Autor Thema: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?  (Gelesen 26796 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline uwe

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 31
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #15 am: 04. März 2015, 20:07:16 »
Liebe(r) curios,

ich muss sagen, dein minimalistischer Schreibstil stellt eine ganz schöne Herausforderung für mich dar. Twitterst du viel? Würde ich deine Posts nicht als intellektuelle Stimulans schätzen, wäre jetzt wahrscheinlich der Zeitpunkt gekommen, einfach nicht mehr zu antworten. Ganz einfach, weil es mir schwer fällt eine Verbindung herzustellen, wenn ich einen Satz wie "Meinung?" lese (ist das überhaupt ein Satz?), da diese minimalistische Kommunikation in mir ganz viele Filme aus meiner Vergangenheit anstößt, in denen solche "Sätze" nicht auf Augenhöhe, sondern als Machtsprache gebraucht wurden. Da muss ich nachdem ich ein solches Posting gelesen habe erst mal viel in mir sortieren. Im Moment reicht der Anreiz dazu noch aus, kannst du mir sagen, wie das bei dir ankommt?

Aber ich schätze ja deinen Input, also schreibe ich dir mal, wie ich dein Posting verstehe:

Du stimmst mit mir überein, dass es sinnlos ist in einer Konfliktsituation den Gesprächspartner mit meinem Wolfsgeheul zu konfrontieren, denkst aber, ein Gesetz zu zitieren sei
1. Wolfssprache
2. schützende Anwendung von Macht
wobei ich annehme, dass du mit der schützenden Macht das meinst, was in der Literatur oft als "lebensdienliche Gewalt" bezeichnet wird. Macht über und Macht mit sind ja ein ganz eigenes Thema.

Magst du mir schreiben, ob ich dich da richtig interpretiere? Wenn ja, habe ich dazu eine Meinung, wenn nein, können wir das vielleicht zuerst klären.

liebe Grüße
Uwe

Offline Curious

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 29
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #16 am: 06. März 2015, 15:08:30 »
Hallo,

ich nutze in der Tat viel Facebook und ICQ. Ich reduziere die Textmenge jedoch auch bewusst um meine Informationsüberflutung zu reduzieren und um zu versuchen Dinge zu vereinfachen und auf den Punkt zurückzuführen, was ich frage.

Meine Strategie ist dabei die letzten 2 Posts (deinen, meinen) außen vorzulassen und von neuem in anderen Worten zu sagen worum es mir geht:

Wie kann ich, wie kann jeder der in Richtung gewaltfreier Kommunikation geht, mit seiner Babygiraffe sich in der Welt gut zurechtfinden?

Ich fühle mich unschlüssig, unsicher, verletzlich und brauche Sicherheit, Struktur, Informationen. Daher frage ich unter anderem in diesem Forum.

Eine andere Quelle für meine Informationssuche ist: https://www.youtube.com/watch?v=oHtDZ98CTDc

Darin wird unter anderem gesagt:
Lieber den authentischen Wolf, als eine versuchte noch nicht ausgereifte Giraffe

- Ich sage weder was ein Gesetz sei wie es sein soll oder nicht. Ich frage nach Meinungen diesbezüglich wie andere es sehen? Hier habe ich dich so verstanden, dass du lieber gar keinen Wolf aussprichst da er nichts bringt und sobald wie möglich in Giraffisch antwortest.

- Auch frage ich mich und dich und andere die das lesen, ob eine vollständig in  :g1:-Sprache ausgedrückte Art und Weise ausreicht in der Welt zurechtzukommen oder ob es doch Verwendung für den Wolf gibt?

- Des weiteren frage ich mich, dich und andere die das Lesen, ob die schützende, lebensdienliche Anwendung von Macht, auch in Wolfssprache erfolgen kann?

Z. b. Sie rauchen in meiner Wohnung, ich fühle mich schockiert weil mir Grenzen wahren wichtig ist (soweit Giraffe) und (jetzt kommt der Wolfsteil) ich FORDERE sie auf mein Haus zu verlassen, weil es Hausfriedensbruch wäre wenn sie noch bleiben würden.

Was kam an? Ist es so verständlich?

