Autor Thema: Nonviolent Communication Training Course - Marshall Rosenberg  (Gelesen 4132 mal)

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Offline Sina

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Ich höre mir seit einiger Zeit die englischen Texte von Rosenberg an
und hab angefangen den 1. Teil seines 8-teiligen Übungskurses zu übersetzen.
Nicht wörtlich, sondern das meiste nur sinngemäß, weil er sich viel wiederholt.
Das ist sehr angenehm zum  Hören, grade wenn man nicht alles gleich versteht.
Aber zum Schreiben und zum Lesen ist es zu viel.
Ich veröffentliche das hier, weil es vielleicht auch jemand
mit wenig Englischkenntnissen hilfreich findet.

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Nonviolent Communication Training Course - Marshall Rosenberg - Session 1 - CNVC.org
http://www.youtube.com/watch?v=EfaKIhtR3ro&list=PL0F3C8F059FFB4E58
Marshall Rosenberg stellt sich und sein Programm vor. In dieser Sitzung (Session 1) erzählt  er,
wie er zu diesem Programm kam und wie hilfreich es für ihn und viele andere ist.
Er mag den Titel Nonviolent Communication nicht so gern, weil es sagt, was es nicht ist,
nämlich non-violent, also nicht gewalttätig. (bei uns heißt es gewaltfrei)
Und es geht nicht nur um die Kommunikation, es betrifft die ganze Einstellung.
Es geht um eine Haltung, die das Leben unterstützt.

1943 ist er mit seiner Familie nach Detroit gezogen, mitten in die Rassenkämpfe.
Sie waren 4 Tage in ihrem Haus eingeschlossen, in der Zeit wurden in der Nachbarschaft
30 Menschen getötet. Das war eine schlimme Erfahrung für ihn als kleinen Jungen,
dass Menschen einander wegen der Hautfarbe verletzen wollen.
Und schon am ersten Schultag wurde er wegen seines jüdischen Namens verdroschen.
Und immer wieder.
Und er fragte sich, warum Menschen sich wegen des Namens
und der Hautfarbe gegenseitig verletzen.

Zur selben Zeit hatte er ein anderes starkes Erlebnis von ganz anderer Art.
Er sah, dass Menschen sich mit Mitgefühl umeinander kümmerten
auch unter schwierigen Bedingungen.
Seine gelähmte Großmutter wurde von seiner Mutter  versorgt
und jeden Abend kam ein Onkel, der ihr half und sich liebevoll
um die Pflege der Großmutter kümmerte.
Was Rosenberg besonders beeindruckte war das wunderbare Lächeln,
das der Onkel die ganze Zeit auf seinem Gesicht hatte.
Die Reinigung eines gelähmten Menschen ist nicht einfach,
trotzdem lächelte der Onkel die ganze Zeit so schön.

So entstand die Frage in R. wie es kommt, dass einige Menschen
das Leid ihrer Mitmenschen genießen konnten, und es auch gern selbst verstärkten,
während andere Menschen mitfühlend reagierten
und gern zum Wohlbefinden der anderen beitrugen.
http://www.youtube.com/watch?v=EfaKIhtR3ro&feature=player_detailpage&list=PL0F3C8F059FFB4E58#t=347s

Daher studierte er Psychologie und Psychiatrie, weil er herausfinden wollte,
warum Menschen gewalttätig sind, und um die Gewalt  in diesen zu transformieren.
Denn er war überzeugt, dass Mitgefühl unser natürliches Wesen sei,
und dass gewalttätige Menschen eine psychische Störung,
eine mentale Krankheit haben müssten, und die wollte er heilen.

Kurz bevor er seinen Doktor in Psychologie machen wollte,
erfuhr er von seinem Professor Michael Hakeem, dass Psychologie und Psychiatrie
nur begrenzt helfen können. Und dass es nicht so sehr eine mentale Fehlfunktion sei,
eine Krankheit, sondern aus den Strukturen unserer Gesellschaft resultiert.
Diese Erkenntnis war nach 8 Jahren Universitätsstudium sehr erschütternd.

