Autor Thema: Als-ob-Gefühle (Pseudogefühle)... bitte lasst uns doch einmal sammeln!  (Gelesen 22671 mal)

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Offline Rübenigel

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Hallo zusammen,

in den letzten Tagen ist mir als Gefühl häufig "überfordert" präsentiert worden. "Ich fühl mich grad überfordert ..." ist ein Satz, der vielen von uns leicht von den Lippen kommt (oder auf der Tastatur liegt  ;))

"überfordert" ist nun aber mal kein Gefühl sondern ein Urteil über uns oder andere, das ausgesprochen schwerwiegend ist.

"Du fühlst dich bestimmt überfordert ... Du bist überfordert ..." macht bleischwer und handlungsunfähig. Seit ich zum ersten Mal las, dass Marshall es als "Pseudogefühl" einordnetet, bemerkte ich spontan Erleichterung und beschloss, es aus meinem Wortschatz zu streichen.

Wenn ich heute in eine Situation komme, in der ich früher das Wort "überfordert" für mich gebraucht hätte, dann fühle ich mich:

schwach, kraftlos, erschöpft, traurig, hilflos, ohnmächtig, wütend (o.k.... ist auch kein Gefühl sondern die Summe von verurteilenden Gedanken und unerfüllten Bedürfnissen *grummel*),  klein, missgelaunt, eng, ...

Und manchmal habe ich früher den Satz "Ich fühle mich grad überfordert ..." auch einfach nur gebraucht, weil ich meine Ruhe haben wollte und mich mit dem Kram, den man mir unter die Nase hielt, einfach nicht auseinandersetzen wollte  ;D.

Wie geht es Euch mit dem Wort "überfordert"? Und welche anderen Pseudogefühle (gfk-gemäß) kommen Euch sonst noch so in den Sinn? Wie geht Ihr damit um?

Neugierige Grüße
Cynthia
« Letzte Änderung: 12. Juli 2008, 12:48:06 von Rübenigel »
Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Träumling

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Re: Pseudogefühle ... bitte lasst uns doch einmal sammeln!
« Antwort #1 am: 11. Juli 2008, 18:00:59 »
Hallo Cynthia,

also das Wort Pseudogefühle genauso wie das Wort Pseudobedürfnisse möcht ich echt nicht für irgendeinen Selbstausdruck von mir anwenden. Was wohl vor allem daran liegt, dass pseudo täuschen und lügen oder Lüge heißt. Mir wird da das Herze schwer, denn auch wenn ich mich manchmal täusche (oder eine andere Meinung vertrete) und etwas als Gefühl bezeichne, das vielleicht Marshall oder sonst jemand ganz anders nennen würde, empfinde ich Pseudo doch als Abwertung die ich für meinen (wenn auch Verbesserungswürdigen) Selbstausdruck nicht benutzen will.


Überfordert nutze ich oft. Es steht zwar  auf den Gefühlslisten von Marshall die ich hier habe nicht mit bei, aber dort steht überwältigt und ich sehe überfordert als Vorstufe von überwältigt. Wenn ich mich überfordert fühle, weiß ich das bei mir meist mehrere der folgenden Bedürfnisse nicht im Lot sind: Klarheit, Leichtigkeit, Struktur, Sicherheit, Orientierung, Gemeinschaft, Harmonie, Frieden,  u.v.m.

Bin ich überfordert wächst mir sozusagen gerade alles über den Kopf, bin ich überwältigt ist sozusagen die Dampfwalze die mich grad geplättet hat  schon weiter gefahren.

Ich seh keine Veranlassung dieses Wort aus meinem Wortschatz zu streichen. Ich wüsste auch nicht womit ich es ersetzen könnte, außer mit "Ich habe Tausend Gefühle, weil viele Bedürfnisse im Notstand sind und ich noch nicht weiß wie ich sie mir eins, geschweige denn alle erfüllen kann."