Offline uwe

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 31
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #17 am: 07. März 2015, 00:39:33 »
Liebe(r) curios,

danke für deine Rückmeldung und ganz besonderen Dank für den Link auf das Video zur Straßengiraffe von Miki Kashtan, das ich noch nicht kannte. Kennst du ihre conflict hotline?

Ich höre Miki, da etwas anders als du, ich höre "Es geht um Echtheit, weil der Gesprächspartner merkt, wenn wir nicht echt sind und dann verwirrt ist.", wobei ich nicht höre, dass die Alternative die sie vermeiden möchte eine "nicht ausgereifte Giraffe" ist, sondern die formelhafte Anwendung von GFK, die eben nicht echt ist. GFK ist eine Haltung, keine Technik.

Für mich ist das ein Unterschied zu dem was du beschreibst.

In der GFK geht es für mich immer um Verbindung. Wenn ich jemanden aus meiner Wohnung herauswerfen will, hilft mir die GFK nicht, denn ich habe nur das Ziel (in deinem Beispiel) den Raucher aus meiner Wohnung zu entfernen. Damit ist klar, dass Verbindung kein Ziel für mich ist, also ist mir auch egal, ob er meine Gefühle oder Bedürfnisse sieht. Insofern reicht mir ein einfaches "Raus hier!"

Anders ist die Situation für mich, wenn mir die Verbindung wichtig ist, in diesem Fall würde ich allerdings die Verbindung und meine Chance sie zu erhalten in den Vordergrund stellen. Wandle ich also dein Beispiel etwas ab und stelle mir vor, jemand, der mir wirklich wichtig ist und zu dem ich wirklich gerne in Verbindung bleiben möchte, sagen wir meine Mutter, raucht in meinem Haus. Dann finde ich in der GFK Hilfsmittel, die mir erlauben in Verbindung zu bleiben und dennoch meinen Raum zu wahren.

Ich kann z.B. zuerst (Giraffenschrei) das Rauchen in meinem Haus unterbinden. "Du rauchst im Haus. Ich bin total sauer, weil ich den Geruch im Haus absolut nicht ausstehen kann, bitte geh auf den Balkon oder mach die Zigarre aus." Die Bitte ist sicher eine Forderung, aber für mich nicht eigentlich wölfisch.
Und anschließend kann ich (vielleicht auf dem Balkon) den eigentlich Konflikt adressieren: "Als ich dich eben im Haus rauchen sah, bin ich völlig ausgerastet, weil mir wichtig ist, dass die Kinder in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen. Ich habe etwas Sorge, dass du dich jetzt schuldig fühlst, aber darum geht es mir gar nicht, sondern nur darum, dass im Haus frische Luft ist, kannst du sehen, warum mir das wichtig ist?" (Das ist jetzt schon ein Versuch in Straßengiraffe, gegenüber Nicht-GFK Menschen.)

Kannst du damit etwas anfangen?
lg Uwe

Offline love_and_mind

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 28
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #18 am: 08. März 2015, 09:48:49 »
Sobald, oder solange man Gedanken und Urteile im Kopf hat, die beinhalten, dass mit der bestimmten anderen Person "etwas nicht stimmt“ ist es zumindest authentischer und ehrlicher den Wolf von der Leine zu lassen (hin und wieder reißt er sich ja auch einfach los), als das „, :g1: Sprach-Übersetzungsprogramm laufen zu lassen. Wenn ich erst mal nichts sage laufe ich vielleicht Gefahr übersehen und nicht ernst genommen zu werden. Ist das deine Befürchtung?
So „Spielchen“ von Wolf zu Wolf finde ich schon in Ordnung, schließlich ist man als "GFK-ler(-nender)" ja keine abgehobene Lichtgestalt, die automatisch für alles und jeden Verständnis hat. Manchmal ist es vielleicht sogar besser etwas "blödes" als nichts zu sagen, weil man so zumindest in Verbindung bleibt.

Sich einfühlen (in sich und andere) braucht Zeit und evtl. auch den richtigen Zeitpunkt.

Solange ich keine wirkliche Klarheit und kein Verständnis für meinen Ärger habe (die Bearbeitung ist z. B. möglich durch „Auskotzen“ bei einem Freund, oder/und  Selbstempathie – worum geht es mir in dieser Situation? Warum reagiere ich darauf so heftig?) wird es kaum möglich sein "die Schönheit" in der anderen Person zu sehen, um ihr mit einer veränderten Haltung begegnen zu können.
In dem was du sagst zeigst du dich, aber was ich höre liegt bei mir.

