunsch nach einer Familie nicht aufgeben wollte.

Ein weiterer Wendepunkt kam, als mein Mann eine Selbstständigkeit begann. Ich fragte mich, wie er dies bewältigen sollte, wo er doch schon für einfachste Dinge keine Motivation aufbrachte. Aber mein Mann war so infiziert und begeistert, von der Karrierechance, die sich ihm vermeintlich bot und ich sah keine berufliche Alternative, so begann mein Mann seine Selbstständigkeit. Es ist diese Art von Selbstständigkeit in der Finanzbranche. Die, die mit schicken Autos, Millionären, dies geschafft haben lockt und mit dekadenten Veranstaltungen, die junge Männer faszinieren. Für mich begann hier die schlimmste Zeit, denn mein Freund entwickelte sich zum regerechten... ich will es gar nicht ausdrücken. Teil dieser Gemeinschaft zu sein kurbelte sein Selbstbewusstsein in ungeahnte Höhen, was ja erstmal auch wünschenswert ist. Doch leider wurden die Lügen und die Rücksichtslosigkeit immer heftiger. Zu Entschuldigungen kam es nun nicht mehr (auch wenn sie vorher schon keinen großen/ehrlichen Wert hatten) denn mein Freund lebte sich nun ganz "frei" aus und ohne Gewissen. Er reiste, während ich mit unserem Kind hier zu Hause saß, um die ganze Welt und fühlte sich als Teil einer elitären Gemeinschaft. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er Erfolg und genoß es in vollen Zügen. Einmal hatte ich vierzig Grad Fieber und hatte keine Milch mehr zum stillen. Mein Mann wollte wieder auf eine Geschäftsreise, aber diesmal stellte ich mich quer, so sehr ich eben konnte. Das endete darin, dass mein Mann heimlich seinen Koffer packte, ihn versteckte und irgendwann einfach fort war.
Auf diesen Reisen gab es dann auch flirtereien mit anderen Frauen und Alkohol floss in Strömen. Und ich saß zu Hause und weinte. Zudem brach meine Angsterkrankung, mit der ich immer mal wieder zu kämpfen hatte nach dem abstillen so heftig aus, dass ich innerhalb von nur wenigen Monaten von einer Mama, die sich komplett allein um ihr Kind gekümmert hatte, zu einem Häufchen elend wurde, dass die Wohnung kaum noch verlassen konnte.
Ich bekam dann unheimlich viel Hilfe von meinen Schwiegereltern, was mich zutiefst dankbar macht. Ich besuchte acht Wochen eine Tagesklinik und war voller Motivation, gesund zu werden. Dann erfuhr ich, dass mein Mann mich betrogen hatte und brach irgendwie komplett zusammen. In solchen Momenten gab es keine Wut, keinen Stolz, sondern nur die nackte Angst, nicht mehr geliebt zu werden. Anstatt Grenzen zu ziehen, habe ich gefleht, geweint, gebettelt. Heute schäme ich mich dafür. Aber ich bestand nur noch aus Angst.
Mit der beruflichen Ernüchterung, dass mein Freund die Karriere, die er sich gewünscht hatte doch nicht so einfach erreichen konnte, kehrte etwas "Frieden" ein. Er war nicht mehr so kalt und rücksichtslos und ich glaubte, eine Entwicklung zu erkennen. Wir führten lange Gespräche, die tiefgreifend waren und mein Freund begann soetwas wie Bemühungen um mich zu zeigen. Ich begann eine neue Therapie, weil ich wieder für mein Kind allein Sorgen können wollte und mich aus der Abhängigleit befreien. Und damit begann meine persönliche Entwicklung. Ich begann, mich mit meinen zentralen Themen zu beschäftigen und mir eine gewisse reife zu erarbeiten. Ich hatte immer noch solche Angst verlassen zu werden, dass ich gar nicht daran dachte, ob ich diese Beziehung überhaupt noch führen wollte. Aber ich war meinem Mann nicht mehr so ausgeliefert. Ich übernahm Verantwortung für mich, wurde eine kreative Lösungssucherin, verschlang Unmengen von Ratgebern und psychologischen Büchern und arbeitete in der Therapie verbissen an mir selbst.
Nach einer Zeit, in der es (wie ich glaubte) keine Lügen mehr gegeben hatte und mir einbildete, wir wären beide auf einem guten Weg heirateten wir. Ich redete mir ein, dass ich mir über unsere Probleme bewusst, aber fest davon überzeugt sei, wir würden dafür Lösungen finden...