Nach dem Studium eröffnete er eine private Praxis, um Menschen zu helfen,
sich von ihrer Gewalt zu befreien. Aber die Dinge, die er im Studium gelernt hatte,
waren nicht sehr hilfreich. Ja, die Menschen kamen gern zu ihm und erzählten ihm gern,
aber sie machten kaum Fortschritte.
Also fragte er sich nicht mehr, was falsch war mit den Menschen,
sondern, wie Menschen „gemeint“ waren.
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=EfaKIhtR3ro&list=PL0F3C8F059FFB4E58#t=600s   (bei 0:10:00)

Er studierte etwa ein Jahr lang die verschiedenen Religionen
und fand heraus, dass alle etwa dasselbe sagen:
Dass Mitgefühl der Sinn unseres Lebens sei.
Beitragen zum gegenseitigen Wohlbefinden, aus der Freude heraus,
die sich natürlich einstellt, wenn wir unsere enorme Kraft dafür einsetzen,
das Leben zu bereichern. Unser Leben und das Leben der anderen Menschen.

Es wurde in allen Religionen so ähnlich gesagt. Also warum tun wir es nicht?
Und da fielen  ihm die Worte seines Professors ein,
dass wir nicht zum Mitgefühl erzogen wurden, sondern zur Unterordnung
unter die Dominanz-Strukturen unserer Gesellschaft.
Diese Strukturen behaupten, dass es Menschen gibt, die über andere bestimmen.
Die sagen können, was richtig und was falsch ist.

So erkannte R., dass die Sprache und das Denken und die Anwendung von Macht
dazu geführt haben, dass wir unsere natürliche Anlage verlernt haben und gewalttätig wurden.
Und er fragte sich, was nötig wäre, welche Art Fähigkeiten wir brauchen,
um Mitgefühl zu entwickeln. Denn die Religionen gaben keine klaren Anleitungen.

Also beobachtete er die Menschen, die er am meisten respektierte,
die es zu genießen schienen, anderen zu helfen und etwas zu geben.
Und er studierte die verschiedenen psychologischen Untersuchungen,
um herauszufinden, welche Entwicklungsmerkmale zu einem mitfühlenden Leben führten.

Daneben achtete er auch auf die Unterschiede zwischen dem Benehmen und der Sprache,
die er bei mitfühlenden Menschen fand und jenen, die er in seiner Praxis und im Alltag sah.
Aus diesen Beobachtungen und Studien entwickelte er die „Nonviolent Communication“
die Gewaltfreie Kommunikation.

Diese besteht aus dem Vorsatz, anderen und sich selbst mitfühlend zu begegnen.
Das heißt, dass wir alles, was wir tun, bereitwillig tun.
http://www.youtube.com/watch?v=EfaKIhtR3ro&feature=player_detailpage&list=PL0F3C8F059FFB4E58#t=900s    (bei 0:15:00)

Nicht aus Schuld oder Scham, oder Angst vor Strafe, oder um Liebe zu kaufen,
nicht aus Unterwerfung unter die Erwartungen, die andere an uns haben…
Nein, alles was wir tun, tun wir aus der Freude heraus, zum Leben beizutragen.
Unserem eigenen Leben und dem Leben anderer.

In seine Praxis kamen Menschen mit Depressionen, Kinder mit Schulproblemen,
Paare mit Eheproblemen, und R. fand, dass der Prozess, den er zusammengefügt hatte,
 viel hilfreicher und heilsamer war, als das, was er in der Uni gelernt hatte.
Zuerst war er schockiert, weil es so anders war, keine Analyse, keine Psychotherapie!

Es schien zu einfach, dass eine andere Art des Benehmens, des Denkens,
und der Sprache so einen schnellen Wandel hervorbrachte,
während es sonst Monate dauerte, ohne die selben Erfolge zu zeigen.

Aber als er die Macht dieses neuen Programms hatte, wollte er es anders anbieten. 
Denn die Menschen, die zu ihm kamen, glaubten, dass sie falsch waren, psychisch krank.
Dieses Konzept einer psychischen Störung, die behoben werden müsste,
ist destruktiv und stört die menschliche Entwicklung.
Er geht in weiteren Kapiteln noch näher darauf ein.
http://www.youtube.com/watch?v=EfaKIhtR3ro&feature=player_detailpage&list=PL0F3C8F059FFB4E58#t=1080s      (bei 0:19:00)

Also bat er die Menschen, denen er geholfen hatte, um Rat,
wie man das Programm zu den Menschen bringen könnte.
Jene, die es hilfreich fanden, erzählten es weiter.
So breitete sich das Programm aus, und bald war R. in den ganzen USA unterwegs.