Offline Curious

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 29
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #19 am: 09. März 2015, 16:36:33 »
@Love_and_Mind
Kernpunkt war für mich: "Angst nicht ernstgenommen zu werden und ob das meine Befürchtung wäre".
Du hast etwas gesehen was ich nicht gesehen habe. Mir ging es nicht darum aber ist mir tatsächlich passiert, neulich. Mit authentischem Wolf in Verbindung zu bleiben macht für mich Sinn. Erinnere mich hier an Kelly Bryson: Sag was du authentisch sagen willst. Then clean up the mess. Then the beaty comes.

Zeitkritische Kommunikationen scheinen mir dabei ein wichtiger Faktor zu sein.

@Uwe
Bitte bzgl. Link zum Straßengiraffisch sprechen.
Danke für die "conflict hotline" das verschafft mir weitere Videos zum ansehen.

Ansonsten lese ich heraus, das ich meine das du meinst:
- GfK Haltung für Verbindung
- Andere Haltung für z.b. Grenzen setzten z.b. Rauchsituation.

Ich hoffe insgeheim, mit der GfK für ALLE Situationen eine Lösung zu finden. Nicht Praktisch, praktisch wird es nie für alles eine Lösung geben. Auf was ich jedoch schon hoffe sind GfK-Theorie-Hilfen für alle Lebenslagen als Orientierung. Also auch für Grenzen setzten, Selbstschutz, sich in der Welt zu behaupten etc. um einige wichtige Punkte zu nennen. Womit ich wieder nach einigen Exkursionen beim Threadtitel wär. Gibt es dazu noch Meinungen / Tipps?
« Letzte Änderung: 09. März 2015, 17:03:07 von Curious »

Offline Claudia

  • Administrator
  • Hero Ranglos Glücklich
  • *****
  • Beiträge: 1018
  • Feel welcome!
    • Gewaltfrei im Norden - Forum für GfK-Freunde
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #20 am: 09. März 2015, 21:36:19 »
Liebe Alle,


ich habe diesen Austausch gerade eben erst entdeckt und bin ganz berührt von diesem Thread! Danke, dass Ihr das hier diskutiert!

Gruß


Claudia
Unsere neuen oder erneuerten Beziehungen sind durchweg in Augenhöhe

Offline uwe

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 31
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #21 am: 09. März 2015, 22:30:23 »
Liebe(r) love_and_mind,

in fast allem, was du schreibst finde ich mich wieder. Besonders dein Hinweis auf den richtigen Zeitpunkt spricht mich an, denn manchmal bin ich gar nicht in der Lage jemandem emphatisch zuzuhören, weil ich selbst viel zu bedürftig bin. Dein Satz "Manchmal ist es vielleicht sogar besser etwas "blödes" als nichts zu sagen, weil man so zumindest in Verbindung bleibt." findet allerdings so gar keine Resonanz in mir. Tatsächlich kann ich mich an keine solche Situation erinnern und bin auch überzeugt, dass die Verbindung dann nur bestehen bleiben kann, wenn der andere sich sehr darum bemüht und dazu in der Lage ist meinen Wolfsschrei als Hilfeschrei zu hören und emphatisch darauf zu reagieren. Sonst muss ich die Verbindung danach wieder aufbauen.

Liebe(r) curios,

ich denke, du hast mich schon weitgehend gehört, nur, dass ich glaube, auch wenn ich in Verbindung bleiben möchte, durch den Giraffenschrei meine Grenzen wahren zu können. Aber mein Ziel ist halt einfach nicht immer und überall Giraffe zu sein.

Den Satz "Bitte bzgl. Link zum Straßengiraffisch sprechen." habe ich nicht verstanden.

Zu deiner Hoffnung mit der GFK für alle Situationen "eine Lösung" zu finden: Was meinst du damit genau? Das führt mich auch auf deinen Threadtitel. Kennst du die Schlüsselunterscheidung zwischen "Giraffe sein und sich wie eine Giraffe verhalten?" Wenn ich Giraffe bin, will ich mich gar nicht vor den Wölfen schützen, ich kann darauf vertrauen, dass meine Verletzlichkeit zu zeigen, die Verbindung verbessert. Wenn ich mich wie eine Giraffe verhalte werde ich merken, dass das der Verbindung gar nicht dient. Kann ich immer eine Giraffe sein? Ich nicht, aber das ist o.k. so, ich bin ich.

