Autor Thema: Kritik am (Zertifizierungs-) Konzept der "Gewaltfreien Kommunikation"  (Gelesen 26908 mal)

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Offline Michael

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Kritik am (Zertifizierungs-) Konzept der "Gewaltfreien Kommunikation"            


Eine Kollegin, der ich von den Vorzügen der "Gewaltfreien Kommunikation" erzählte, kommentierte einige Ideen auch kritisch. Dies ist für mich der Anlass, kritische Anmerkungen aus "Wikipedia" hier aufzunehmen. Diese werden in dem zitierten Artikel ebenfalls kommentiert:
 
Zitat
Zitat aus Wikipedia "Gewaltfreie Kommunikation"

Kritik an der theoretischen Konzeption der GfK

Kritik am Konzept des gegenseitigen Aushandelns


Kritiker der GfK stellen sie dort in Frage, wo die Gesprächspartner unterschiedliche Interessen vertreten, sich aber konform zu den Regeln der GfK verhalten, wodurch eine Einigung erschwert werde.

Rosenberg entgegnet, dass die GfK nicht dazu gedacht sei, andere dazu zu bringen, die eigenen Interessen umzusetzen. Er geht davon aus, dass ein Konflikt lediglich auf der Strategie-Ebene stattfinden könne, aber nicht bei den Interessen. Will man einen Konflikt lösen, gelte es Interessen von Strategien zu trennen, so dass man angesichts aller vorhandenen Interessen in einer Situation, "neue Wege" gehen könne, die für alle Beteiligten passen würden. Die ursprüngliche Position einer Partei müsse dann überhaupt nicht mehr als die erstrebenswerteste betrachtet werden, weil sich im Kommunikationsprozess gezeigt habe, welche Nachteile für die Konfliktparteien ihre Umsetzung gebracht hätte.

Für den Fall jedoch, dass von der Durchsetzung der eigenen Position die Sicherheit aller Beteiligten abhängt, bietet Rosenberg die Anwendung "schützender Macht" an (protective use of force). Er unterscheidet bei Machtentscheidungen zwischen der schützenden und der strafenden Art. Während die "strafende Macht" zum Ziel habe, Haltung oder Gefühle einer oder mehrere Personen zu verändern, zielt die "schützende Macht" nur auf die Umstände ab. Sie versuche also, die Situation so zu verändern, dass ein Schutz entsteht, habe aber nicht die Absicht, jemand anderem Schaden zuzufügen oder ihn unter Druck zu setzen. Das sei ein Weg, auch im Sinne der GfK seine Macht einzusetzen.

Kritik am Konzept der bewertungsfreien Empathie

Eine häufig geäußerte Kritik gegenüber der GfK bezieht sich darauf, dass wertungsfreie Kommunikation nicht möglich sei. Wer wertungsfreie Kommunikation fordere, würde das Unterdrücken von Emotionen bestärken.

Dieser Kritik wird das spezielle Rosenbergsche Konzept von Kommunikation entgegengehalten: Rosenberg spricht von "Wolfs-" und "Giraffenbotschaften". Eine "Wolfsbotschaft" wäre: „Ich habe jetzt genug davon, Du hast Dir wieder mehr Kekse gegeben. Du bist so egoistisch!“ In "Giraffensprache" klänge das so: „Du hast Dir wiederholt mehr Kekse gegeben und ich bin sauer, denn es ist mir wichtig, dass Menschen sich zuvorkommend behandeln. Sagst du mir, ob Du das absichtlich gemacht hast?“ Hier werde deutlich, dass es darum geht, die eigenen Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern auszudrücken – nur eben auf eine Weise, die der andere verstehen und nachvollziehen kann.

Dem Vorwurf, dass wertungsfreie Kommunikation nicht möglich sei, wird so begegnet: Der Akteur nimmt in der GfK Urteile und Interpretationen seines Gegenübers wahr, der diese auch zum Ausdruck bringen soll. Der Fokus liegt hier darauf, sie als eigene Interpretationen und Gedanken kenntlich zu machen und sie auf das dahinterstehende Bedürfnis zurück zu führen. Laut Rosenberg gibt man damit dem Gegenüber die Möglichkeit, den Grund des Gesagten zu verstehen.

Dies erfordert jedoch ein hohes Maß an Courage und Übung: In der "Giraffensprache" werden eigene Motive und Interpretationen nachvollziehbar gemacht und damit angreifbar ("Wolfssprache" erfüllt eine Schutzfunktion, deren Nachteil die hohe Wahrscheinlichkeit einer Konfrontation ist). Außerdem ist eine Selbstklarheit nötig, durch die der Akteur bewusst unterscheiden kann, welche seiner Äußerungen Beobachtungen und welche Urteile und Interpretationen sind.

Kritik an den Grundannahmen

Grundsätzlich wird in Frage gestellt, ob sich Konflikte tatsächlich auflösen, wenn die hinter den Konflikten liegenden Gefühle und Bedürfnisse bekannt sind.

Darüberhinaus wird kritisiert, dass der Bedürfnisbegriff im Rahmen der GfK normativ verwendet werde, in dem Sinne, dass zwischen echten Bedürfnissen und solchen, hinter denen andere stehen, unterschieden wird und dass zerstörerische, destruktive Persönlichkeitsanteile ausgeblendet werden. Kritiker sprechen davon, dass Verantwortungslosigkeit, Skrupellosigkeit oder Faulheit nicht angemessen betrachtet würden, wenn grundsätzlich positiv formulierte Bedürfnisse dahinter vermutet werden.

Befürworter der GfK gehen dagegen davon aus, dass jeder Mensch gern bereit sei, etwas für einen anderen Menschen zu tun, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind (z. B. die Anfrage als Bitte formuliert ist und nicht als Forderung, er nicht den Eindruck hat, dadurch eine Pflicht abzuarbeiten oder den anderen in eine Pflicht zu setzen etc.). Dieses Menschenbild geht auf die der humanistischen Psychologie entlehnten Haltung zurück, in einer schädigenden Aktion eines Individuums nicht den Ausdruck des inneren Wesens zu sehen, sondern die "fehlgeleitete" Strategie eines eigentlich positiven Impulses (Rosenberg bezieht sich besonders auf Carl Rogers). So nennt Rosenberg jede Form von Gewalt einen tragischen Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses.