Mein Mann nahm nun zwar Anteil, gestaltete Absprachen für die Familie mit, aber war ganz und gar unfähig, diese einzuhalten. Ob es um das pünktliche Abholen aus dem Kindergarten geht, darum, im Auto in dem unser Sohn mitfährt nicht zu rauchen, oder beim Autofahren mit Kind keine sms zu schreiben, oder vor dem autofahren (nach der Arbeit) keinen Alkohol zu trinken, oder die Klobrille nach Benutzung zu säubern, oder oder oder. Ich kann es ihm lieb, einfühlend, bitten sagen. Ich kann schreien und Forderungen stellen. Mein Mann vergisst es, oder denkt schlicht und einfach nicht nach. Er überlässt sich quasi komplett meiner "Führung". Ich werds schon richten. Er ist in keinster Weise fähig, Verantwortung zu übernehmen. Darüber, ob unsre Kind zähneputzen soll, muss diskutiert werden, weil er keine Lust hat. Ich kann ihn mit unserem Kind bei kühleren Temperaturen nicht losschicken, ohne zu kontrollieren, ob mein Kind eine Jacke und Mütze trägt. Und ich kann meinen Mann nicht mehr Ernst nehmen, unmöglich. Er zeigt jeden Tag, dass er gar kein ernsthaftes Interesse hat, aus autonomen Gründen irgendwas selbst anzupacken, oder mich zu überzeugen, dass man sich auf ihn verlassen kann. Und es tauchen immer wieder Lügen auf. Jetzt nicht mehr aus "böser Absicht", sondern weil mein Mann nicht nachdenkt, oder für sich selbst etwas legitimiert.
Vor einem Jahr merkte ich das erste Mal, dass wirklich etwas nicht stimmt. Auch wenn mein Mann zu keiner Zeit die Verantwortung in Person ist, oder der Macher schlechthin, oder ein Vorbild an Ehrlichkeit. Aber mir viel auf, dass er phasenweise niedergeschlagen und hoffnungslos war. Und dass auch dies die Momente waren, in denen er Dinge tat, die er hinterher verheimlichte, weil er sie nicht rechtfertigen konnte/wollte.
Ich bat ihm, zum Therapeuten zu gehen, was er dann nach dem Motto "Mama hat gesagt, Du sollst das Zimmer aufräumen auch tat". Nun ist mein Mann aber keine komplette Schlaftablette, wie man aus meiner Beschereibung vielelicht annehmen mag. Er ist ein hochintelligenter Mensch- was seine Bildung betrifft. Und er ist ein Meister des Redens und der Darstellung. So, wie er mich immer wieder und jahrelang überzeugt hatte, dass sich alles ändern würde- genau wie sich selbst, so spielte er nun eine Rolle vor dem Therapeuten. Er ging mit ehrlichen Absichten etwas zu bewegen dorthin und zog komplett blank. Erzählte, dass er sich ständig selbst Wahrheiten zusammen bastelt, die er dann auch selbst glaubt und dass er einen kritischen Beobachter braucht, damit sich etwas bewegt. Aber nach 5 Sitzungen brach er ab, weil der Therapeut komplett eingenommen von seiner Person und seinem Reden war. Das war für ihn die Bestätigung, diese Sache getrost aufgeben zu können. Nach einem weiteren halben Jahr, indem ich Briefe seiner Exfreundinnen bekommen hatte und eine Vielzahl an weiterer ungehaltenen Versprechungen und Vereinbarungen gehört hatte, fühlte ich nur noch Leere.
Als mein Mann mir schliesslich sagte, dass es ihm psychisch so schlecht ginge, dass er Hilfe bräuchte und nun auch bereit sei, diese anzunehmen und sich herausstellte, dass er seit seiner Pubertät starke depressive Phasen hat, in denen ihm alles egal ist und er nahezu alles tut, um diesen Gefühlen zu entgehen und sich positive zu verschaffen, tat ich meine "Pflicht". Dazumal er mir auch wieder etwas neues offenbarte, nämlich, dass er seit einem halben Jahr Drogen konsumiere. Ich fühlte nichts. Das alles konnte mich nicht mehr treffen, ich war wie abgestorben in meinen Gefühlen für ihn.
Ich vereinbarte einen Arzttermin, brachte ihn dorthin, beschrieb dem Arzt die Situation und mein Mann bekam Antidepressive. Ich machte weitere Termine bei der Suchtberatung und bei einem Therapeuten und besuchte auf seinen Wunsch mit ihm heute das erste Mal eine Eheberatung. Aber fühlen tue ich nichts, ausser zunehmende Verachtung. Ich will es nicht, aber ich kann nicht anders.
Seit einiger Zeit habe ich mit der GFK begonnen, die für mich selbst ein Stück Heilung bedeutet, aber vor allem für mich in Hinsicht Erziehung der richtige Weg ist.
Mein Mann war anfangs auch komplett begeistert, hat allen davon erzählt, Ratschlege gegeben, bis er wie so oft feststellte, dass auch diese Umsetzung Anstrengungen erfordert. Aber nun fordert er von mir wehemennt ein, ich solle mit ihm so kommunizieren.
Er hält weiterhin Absprachen nicht ein, belügt mich, fordert aber, dass ich auf wertschätzende Art mit ihm kommuniziere. Ich weiß, dass jeder Mensch ein Recht auf Respekt hat. Aber ich kann das gerade nicht aufbringen.
Ich gehe bald in eine Klinik und hoffe, dass ich danach ein selbstsändiges Leben führen kann, mit meinem Kind (das natürlich immer Kontakt zum Papa behalten soll).
Mit meiner Ehe bin ich jetzt gerade am Ende. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder etwas positives und respektvolles empfinden kann, für meinen Mann. Ein Teil meines Herzens hat ihn aber immer noch lieb und diesem ist er immer noch wichtig. Wir sind Eltern. Ich möchte mit meinem Mann kommunizieren, respektvoll, egal was war. Marshall sagt, GFK hat keine Grenzen, ausser die Zeit. Wie kann ich Einfühlung für meinen Mann aufbringen, trotz all dem Schmerz?
Es tut mir Leid, dass es soviel Text geworden ist. Vielleicht möchte auch niemand bis hier lesen, ich könnte es verstehen!

