Autor Thema: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?  (Gelesen 26809 mal)

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #30 am: 21. März 2015, 12:20:48 »
Aber konkret zu deinem Beispiel: Ich würde die Strategie mit den Paragraphen nie wählen. Einmal, weil ich nicht ertragen könnte, dass ein Dritter (in diesem Fall ein Richter) entscheidet, was richtig und was falsch ist. Ja, jetzt und hier in Deutschland ist das vielleicht eine Strategie,
Liebe Grüße
Uwe

Ich sag mal so zum meisten nicht-zitierten stimme ich zu. Der hier zitierte Punkt ist mir der wichtigste.
Du räumst ein, das das Gesetz eine Option zum Grenzen setzten sein könne, würdest aber selbst die Option nicht wählen.

Ich glaube um immer konkreter zu werden, meine Frage ist, was wenn sehr wichtige Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Dies der Fall ist weil der andere seine Bedürfnisse auf Kosten anderer erfüllt und er oder sie ein verbales "Nein" nicht akzeptiert. Was wären Giraffen Handlungen wenn es Empathisch einfach nicht weiter geht, entweder weil man (noch) nicht die Kraft hat oder der andere sich quer stellt.

Habt ihr ein paar Beispiele für mich (beliebig) wo das so war (Grenzen waren um vor Gewalt zu schützen) und was ihr dann aus einer  :g1:-Haltung tatet um euch zu schützen (Schützende Anwendung von Macht/Zwang)?



Offline Curious

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #31 am: 21. März 2015, 12:24:24 »
Aber konkret zu deinem Beispiel: Ich würde die Strategie mit den Paragraphen nie wählen. Einmal, weil ich nicht ertragen könnte, dass ein Dritter (in diesem Fall ein Richter) entscheidet, was richtig und was falsch ist. Ja, jetzt und hier in Deutschland ist das vielleicht eine Strategie,
Liebe Grüße
Uwe

Ich sag mal so zum meisten nicht-zitierten stimme ich zu. Der hier zitierte Punkt ist mir der wichtigste.
Du räumst ein, das das Gesetz eine Option zum Grenzen setzten sein könne, würdest aber selbst die Option nicht wählen.

Ich glaube um immer konkreter zu werden, meine Frage ist, was wenn sehr wichtige Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Dies der Fall ist weil der andere seine Bedürfnisse auf Kosten anderer erfüllt und er oder sie ein verbales "Nein" nicht akzeptiert. Was wären Giraffen Handlungen wenn es Empathisch einfach nicht weiter geht, entweder weil man (noch) nicht die Kraft hat oder der andere sich quer stellt.

Habt ihr ein paar Beispiele für mich (beliebig) wo das so war (Grenzen waren um vor Gewalt zu schützen) und was ihr dann aus einer  :g1:-Haltung tatet um euch zu schützen (Schützende Anwendung von Macht/Zwang)?

und um auch mal die GfK zu bemühen.

Es gab Situationen bei denen es bei mir so war und ich mich schwach und hilflos fühlte weil mir sicherheit und klarheit im vorgehen wichtig war. Ich schwankte zwischen wolf und giraffe und frage welche Haltung zwecks Schützen stärker sei. Daher bitte ich um die Beisipele.