Kritik an der praktischen Anwendbarkeit der GfK

Kritik, dass die GfK in betriebswirtschaftlichen und politischen Kontexten nicht einsetzbar sei


Kritiker argumentieren, dass insbesondere in betriebswirtschaftlichen und elementaren privaten Kontexten, bei denen es um das gemeinsame (wirtschaftliche) Überleben oder die Verteidigung von Angriffen von außen geht, die GfK nicht sinnvoll einsetzbar ist. Sie führe nicht zu schnellen Entscheidungen und lege keinen Fokus auf die Demonstration von Eintracht.

Die GfK dazu: Da Klärungsprozesse in der GfK erst abgeschlossen sind, wenn alle Beteiligten gehört wurden, ist die Entscheidungsschnelligkeit nicht mit denen hierarchischer Entscheidungen zu vergleichen. Diese Umverteilung der Priorität hat jedoch auch den wichtigen Beweggrund sicherzustellen, dass Entscheidungen auf diesem Wege auch wirklich von allen getragen, also auch durchgeführt werden. Bewährt hat sich in der beruflichen Praxis, etablierte Moderationsmethoden mit der GfK zu verbinden und die Mitarbeiter an der Metaebene teilhaben zu lassen: Alle entscheiden sich grundsätzlich, eine bestimmte Gesamtzeit nicht zu überschreiten, wählen einen Modus, mit dem nach Ablauf dieser Zeit eine sofortige Entscheidung gefällt werden kann (z. B. Abstimmung). Die Kritik verweist allerdings auch auf eine tiefere Ebene: GfK ist in betrieblichen Kontexten nicht nur partiell und nie bloß als Werkzeug anwendbar. Die Einführung einer derartigen Gesprächskultur hat Folgen für die Hierarchie-Kultur in einem Unternehmen und stellt neue Anforderungen an Prozesstransparenz, Kritikfähigkeit, Schulung der Beteiligten und Räumen für gemeinsamen Austausch. Als gute Lösung für Unternehmen hat sich bewährt, eine neue Terminologie von Gefühlen in die GfK einzuführen. So ist es zielführend, nur auf die Bedürfnisse/Werte/Motive einzugehen oder Gefühlsworte zu verwenden, die wenig Widerstand hervorrufen (z. B. "Sie sind einfach vorsichtig?", statt "Sie haben Angst, weil …?"). Prinzipiell ist es ratsam, die Sprache dem Kontext anzupassen. Da es auf den Prozess und den Fokus der Aufmerksamkeit ankommt, kann die Anwendung der GfK da sehr flexibel sein. Der Aufbau einer einträchtigen Gemeinschaft ist tatsächlich in der GfK nicht einbezogen, ebensowenig wie das Aufbauen von loyalen Lobbygruppen für bestimmte Themen. Grund dafür ist, dass Konflikte in systemischer Tradition als offene Räume gesehen werden: Es geht nicht darum, wer Recht hat oder wer sich durchsetzen kann, sondern allein darum, dass die Beteiligten sich verstehen können und in der Lage sind, eine Lösung zu finden, die den Bedürfnissen aller gerecht wird.


Kritik, die GfK sei formelhaft

Die GfK-Methode, insbesondere die formelhaften Sprachbeispiele, wird als steif, unspontan und leblos kritisiert. Darüberhinaus kann die Art der Kommunikation als manipulativ und als moralische Erpressung empfunden werden, auch wenn dies von GfK nicht beabsichtigt ist.

Die GfK dazu: Rosenberg weist oft darauf hin, dass die GfK nicht als Werkzeug verstanden werden dürfe. Hinter der theoretischen Schule steckt eine Art Philosophie, eine innere Überzeugung davon, was Kommunikation ist und wie Konfliktprozesse ablaufen. Einer der wichtigsten Punkte: In einem Konflikt geht es nicht darum, das durchzusetzen, was man durchsetzen will, sondern es geht um einen Kontakt zum Konfliktgegner und darum, eine Lösung zu finden, in der beide Bedürfnisse Ausdruck finden. Diese Haltung sei es letztendlich, die den Konflikt entschärfe, weil das Gegenüber nicht mehr als Gegner wahrgenommen wird, sondern als Mensch mit anderer Meinung oder im besten Fall als Inspirationsgeber, der neue Blickwinkel eröffnet. Würde ein Akteur aus dieser humanistischen Haltung heraus sprechen, so würde der Eindruck der moralischen Erpressung oder Manipulation nicht mehr entstehen. Die durch die formale Struktur steife Sprache Rosenbergs würde sich, so die GfK weiter, mit der Zeit durch die eigene Sprache ersetzen. Es gibt das Modell einer sprachlichen Entwicklung in der Aneignung von Konfliktbearbeitungspotenzial: Vom unbewussten Unwissen („Ich weiß gar nicht, dass ich nicht gewaltfrei kommuniziere“) über das bewusste Unwissen („Ich weiß, das ich nicht gewaltfrei kommuniziere“) führe der Weg bis zum bewussten Wissen („Ich weiß, dass ich gewaltfrei kommuniziere“) und schließlich zum unbewussten Wissen („Ich denke nicht mehr darüber nach, aber weiß, wie ich gewaltfrei kommuniziere.“). Bis dahin, so schlagen Interpretationen von Rosenberg vor, solle im Kontakt verdeutlicht werden, dass man versucht nach Rosenberg zu kommunizieren, weil man sein Konzept der Kommunikation vielversprechend findet, sich aber noch in der Übungsphase befindet und um Rückmeldung bittet, sollte es zu formalistisch klingen.

Kritik, dass die GfK bestimmte Elemente nicht oder nicht ausreichend berücksichtige

Kritik, dass die GfK Lösungen nicht ausreichend fokussiere


Ein Kritikpunkt, der immer wieder geäußert wird, ist der, dass die GfK dazu anrege, sich im Gespräch zu verzetteln, umeinander herumzutanzen und keine effektive Möglichkeit vorzuschlagen, schnell zu einer Lösung zu kommen.

