Autor Thema: Traumschule  (Gelesen 3909 mal)

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Offline uwe

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Traumschule
« am: 26. August 2014, 23:07:41 »
In einem anderen Thread (http://www.gewaltfrei-im-norden.de/index.php?topic=2205.msg4368#msg4368) stießen wir auf die Frage nach den persönlichen Traumvorstellungen, wie Schule sein könnte. Das Thema ist mir wichtig genug, hier einen eigenen Strang zu eröffnen.

Meine Jüngste hat in diesem Jahr die Schule abgeschlossen und ich habe gemerkt, dass die Schulzeit meiner Kinder mit viel Frust und Traurigkeit verbunden ist. Ich habe auch in meinem Umfeld Kommentare gehört, die mich glauben lassen, dass sich viele Eltern nicht in der Situation finden mit Schule gemeinsam für ihre Kindern zu handeln, sondern sich mit den Schwächen von Schule zu arrangieren, mehr oder weniger erfolgreich.

Aber wie könnte Schule aussehen? Ich fange mal mit ein paar Ideen an und freue mich auf Ergänzungen und Widersprüche!

  • Lehrer sind in ihrer Grundhaltung den Kindern gegenüber wertschätzend.
  • Lehrer werden unterstützt, indem sie nicht allein unterrichten, und so kollegiales Feedback erhalten und bei Unsicherheiten einen Gesprächspartner haben
  • "Schwierige Schüler" werden mit ihre Bedürfnissen gesehen und nicht ausgesondert
  • Regeln werden vereinbart und nicht verordnet
  • Eltern und Lehrer erleben sich als Partner, die im Interesse der Kinder handeln

Hat noch jemand Ideen oder Ergänzungen oder Frustrationen zum Thema Schule zu teilen?

Offline love_and_mind

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Re: Traumschule
« Antwort #1 am: 28. August 2014, 13:26:58 »
Hallo Uwe,

wie wär's damit:

Lehrer, Schüler und Eltern sind unabhängig von einengenden, direktiven Vorgaben einer übergeordneten Instanz. Sie sind frei eine Schule zu gestalten, die ihren Bedürfnissen gerecht wird.
Ich glaube nicht, dass es einen Direktor gibt. Die Klasse könnte das gleiche Gehalt bekommen, wie die Lehrer, mit denen sie gemeinsam Zeit verbringen.

LG Ingrid
In dem was du sagst zeigst du dich, aber was ich höre liegt bei mir.

Offline uwe

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Re: Traumschule
« Antwort #2 am: 29. August 2014, 00:43:44 »
Hallo Ingrid,

deine Antwort reizt mich. Alle Punkte, die du ansprichst stoßen etwas in mir an, in unterschiedlicher Weise.

Freiheit von einer übergeordneten Instanz ist etwas, das mir auch sehr wichtig ist. Ich krieg' das nur nicht wirklich auf die Schule angewandt. Ich fühle mich gerade wieder in eine Diskussion über die Frage der CNVC Zertifizierung versetzt, hat es wirklich mit "Macht über" zu tun, wenn ich versuche, sicher zu stellen, dass eine Gruppe in bestimmten Standards übereinstimmt? Das Thema scheint mich im Moment zu begleiten.

Genauso wie das Thema der Bezahlung. Das begleitet mich schon eine ganze Weile. Vorweg: Ich finde Geld gut. Der Gedanke, der Bäcker gäbe mir nur Brot, wenn ich sein Auto repariere, also suche ich einen Mechaniker, der vielleicht bereit ist das Auto zu reparieren, wenn ich ihm die Haare schneide, also suche ich... hat für mich nichts reizvolles. Ich wünsche mir aber dieses Paradigma "Leistung gegen Leistung" verlassen zu können.

Es gibt ein Buch "Seelen" von Stephany Meyer (ist kürzlich verfilmt worden, habe ich nicht gesehen, aber das Buch finde ich toll), in dem eine Gesellschaft vorkommt, in der jeder gibt was er/sie kann ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Dafür hat jede(r) in dieser Gesellschaft alles frei. Vom Essen bis zur medizinischen Versorgung. Eine Utopie, die ich wirklich reizvoll finde. Ich wünsche mir sehr, irgendwann z.B. GFK Kurse anbieten zu können, die so funktionieren: ich teile einfach meine Erfahrungen mit GFK ihn jede Erwartung. 

Dann erhalten Lehrer und Schüler gar kein Gehalt. Sie brauchen keins, weil Sie sich nicht um Ihr Leben sorgen müssen.

Meine Traumschule steht allerdings in der Welt, die ich kenne, da brauchen die Kinder kein Gehalt, weil für sie ihre Eltern sorgen, die Lehrer brauchen eins, weil sei für ihre Kinder sorgen müssen. Ein bisschen die Situation von GFK Kursen, in denen die Trainer einen Beitrag verlangen müssen, weil sie halt Leben finanzieren müssen.

Ziemlich schwierig für mich.

lg Uwe

Offline love_and_mind

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Re: Traumschule
« Antwort #3 am: 30. August 2014, 12:23:39 »
Hallo Uwe,
ich denke wir stimmen darin überein, dass es beim Thema Schule immer noch viel zu oft Anlass gibt um deprimiert zu sein. Meiner Meinung nach reicht es einfach nicht, wenn sich alle "ein bisschen mehr Mühe geben". Damit kommt man schon auch voran, die Zeit bleibt ja nicht stehen, aber halt nur „millimeterweise“. 

Schüler und! Lehrer haben einfach sehr wenig Spielraum und müssen vorgegebene Strukturen bedienen. Ich finde, dass das Leben was Kindheit und Schule angeht viel schöner sein sollte.