Lieben Gruß,
Teresa
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Offline Rübenigel

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Re: Pseudogefühle ... bitte lasst uns doch einmal sammeln!
« Antwort #2 am: 11. Juli 2008, 18:24:08 »
Liebe Teresa,

mit "Pseudo..." geht es mir eigentlich genauso, wie Dir.  Ich hab es halt so übernommen, weil es in der Literatur immer so genannt wird. "Unechte Gefühle" finde ich auch blöd ... hast Du eine Idee, wie man das nennen könnte? Ich wäre dankbar über jede Anregung, dann müsste ich nämlich nicht mehr das doofe "Pseudo" gebrauchen  :wolf0:.

Mit "überfordert" sehe ich das tatsächlich anders als Du. Es stellt für mich keine Vorstufe von "überwältigt " dar ... weil "überwältigt" ja auch durchaus positive Aspekte hat. Ich benutze es sogar ausschließlich in diesem Kontext, merke ich gerade:

Ich bin überwältigt vor Freude/Glück/Dankbarkeit ... und darum fehlen mir gerade die Worte. Ich bin überwältigt von der Fülle, die das Leben mir bietet ... aber noch längst nicht davon überfordert  ;).

Ich wurde überwältigt ... ist da natürlich etwas anderes. Aber da ist ja auch ein anderer im Spiel und dann ist es kein Gefühl mehr, sondern eine Tat.

Mmmmmh ... wenn Du das jetzt liest, wie geht es Dir dann mit dem Wort "überwältigt"? Immer noch die Dampfwalze?

Du schreibst, Du wüsstest nicht, mit welchen Worten Du "überfordert" ersetzen könntest ... wie geht es Dir mit den Worten, die ich dafür heute gebrauche (s.o.)? Mir geht es so, dass ich durch die Präzisierung von "überfordert" einfach auch schneller zu meinen Bedürfnissen komme. Aber vielleicht ist "überfordert" ja in Deinem Wortschatz für Dich genau zielführend.

Ich habe ja geschrieben, dass ich "überfordert" auch oft als Schutz eingesetzt habe: wenn ich "überfordert" bin, kann schließlich niemand mehr etwas von mir wollen/erwarten. Ich "kann" halt nicht. Kennst Du solche Strategien auch? - Menno ... ich merke gerade, dass ich total neugierig bin ... Es war halt für mich superspannend, als ich in diesem Bereich gemerkt habe, wie ich ticke. Und ich wüßt so gern, ob Du da ähnlich tickst  :-\.  *bitteanziehundnichtnackigstehenlass* ... das würde meine Bedürfnisse nach Wissen, Information aber am allerwichtigsten: nach Kontakt und Verbindung total befriedigen.

Und wennste nich willst, ist das für mich natürlich genauso o.k.

Herzliche Grüße
Cynthia, die es gerade mal genießt, nicht über "Erfolge" nachdenken zu müssen
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Offline Träumling

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Re: Pseudogefühle ... bitte lasst uns doch einmal sammeln!
« Antwort #3 am: 11. Juli 2008, 19:03:26 »
Hey Cynthia,

deine neugier wie ich da ticke, finde ich angenehm und amüsant - nicht im Sinne von lächerlich, sondern im Sinne von freudigem mich Selbst wiedererkennen.  Und angenehm, weil es mich anregt nachzudenken und zu reflektieren.

Beim lesen deines ersten Postings wusste ich mit der Überforderung als Strategie nichts anzufangen und bin so drüber hinweg, es war erstmal irgendwie nichtssagend für mich. Jetzt, als du nochmal drauf eingingst und erläutert hast bin ich über
Zitat
wenn ich "überfordert" bin, kann schließlich niemand mehr etwas von mir wollen/erwarten.
gestolpert. Und ich muss sagen, ich kenne das nicht. Ich rechne bei Überforderung meinerseits mit Tadel, Aufforderungen mich "gefälligst mehr Anzustrengen" und verfalle nicht selten auch zuerst in diesen Modus. Ich finde es gerade spannend darüber nachzudenken - ein Bedürfnis nach Selbstreflektion gibt es wohl nicht? Aber vielleicht ist es das nach Wachstum, das sich mir dabei erfüllt - auch wenn ich erstmal den Eindruck habe nur Licht ins Dunkel zu bringen und noch nicht zu wachsen, aber ich sehe halt in der Klärung auch die Möglichkeiten.