Die GfK versteht sich selbst weniger als einen lösungsorientierten, mehr als einen prozessorientierten Ansatz. Das bedeutet, dass selbst, wenn man in einem Gespräch (noch) keine Lösung findet, das Gespräch trotzdem der Beziehung dienen kann, indem man Transparenz von Gefühlen und Bedürfnissen ermöglicht. Es geht dabei nicht darum, die Bedürfnisse direkt zu erfüllen, sondern sie erst einmal wahrzunehmen und anzuhören. Oft geschehen schon durch diesen Prozess Öffnungen, die am Ende Lösungen zugängig machen, die zu Anfang des Gespräches in meilenweiter Ferne und überhaupt nicht denkbar waren. Im konkreten Fall würde also ein geübter GfK-Anwender, der merkt, dass man sich im Kreis dreht, danach fragen, welches Bedürfnis wohl dahinter steckt, dass sich niemand auf den anderen zubewegen mag. Er würde den Prozess also weiter treiben, bis wirklich alles geklärt ist. Das miteinander Sprechen funktioniert also nur, wenn Zeit und Bereitschaft von beiden Beteiligten vorhanden sind und zumindest eine Person den Fokus auf Gefühle und Bedürfnisse richtet und die GfK anwendet. Auch kann es vorkommen, dass "Anfänger" sich leicht im Kreise drehen oder nicht zum Punkt kommen, weil oftmals der Kontakt zu den eigenen oder fremden Gefühlen und Bedürfnissen nicht so leicht gefunden werden kann.

Kritik, dass die GfK etliche Kommunikationsakte nicht berücksichtige

Die GfK berücksichtige etliche relevante Punkte von Kommunikationsprozessen nicht, argumentieren viele Kritiker. Im Kontext von Thema, Gruppe und Ich sollten der situative Kontext und die Machtverhältnisse sowie unausgesprochene Werteordnungen und Ressourcen der Beteiligen angemessen einbezogen werden. Die Reduzierung auf eine zwar gelungene gewaltfreie verbale Kommunikation führe sonst nicht grundsätzlich zu einer gewaltfreien, sondern zu einer kompensierenden Kommunikation, welche gesunde Dominanzbestrebungen und den Wettbewerb um die erfolgreichere Strategie sowie eine Ressourcenorientierung und -wertung ausblendet.

Die GfK argumentiert hier wie folgt: Die Wahl der erfolgreichsten Strategie sei nur dann gewährleistet, wenn alle Beteiligten sich verstanden fühlen. Dominanzbestrebungen werden in der GfK einbezogen. Allerdings werden sie – und das macht den Unterschied zur alltäglichen Kommunikation – nicht als eigentliche Botschaft aufgefasst, sondern als Signal für eine dahinter liegende Mitteilung [1]. Gleiches gilt für den bewussten Umgang mit historisch gewachsene Konflikten, gegebenen Werte- und Machtordungen oder den Möglichkeiten der Beteiligten: Sie sollten für eine funktionierende Kommunikation in das Gespräch integriert werden. Allerdings immer gebunden an das Bedürfnis des Einzelnen (z. B. gegenüber einem Vorgesetzten: „Sie haben sich für die von Ihnen favorisierte Lösung entschieden, obwohl ich Bedenken dagegen geäußert habe. Ich merke, dass mir das ein Gefühl von Ohnmacht gibt, weil mir wichtig ist, dass Ideen der Mitarbeiter ernst genommen werden. Wären Sie bereit, mir zu sagen, was Sie an meiner Idee nicht sinnvoll fanden?“)

Kritik, die GfK lasse den Machtbegriff außen vor

Kritiker argumentieren, dass die GfK den Machtbegriff nicht einbeziehe, sondern von einer Gleichwertigkeit der Positionen ausgehe, die im realen Leben nicht gegeben sei.

Entgegen dem Argument der Kritiker sei das Konzept der Macht schon im Grundlagenwerk „gewaltfreie Kommunikation“ ausgedrückt. Rosenberg unterscheidet hier schützende Macht von bestrafender Macht. Schützende Macht ist dabei verwandt mit dem Begriff der Autorität im Rahmen der Organisationslehre, bestrafende Macht mit dem Begriff des Autoritären.

Kritik an der Ausklammerung jedes Drucks

Die GfK vertritt die These, dass in keiner sozialen Situation Druck zum effektiven Arbeiten oder harmonischen Zusammenleben beiträgt. Kritiker sehen darin die Forderung nach einer Aufgabe etablierter autoritärer Institutionen, die gesellschaftliche Sicherheit oder den innerbetrieblichen reibungslosen Ablauf garantieren. Der Entzug von Ressourcen, die Darstellung von finanziellen oder familiären Konsequenzen oder die Androhung von exekutiver (polizeilicher) Gewalt kann durchaus geeignet sein, eloquente Rhetoriker oder gewaltbereite Gesprächspartner dazu zu bewegen, sich in Zukunft ethisch zu verhalten und gegebenenfalls dem Gruppendruck einer Wohngemeinschaft, eines Teams im Unternehmen, der Familie oder Sozialgemeinschaft beziehungsweise des Partners oder der Familienangehörigen oder Freunde, mithin jedes betroffenen Systembeteiligten zu folgen.