Macht an die direkt Betroffenen abzugeben, hat in meinen Augen sehr viel mit Wertschätzung zu tun.

Meine Traumschule steht allerdings in der Welt, die ich kenne, da brauchen die Kinder kein Gehalt, weil für sie ihre Eltern sorgen, ...
Nur so am Rande, Frauen brauchten vor nicht allzu langer Zeit auch kein Gehalt, weil ihre Männer für sie sorgten. Heute undenkbar…

Lieber Uwe, wenn du mehrere neue Themen in einem Post anschneidest fühle ich mich teilweise etwas ratlos und unbehaglich, weil mir Übersichtlichkeit und Klarheit wichtig ist. Wäre es ok für dich deine Texte dahingehend durchzusehen und gegebenenfalls auch etwas zu kürzen bevor du sie abschickst?

Viele Grüße Ingrid
In dem was du sagst zeigst du dich, aber was ich höre liegt bei mir.

Offline uwe

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Re: Traumschule
« Antwort #4 am: 31. August 2014, 01:21:16 »
Liebe Ingrid,

nachdem ich dein Posting gelesen habe war ich etwas ratlos und hilflos. Es ist mir wichtig, so zu schreiben, dass die Inhalte, die mir wichtig sind auch gehört werden können. Deshalb kann ich nicht nur ein klares JA sagen zur Bitte meine Texte dahingehend durchzusehen, sondern sogar feierlich erklären, dass ich das tue.

Hilft nur nicht viel, weil ich ja weiß, was ich ausdrücken möchte und mir meine Texte klar, strukturiert und nicht zu lang erscheinen. Wärst du bereit mich darin zu unterstützen, mich deutlicher auszudrücken?

Konkret vermute ich, dass du dich auf mein letztes Posting in diesem Strang beziehst. In meiner Welt habe ich da überhaupt keine neuen Themen angeschnitten, sondern nur auf deinen Beitrag hin berichtet, was in mir bewegt wurde.

Wenn ich den Text jetzt noch einmal ansehe, finde ich die Themen Freiheit versus "Macht über" und Geld im Sinne von Bezahlung für Leistung. Meinst du das?

Zum ersten Thema lese ich deinen Beitrag so, dass es dir wichtig ist, dass in der Schule keine Macht über die Kinder ausgeübt wird. Da bin ich ja zu 100% deiner Meinung, ich denke, dass dieses Machtthema ein ganz wesentlicher Störfaktor in Schule ist. In meinem Beitrag wollte ich ausdrücken, dass der Verzicht auf Machtausübung für mich nicht dazu führen darf, dass gar kein Rahmen mehr vorhanden ist. Wenn du das anders siehst, mag ich gerne hören, warum du die Gefahr der Beliebigkeit nicht siehst und darauf vertraust, dass in völliger Selbstbestimmung ein gutes Ergebnis entstehen kann, ich kann das Vertrauen so nicht aufbringen.

Zum zweiten Thema denke ich dass meine Formulierung "Meine Traumschule steht allerdings in der Welt die ich kenne..." dich vielleicht getriggert hat, so erkläre ich mir deinen Vergleich der Situation der Kinder mit der der Frauen vor 40 Jahren. Korrigiere mich gerne, wenn ich irre. Worauf ich hinaus wollte ist einfach, dass ich mir schon Kontexte vorstellen kann in denen die Kinder gezwungen sind zur Ernährung der Familie beizutragen und deshalb einen Geldbetrag bekommen sollten, der ihnen erlaubt auf die Erwerbsarbeit zu verzichten um zur Schule zu gehen, dass das aber hier in meiner Welt, sprich in Deutschland im 21. Jahrhundert keine Rolle spielt und deshalb für mich nicht passt.

Wird damit etwas deutlicher, was ich sagen wollte?

lg Uwe

Offline love_and_mind

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Re: Traumschule
« Antwort #5 am: 01. September 2014, 08:50:33 »
Hallo lieber Uwe,

offensichtlich habe ich mich jetzt etwas unverständlich ausgedrückt. Ich glaube nicht, dass ich ein Problem damit habe dich zu verstehen, dein Schreibstil macht das Verstehen tatsächlich sehr einfach. Ich fand es nur mühsam auf ein Post zu antworten, das unter dem Titel „Traumschule“  die CNVC Certifizierung, das Thema Geld im allgemeinen und die Situation als Trainer im besonderen anspricht. Das sind interessante Themen, die in sich umfangreich und nicht einfach sind. Ich frage mich gerade, ob du dir hierauf als du es geschrieben hast überhaupt ein Feedback gewünscht hast?
Zum ersten Thema lese ich deinen Beitrag so, dass es dir wichtig ist, dass in der Schule keine Macht über die Kinder ausgeübt wird. Da bin ich ja zu 100% deiner Meinung, ich denke, dass dieses Machtthema ein ganz wesentlicher Störfaktor in Schule ist. In meinem Beitrag wollte ich ausdrücken, dass der Verzicht auf Machtausübung für mich nicht dazu führen darf, dass gar kein Rahmen mehr vorhanden ist. Wenn du das anders siehst, mag ich gerne hören, warum du die Gefahr der Beliebigkeit nicht siehst und darauf vertraust, dass in völliger Selbstbestimmung ein gutes Ergebnis entstehen kann, ich kann das Vertrauen so nicht aufbringen.
Ich hätte da in der Tat das Vertrauen, dass die Gruppe der direkt betroffenen (Schüler, Lehrer und Eltern) als „Experten“ für sich selbst, jeder einzelne ausgestattet mit unterschiedlichen Talenten - und mit Fähigkeiten, die allen gemeinsam sind sich nicht ins Chaos manövrieren würden.

Viele Grüße
Ingrid
In dem was du sagst zeigst du dich, aber was ich höre liegt bei mir.