Die von dir angesprochenen Gefühle sind mit mir unterwegs wenn ich von überfordert fühlen rede, ganz klar. Insofern passen sie für mich gut dazu. Nur als Ersatz fühle ich mich damit unwohl, denn wenn ich das Wort überfordert nutze ist oft mein Bedürfnis nach emotionaler Sicherheit nicht erfüllt und die brauche ich aber in einem gewissen Maß um wiederum differenzierter zu fühlen bzw. wahrzunehmen. Es ist schon irgendwie ein Ersatzbegriff, aber wie nenn ich es denn sonst? Emotional unklar / unsicher? hmm. Ich bin was das angeht vielleicht stark geprägt durch Zeiten des Mobbings und der sozialen Phobie, meine Gefühle als Schutzreaktion zu verstecken und dann erst später wieder dran zu kommen, ist eine alltägliche Reaktion von mir. Doch mir ist noch kein besseres Wort als überfordert eingefallen. Okay, wirklich drüber nachgedacht habe ich auch nie. Aber ich sah bisher auch keine Veranlassung ein anderes zu nehmen. Überfordert, das impliziert, dass mehr gefordert ist als ich geben kann und das ist es irgendwie was passiert wenn ich in dieser Emotionalen Unsicherheit bin, mein (Gefühls-) Kompass ist weg.

Ich spüre deutliche Erleichterung beim lesen das es dir mit Pseudo ähnlich geht. Ja, sehr deutliche Erleichterung *glucks* Bisher nahm ich als Wort immer Interpretation, Diagnose oder Urteil. Wenn das Wort überfordert wie in deinem Zusammenhang genutzt wird, würde ich aber keines davon nehmen. Hmm *nachdenklich guck*
Wie wäre es mit Meinung? Man meint überfordert zu sein von den vielen offenen Bedürfnissen und erlebten Gefühlen? Wie wäre es mit "Schein" als Vorsilbe? Scheingefühl, oder Scheinbedürfnis, da es so scheint als wäre es... klingt für mich etwas freundlicher (aber nicht viel).

Ich habe grad nochmal über deine Worte "Aber vielleicht ist "überfordert" ja in Deinem Wortschatz für Dich  genau zielführend." nachgedacht. Ich kann das nämlich nicht auf Anhieb beantworten. Zielführend ist es vielleicht insofern, als das es mir hilft zu wissen, dass ich meine Emotionale Sicherheit wiederherstellen und mich dann präziser mit meinen Gefühlen beschäftigen kann.  Ist das jetzt ein Gefühl? Verdorrie, ich weiß es nicht, aber es ist Hinweisgebend wie ein Gefühl und macht auf eine Bedürfnis aufmerksam, reicht mir fürs erste.

Überwältigt nutze ich im positiven Sinne gar nicht, taucht aber auch hier auf der Liste für erfüllte und der für unerfüllte Bedürfnisse auf. Eigentlich benutze ich überwältigt überhaupt nicht, von irgendwas überwältigt zu sein, ob schön oder schmerhlich, finde ich erstmal erschreckend und gar nicht wünschenswert.
Wie denkst du denn von: "Ich wurde von dem überströmenden Glück das mich durchfuhr überwältigt!" (Sagte mal eine Frau über die Minuten nach dem sie ein Kind gebar.)
Ich hab beim Wort überwältigt tatsächlich immer noch die Dampfwalze im Kopf (neige aber durchaus zu Comicartigen Bildern!). Überwältigt, das klingt mir nach "Gewalt oben drüber" ob das nun Freude oder Trauer ist, finde ich da erstmal zweitrangig. Aber ich verfranse mich grad zunehmend und verzettel mich gewaltig. Das geht mir gegen meine Ordnung. *g*

Lieben Gruß,
Teresa


P.s.: Ich kenne nur (körperlich) krank sein als Möglichkeit Erwartungen herabzusetzen, als Strategie wie du es mit überfordert beschrieben hast. Wenn ich nicht irre führte das auch zu hohem Fieber, alle Jahre wieder an Weihnachten und wenn ich zu den Großeltern musste.
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Offline Rübenigel

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Re: Pseudogefühle ... bitte lasst uns doch einmal sammeln!
« Antwort #4 am: 11. Juli 2008, 19:20:58 »
Zitat
Wie denkst du denn von: "Ich wurde von dem überströmenden Glück das mich durchfuhr überwältigt!" (Sagte mal eine Frau über die Minuten nach dem sie ein Kind gebar.)