Damals waren die Menschen über die zerstörerischen Rassenunruhen besorgt.
Sie wollten sich von der Art des Denkens befreien, das zu den Rassenkriegen beitrug.
Und sie fanden es sehr hilfreich für einen respektvollen Umgang miteinander.
Der neue Ansatz half auch, Streit zwischen gegnerischen Gruppen zu schlichten.
Danach gab es Einladungen zu Menschen, die wegen Sexismus besorgt waren.
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&list=PL0F3C8F059FFB4E58&v=EfaKIhtR3ro#t=1230s       (bei 0:20:30)

Ein Problem bei diesen Reisen war, dass diese Menschen oft wenig Geld hatten,
und die Hotelübernachtungen waren teuer.
Also schlief R. meist draußen, und das war kein Problem,
wenn das Wetter gut war, denn er hatte einen guten Schlafsack.
Aber im Winter oder bei Regen war es sehr unangenehm,
also suchte er zum Schutz in der nächsten Stadt ein Gebäude mit Dachüberstand.
Eines Abends wollte er sich grade in seine Schlafsack legen,
als die Polizei kam und ihn fragte, was er da mache und ihn durchsuchte.

Dies erzählte er einigen Freunden, die ihn bei einem späteren Treffen neckten,
dass er die Polizei so erschreckt hatte.
Eine Frau fragte  ihn, warum er draußen schlief, und er erklärte es.
Beim Abschluss des Seminars gab sie ihm einen Scheck über eine gute Summe.
Sie sagte, sie knüpfe die Bedingung daran, dass er in Hotels übernachten würde.
Er wollte den Scheck nicht annehmen, denn so viel Geld
 würde er nicht dazu verwenden, Hotelbesitzer zu bereichern,
sondern sich einen Wagen kaufen,  in dem er unterwegs schlafen könne
und einen PC, weil ihm Mailinglisten seine Arbeit erleichtern würden.
Seither schläft er nicht mehr draußen.
Und dann gab sie ihm den Rat, eine gemeinnützige Gesellschaft zu gründen.
Das würde ihr helfen, denn sie könnte den Betrag absetzen.
Da es ihn zu überwältigen drohte, bat er andere um Unterstützung.
Aus Kanada und USA kamen 23 Menschen, die ihm halfen.
Sie waren so effektiv, dass er viele Einladungen bekam und sah,
wie kostbar die Gewaltfreie Kommunikation war.
http://www.youtube.com/watch?v=EfaKIhtR3ro&feature=player_detailpage&list=PL0F3C8F059FFB4E58#t=1560s      (bei 0:26:00)

Und er war überzeugt, dass er nicht der einzige sein sollte, der sie verbreitete.
Er erfuhr von dem brasilianischen Bildungsminister Paulo Freire
der dafür sorgte, dass jeder, der lesen konnte, es weiter vermittelte.
Er integrierte in dies Programm auch ein politisches Bewusstsein.
Als er begann, konnte nur 3 % lesen und schreiben,
doch in kurzer Zeit waren es  85% der Bevölkerung!

Dies regte R. an, den Prozess der GfK so klar zu machen,
dass die Menschen es sich gegenseitig beibringen konnten.

Er begann in 3 Städten: San Francisco, Toronto (Kanada) und Norfolk (Virginia).
Und so verbreitete es sich weiter.
Die nächsten Stationen waren Schweiz, Deutschland, und weiter in Europa.
Das war vor etwa 30 Jahren.
Heute sind es Projekte in über 50 Ländern mit vielen Mitarbeitern.
Es war also eine sehr schnelle Verbreitung.
http://www.youtube.com/watch?list=PL0F3C8F059FFB4E58&v=EfaKIhtR3ro&feature=player_detailpage#t=1783s          (bei 29:42)

Nun kommen wir zu dem Prozess an sich.
Vor allem erfordert es eine radikale Transformation der Sprache.
Seit etwa 10.000 Jahren leben wir in „Dominanz-Strukturen“, 
in denen einige den Anspruch erheben, die anderen zu kontrollieren.