Offline uwe

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #32 am: 22. März 2015, 23:25:15 »
Liebe(r) Curios,
danke, dass du schreibst, was du von mir gehört hast. Ich möchte meine Worte noch etwas präzisieren.
Aber konkret zu deinem Beispiel: Ich würde die Strategie mit den Paragraphen nie wählen. Einmal, weil ich nicht ertragen könnte, dass ein Dritter (in diesem Fall ein Richter) entscheidet, was richtig und was falsch ist. Ja, jetzt und hier in Deutschland ist das vielleicht eine Strategie,
Ich rede dabei nur von Situationen, in denen ein Dialog möglich ist. In eskalierten Situationen, in denen ich meine Sicherheit gefährdet sehe, zögere ich nicht mir auch Hilfe von der Polizei zu holen, über alternative Wege denke ich dann nicht nach.
Zitat
Zitat
Dies der Fall ist weil der andere seine Bedürfnisse auf Kosten anderer erfüllt und er oder sie ein verbales "Nein" nicht akzeptiert. Was wären Giraffen Handlungen wenn es Empathisch einfach nicht weiter geht, entweder weil man (noch) nicht die Kraft hat oder der andere sich quer stellt.
Hier wird es für mich wieder schwierig über eine unklare Situation zu reden. Die Bewertung, dass jemand seine Bedürfnisse auf meine Kosten erfüllt, kommt mir bekannt vor. Ich frage mich dann aber immer worum es mir eigentlich im Moment wirklich geht und tappe nicht in die Falle die Verantwortung für den inneren Film, den ich gerade sehe, meinem Gegenüber zuzuschieben.
Wenn jemand ein klares "Nein" nicht akzeptiert bin ich vielleicht schon in einer Situation, in der ich Schutz brauche, nicht Verbindung. Dann unterbreche ich die Situation (erklären, weggehen, Polizei je nachdem, wobei ich praktisch noch nicht in Situationen war, in denen ich die Polizei gebraucht hätte).
Situationen, in denen ich nicht die Kraft habe empathisch zu reagieren sind mir vertraut. Da bin ich dann einfach ehrlich und sage etwas wie "ich kann dich im Moment nicht wirklich hören, weil mich unser Gespräch überfordert (... ich zu aufgeregt bin ... ich zu müde bin ...), bist du bereit das Gespräch morgen weiterzuführen?"
Dass der andere sich querstellt heißt doch übersetzt nur, dass er nicht mit meiner Strategie einverstanden ist. Ich denke, du meinst hier etwas schwerwiegenderes, kann es aber nicht wirklich greifen.
Zitat
Zitat
Habt ihr ein paar Beispiele für mich (beliebig) wo das so war (Grenzen waren um vor Gewalt zu schützen) und was ihr dann aus einer  :g1:-Haltung tatet um euch zu schützen (Schützende Anwendung von Macht/Zwang)?
Ich lese deinen Satz so, dass es dir wichtig ist, aus einer Giraffenhaltung heraus zu handeln. Das ist mir auch wichtig, insbesondere auch mir selbst gegenüber. Wenn ich einer konkreten Situation für mich keine Verbindung möglich ist, dann kann ich das annehmen. Ich kann es bedauern, und ich kann hinnehmen, dass ich es in dem Augenblick nicht ändern kann. Es hat keinen Sinn für mich, wenn ich einen Anspruch an mich selbst aufbaue, dem ich nicht genügen kann.
Ich kann deinen Wunsch sehr gut verstehen, aber ich kann ihm nicht wirklich nachkommen. Es gibt, glaube ich, im Buch von Marshall die Beschreibung einer Situation in der eine Frau überfallen wird und dadurch dass sie emphatisch zuhört einer Vergewaltigung entgeht. Ich lese so etwas und denke, ja, das könnte es schon geben, aber ich würde das wenn ich ehrlich bin nicht können. Und dann wünsche ich mir auch nachvollziehbare Geschichten aus dem realen Leben, in denen ich mich selbst wiederfinden kann. Und vielleicht gibt es in meinem Leben Situationen, die ich vielleicht sogar in einem Workshop preisgeben würde, hier in einem öffentlichen Forum eher nicht.
Zitat
Es gab Situationen bei denen es bei mir so war und ich mich schwach und hilflos fühlte weil mir sicherheit und klarheit im vorgehen wichtig war. Ich schwankte zwischen wolf und giraffe und frage welche Haltung zwecks Schützen stärker sei. Daher bitte ich um die Beisipele.
Solche Situationen sind mir keineswegs fremd. Wenn ich schwanken kann, also in der Lage bin bewusst zu entscheiden, ist die Wolfshaltung für mich keine Option. Das ist natürlich alles sehr abstrakt. Kannst du dir vorstellen, die Situation(en) im Setting einer Anliegenarbeit in einem Workshop oder einer Übungsgruppe oder in einem Coaching näher anzuschauen?
lg Uwe

Offline Curious

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #33 am: 08. April 2015, 16:37:37 »
Danke beantwortet sehr viel.