Letztlich ist es für mich persönlich gut, die GFK Haltung immer weiter zu verinnerlichen und mit dem zu gehen, was gerade passiert. Und wenn es eine Wolfsäußerung war, kann ich die Verantwortung dafür übernehmen und sehen, was mir gut tut.

lg Uwe

Offline love_and_mind

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 28
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #22 am: 10. März 2015, 09:36:56 »
Lieber Uwe,

nach deiner Rückmeldung würde ich den Satz:
"Manchmal ist es vielleicht sogar besser etwas "blödes" als nichts zu sagen, weil man so zumindest in Verbindung bleibt."
gerne optimieren:
"Manchmal ist es vielleicht sogar besser etwas "blödes" als nichts zu sagen, weil man so zumindest in Kontakt, bzw. präsent bleibt."

Gefällt er dir so besser?
In dem was du sagst zeigst du dich, aber was ich höre liegt bei mir.

Offline Curious

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 29
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #23 am: 10. März 2015, 12:45:03 »
@Uwe:
Ich bezog mich auf den Link den ich gepostet habe und auf dein Danke dazu.
Dazu schrieb ich "Bitte bzgl...."

Okay du siehst den Giraffenschrei als wertvoll zum Grenzen setzten. Ich sehe es teilweise ebenso. Es ist sinnvoll wo das verbales Nein reicht. Und wo durch die GfK unnötiger Widerstand vermieden wird.

In Rechtsangelegenheiten bin ich für den Bürokratiewolf.

Im Büro, bin ich mir nicht sicher ob Giraffenschrei oder Wolfswörte oder Wolfshandlungen besser wären.

Du sagtest die Giraffe ist für dich für Verbindung. Könntest du definieren wofür der Wolf für dich besser ist als die Giraffe?

@Alle
Wofür schätzt ihr euren Wolf? Sei es als Übergangslösung zur Giraffe oder als Dauerlösung, wo der Wolf für immer zuständig bleibt?
« Letzte Änderung: 10. März 2015, 12:48:10 von Curious »

Offline uwe

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 31
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #24 am: 10. März 2015, 21:07:55 »
Lieber Uwe,

nach deiner Rückmeldung würde ich den Satz:
"Manchmal ist es vielleicht sogar besser etwas "blödes" als nichts zu sagen, weil man so zumindest in Verbindung bleibt."
gerne optimieren:
"Manchmal ist es vielleicht sogar besser etwas "blödes" als nichts zu sagen, weil man so zumindest in Kontakt, bzw. präsent bleibt."

Gefällt er dir so besser?
Liebe(r) love_and_mind,

ganz ehrlich: ich weiß nicht so recht. Ich sortiere gerade die Filme in mir, da gibt es den "Wenn du etwas "blödes" sagst, bist du falsch", in diesem Film ändert deine Änderung gar nichts. Es gibt auch den "Ach, der Herr schweigt überlegen" der verändert sich radikal.

Aber auch mit der Änderung im zweiten Film bin ich eigentlich nicht glücklich. Denn worum geht es mir? Ich möchte echt und ehrlich sein und dabei die Chance auf Verbindung erhalten. Und ich genieße in GFK Umgebungen dann sagen zu können "In mir tobt der Wolf, bitte gib mir 10 Minuten, da ist etwas wichtiges, das ich noch nicht fassen kann." Ich wünsche mir den Mut, mich auch in anderen Umgebungen so verletzlich zeigen zu können und in anderen Worten meine Auszeit einfordern zu können. (Ja, fordern, nicht bitten, ich bin nicht offen für ein nein). Ich habe noch keine Worte und stehe jedesmal vor einem echten Dilemma. Es wird aber besser. Atmen ist gut. Verlangsamen auch. Und manchmal auch den Wolf von der Leine lassen und darauf vertrauen eine wichtige Verbindung später wieder herstellen zu können.

Als Prinzip kann ich dir nicht zustimmen, ist deutlich geworden, warum?

