Autor Thema: Buchtipp: Gewaltfreie Kommunikation für Dummies  (Gelesen 2954 mal)

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Offline Claudia

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Buchtipp: Gewaltfreie Kommunikation für Dummies
« am: 12. Januar 2014, 16:07:51 »
Hallo, Foris,

vor vier Wochen fragte Al Weckert in die Trainer-Gemeinschaft, wer Lust hätte, sein neues Buch „Gewaltfreie Kommunikation für Dummies“  vorab zu lesen und eine Rezension zu schreiben. Da ich schnell und laut "hier" geschrieen habe, gelangte das Belegexemplar kurz vor Weihnachten zu mir und ich habe inzwischen viele frohe Stunden damit zugebracht.

Zunächst die Beobachtung:
Taschenbuch: 312 Seiten
Verlag: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA; Auflage: 1. Auflage (11. Dezember 2013)
Preis: 16,99 Euro



Ich bin mit sehr niedrigen Erwartungen an dieses Buch gegangen. Zum einen habe ich solide Vorurteile gegen den Titel/die Buchreihe "... für Dummies", weil ich mich eben nicht für dumm halte, auch wenn ich von manchen Themen nur wenig bis gar nichts weiß. Zum zweiten besitze ich fast zwei Meter GfK-Literatur und komme beim Lesen von Neuerscheinungen fast immer zu dem Ergebnis, dass an eben jenem Buch nur wenig bis gar nichts neu ist.

Das neue Standardwerk der GfK
Dieses Buch von Al war damit eine überwältigende Überraschung. Es bietet wirklich alles, was ich mir in den vergangenen acht Jahren von einem GfK-Buch erhofft habe und bisher nicht fand.

Es erläutert eben nicht nur die vier Schritte, das Geheimnis der Empathie und die Kunst, gewaltfrei nein zu sagen. Vielmehr vereint es auf 312 Seiten Grundlagenwissen, praktische Übungen, wissenschaftliche Erkenntnisse rund um die GfK, um aktives Zuhören, Interessantes über Körpersprache und Gesichtsausdrücke, Konfliktmanagement und einen umfangreichen Teil über Gewaltfreie Kommunikation in Beruf, Erziehung und Partnerschaft. Dazu reichert Weckert das Kompendium mit einem Kapitel über GfK und Mediation an.

Was mich an diesem Buch besonders begeistert

  • Überblick über alle gängigen GfK-Themen von Achtsamkeit bis Zuhören
  • Klare, sehr gut verständliche Sprache
  • Eine anschauliche Themenführung im Buch
  • Tipps für den Umgang mit Vielrednern
  • Auch junge Methoden wie systemisches Konsensieren finden hier Erwähnung
  • Originelle Ideen, um Theorie in die Praxis zu bringen.
So erläutert er beispielsweise das Eskalationsmodell nach Glasl anhand eines Hollywood-Klassikers. Und "un-empathische" Antworten kassiert jemand, dessen heiß geliebtes Fahrrad gerade von einem Betonmischer überfahren wurde.


Wissen für Anfänger und Trainer
Ich bin auch deshalb besonders begeistert von diesem Buch, weil es mir als Trainerin noch einmal viele neue Ansätze für Übungen, Spiele oder andere Methoden der Wissensvermittlung bietet. Hier schreibt ein Experte aus seiner mehrjährigen Praxis, das wird auf jeder Seite deutlich. Besonders beglücken mich die Querverweise zu anderen Büchern. An einigen Stellen fand ich damit endlich die Hinweise auf Quellen, die ich bisher auch mit meinem schönsten Bemühen nicht ausfindig machen konnte. Erstaunt hat mich, dass Al Weckert Marshall Rosenberg als Urheber des Begriffes "Beauty of Needs" (Schönheit der Bedürfnisse) benannte. Nach meinem bisherigen Kenntnisstand handelt es sich um ein Konzept von Robert Gonzales. Man lernt ja gern dazu...

... und das ist schade ...

Ich hätte es diesem wunderbaren Buch gegönnt, dass der Verlag ihm einen weiteren Korrekturgang spendiert. Falsche Trennungen oder Auslassungen bremsen meinen Lesespaß. Beispiel S. 124:
Trauer wird in diesem Konzept als erster Schritt zur Heilung gesehen, der auf keinen Fall übersp-     rungen werden sollte. So erhalten sowohl diejenigen inneren Anteil Fürsorge, die den Mangel schon lange schmerzlich gespürt haben, als auch diejenigen, die für eine erfülltere Zukunft sorgen möchten.

Die Lektorin hat außerdem ziemlichen Murks hinzugefügt, als sie formulierte:

"Der Fachverband Gewaltfreie Kommunikation entstand mit der amerikanischen Verbandsleitung. Er versteht sich als Anlaufstelle für alle, die sich als Trainer, Berater, Coachs, Mediatoren, Pädagogen, in Familien oder Unternehmen und Organisationen für die Verbreitung der Gewaltfreien Kommunikation einsetzen."



Im Original-Text hieß es hingegen korrekt:
"Der Fachverband Gewaltfreie Kommunikation e.V. versteht sich als Anlaufstelle für alle, die sich als Trainer, Berater, Coachs, Mediatoren, Pädagogen, in Familien oder Unternehmen und Organisationen für die Verbreitung der Gewaltfreien Kommunikation einsetzen."

 
Das ist für jeden Autor schon ärgerlich, wenn Nicht-Kenner der Materie Korrekturen vornehmen, die dann zu falschen Tatsachenbehauptungen führen.

Ein persönliches Anliegen: Eine Überschrift "Zehn Autoren, die Sie gelesen haben sollten" möchte ich in einem GfK-Buch niemals nicht lesen. Aber all das sind Peanuts, die ich nur der Vollständigkeit halber aufführe.

Absolute und uneingeschränkte Kaufempfehlung

Das Buch "Gewaltfreie Kommunikation für Dummies kann ich unbedingt zum Lesen und Weitergeben empfehlen. Ich habe es übrigens gerade fünf Mal gekauft, um immer eins zum Verschenken zur Hand zu haben.
« Letzte Änderung: 12. Januar 2014, 17:47:42 von Claudia »
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