Die GfK argumentiert dazu: Druck hat immer eine Verlagerung der gewalttätigen Energie zur Folge. Druck, der eine reale Änderung herbeiführt, führt nicht zur Besinnung, sondern zu Unterdrückung einer Strategie, mit der der unter Druck Gesetzte ein Bedürfnis befriedigen wollte. Der Bestrafte spüre ein Hindernis, eine bestimmte Strategie zu verfolgen, ist aber in dem Bedürfnis, aus dem heraus er diese Strategie gewählt hat, nicht gelöst, vermutlich sich des Bedürfnisses nicht einmal bewusst. Er würde also eine andere Strategie wählen, um sein Bedürfnis zu erfüllen. Wie ernst Rosenberg selbst diese Prämisse nahm, mag an seinen Gesprächen mit Vergewaltigern deutlich werden. Er führte die Gespräche unter der Leitfrage: „Sie hatten sicher ein Ziel, als Sie das getan haben. Lassen Sie uns doch überlegen, ob es nicht einen Weg gibt, dieses Ziel zu erreichen, der weniger Schwierigkeiten verursacht.“ Auch in der GfK gibt es jedoch die Option, notfalls Druck einzusetzen, wenn man nach Selbstklärung der Überzeugung ist, dass nur dieser Weg eine Möglichkeit darstellt, ein existenzielles Bedürfnis zu erfüllen (z. B. ist es durchaus GfK-gemäß, die Polizei zu rufen, wenn die körperliche Unversehrtheit anderer Beteiligter in Gefahr zu sein scheint). Es muss jedoch in Frage gestellt werden, ob die GfK das richtige Mittel ist, alltägliche und betriebliche Konflikte mit mehreren ungeschulten Beteiligten ohne jedes Druckmittel schnell und wirksam zu lösen. Andere Theorieschulen, die den Druck als Instrument nicht ausklammern, unterstreichen jedoch die Wichtigkeit, den Einsatz des Druckmittels so zu kommunizieren, dass der unter Druck gesetzte eine Möglichkeit hat, die Hintergründe der Entscheidung zu verstehen.

Vergleich mit anderen Schulen

Die Rollen bewertender Kommentare in anderen Theorieschulen


Schon die Mäeutik des Sokrates will nicht die Wertung vollkommen bannen, sondern stellt ihren Nutzen in würdigender Form zur Verfügung. Aus systemischer Sicht gehören Provokation, Machtdemonstration und Wettbewerb zum menschlichen Erleben. Aus Sicht der themenzentrierten Interaktion wird empfohlen, die eigenen Interpretationen so lange wie möglich zurückzuhalten (Hilfsregel der TZI), jedoch wird als Axiom gesetzt, dass Bewertung notwendig ist. Auch im Bereich der Theorien von Deeskalation und Konfliktmanagement finden sich Konzepte, die bewertende Interventionen mit Erfolg einsetzen. Nicht zuletzt fordert das aus dem Businessbereich stammende so genannte Harvard-Konzept explizit sogar "Hart in der Sache - weich zum Menschen".



Vielleicht fallen Einzelnen noch andere Punkte ein, die hier noch nicht erwähnt wurden. Es gibt sicher bei der Vermittlung und Weitergabe noch einige Widersprüche, die der Auflösung harren. Mit GfK wird natürlich auch Geld verdient: Kurse, Ausbildungen, Assistenz, Beratung, Veröffentlichungen. Manche haben sich davon schon abgewendet. Eine Kursteilnehmerin eines GfK-Einführungskurs erzählte mir, dass ein bekannter GfK'ler sich in Lateinamerika von Sponsoren unterhalten läßt, die seiner kleinen Familie ein Auskommen zahlen und die GfK-Arbeit mit Geld unterstützen. Dieses Geld ermöglicht es ihm, Kurse zu halten und zu den Kursen anzureisen. Er hat keine Privatentnahmen. Er verdient nicht direkt durch GfK.

Unsere Ausbilderin teilte uns mit, dass die zertifizierten TrainerInnen der GfK-Organiusation den zehnten Teil ihrer Einnahmen, die sie mit der GfK erziehlen, für ihre Aufgaben abtreten. Die schon nicht einfach zu erlangene Zertifizierung, um von M. B. Rosenbergs GfK-Organisation anerkannt zu werden und das auch werbend verwenden zu dürfen, ist zeitaufwendig und nicht billig. Derzeit gäbe es aber einen Zertifizierungsstop: Viele TrainerInnen befänden sich in einer Warteschleife. Das gesamte Zertifizierungskonzept stehe auf dem Prüfstand, möglicherweise zum Zwecke der Verschärfung.

Erstaunlicherweise (?) seien die meisten zertifizierten Trainer in Deutschland, fast genauso viele, wie derzeit weltweit. Die Deutschen hätten vermutlich einen besonderen Hang zu Zertifikaten, Prüfungen, Titeln, sagte mir die Ausbilderin. Dabei würde Rosenberg selbst das Anstreben von Titeln eher als hinderlich für eine persönliche Entwicklung einschätzen. Man solle mehr sein, am besten tief verbunden mit seinen wahren Bedürfnissen und nicht mit einem z.B. akademischen Schein.

Es ist natürlich klar, warum die Zertifizierung ersonnen wurde. Man wollte unter anderem damit sicher stellen, dass die Rosenberg'sche Idee nicht zweckentfremdet bzw. stark verfälscht würde. Zwar ist der Begriff "Gewaltfreie Kommunikation" nicht gesetzlich geschützt, aber Rosenbergs Gesamtidee stellt sozusagen eine Art geistiges Vermächtnis dar, obwohl auch er vermutlich keine Einwände gegen Weiterentwicklungen hätte.

LG, Michael
« Letzte Änderung: 17. September 2007, 10:05:58 von Michael »
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Offline Michael

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Re: Kritik am (Zertifizierungs-) Konzept der "Gewaltfreien Kommunikation"
« Antwort #1 am: 17. September 2007, 10:12:47 »
Das obenstehende Posting habe ich auf Wunsch von Claudia auch hier veröffentlicht. Es stammt aus einem anderen Forum (Quelle: http://ganzheitlichesicht.de/forum/thread.php?sid=&postid=11139#post11139 ).

Michael
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Vielleicht fallen Einzelnen noch andere Punkte ein, die hier noch nicht erwähnt wurden. Es gibt sicher bei der Vermittlung und Weitergabe noch einige Widersprüche, die der Auflösung harren. Mit GfK wird natürlich auch Geld verdient: Kurse, Ausbildungen, Assistenz, Beratung, Veröffentlichungen. Manche haben sich davon schon abgewendet. Eine Kursteilnehmerin eines GfK-Einführungskurs erzählte mir, dass ein bekannter GfK'ler sich in Lateinamerika von Sponsoren unterhalten läßt, die seiner kleinen Familie ein Auskommen zahlen und die GfK-Arbeit mit Geld unterstützen. Dieses Geld ermöglicht es ihm, Kurse zu halten und zu den Kursen anzureisen. Er hat keine Privatentnahmen. Er verdient nicht direkt durch GfK.