@Uwe:
Ich bezog mich auf den Link den ich gepostet habe und auf dein Danke dazu.
Dazu schrieb ich "Bitte bzgl...."
Liebe(r) curios,
das mit dem Link hatte ich noch verstanden, ich habe nicht verstanden, was die Bitte ist.
Geht es dir ums "Straßengiraffisch sprechen", das Miki als "natural NVC" bezeichnet? Suchst du mehr Informationen dazu, oder meine Meinung?
Zitat
In Rechtsangelegenheiten bin ich für den Bürokratiewolf.

Im Büro, bin ich mir nicht sicher ob Giraffenschrei oder Wolfswörte oder Wolfshandlungen besser wären.
Mit "Rechtsangelegenheiten" habe ich so mein Problem. Kann ich akzeptieren, dass es eine Instanz gibt, die für mich bestimmt, was richtig und falsch ist? Ganz klares nein. Das war einer der wichtigsten Punkte, der mich zur GFK gezogen hat, dass es eine solche Instanz nicht gibt! Im Falle einer Auseinandersetzung suche ich nach den Bedürfnissen, nicht nach Regeln in einem abstrakten Regelwerk.
Ich begegne dem "Bürokratiewolf" oft, und oft finde ich keine Bereitschaft nach den Bedürfnissen zu sehen, um die es wirklich geht. Ich bin dann traurig und hilflos, weil ich gezwungen bin die jeweilige Rechtsangelegenheit per Regelwerk (Gesetz) notfalls entscheiden zu lassen (Gericht). Ich bin dann traurig, weil ich die Loose-Loose Situation nicht in eine Win-Win Situation verwandeln kann, Wolfsshow tritt dabei fast nie auf.
So ist es auch im Büro. Ich setze mich nicht mit Wolfshandlungen durch, der Preis ist mir zu hoch. In dem Augenblick, in dem ich einen Unterlegenen schaffe, beginnt er Sabotagepläne zu schmieden. Nein, das brauche ich nicht. Tatsächlich habe ich gerade im Büro auch (anfangs für mich überraschende) positive Erfahrungen mit Ehrlichkeit und Verletzlichkeit gemacht und lernen dürfen, ich habe es dort mit Menschen zu tun, die wirklich kooperieren wollen, wenn ich sie nur lasse!
Zitat
Du sagtest die Giraffe ist für dich für Verbindung. Könntest du definieren wofür der Wolf für dich besser ist als die Giraffe?
In der Kommunikation ist der Wolf für mich nie besser als die Giraffe. Der wirklich große Wert des Wolfes liegt für mich in der Auseinandersetzung mit mir selbst, darin, mich zu meinen Bedürfnissen zu führen, dafür ist er (im Moment noch) in manchen Situationen unverzichtbar.

liebe Grüße
Uwe

Offline Curious

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 29
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #25 am: 10. März 2015, 22:03:59 »
@Uwe.

Bei "Bitte" fehlte der .
Also im Sinne von "Bitte." "Bitte schön" "Gerngeschen, freut mich das dir das video gefällt."

Der Preis bei Rechtsstreitigkeiten finde ich wichtig zu beachten. Doch was ist wenn du der Unterlegene bist und du grenzen setzten willst? Also Verletzlichkeit zeigen und damit gute erfahrungen machen, verstehe ich dich da richtig?

Was ich noch höre: Wolf für innere Klarheit/Auseinandersetzung.

Offline uwe

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 31
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #26 am: 10. März 2015, 22:35:54 »
@Uwe.