Konkrete Situationen habe ich keine. Mir gehts um die Zukunft also hypotetische Situationen.

Eine Frage hätt ich noch: In non-GfK ist wut zum Grenzen setzten da. Wird das in der GfK auch genau dafür verwendet?

Offline Claudia

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #34 am: 10. April 2015, 21:59:41 »
Hallo, Curious,


ich verstehe nicht ganz, was mit
Zitat
In non-GfK ist wut zum Grenzen setzten da.
gemeint ist. Wut ist ein Gefühl, die Gelehrten streiten sich noch, ob ein Primärgefühl oder Sekundärgefühl. In der "reinen GFK-Lehre" gehen wir davon aus, dass unter oder hinter der Wut immer ein oder mehrere andere Gefühle stecken, also etwa Trauer, Schmerz, Einsamkeit oder vielleicht sogar Scham. Es gibt aber einige Trainer, die der Ansicht sind, dass es auch eine Wut-Kraft gibt, die wir für uns  nutzen können und sollen. Das setzt voraus, dass wir gut mit uns verbunden sind und erkennen, dass unsere Wut uns gerade bedeutet, dass wir etwas so nicht mitmachen wollen, nicht aushalten, nicht haben. Und dann kommen wir wieder zu den Schritten, um dank der Schubkraft unserer Wut FÜR UNS einzustehen, nicht aber gegen den anderen.


Hilf Dir das weiter?

Gruß,


Claudia
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Offline Curious

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #35 am: 12. April 2015, 15:41:34 »
Damit war gemeint, das manche Wut als Tool zum Grenzen setzten sehen. (nicht-GfK Leute).

Wut einsetzten, für uns aber nicht gegen andere, hilft als aussage.

Jedoch zweifle ich an der Umsetzbarkeit. Als ob man von A zu C wechselt ohne über B zu gehen.

Jesus hatte so schützenden Zorn, wo es um einen Tempel ging. Gandhi sagte lieber gewalttätig sein als Feige. Und Rosenberg, er wäre der letzte der gegen das ausleben Wut, statt Nettigkeit sei.

Als Idealziel alles sehr sinnvoll und von dem her danke für die Beantwortung meiner Frage. Praktisch halte ich es für möglierweise/teilweise unrealistisch gleich dorthinzuhopsen ohne nicht auch Wut im Sinne einer Verurteilung anderer oder der Situation, zu betreiben.

Danke auch für die Nennung der Kontroverse bzgl. Nutzung von Wut als Energie unter GfK Trainer.


Offline uwe

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #36 am: 12. April 2015, 20:21:49 »
Hallo Curios.
Damit war gemeint, das manche Wut als Tool zum Grenzen setzten sehen. (nicht-GfK Leute).
Ein Tool ist für mich ein Hilfsmittel, das ich bewusst einsetzen kann. Wut ist ein Gefühl. Wie kann ich das als Tool verwenden?
Zitat
Jedoch zweifle ich an der Umsetzbarkeit. Als ob man von A zu C wechselt ohne über B zu gehen.

Jesus hatte so schützenden Zorn, wo es um einen Tempel ging. Gandhi sagte lieber gewalttätig sein als Feige. Und Rosenberg, er wäre der letzte der gegen das ausleben Wut, statt Nettigkeit sei.
Ich lese hier, dass du nach einer Berechtigung oder Rechtfertigung für Wut suchst und diese auch darin findest, dass die zitierten Menschen Wut zuließen. Interpretiere ich dich da richtig?