Manche nennen sich Könige, manche Zaren, aber wie sie sich auch nennen,
um ihre Macht aufrecht zu erhalten, benötigen sie Menschen,
die zum Gehorsam erzogen wurden.

Wie macht man das? Indem man sie eine Sprache lehrt,
die sie von ihrer eigenen Macht trennt.
Und nach einer Autorität suchen, die ihnen sagt, wie sie leben sollen.
Dafür wird eine statische Sprache gebraucht, die beschreibt, was Menschen sind.
Gut oder schlecht, richtig oder falsch, normal oder unnormal.
Eine Sprache die die Menschen beurteilt.
Ihr Benehmen, ihre Erscheinung, ihre Intelligenz…

Und zusätzlich muss man die Menschen Vergeltungs-Justiz lehren.
Wer etwas getan hat, was die Autorität als böse bezeichnet,
verdient Strafe, muss dafür leiden, büßen.
Und wer etwas gut gemacht hat, der verdient Belohnung.

R. glaubt, dass diese Kombination die Ursache für die Gewalt auf unserm Planeten ist.

http://www.youtube.com/watch?list=PL0F3C8F059FFB4E58&v=EfaKIhtR3ro&feature=player_detailpage#t=2002s      (bei 0:33:22)
Gewaltfreie Kommunikation bietet uns eine völlig andere Sprache an.
GfK konzentriert sich nicht auf Bewertungen, sondern auf menschliche Bedürfnisse.
Ob sie erfüllt sind oder nicht.
Sind sie nicht erfüllt, sucht man nach Möglichkeiten, sie zu erfüllen.
Sind sie erfüllt, lasst uns feiern!

Dies ist eine radikale Abkehr von der beurteilenden Dominanzsprache.

GfK hat einige wichtige Mitteilungsformen, die uns helfen,
unsere Bedürfnisse auszudrücken und die Bedürfnisse der andern zu verstehen.

Erstens klare Beobachtungen, mit denen wir den andern sagen,
ob ihre Handlungen unsere Bedürfnisse erfüllen oder nicht.
Ein anderer Teil sind Gefühle, die sagen uns,
ob unsere Bedürfnisse erfüllt sind oder nicht.
 Erfüllte Bedürfnisse erzeugen angenehme Gefühle,
unerfüllte Bedürfnisse erzeugen unangenehme Gefühle.
Und schließlich äußern wir eine Bitte, um ein Bedürfnis besser zu erfüllen.

Diese 4 Teile sind die Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation:
Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte.

Das hat Rosenberg in seinen 20 Jahren Schulbesuch nicht gelernt.
In solch einer Umgebung lernen wir nicht die Sprache des Lebens.
Wir lernen, der Autorität zu gehorchen.

GfK führt uns zu 2 Fragen: Was ist lebendig in uns, und was bereichert das Leben?
Und was ist in den andern Menschen lebendig, und was bereichert ihr Leben?

R. sagt, dass jedermanns Bedürfnis mitfühlend erfüllt werden kann,
aber wir müssen Folgendes vermeiden:
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=EfaKIhtR3ro&list=PL0F3C8F059FFB4E58#t=2340s      (bei 39:00)
1. Wir müssen vermeiden, eine Sprache zu benutzen,
die wie Kritik oder Vorwurf oder Beleidigung klingt.
2. Und dann müssen wir unsere Bitte nicht so äußern, dass sie wie eine Forderung klingt.
Wenn Menschen Kritik oder Forderungen hören,
ist es für sie schwierig, es zu genießen, zum Wohlbefinden der andern beizutragen.
Wir müssen vermeiden, durch Schuld oder Scham andere zu manipulieren.

Auch wenn der Andere tut was man wünscht, wenn er aus Schuld oder Scham tut,
ist es sehr teuer für beide Seiten, weil nicht aus dem Herzen heraus gegeben wird.

http://www.youtube.com/watch?list=PL0F3C8F059FFB4E58&feature=player_detailpage&v=EfaKIhtR3ro#t=2432s   (bei 40:42)
Und wir verzichten auf jede Art von Strafe.

« Letzte Änderung: 11. Juni 2013, 17:39:25 von Sina »