Bei "Bitte" fehlte der .
Also im Sinne von "Bitte." "Bitte schön" "Gerngeschen, freut mich das dir das video gefällt."
Liebe(r) curios,
ich denke, da fehlte gar kein Punkt, ich denke ich war einfach etwas GFK-blockiert, als ich das Wort Bitte gelesen habe. Und eigentlich finde ich das, jetzt wo wir es geklärt haben, gar nicht schlimm, sondern mag es eher als GFK-Verbindung feiern, irgendwie ist das lustig.
Zitat
Der Preis bei Rechtsstreitigkeiten finde ich wichtig zu beachten. Doch was ist wenn du der Unterlegene bist und du grenzen setzten willst?
Tja, das ist mir leider sehr vertraut. Oft geht dann für mich um Autonomie (so ein zentrales Thema für mich) und es schmeckt wirklich bitter, keine Verbindung zu bekommen und fremdbestimmt Regeln akzeptieren zu müssen. Ich versuche dann wenigstens aus der Rebellion heraus zu kommen und auf Augenhöhe die freie Entscheidung zu treffen, zu akzeptieren, dass ich einen "Regelwolf füttern muss", und ich versuche heraus zu finden, worum es meinem Gesprächspartner (Konfliktpartner?) wirklich geht, um wenigstens meinerseits die Sabotage und die loose-loose Situation zu vermeiden.
Gerade hatte ich damit einen schönen Erfolg. Vor ein paar Jahren hatte ich einen Konflikt mit einem Nachbarn (einer Wohnungsbaugesellschaft) wegen "Wildwuchs an der Grundstücksgrenze". Ich bekam einen ganz unangenehmen Brief mit Verweis auf viele Paragraphen, habe mir dann die Situation angesehen und fand, dass von der anderen Seite genauso viel zu mir herüberwachse wie umgekehrt. Nach etwas Wolfsshow habe ich mich entschlossen, den Wildwuchs auf meinem Grundstück zu beseitigen (weil die Rechtslage das halt verlangt) ohne mir Gedanken über die andere Seite des Zauns  zu machen.
Was passierte? Auf dem Nachbargrundstück wurde der Wildwuchs auch beseitigt, ohne dass mich das besonders interessiert hätte. Jetzt, ein paar Jahre später, bekam ich wieder einen Brief, aber ganz ohne Paragraphen, einfach eine freundliche Bitte. Ich habe mir die Situation am Zaun angesehen und hatte gar kein Problem, den "Wildwuchs" zurück schneiden zu lassen, wenn es denn dem Nachbarn wichtig ist.
Zitat
Also Verletzlichkeit zeigen und damit gute erfahrungen machen, verstehe ich dich da richtig?

Was ich noch höre: Wolf für innere Klarheit/Auseinandersetzung.
Ja, dafür hilft mir der Wolf. Und Ja, ich habe gute Erfahrungen damit meine Verletzlichkeit zu zeigen. Das hat bislang nicht dazu geführt, dass ich das immer zeigen kann, aber ich werde langsam mutiger.

liebe Grüße
Uwe

Offline Curious

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 29
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #27 am: 14. März 2015, 18:11:12 »
Beim zweiten lesen hat der Fall mit dem angeklagten Gartengestrüp etwas in mir ausgelöst.

Das du nicht den anderen anklagst wegen seinem Gartenzeugs finde ich verständlich. Du hast also deines weggemacht und jetzt fragt er beim nächsten mal nett statt gleich zu klagen.

Was würde passieren wenn du diese... bitte... verneinen würdest? würde er wieder mit dem Klagen anfangen? Ist es ein kooperativer Frieden, oder ein sich ergeben?

Was wenn deine Bedürfnisse + Rechte misachtet würden? Ein realer Fall kam mir zu Ohren. 2 Männer hatten je 1 Zimmer bei einer älteren Dame gemietet. Dem einen Mann gefiel das Schnarchen des anderen nicht. Er wurde durch Klopfen geweckt. Die Dame kündigte beide weil sie keinen Ärger will.

Was nun wenn du dieser wärst der nicht mehr schlafen darf, weil du zu laut Schnarchst? Und vielleicht deine Arbeit und deine Gesundheit gefährdet wäre. Würdest du klarmachen: Schnarchen wird geduldet dazu gibt es Urteile und Wecken ist Ruhestörung und kann mit Bußgeld und Beugehaft geahndet werden? Also mit Schutzintention den §§ Wolf bemühen?

Nehmen wir an der Nachbar ist im Gespräch sehr verständlich, fühlt sich in dich ein, weckt dich aber weiter, weil ihm das Schnarchen auf den Keks geht.

Nur auf das Zurückschlagen zu verzichten heißt noch nicht das jemand sich für sich und die GfK Haltung einsetzt.

Gandhi der indirekte Namensgeber, hat Gesetzte gebrochen, Salz gesammelt, Verstalltungen organiziert um Indien friedlich von England zu befreien.