Unsere Ausbilderin teilte uns mit, dass die zertifizierten TrainerInnen der GfK-Organiusation den zehnten Teil ihrer Einnahmen, die sie mit der GfK erziehlen, für ihre Aufgaben abtreten. Die schon nicht einfach zu erlangene Zertifizierung, um von M. B. Rosenbergs GfK-Organisation anerkannt zu werden und das auch werbend verwenden zu dürfen, ist zeitaufwendig und nicht billig. Derzeit gäbe es aber einen Zertifizierungsstop: Viele TrainerInnen befänden sich in einer Warteschleife. Das gesamte Zertifizierungskonzept stehe auf dem Prüfstand, möglicherweise zum Zwecke der Verschärfung.

Erstaunlicherweise (?) seien die meisten zertifizierten Trainer in Deutschland, fast genauso viele, wie derzeit weltweit. Die Deutschen hätten vermutlich einen besonderen Hang zu Zertifikaten, Prüfungen, Titeln, sagte mir die Ausbilderin. Dabei würde Rosenberg selbst das Anstreben von Titeln eher als hinderlich für eine persönliche Entwicklung einschätzen. Man solle mehr sein, am besten tief verbunden mit seinen wahren Bedürfnissen und nicht mit einem z.B. akademischen Schein.

Es ist natürlich klar, warum die Zertifizierung ersonnen wurde. Man wollte unter anderem damit sicher stellen, dass die Rosenberg'sche Idee nicht zweckentfremdet bzw. stark verfälscht würde. Zwar ist der Begriff "Gewaltfreie Kommunikation" nicht gesetzlich geschützt, aber Rosenbergs Gesamtidee stellt sozusagen eine Art geistiges Vermächtnis dar, obwohl auch er vermutlich keine Einwände gegen Weiterentwicklungen hätte.

LG, Michael

Nach entsprechenden Erfahrungen in einer Ausbildungsgruppe bei einer zertifizierten Trainerin, die ich andernorts schon darstellte und vor einem IIT würde mich interessieren, wie andere GfK-Übende und GfK-Erfahrene oder gar GfK-Lehrer zum Thema "Zertifizierung" stehen. Strebt jemand eine Zertifizierung zum GfK-Trainer an und möchte mit GfK-Training seinen Lebensunterhalt bestreiten? Oder ist jemandem aus anderen Gründen ein Zertifikat wichtig oder unwichtig? Wie steht Ihr zu den Zertifizierungskriterien? Was sollte ein zertifizierter GfK-Trainer Eurer Meinung nach können und sein? Würdet Ihr bei Eurer Anmeldung zu GfK-Fortbildungen darauf achten, ob jemand von der CNVC zertifiziert wurde? Haltet Ihr GfK für eine Methode, eine Haltung, eine Lebensweise, alles zusammen? Was haltet Ihr von einer Dachorganisation wie dem US-amerikanischen Center for Nonviolent Communication? Ermöglicht die Organisation Eurer Erfahrung nach über den Zertifizierungsprozess eine Qualitätssicherung, oder geht es vorallem um Namensschutz und eine Einnahmequelle für eine Dachorganisation? Was halten Lehrer und Schüler von den derzeit verlangten Ausbildungspreisen für IIT's, Ausbildungskurse, Wochenendangebote? Sind sie angemessen, zu hoch, zu niedrig? Wie wird der Umgang mit Geld in der Anwendung von und Ausbildung für GfK gesehen? Für wie durchschaubar/kompliziert haltet Ihr die Regeln, die Angebote? Ich persönlich habe noch nie eine so komplizierte und detailreiche Anmeldungsprozedur samt Datensammlung erlebt, wie die für mein IIT durch die CNVC. Nichts wurde dem Zufall überlassen, nichtmals Krankenversicherungsdetails und Arztadresse. Ein IIT ist ja Voraussetzung für eine Zertifizierung und eine der wenigen Möglichkeiten, den Meister und/oder seine MeisterschülerInnen selbst über einen längeren Zeitraum von insgesamt neun Tagen zu erleben. Und Kurserfahrungen scheinen die Voraussetzungen für ein IIT zu sein.

LG, Michael
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Offline Rübenigel

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Würdet Ihr bei Eurer Anmeldung zu GfK-Fortbildungen darauf achten, ob jemand von der CNVC zertifiziert wurde? Haltet Ihr GfK für eine Methode, eine Haltung, eine Lebensweise, alles zusammen?

Hallo Michael,

ich habe sicherlich auch noch eine Meinung zu der ein oder anderen Frage, die Du gestellt hast, fühle mich jedoch gerade von der Fülle etwas erschlagen. Ich hoffe, es ist o.k., wenn ich erst einmal die beiden herauspicke, deren Beantwortung mir am wenigsten Mühe macht  ;).

Mir ist es wurscht, ob jemand zertifiziert ist, oder nicht. Ich achte als Übende sehr darauf, dass die Chemie zwischen mir und dem Übungsleiter/der Übungsleiterin stimmt. Darum nehme ich vorher Kontakt auf. Ich wünsche mir Lernen mit Leichtigkeit, aber auch Tiefe, Sicherheit und Geborgenheit. Wenn ich spüre, dass das für mich bei meinem Gegenüber nicht stimmt ... suche ich weiter. - Ich habe schon GfK-Profis (oder solche, die es werden wollen) erlebt, die GfK als Methode anbieten. Das passt für mich eben nicht. GfK ist für mich eine innere Haltung, die Freiheit beinhaltet. Wenn es dann besonders wichtig ist, das Schema und die Regeln der GfK einzuhalten, fühle ich mich eingeschränkt und wenig lebendig. Wenn ich dagegen eine offene Grundhaltung und das Vertrauen ins Leben (und das ALLE Dinge im Rahmen eines GfK-Seminars/einer Ausbildung Platz haben dürfen) spüre, ist das ein/e Trainer/in nach meinem Geschmack.