Offline miaflorentine

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Re: Gewaltfrei kommunizieren mit meinem Mann- finde keinen Weg
« Antwort #1 am: 02. November 2012, 01:42:18 »
Ich möchte noch hinzufügen, dass ich nun jahrelang komplett um meinen Mann und unsere Ehe gekreist bin. Ich habe alles in meiner Macht stehende getan, um Lösungen zu finden, in jeder einzelnen Situation. Ich bin dabei dermaßen kreativ und hochmotiviert gewesen. Habe immer, immer wieder die Verbindung und den Kontakt gesucht in der ehrlichen Hoffnung, es ließe sich etwas bewegen. Als mein Mann mich betrogen hatte, habe ich auf mich geschaut und auf die Ursachen, an denen ja immer beide beteiligt sind. Ich habe mich auf den Kopf gestellt, um mit meinem Mann in Verbindung zu bleiben, trotz Schmerz, trotz Wut. Habe alles übernommen, was ich eben tun kann, um Konfliktpotenzial abzubauen.
Habe Vereinbarungen angeregt, die den Möglichkeiten meines Mannes entsprechen.
Aber jetzt habe ich nicht mal mehr das Bedürfnis, Dinge mit meinem Mann zu klären, weil da einfach keine Basis ist. Ob er zusagt, oder in China fällt ein Sack Reiss um. Ich weiß ja, dass seine Zusage nichts bedeutet. Das macht mich sehr einsam. Und ich begreife es nicht. Er ist selbst einfach keine Instanz. Er hat zwar verbal moralische Werte, aber wenn er etwas tut, dann springt bei ihm keine Kontrollleuchte an, die ihm sagt, dass das vielleicht grade nicht richtig ist. Und wenn doch, dann findet er für sich selbst Wege, es zu legitimieren.