Sind wir Hobbygiraffen die wenn es ernst wird harmonisieren und auf eigene Bedürfnisse verzichten weil der andere fordert statt zu bitten? Er Gesetzte, Unkooperation, Strafen und Macht einsetzt. Oder wo ist die Stärke der Giraffenhaltung? So das eine kleine Gemeinschaft von dieser Philosophie beeinflusst, durchdrungen wird?


Offline uwe

  • Ranglos glücklich
  • **
  • Beiträge: 31
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #28 am: 16. März 2015, 21:36:58 »
Liebe(r) Curios,
vielen Dank für diese schönen Zweifel, das gibt gerade ein richtiges Feuerwerk in meinem Kopf, ich genieße das sehr! Ich mag gerne meine Gedanken dazu (mit-)teilen.
Was würde passieren wenn du diese... bitte... verneinen würdest? würde er wieder mit dem Klagen anfangen? Ist es ein kooperativer Frieden, oder ein sich ergeben?
Nein, das ist kein kooperativer Frieden von beiden Seiten und das ist ganz sicher kein sich ergeben.
Ich kann natürlich nur spekulieren, was passieren würde, wenn ich mich weigerte, die Sträucher schneiden zu lassen, ich nehme mal an, dann käme wieder so ein Schreiben mit vielen Paragraphen. Und das wäre dann auch ganz o.k. für mich. Der Unterschied liegt vor allem in mir, ich muss nicht rebellieren, ich kann den Wunsch akzeptieren (noch leichter, weil die Paragraphen diesmal fehlten, das ist das, was mein Nachbar im Augenblick für mich tun kann) und dazu Beitragen, dass es ein anderer etwas leichter hat, weil ihm wichtig ist, dass sein Garten auch an der Grenze seinen Vorstellungen entspricht. Ich mag diesen vollständig getrimmten Garten nicht, aber das macht ja nichts, der Nachbar mag meinen Garten wahrscheinlich auch nicht Wir sind uns einig, dass wir unterschiedliche Vorstellungen haben und das respektieren wir gegenseitig. Das ist für mich etwas ganz anderes als sich ergeben, kannst du sehen, was für einen Unterschied das für mich macht?

Deutlicher wird es vielleicht an deinem schönen Schnarchbeispiel.
Zitat
Würdest du klarmachen: Schnarchen wird geduldet dazu gibt es Urteile und Wecken ist Ruhestörung und kann mit Bußgeld und Beugehaft geahndet werden? Also mit Schutzintention den §§ Wolf bemühen?
Ich frage mal zurück: Angenommen du bist der Schnarcher, aber im Nebenzimmer liegt nicht irgendwer, der dich weckt, sondern, sagen wir deine über alles geliebte Tochter. Ändert das etwas?

Schnarchen ist ja auch oft zwischen Paaren ein Problem. Im Extrem kann ich mir einen Satz wie "Es zerreißt mir das Herz, aber ich kann neben dir nicht schlafen, weil ich einfach ganz real nicht schlafen kann, dabei brauche ich die Nähe eines geliebten Menschen, deshalb muss ich dich verlassen." durchaus vorstellen. Was für eine Tragik. Von Paragraphen weit entfernt.