Das ist übrigens eine ganz neue Sichtweise für mich, die ich erst durch die GfK gelernt habe. Früher waren mir diese "Zettel" furchtbar wichtig. So wichtig, dass ich mich selbst in meinem Fachgebiet unbedingt zertifizieren wollte.   :wolf0: Heute halte ich das für ausgemachten Blödsinn (es gibt im Moment wirklich einen regelrechten Zertifizierungswahn in Deutschland). Zertifizierte ich mich als klassische Homöopathin (was für mich in der Sache ein Klacks wäre), würde es mich kein Deut "besser" machen, als ich jetzt bin.

Herzliche Grüße
Cynthia

P.S.: Ich sehe die Bedürfnisse, die mit der Zertifizierung erfüllt werden sollen ... ich glaube aber nicht an Bedürfniserfüllung durch Urkunden. Papier ist geduldig.
Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Michael

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Würdet Ihr bei Eurer Anmeldung zu GfK-Fortbildungen darauf achten, ob jemand von der CNVC zertifiziert wurde? Haltet Ihr GfK für eine Methode, eine Haltung, eine Lebensweise, alles zusammen?

Hallo Michael,

ich habe sicherlich auch noch eine Meinung zu der ein oder anderen Frage, die Du gestellt hast, fühle mich jedoch gerade von der Fülle etwas erschlagen. Ich hoffe, es ist o.k., wenn ich erst einmal die beiden herauspicke, deren Beantwortung mir am wenigsten Mühe macht  ;).

Hallo, Cynthia,

das ist völlig in Ordnung. Ich bin gerade ein wenig auf Orientierungssuche und freue mich über vielfältige Anregungen oder Erfahrungsberichte. Daher die etwas "erschlagende" Fülle an Fragen.

Mir ist es wurscht, ob jemand zertifiziert ist, oder nicht. Ich achte als Übende sehr darauf, dass die Chemie zwischen mir und dem Übungsleiter/der Übungsleiterin stimmt. Darum nehme ich vorher Kontakt auf. Ich wünsche mir Lernen mit Leichtigkeit, aber auch Tiefe, Sicherheit und Geborgenheit. Wenn ich spüre, dass das für mich bei meinem Gegenüber nicht stimmt ... suche ich weiter. - Ich habe schon GfK-Profis (oder solche, die es werden wollen) erlebt, die GfK als Methode anbieten. Das passt für mich eben nicht. GfK ist für mich eine innere Haltung, die Freiheit beinhaltet. Wenn es dann besonders wichtig ist, das Schema und die Regeln der GfK einzuhalten, fühle ich mich eingeschränkt und wenig lebendig. Wenn ich dagegen eine offene Grundhaltung und das Vertrauen ins Leben (und das ALLE Dinge im Rahmen eines GfK-Seminars/einer Ausbildung Platz haben dürfen) spüre, ist das ein/e Trainer/in nach meinem Geschmack.

Ich sehe das sehr ähnlich. In meinem Falle habe ich eine Unvereinbarkeit erst sehr spät definitiv festgestellt, obwohl ich bereits sehr bald ahnte, dass es Schwierigkeiten geben könnte. Auch wenn nicht alles rund läuft, habe ich nämlich eigentlich eine recht große Toleranz und empfinde auch relativ rasch - außer bei groben Unvereinbarkeiten - eine gewisse Loyalität zu einem Lehrer und zu einer Gruppe. Wenn dann die Einschränkung von Lebendigkeit und eine fehlende offene Grundhaltung und Vertrauen in das Leben - wie Du schreibst -  nicht mehr weg zu diskutieren ist bzw. von mir wahrgenommen wird und mich stärker bedrängt, ziehe ich natürlich Konsequenzen. Mich würde interessieren, ob Du einen ganzen Ausbildungskurs belegt hast oder/und ob Du Dich mit vielen kleinen Wochenendmodulen mit der GfK vertraut gemacht hast? Ich hörte viel Lob über die Wochenendkurse in Steyerberg. Auch wenn Empfehlungen ebenso wie Kritik subjektiv sind, wäre ich doch auch an positiven Berichten interessiert.

Das ist übrigens eine ganz neue Sichtweise für mich, die ich erst durch die GfK gelernt habe. Früher waren mir diese "Zettel" furchtbar wichtig. So wichtig, dass ich mich selbst in meinem Fachgebiet unbedingt zertifizieren wollte.   :wolf0: Heute halte ich das für ausgemachten Blödsinn (es gibt im Moment wirklich einen regelrechten Zertifizierungswahn in Deutschland). Zertifizierte ich mich als klassische Homöopathin (was für mich in der Sache ein Klacks wäre), würde es mich kein Deut "besser" machen, als ich jetzt bin.

Das kann ich auch gut nachvollziehen. Als Studenten wurden wir darauf getrimmt, "Scheine" zu machen. Später ließen wir uns alle Fortbildungen bescheinigen. Ich bin aus mehreren Gründen sehr skeptisch hinsichtlich von Zertifizierungen auch bei der GfK. Am Anfang dachte ich mal: Warum nicht. Schon als Ausbildungsnachweis. Später kamen mir Zweifel. Dann fragte ich mich am Beispiel: Woran erkenne ich denn nun, dass da jemand dank Zertifizierung eine gute GfK-Ausbildung mit Herz und Verstand anbietet? Das Zertifikat schien mir augenscheinlich kein Garant mehr dafür zu sein.

P.S.: Ich sehe die Bedürfnisse, die mit der Zertifizierung erfüllt werden sollen ... ich glaube aber nicht an Bedürfniserfüllung durch Urkunden. Papier ist geduldig.

Ich glaube zu ahnen, was Du meinst. Wenn Du Zeit hast, würde ich Dich dennoch um Verdeutlichung bitten, welche Bedürfnisse durch Zertifizierung Deiner Meinung nach erfüllt werden.