Offline miaflorentine

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Re: Gewaltfrei kommunizieren mit meinem Mann- finde keinen Weg
« Antwort #2 am: 02. November 2012, 01:47:13 »
... und was mich besonders enttäuscht.. er liebt unseren Sohn so sehr. So sehr. Und wenn es um ihn geht ist er auch immer zu konstruktiven Gesprächen bereit und bemüht sich, diese umzusetzen. Und doch macht er auch nicht davor halt Dinge zu tun, die unserem Sohn evtl. schaden können, oder risikoreich sind. Er ist mit ihm unter Drogeneinfluss Auto gefahren. Bleibt die ganze Nacht wach, auch wenn er am nächsten Tag eine längere Strecke mit ihm im Auto zu fahren hat. Raucht heimlich in seinem Auto, während unser Sohn dabei ist. Und eine Menge "harmloser" Dinge wie einfach liegen bleiben, wenn ich nicht da bin und den Kiga versäumen, bzw. zu spät kommen. Süßes statt Mittagesen, stundenlang Fernsehen, keine zähneputzen- all sowas. Und ich verstehe es einfach nicht!!!!

Offline Claudia

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Re: Gewaltfrei kommunizieren mit meinem Mann- finde keinen Weg
« Antwort #3 am: 04. November 2012, 19:10:56 »
Hallo, Miaflorentine,


danke für Deine Offenheit. Ich möchte Dir dazu lieber in einer persönlichen Nachricht antworten, schaffe das aber kräftemäßig heute nicht mehr.


Herzliche Grüße

Claudia
Unsere neuen oder erneuerten Beziehungen sind durchweg in Augenhöhe

Offline miaflorentine

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Re: Gewaltfrei kommunizieren mit meinem Mann- finde keinen Weg
« Antwort #4 am: 04. November 2012, 19:26:01 »
Danke Claudia. Bitte tue es auch Morgen nur, wenn Du wirklich magst. Ich merke ja, dass mein Thema nicht einfach ist. Lg

Offline matameko

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Re: Gewaltfrei kommunizieren mit meinem Mann- finde keinen Weg
« Antwort #5 am: 22. November 2012, 22:18:55 »
Krasse Geschichte... meine Augen sind beim Lesen gefühlt etwa doppelt so groß geworden.
Danke fürs Teilen und dein Vertrauen. Dein Beispiel, direkt aus dem Leben gegriffen, sehe ich als eine große Bereicherung für dieses Forum. Es gibt nicht so viele Leute, die sich trauen so etwas
intimes über sich zu schreiben, auch nicht anonym. 

Vertrauen ist vermutlich ein gutes Stichwort dazu? ... In deiner Situation könnte ich meinen Bedarf nach Vertauen wahrscheinlich garnicht mehr erfüllen, zumindest nicht mit Hilfe des Partners. Vertrauen ist bei mir selbst ein Thema, das schon mit einigem an Schmerz verbunden war und deshalb bewundere dein Bemühen in die Richtung. Ich bezweifle, dass ich die Kraft dazu gehabt hätte.
Deine Beschreibungen lesen sich für mich so, als würdest du gerade eine Art Abschluss einer Lebensphase machen / ein Fazit ziehen? Daher ist dir vielleicht indirekt auch schon klar wie es weiter geht? Hast du eine Idee wie wir dich unterstützen könnten?

>Wir sind Eltern. Ich möchte mit meinem Mann kommunizieren, respektvoll, egal was war.
Das gefällt mir und ich erinnere mich dabei an das Modell der Beziehungs-Schals. Ich mag bildliche Vorstellungen:
http://matameko.bplaced.net/mediawiki/index.php?title=GFK#Methode_ESPERE
Zitat
Wenn sich Eltern scheiden lassen und ihrem kleinen Kind die Situation erklären möchten, können sie z.B. zusammen mit den Kind ein Bild malen. Auf dem Bild gibt es Personen und Schale in verschiedenen Farben. So ist es möglich zwischen der Paarbeziehung und der Beziehung als Eltern zu unterscheiden. Es macht einen Unterschied einem Kind zu sagen: "Ich trenne mich von deinem Vater" oder: "Ich trenne mich von meinem Mann und ich werde als Mutter weiterhin für dich da sein". Im ersten Fall könnte das Kind denken, dass es die Ursache für die Scheidung sei, da sich die Mutter ja von seinem Vater trennt. (Die Sätze lassen sich natürlich auch aus der Sicht des Vaters formulieren.) Mit dem Bild kann dem Kind erklärt werden, dass durch die Scheidung die Paarbeziehung (z.B. blauer Schal) und nicht die Beziehung als Eltern (z.B. grüner Schal) zwischen Vater und Mutter beendet wird.
 