... unterschreib ich sofort!  ;D

Ja, und ich denke, mit der Dampfwalze hast Du da nicht ganz unrecht ... wenn mich diese positiven Gefühle überwältigen, dann bin ich echt platt.
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Offline Claudia

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Re: Pseudogefühle ... bitte lasst uns doch einmal sammeln!
« Antwort #5 am: 11. Juli 2008, 20:16:37 »
Beim Segeln spricht man vom wahren Wind und vom scheinbaren Wind....


Vielleicht kann man auch "scheinbare Gefühle" sagen?

Claudia



Zitat
      
scheinbarer Wind

Der an Bord eines fahrenden Bootes wahrgenommene Wind, der gleichzeitig als wirksamer Segelwind die Windenergie liefert, mit dem die Segel in Verbindung mit Rumpf und Takelage für die Fortbewegung des Bootes sorgen.


http://www.modellskipper.de/Archive/Maritimes/Dokumente/maritime_Begriffe_Abschnitt_segeln/scheinbarer_Wind.htm

wahrer Wind

Die auf einen erdverbundenen Beobachtungsort am Liegeplatz, vor Anker, auf einer Pier o. Ä. bezogene Windrichtung und Windstärke, im Gegensatz zum Bezugssystem des fahrenden Bootes, auf dem der wahre Wind in Richtung und Stärke nur aus dem relativen Bordwind und der Fahrt bzw. dem Fahrtwind berechnet werden kann.

« Letzte Änderung: 11. Juli 2008, 20:21:09 von Claudia »
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Offline Rübenigel

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Re: Pseudogefühle ... bitte lasst uns doch einmal sammeln!
« Antwort #6 am: 12. Juli 2008, 12:22:22 »
"Als-ob-Gefühle" ... das fühlt sich gerade für mich o.k an. Die "tun so, als ob" ... weil sie es nicht anders kennen ... und ich noch übe. Genau. Ja. "Als-ob-Gefühle" kann ich jetzt so stehen lassen, das ist für mich schlüssig und nicht bewertend.

@Claudia: ... ich weiß schon, warum mich ein Segelschein nie gereizt hat ... ??? *grins*
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Offline Claudia

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Ein Interpretaions- oder Opfergefühl beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Hier mein Versuch, mich ihm zu nähern. Gerlinde Frtisch, die Autorin von "Praktische Selbstempathie“ schlägt vor:


Sind bei "manipuliert" Ihre Bedürfnisse nach Transparenz, offener
Kommunikation und Respekt für Ihre Autonomie unerfüllt? Oder noch was
anderes?
Und fühlen Sie sich unbehaglich, beklommen, eng, unfrei?






Ich habe schon mit meiner GfK-Familiengruppe einen halben Nachmittag an "manipuliert" rumgekaut und nicht wirklich eine befriedigende Lösung gefunden. Wenn ich die Wölfe rauslasse, kommen Sachen wie:

 :w04:
Du willst mich zwingen,
Du willst mich zu etwas bewegen was ich nicht will
Du bist nicht ehrlich/aufrichtig
Immer soll es nach deiner Nase gehen
Du weißt genau, wie du mich packen kannst
Du respektierst nicht meine Meinung, meine Entscheidung
Du nutzt meine Schwäche aus
Mein Wille zählt für Dich überhaupt nicht
Ich kann mich nicht wehren, wenn du mir so kommst
Du willst wieder nur dein eigenes Süppchen kochen
Ich wüsste wirklich gern, was jetzt wieder dahinter steckt
Da ist doch noch was, was du nicht sagst...