Aber konkret zu deinem Beispiel: Ich würde die Strategie mit den Paragraphen nie wählen. Einmal, weil ich nicht ertragen könnte, dass ein Dritter (in diesem Fall ein Richter) entscheidet, was richtig und was falsch ist. Ja, jetzt und hier in Deutschland ist das vielleicht eine Strategie, die meine Wünsche durchsetzt, zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort kann das ganz anders sein. Es gibt Orte, an denen das Rechtssystem einen Systemkritiker zu 1000 Peitschenhieben verurteilt, so einem Rechtssystem möchte ich mich ganz sicher nicht unterwerfen. Ich gebe meine eigene Verantwortung an ein abstraktes Rechtssystem ab, auf das ich gar keinen Einfluss habe? Nein, das ist nichts für mich.
Für mich bedeutet GFK-Haltung dem anderen wirklich zuzuhören und seine Bedürfnisse genauso wichtig zu nehmen wie meine eigenen. Er kann nicht schlafen, weil ich so laut schnarche. Puh, das ist mir nicht gleichgültig. Können wir gemeinsame Strategien finden? Tausende! Vielleicht kann man meinen Raum schallisolieren, vielleicht kann einer von uns eine neue Unterkunft finden, vielleicht hilft auch einfaches Oropax. Wir können das gemeinsam herausfinden in einem Gespräch in dem wir dem jeweils anderen wirklich zuhören, das leistet für mich die GFK Haltung.
GFK ist für mich kein Mittel andere zu verändern oder dazu zu bringen meinen Strategien zu folgen. GFK ist für mich eine Haltung, die einen Dialog öffnet, in dem wir gemeinsame Strategien für win-win-Lösungen finden.
Zitat
Nur auf das Zurückschlagen zu verzichten heißt noch nicht das jemand sich für sich und die GfK Haltung einsetzt.
Ich setze mich nicht für die GFK-Haltung ein, die GFK-Haltung erleichtert mir das Leben und deshalb möchte ich die Chance diese zu haben mit anderen teilen!
Zitat
Sind wir Hobbygiraffen die wenn es ernst wird harmonisieren und auf eigene Bedürfnisse verzichten weil der andere fordert statt zu bitten? Er Gesetzte, Unkooperation, Strafen und Macht einsetzt.
Im ersten Augenblick habe ich über den Ausdruck "Hobbygiraffe" schmunzeln müssen. Eine interessante Bewertung. Beim zweiten Hinsehen scheint da für mich ein "es gibt richtige Giraffen und falsche" durch und damit bin ich unzufrieden. Tatsächlich unterwerfe ich mich, wenn jemand "Macht über" einsetzt in bestimmten Situationen. Ich fände es absurd jemandem der mir ein Messer an den Hals hält mein Geld zu verweigern. Und in dem Augenblick tue ich das Beste, was ich für mich tun kann und das ist gut so.
Tatsächlich ist aber in den realeren Situationen seit ich mich intensiv mit der GFK-Haltung auseinandersetze die Zahl meiner Konflikte eher größer geworden als kleiner, weil ich viel stärker für meine Bedürfnisse eintrete, weil ich sie viel klarer wahrnehme. Ich kann nur viel konstruktiver damit umgehen, mache weniger faule Kompromisse und höre viel deutlicher die Bedürfnisse des anderen, die ich genauso hoch schätze wie meine eigenen. Ich kann dabei auch sehen, wenn der andere Zuflucht in einer vermeintlich sicheren Rechtssiuation nehmen muss, wo meine Grenzen sind. Und das zu akzeptieren fällt mir leichter.
Zitat
Oder wo ist die Stärke der Giraffenhaltung?
Ich bin nicht ganz sicher, was du mit Giraffenhaltung meinst, sprichst du von Empathie? Deren Stärke ist gewaltig, weil sie Verbindung auch dann ermöglicht, wenn die Fronten zu Beginn des Gesprächs völlig verhärtet erscheinen.

Soweit zu meiner Haltung, ich würde es sehr schätzen, wenn wir noch ein paar andere Ansichten hier lesen könnten.

Liebe Grüße
Uwe

Offline Claudia

  • Administrator
  • Hero Ranglos Glücklich
  • *****
  • Beiträge: 1018
  • Feel welcome!
    • Gewaltfrei im Norden - Forum für GfK-Freunde
Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #29 am: 16. März 2015, 22:32:18 »
Liebe Alle,


das Gartenbeispiel spricht mich sehr an. Ich habe auch solche Erlebnisse, und zwar immer wieder. Für mich ist es dann eine bewusste Entscheidung, auf Verbindung zu setzen. Zum Beispiel im Familienkreis oder mit einer Kollegin bei der Arbeit. GFK ist ja keine "Sprache" oder Ausdrucksform, auch wenn ich das schon oft gehört habe. GFK ist eine Haltung. Und für die entscheide ich mich immer wieder neu. Geht es mir um Frieden und um Verbindung, oder will ich Recht haben? Mal ganz ehrlich: Es gibt Situationen, da will ich Recht haben. Aber ich merke immer öfter, dass ich dafür teurer bezahle als ich eigentlich bereit bin. Wenn ich die Bedürfnisse der/des anderen nicht mit im Auge behalte, werde ich "dafür bluten", einen Preis zahlen. Die Verbindung zahlt dafür. Ist es das wirklich wert? Zum Beispiel unter Nachbarn? ich glaube immer öfter: Nein.


Gruß,


Claudia
Unsere neuen oder erneuerten Beziehungen sind durchweg in Augenhöhe