Liebe Grüße, Michael
« Letzte Änderung: 09. Juli 2008, 22:20:37 von Michael »
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Offline Rübenigel

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Zitat
Mich würde interessieren, ob Du einen ganzen Ausbildungskurs belegt hast oder/und ob Du Dich mit vielen kleinen Wochenendmodulen mit der GfK vertraut gemacht hast? Ich hörte viel Lob über die Wochenendkurse in Steyerberg. Auch wenn Empfehlungen ebenso wie Kritik subjektiv sind, wäre ich doch auch an positiven Berichten interessiert.

Hallo Michael,

mein Ausbildungskurs fängt am nächsten Montag an  ;D.

Ich kenne beide Ausbilder schon: Katharina habe ich bei der GfK-Tagung "Lustvoll scheitern" kennengelernt (da habe ich unter den Terminen auch drüber berichtet) und war wirklich begeistert mit ihr zu arbeiten und zu üben. Und Jens ist in meiner Übungsgruppe (den sehe ich also ohnehin mindestens dreimal im Monat  ;D).

Die Übungsgruppe ist nunmehr seit über zwei Jahre fester Bestandteil meines Lebens und ich genieße dort vor allem das "So-Sein-Dürfen" und dass alle Wölfe und Giraffen (egal ob Baby- oder schon erwachsene) dort ihren Platz haben dürfen und wir sie gemeinsam feiern können. Das ist so wundervoll lebendig! Je mehr ich dort habe erfahren dürfen, dass ALL diese Anteile in mir willkommen sind (auch ihr Ausdruck nach außen), desto mehr habe ich für mich beschlossen, dass DAS genau das ist, wie ich leben möchte.

Dann habe ich noch Wochenendseminare zu ausgewählten Themen gemacht hier in Hannover und war vier Tage bei Gewaltfrei-im-Mai (da steht hier im Forum ja ein "Bericht") und natürlich die Nordlichttreffen (auch unter den Terminen von mir kommentiert).

Zitat
Ich glaube zu ahnen, was Du meinst. Wenn Du Zeit hast, würde ich Dich dennoch um Verdeutlichung bitten, welche Bedürfnisse durch Zertifizierung Deiner Meinung nach erfüllt werden.

Ich denke, es sind Bedürfnisse nach Sicherheit, Qualität, Nachvollziehbarkeit, Offenheit, Schutz und Fürsorge. Jedenfalls sind das die Bedürfnisse, die mir so ad hoc einfallen.

Herzliche Grüße
Cynthia

Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Michael

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Zitat
Mich würde interessieren, ob Du einen ganzen Ausbildungskurs belegt hast oder/und ob Du Dich mit vielen kleinen Wochenendmodulen mit der GfK vertraut gemacht hast? Ich hörte viel Lob über die Wochenendkurse in Steyerberg. Auch wenn Empfehlungen ebenso wie Kritik subjektiv sind, wäre ich doch auch an positiven Berichten interessiert.

Hallo Michael,

mein Ausbildungskurs fängt am nächsten Montag an  ;D.

Ich kenne beide Ausbilder schon: Katharina habe ich bei der GfK-Tagung "Lustvoll scheitern" kennengelernt (da habe ich unter den Terminen auch drüber berichtet) und war wirklich begeistert mit ihr zu arbeiten und zu üben. Und Jens ist in meiner Übungsgruppe (den sehe ich also ohnehin mindestens dreimal im Monat  ;D).

Die Übungsgruppe ist nunmehr seit über zwei Jahre fester Bestandteil meines Lebens und ich genieße dort vor allem das "So-Sein-Dürfen" und dass alle Wölfe und Giraffen (egal ob Baby- oder schon erwachsene) dort ihren Platz haben dürfen und wir sie gemeinsam feiern können. Das ist so wundervoll lebendig! Je mehr ich dort habe erfahren dürfen, dass ALL diese Anteile in mir willkommen sind (auch ihr Ausdruck nach außen), desto mehr habe ich für mich beschlossen, dass DAS genau das ist, wie ich leben möchte.

Dann habe ich noch Wochenendseminare zu ausgewählten Themen gemacht hier in Hannover und war vier Tage bei Gewaltfrei-im-Mai (da steht hier im Forum ja ein "Bericht") und natürlich die Nordlichttreffen (auch unter den Terminen von mir kommentiert).

Danke, Cynthia,

da sind ja einige Anregungen 'drin und ich versuche mal bei Gelegenheit Deinen Hinweisen auf Berichte in diesem Forum nach zu stöbern. Vielleicht hätte ich es auch so angehen sollen: Wochenendseminare und Events und dann Ausbildungsgruppentrainer bei diesen Gelegenheiten so kennen zu lernen, dass man sich sicher ist, eine gute Wahl zu treffen... Aber ich wollte eben berufsbegleitend möglichst viel auf einmal an einem Stück machen und außerdem lernt man die wahren Qualitäten eines Menschen oder Lehrers oft erst in der Krise kennen. Meine Mitübenden haben ja zum Teil in Findhorn und Steyerberg schon ihre Erfahrungen gemacht und fanden es mühsam, diese im Kurs einzubringen und davon zu berichten und waren hinterher genauso enttäuscht von einigen Reaktionen und dem Verlauf, wie ich. Wer großstadtnah wohnt hat natülich noch die Möglichkeit, Übungsgruppen zu finden. So etwas gibt es bei uns erst über 100 km entfernt...

Zitat
Ich glaube zu ahnen, was Du meinst. Wenn Du Zeit hast, würde ich Dich dennoch um Verdeutlichung bitten, welche Bedürfnisse durch Zertifizierung Deiner Meinung nach erfüllt werden.

Ich denke, es sind Bedürfnisse nach Sicherheit, Qualität, Nachvollziehbarkeit, Offenheit, Schutz und Fürsorge. Jedenfalls sind das die Bedürfnisse, die mir so ad hoc einfallen.