Natürlich leichter gesagt als getan. Kannst du mit dem Bild etwas anfangen?
« Letzte Änderung: 22. November 2012, 22:20:43 von matameko »

Offline miaflorentine

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Re: Gewaltfrei kommunizieren mit meinem Mann- finde keinen Weg
« Antwort #6 am: 22. November 2012, 22:47:56 »
Guten Abend,

ich bin ganz überrascht, habe gar nicht mehr mit einer Antwort gerechnet, freue mich aber.
Danke für deine Worte, es ging mir auch schwer von der Hand, weil viel Scham darüber lebendig ist, nicht in einer "normalen" Ehe zu leben.

Ja, Vertrauen, letztendlich das Bedürfnis nach Sicherheit sind ein zentrales Thema. Ich denke, dass ich dieses große Wort für meinen Mann nur noch ganz gewählt benutze. Sage ich, dass ich ihm nicht mehr vertraue und überprüfe es dann auf seine Richtigkeit, stelle ich fest, dass es nicht die Wahrheit ist. Ich vertraue ihm zum Beispiel, dass er für mich da ist, wenn es mir schlecht geht. Aber in Bezug auf Treue und Verantwortungsbewusstsein- nein. Ist aber auch gar nicht möglich. Mein Mann ist dazu gar nicht fähig. Auch diese Erkenntnis ist für mich wichtig. Wenn ich ihm abringe, sich vernünftig zu verhalten, dann ist es, als würde ich von einem dreijährigen verlangen, sich zusammen zu reißen. Er tut vieles nicht aus böser Absicht. Er kann es nicht besser. Das macht mich einsam, weil es sinnlos ist, mit ihm zu reden.
Aber ich will mir vertrauen. Mir vertrauen, dass ich die Kraft habe zu gehen, wenn es so weiter geht. Mir vertrauen, dass ich Lösungen finde, wenn es soweit ist.

Ich weiß nicht, ob ich am Ende einer Lebensphase bin. Innerlich ganz gewiss. Ich habe mich auf einen Entwicklungsweg gemacht und bin sehr glücklich damit!
Leider habe ich keine Idee, wie man mich unterstützen kann. Ein bisschen Anteil nehmen, dass fühlt sich gut an. Danke dir!
Und danke für das Bild, es entspricht ganz meiner Überzeugung und macht nochmal mehr KLarheit für mich. Klarheit, die gut ist, wenn eine Trennung auf mich zu kommt. Aber auch schon jetzt, wo die Verbindung als Liebende schon so störanfällig ist, dass man gut daran tut, seine Orientierung aus der Elternrolle zu beziehen.

Magst Du von deinem Schmerz erzählen? Lg

Offline matameko

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Re: Gewaltfrei kommunizieren mit meinem Mann- finde keinen Weg
« Antwort #7 am: 23. November 2012, 08:34:46 »
Der hängt unter anderem mit einer Fernbeziehung zusammen die beiderseits einige Bedürfnisse nicht erfüllen konnte. Über Details dazu möchte ich gerade nicht sprechen/schreiben weil mir eine Art Exklusivität wichtig ist.

>Das macht mich einsam, weil es sinnlos ist, mit ihm zu reden.
Hmm, jemanden nahe und gleichzeitig doch irgendwie alleine zu sein weil die Verbindung nicht klappen mag... hört sich für mich ziemlich traurig an.

Insgesamt wird mir durch deine Beschreibungen mal wieder bewusst wie gut es mir als Single eigentlich geht. ;)