So...

 :g4:

Was sind denn da für Gefühle involviert?
Hilflosigkeit,
Angst,
Verzweiflung,
Schmerz,
Wut,
Ich fühle mich bitter, betroffen, ohnmächtig, ausgelaugt (immer gern wieder...) frustriert, erstarrt, geladen, kalt, in fortgeschrittenem Stadium vielleicht streitlustig, unbehaglich, widerwillig


Von den von Frau Fritsch vorgeschlagenen Bedürfnissen freut mich am meisten (und macht mich gerade ganz traurig) "Respekt für meine Autonomie". Aber das liegt vermutlich daran, dass das ein Lebensthema von mir ist.

Bedürfnisse: Es hat auch was mit Vertrauen zu tun. Nämlich dass es eine gute Lösung ohne Manipulation geben könnte. Transparenz und Offenheit scheinen so selbstverständlich, so offensichtlich. Ich vermute, zumindest bei mir liegt da noch was drunter, und das hat sehr viel mit meinem freien Willen zu tun. Respekt, Vertrauen, Selbstvertrauen - ich möchte selber gute Entscheidungen treffen und nicht zu etwas gedrängt oder bewegt werden... - in einer engen Beziehung hat das für mich auch was mit Nähe zu tun. Wenn der andere nicht-offen mich dazu bewegen will, etwas zu tun, zu sagen, zu lassen, zu denken, was ich so gar nicht einschätzen kann, dann bin ich schnell bei "ausgenutzt" (auch schön, hatten wir das schon irgendwo?).



Mich würde interessieren, wie Ihr mit Pseudogefühlen umgeht.


Gruß

Claudia
« Letzte Änderung: 22. August 2009, 22:32:17 von Claudia »
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Offline Tilaka

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Hallo Claudia,
auch ich habe so meine Probleme mit dem Manipulieren. Die gute Tante Wiki erklärt mir auch ganz gut, weshalb. Da können wir nämlich lesen, dass diese Art (wörtlich) Handhabungen eben bedeuten: "sämtliche Prozesse, welche auf eine Steuerung des Erlebens und Verhaltens von Einzelnen und Gruppen zielen und diesen verborgen bleiben sollen (Camouflage)."
 
Wenn wir nach Rosenbergs Ansätzen die Art bei Hofe (Höflichkeiten) bereits und ebenso auch den Austausch diplomatischer Nettigkeiten gewisse Formen versteckter Gewalt nachsagen, können wir gemäß dessen und auch der og. Wiki-Definition mE. getrost die Manipulation dort einordnen, weil unehrlich - eben nicht echt - unoffen, eine verdeckte Geheimoperation eben ist. Meine mir bes. wichtigen Bedürfnisse nach Austausch auf Augenhöhe, dh. Selbst- und/oder Mitbestimmung in Freiheit und Sicherheit (Vertrauen), Harmonie, auch Gleichwertigkeit bzw. Respekt, Achtsamkeit, Wertschätzung und noch etliches mehr sind da bei mir immer arg in Not. Vmtl. ärgert mich dabei auch die Ungeduld und fehlende Rücksichtnahme des anderen, weil ich ganz gut und auch gerne für mich alleine Sorgen und auch meine eigenen "Fehler" machen möchte, um dann gegebenenfalls daraus auch ganz anders lernen zu können, als wenn es mir vorgekaut würde. Ja - da ist noch einiges mehr ... 
 
In giraffisch wäre die vertrauensvolle und offengelegte Anregung zur Inspiration wohl der Manipulation immer vorzuziehen.
 
-
 
Kleiner Zusatz zu Träumling - Hallo Teresa,
gem. deinen Ausführungen (11. Juli 2008, 18:00:59) zu 'überfordert' als Vorstufe von 'überwältigt', sehe ich in ersterem eine klare Kritik und negative Bewertung und keine reine (wertfreie) Beobachtung mehr. Wogegen sich mir zweiteres als sogen. Zwittergefühl darstellt, dh. ich mich einerseits sowohl von Zorn, als auch durchaus von Freude 'überwältigt' fühlen kann. Überfordert "fühle" ich mich jedoch nur dann, wenn ich nicht rechtzeitig die Bremse gezogen, also unbedacht, arg- und achtlos mit mir selbst war bzw. für mich eben nicht gut (genug) gesorgt habe.
 