Im Jesus-Zitat meinst du wahrscheinlich die "Tempelaustreibung", die in allen vier Evangelien vorkommt und einen sehr aggressiven Jesus zeigt, ganz im Gegensatz zur Bergpredigt. Von Gandhi kann ich mir das Zitat nicht vorstellen, da hätte ich gerne eine Quelle, und von Marshall kenne ich auch kein entsprechendes Zitat. Natürlich kenne ich von Kelly Bryson "Sei nicht nett, sei echt", da geht es aber nicht um Wut. Kannst du meinem Verständnis hier weiter helfen?

Ich selbst gehöre zu denen, die in Wut eine Veränderungskraft sehen und ihr auch einen hohen Wert beimessen, wie oben schon geschrieben. Ich habe aber, ganz wie Claudia schreibt, die Erfahrung gemacht, dass hinter Wut oft andere Gefühle stehen und es sich lohnt darauf zu schauen und heraus zu finden, welche Bedürfnisse gerade im Mangel sind. Es kann z.B. durchaus sein, dass Wut gefühlt wird, weil das eigentliche Gefühl Trauer nicht zugelassen werden kann. Die Veränderungskraft, die die Wut bereitstellt kann dann gar nicht genutzt werden, weil es um etwas geht, das nicht verändert werden kann. Das tragische ist dann, dass sie in solchen Situationen auch zerstörerisch wirken kann, einfach, weil sie da ist.
Zitat
...ohne nicht auch Wut im Sinne einer Verurteilung anderer oder der Situation, zu betreiben.
Wenn ich das lese, frage ich mich, was mir das nützt. Klar, es ist ja nicht verboten andere zu verurteilen. Aber wozu?

Gerade da bietet mir die GFK doch alternative Handlungsmöglichkeiten eine echte Veränderung anzustreben und auch zu erreichen.

lg Uwe

Offline Claudia

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #37 am: 12. April 2015, 21:29:52 »
Hallo, Ihr Lieben!

Ich habe SO eine große Sehnsucht, dass diese Verurteilerei aufhört, auf allen Ebenen. Zwischenmenschlich und auch bezogen auf Situationen. Ich weiß nicht mehr, wozu das gut sein soll. Wenn ich daran denke, dass ich das vor einigen Jahren noch intensiv betrieben habe - zum Beispiel, um Schuld von mir abzuweisen - dann weiß ich, da will ich nie wieder hin.


Claudia
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Offline Curious

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #38 am: 13. April 2015, 16:07:15 »

Ich lese hier, dass du nach einer Berechtigung oder Rechtfertigung für Wut suchst und diese auch darin findest, dass die zitierten Menschen Wut zuließen. Interpretiere ich dich da richtig?

Ich sehe du Interpretierst und bewertest meine Worte als suche nach Rechtfertigung für Wut. Und du fragst, möchtest also wissen ob ich deiner Interpretation / Urteil zustimme.

Mir ist es wichtig das die urteile nicht verurteilt werden, etwas was ich selbst tue und etwas von dem ich der Meinung bin du mir gegenüber tust, während du gleichzeitig dafür wirbst das ich den GfK Weg gehe. Nicht verurteilen ist für mich nicht gleich Rechtfertigen.

ich glaube mir geht es um Grenzen wahren, nicht indoktriniert zu werden. Es geht mir auch darum akzeptiert zu werden, auch wenn ich Urteile.

Bitte schreib mich nicht mehr an, ich habe auch den Rest deines Postes nicht mehr gelesen.

Und Claudia... ich vermute die Urteilerei erinnert dich an deinen  :wolf0:. Auch hier seh ich den Wunsch in den Grenzen des anderen. Das der/die anderen aufhören zu Urteilen.