War ja nun lange nicht mehr hier drin und bin nach Claudias Beitrag von vor zwei Tagen über den Thread hier gestolpert ... Naja - hat Cynthia im Grunde schon so ähnlich ausgeführt, und ich wollt mein Senf auch nur einfach noch mit beimengen ;) Und maybee - vlt. bringts dir ja was?
 
-
 
Wünsche gute Zeit allseits*
LG St. 
 
« Letzte Änderung: 18. August 2009, 03:13:20 von Tilaka »
"It`s simple but not easy"

Offline Träumling

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Mensch Tilaka, was gräbst du da nur für altes Zeugs aus!

Gruß,
Teresa
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Moin, Teresa,

bist Du überrascht oder erschrocken? Freust Du Dich oder bist Du irritiert?

Schade, geschrieben kann ich das nicht deuten, und ich würde mich gern mit Dir verbinden  :g1:


Einen Gruß schickt

Claudia
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Offline Claudia

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uups, Teresa, jetzt hab ich doch die klare Bitte vergessen...


Magst Du mir sagen, wie es Dir geht, wenn so ein altes Thema wieder angesprochen wird?



Gruß

Claudia
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Offline Träumling

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Hallo Claudia und Tilaka

ja ich bin überrascht und unangenehm berührt. Ich wurde mit alten Anschauungen konfrontiert ohne gefragt zu werden wie das heute eigentlich ist. Ich vermisse da Verbundenheit, aufeinander zu gehen und gesehen werden.
Tilaka schrieb nun: "gem.deinen Ausführungen (11. Juli 2008, 18:00:59) zu 'überfordert' als Vorstufe von 'überwältigt'" aber es folgte ja nichts das "gemäß" war, also entsprechend bzw. dem Inhalt folgend, sondern das Gegenteil - das hat mich verpackt in dieser Ausdrucksweise zusätzlich verunsichert.

Ich spüre Freude wenn sich Leute auch alte Fäden vornehmen und sie für sich benutzen, um sich zu positionieren zum Beispiel, um auszuloten wo sie gerade stehen und wie es ihnen damit geht und wenn das mitgeteilt wird... einfach schön. Das erfreut mich.

Hier ging es mir aber nicht gut, weil ich heute angesprochen wurde ohne das nachgefragt wurde wie es mir damit heute geht. Ein Jahr ist eine lange Zeit und ich lebe und wachse, ich möchte meine Unterhaltungen im hier und Jetzt führen und auf Augenhöhe. Ich empfand es sogar als schmerzlich zu lesen "vielleicht bringt´s dir ja was" - denn ich fühlte ich mich überhaupt nicht gesehen und nicht verbunden - das war für mich wie ein Gespräch über mich in meiner Vergangenheit.

Beantwortet das deine Frage, Claudia? Sag mir doch bitte ob du das ganz oder in Teilen nachvollziehen kannst. Ich merke es ist mir gerade sehr, sehr wichtig verstanden zu werden und eventuell sogar Einfühlung zu bekommen.

Liebe Gruß,
Teresa
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Liebe Teresa,
danke, dass Du Dich zeigst! Ich freue mich sehr, weil ich jetzt besser verstehen kann, dass Du irritiert und erschrocken bist. Du möchtest gern im Heute leben, und die Anknüpfung an ein altes Posting (und eine vergangene Lebenssituation) hat bei Dir Schmerz und Unbehagen ausgelöst. Ist das so?



Gruß

Claudia
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Offline Träumling

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Hallo Claudia,

ich fühle mich mal wieder sehr Willkommen und gut aufgenommen bei dir, danke.
Es stimmt halb und halb. Ich möchte halt das meine Mitmenschen mir im heute begegnen und mich nicht nach dem was früher war beurteilen.

Lieben Gruß,
Teresa
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