Ich bin enttäuscht, weil ich gerne starke Giraffen gesehen hätten. Wahrscheinlich liegt es einfach daran das wir alle darin neu sind. Und das der Wolf in uns alle noch sehr stark ist bzw. er herausprovoziert wird wenn andere Urteilen.

So oder so unterm Strich:; Wie behauptet sich die  :g1: während ge :wolf0:et wird, ist für mich gerade hier am Schluss eine offene Frage. Die Theorie kann ich auch, wie es sein "sollte". Unterm Strich bleiben mir große Zweifel bzgl. der Integrität, Stärke und authenitscher Anwendbarkeit im realen Leben. Nicht weil es nicht theoretisch möglich wäre, sondern weil praktisch wir alle (?) in alte Verhaltensmuster zurückfallen.

Offline uwe

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #39 am: 13. April 2015, 20:51:05 »
Hallo an alle an diesem Strang beteiligten und alle Mitleser.

Die Bitte von Curios
...
Bitte schreib mich nicht mehr an,
...
kann ich erfüllen und nicht mehr auf dieses Post antworten.

Dem Fazit, das Curios für sich gezogen hat
Zitat
...
Nicht weil es nicht theoretisch möglich wäre, sondern weil praktisch wir alle (?) in alte Verhaltensmuster zurückfallen.
möchte ich aber noch hinzufügen, dass es mir nur natürlich scheint, dass man ein Verhalten, das man über 30, 40 oder 50 Jahre verinnerlicht hat, nicht "einfach so" ablegen kann. Aber es ist möglich, dabei spreche ich sowohl von eigener Erfahrung, als auch von etlichen Trainern, die ich kennenlernen durfte.

Der Weg dahin ist sicher nicht einfach und sehr fordernd. Es braucht immer wieder viel Unterstützung und praktische Übung und dauert seine Zeit. Und ich bin überzeugt, der Aufwand lohnt sich!

lg Uwe

Offline Claudia

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #40 am: 13. April 2015, 22:08:28 »
Liebe Alle,


ich stimme Curious nicht zu, und habe auch nicht grundsätzlich ein Problem mit Urteilen. Ich muss urteilen, davon hängt mein Leben ab. Aber ob ich moralische Urteile fälle oder Werturteile - das macht für mich einen großen Unterschied.


Meine Kollegin an der Schule ist heute u.a. als Fotze beschimpft worden. In meinem früheren Leben wären Schulverweis, Tadel, Strafe die Antwort gewesen. So etwas sagt man nicht, das ist falsch und beleidigend.

Heute entscheide ich, dass so ein Verhalten Konsequenzen hat. Weil ICH nicht mit jemandem arbeiten möchte, der so mit meiner Kollegin umgeht. Hier übe ich vielleicht Gewalt aus, aber es geht nicht um Strafe. Aus meiner Sicht braucht es keine Strafe. Für was? Dass auch der Schüler ein unerfülltes Bedürfnis hat? Aber es braucht Konsequenzen, weil mir Würde, Respekt und achtsamer Umgang miteinander hohe Werte sind. Und dafür möchte ich mich einsetzen. Kompromisslos.

Gruß,


Claudia
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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #41 am: 14. April 2015, 07:51:08 »
Lieber curious,

es sieht für mich so aus, dass du hier in irgendeiner Form Unterstützung gesucht hast und dass es offensichtlich gerade überhaupt nicht funktioniert. Das finde ich sehr schade und ich denke, es liegt auch daran, dass es bisher nicht gelungen ist dich "zu sehen". Mir hast du von Anfang an Rätsel aufgegeben, auch weil du eher hypothetische, allgemeine und keine konkreten Situationen aus deinem Leben geschildert hast. Ich habe mir öfter überlegt, worum es dir geht, warum du so tickst wie du tickst. Ich fand das spannend.

Vor einigen Wochen erinnerte ich mich an ein Lied von Udo Lindenberg, das ich als Teenager sehr mochte. Den Text kenne ich immer noch:

" Kleiner Junge "
Als er ein kleiner Junge war
 und mal nix essen wollte, sagte Ma
 daß viele Kinder hungrig sind und sterben
 er war so geschockt und dachte: So 'n Wahnsinn
 und rannte zu seinem Sparschwein hin
 da war sein ganzer Reichtum drin
„Mutter, wir müssen was tun!"

„Mit deinen paar Groschen", sagte Ma
„kriegste diese Welt leider auch nicht klar
 das ist hier nun mal so 'n bekloppter Planet
 wo die Menschheit schon immer total durchdreht
 daran wirst du dich gewöhnen, damit muß man leben
 auch wenn es manchmal traurig macht."
 Doch er beschloß, wenn ich mal groß bin, werde ich das ändern
 und heulte die ganze Nacht
.............
Kleine Jungs werden größer
 und wenn's dann immer mehr um das Ego geht
 ist ein palästinensisches Flüchtlingsghetto
 bald so weit weg wie der fernste Planet
 doch bei ihm war das anders - er wurde groß
 doch sein Gewissen wurd' nicht kleiner
 und wenn er mal ausflippte, schrie und weinte, im Büro, einfach so
 lachten sie ihn aus
 Psychiatrie - Irrenhaus
 Psychiatrie - Irrenhaus
.........


Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr sehe ich in dir ein Stück weit diesen kleinen Jungen, dessen Ideale später im Alltagsgeschäft, anders als bei den meisten anderen, nicht klaglos auf der Strecke geblieben sind. Das ist für mich etwas sehr wertvolles!
Der Songtext steht für das, was für mich rüber kommt. Ich gehe selbstverständlich nicht davon aus, dass du manchmal im Büro schreist und weinst  8)

LG Ingrid
In dem was du sagst zeigst du dich, aber was ich höre liegt bei mir.

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #42 am: 14. April 2015, 12:20:30 »
Claudia / Uwe
Beides hilft mir nicht beides lese ich nicht, außer die ersten 5 Wörter bis es mir zuviel. Ist mit nicht mit mehr reden meine ich natürlich auch nicht über mich reden. Aber auf meine Bitte habe ich letztendes eh keine Umsetzungsmöglichkeit.

love and mind.
Schreien und weinen tat ich tatsächlich wörtlich die letzten Tage viel. Kein Büro weit und breit.

Mir geht es tatsächlich um das Ideal und die Frage wie weit jemand, außer der nun verstorbene Rosenberg, in dieser Haltung sein kann ohne sich abzugrenzen, andere zu belehren etc.

Ich mein es steht ja nicht das Überleben der Menschheit auf dem Spiel... oder doch? Wir leben in einer Wolfswelt, zementiert durch Machtstrukturen, außerdem ist der Wolf ist noch in jedem von uns. Die GfK ist die theroretische Lösung. Für Alles. Oder Vielles. Die Lösung für diesen Kindergarten und pathologische Sanktionsorgie gegen und von Russland. Die Spannungen durch den Krieg Reich gegen Arm bauen sich auf, Atom- und biogene Waffen haben inzwischen das Potential eines Nuklearen Winters oder sich selbst verbreitende Viren.

Und im Alltagsleben findet sich zwar nicht in der Dramatik jedoch in dem selben Muster das Wolfsdenken. Bin ich der einzige der nachdem ihm das bewusst geworden ist, wahnsinnig wird? Ist authentisch sein und Wütend werden nicht ein erster Schritt? Oder ein notwendiger da wir nunmal alle keine Heiligen sind? Würd nun über GfK geredet oder in GfK? Ich habe dafür gerade nicht die Kraft.

Und wenns hier nicht klappt, in einem Trivialen anonymen Chat, wie können wir wirklich der Welt helfen?

Ich kann nicht anderster als so zu Argumentieren wo ich gerade bin. Die Worte der GfK nutzen kann ich... aber sie wären nur hohl, nur heuchlerisch. Wohl vom Kopf her wissend das das Endziel dort liegt wenn es ... menschlich sein will.

Momentan wäre das Gefühl wohl Enttäuschung, Ohnmacht, Resignation, Frust. weil die GfK und ihre Mitglieder - oft - nicht immer. In meinen Augen die Giraffe nur aufgesetzt haben. Und ich gerade glücklich bin das ich, wenn ich auch (nicht hier) oft  :g1: war, ich momentan zumindest authentisch bin.


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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #43 am: 17. April 2015, 10:49:48 »
Lieber curious,
ich kann mit deinem letzten Beitrag viel anfangen, mehr als mit allen deinen anderen. Du hast damit einiges in mir angestoßen, was mir sehr wichtig ist.
Mir geht es tatsächlich um das Ideal und die Frage wie weit jemand, außer der nun verstorbene Rosenberg, in dieser Haltung sein kann ohne sich abzugrenzen, andere zu belehren etc.
Dabei handelt es sich ja um einen Entwicklungsprozess. Ich denke man wird immer an Grenzen stoßen, an innere und äußere, ich bin davon überzeugt, dass es Rosenberg da nicht anders ging. Von ihm ist ja auch die Aussage, dass alles was es wert ist getan zu werden, es auch wert ist in einer dürftigen oder unvollkommenen („poor“) Weise getan zu werden.
Ich mein es steht ja nicht das Überleben der Menschheit auf dem Spiel... oder doch?
Die Spannungen durch den Krieg Reich gegen Arm bauen sich auf, Atom- und biogene Waffen haben inzwischen das Potential eines Nuklearen Winters oder sich selbst verbreitende Viren.
Wir rennen sehenden Auges ins Verderben, wir zerstören unseren Lebensraum.

So ähnlich wie wenn wir an einem Autounfall vorbei fahren ohne etwas zu tun.
>Irgendjemand wird schon anhalten,… ich könnte was falsch machen,… ich habe gerade keine Zeit, .. oder: ich kann nichts ausrichten...<

Und dann die leise Ahnung den Schlüssel in der Hand zu halten, die Welt könnte ein besserer Ort sein. Great expectations

Was folgt ist die Ernüchterung, die Frustration ihn nicht so benutzt zu sehen wie erhofft, ihn selbst nicht so nutzen können… einfach so weiter machen wie bisher, …wie bitter.

Wir leben in einer Wolfswelt, zementiert durch Machtstrukturen


Ich würde Uwe und Claudia gerne einladen hier wieder einzusteigen. Ist das OK für dich?

LG Ingrid
« Letzte Änderung: 25. Januar 2017, 22:54:26 von love_and_mind »
In dem was du sagst zeigst du dich, aber was ich höre liegt bei mir.

Offline Curious

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Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
« Antwort #44 am: 21. Mai 2015, 15:21:29 »

Und dann die leise Ahnung den Schlüssel in der Hand zu halten, die Welt könnte ein besserer Ort sein. Great expectations

Was folgt ist die Ernüchterung, die Frustration ihn nicht so benutzt zu sehen wie erhofft, ihn selbst nicht so nutzen können… einfach so weiter machen wie bisher, …wie bitter.

Ich würde Uwe und Claudia gerne einladen hier wieder einzusteigen. Ist das OK für dich?

LG Ingrid

Genau. Mir kommt es so vor als würden viele Die  :g1: dem  :wolf0: auf den Kopf setzten. Wenn es wirklich hard auf hard kommt habe ich noch keinen erlebt der  :g1: sein kann.

Nein, mein Bedürfnis nach wertschätzendem Umgang ist für mich, bei den anderen nicht erfüllt.

Ich bin enttäuscht, ernüchtert, dennoch aber wissend und hoffnungsvoll, weil die Gewaltfreie Kommunikation für mich Sinn macht. Ich freue mich auf weitere Begegnungen mit der Gewaltfreien Kommunikation.