Herzliche Grüße
Cynthia
Einige Bedürfnisse finde ich recht ungewöhnlich. Sind es Wünsche oder Gedankenkonstrukte oder originäre Bedürfnisse: "Qualität", "Nachvollziehbarkeit" und ist "Offenheit" eine Eigenschaft? Ich merke, dass ich da immer wieder unsicher bin, wenn ich z.B. nach Bedürfnissen und Gefühlen gefragt werde und mir - ohne Liste natürlich - sowas zusammen reime. Auch "Athentizität", was ich mal von unserer Leiterin vernommen und übernommen hatte oder verdeutscht "Echtheit", "Ursprünglichkeit" und dann z.B.  "Professionalität": Sind das wirklich Bedürfnisse oder Eigenschaften oder Wunschbilder als Teil von Glaubenssätzen? Manchmal schwirrt mir da der Kopf.

Liebe Grüße, Michael 
Zuhören ohne zu wissen, zu wollen, oder zu handeln. Handeln mit Umsicht.

Offline Rübenigel

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Lieber Michael,

ja ... von diesen ganzen Bedürfnissen oder Pseudobedürfnissen schwirrt mir auch manchmal der Kopf  ;).

Qualität ist für mich schon ein Bedürfnis. Also: wenn ich einen Apfel kaufe, will ich, dass er nicht nur meinen Hunger befriedigt, sondern auch gleichzeitig Vitamine enthält und biologisch angebaut ist ... nach Möglichkeit in der Region geerntet ... und und und. Das alles zusammen gibt für mich dann eine (nur für MICH wichtige) Qualität. Da steckt also eigentlich eine Fülle an Bedürfnissen dahinter. Beim Apfel wären das: Nahrung, Gesundheit, Bewahren und Schützen (der Umwelt), ...

Bei der Qualität, die durch eine Zertifizierung gesichert werden soll ... wären es natürlich andere  ;D.

Ich wünsche Dir eine gute Nacht
Cynthia
Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Claudia

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Hallo und guten Morgen Michael,

Authentizität  als Bedürfnis - oh, das ist etwas, mit dem ich mich sehr gut verbinden kann! Echtheit, mich nicht verbiegen müssen, so sein zu dürfen, wie ich bin... Es gibt eine Autorin, deren Texte ich sehr schätze. Sie schreibt zu diesem Thema:

5. März - Sei so, wie du bist

Wenn ich Menschen begegne oder eine neue Beziehung eingehe, unterwerfe ich mich vielen repressiven Einschränkungen. Ich lasse meine Gefühle nicht zu. Ich unterdrücke meine Wünsche und Bedürfnisse. Ich wehre mich gegen meine eigene Geschichte. Ich erlaube mir nicht, die Dinge zu tun, die ich tun möchte, die Gefühle zu haben, die ich spüre, oder das zu sagen, was ich sagen muss. Ich verwandle mich in einen unterdrückten, perfektionistischen Roboter, anstatt der zu sein, der ich bin: ICH.
(Anonym)


Manchmal befiehlt unsere instinktive Reaktion in einer neuen Situation: Sei nicht so, wie du bist.

Wer sonst könnten wir sein? Wer sonst möchten wir sein? Wir brauchen nicht anders zu sein, als wir sind.

Das größte Geschenk, das wir in eine Beziehung einbringen, ist: der zu sein, der wir sind.

Wir denken vielleicht, andere fänden uns nicht sympathisch. Wir haben Angst, ein Mensch könne uns verlassen oder beschämen, sobald wir loslassen und wir selbst sind. Wir machen uns Sorgen darüber, was andere von uns denken.

Die Menschen schätzen unsere Gesellschaft, wenn wir uns selbst akzeptieren und entspannt sind, nicht aber, wenn wir steif und gehemmt sind.

Wollen wir wirklich mit Menschen zusammen sein, die keinen Gefallen an uns finden? Müssen wir uns und unser Verhalten von der Meinung anderer abhängig machen?

Wenn wir uns die Freiheit nehmen zu sein, wer wir sind, üben wir damit eine heilsame Wirkung auf unsere Beziehungen aus. Der Umgangston wird entspannter. Wir entspannen uns. Der andere entspannt sich. Alle fühlen sich weniger gehemmt oder beschämt, da alle aufrichtig sind. Wir können nicht anders sein, als wir sind. So ist es uns zugedacht. So ist es gut.

Unsere Meinung über uns selbst ist wirklich das einzige, was zählt. Und wir können uns die Anerkennung zollen, die wir wünschen und brauchen.

Heute entspanne ich mich und bin in meinen Beziehungen so, wie ich bin. Ich tue das nicht in unangemessener oder herabsetzender Weise, sondern in einer Weise, die zum Ausdruck bringt, dass ich mich selbst annehme und mich als die Person schätze, die ich bin. Hilf mir, Gott, dass ich keine Angst mehr habe, ich selbst zu sein.




Kraft zum Loslassen
Tägliche Meditationen für die innere Heilung
von Melody Beattie
Copyright: Heyne
ISBN: 3453047656



Mir selbst die Erlaubnis zu geben echt zu sein, so wie ich bin, und zu dem zu stehen, was ich will und was mir wichtig ist, ist mir ein ganz dringendes Bedürfnis geworden. Aus diesem Grund ist es mir auch kostbar in der Ausbildung zu sehen, wie es ist, wenn es ein Nein gibt oder wie Menschen es "überleben", wenn sie in Opposition gehen oder "einfach" für sich sorgen. Ich würde mir für mich gern noch mehr Bestärkung darin wünschen, authentisch zu leben. Es wird immer dann eng, wenn ich merke/höre, dass beim anderen dann unerfüllte Bedürfnisse entstehen oder bleiben. Das liegt wohl mit an der genossenen Erziehung, in der vermittelt wurde, dass meine Bedürfnisse nicht berechtigt sind, aber ich verpflichtet bin, den Bedürfnissen anderer z.B. nach Ruhe oder Unterstützung nachzukommen...

Ich hätte mir im Vorfeld gewünscht, es nicht gleich an so heftigen Konfliktigkeiten beobachten zu dürfen, wie es in meiner Ausbildungsgruppe geschehen ist. Und ich hätte mir auch gewünscht, dass ich andere Lösungsmöglichkeiten erleben darf als die, die ich jetzt kennen gelernt habe, und die mein Bedürfnis zum Beispiel nach Verbundenheit ziemlich unerfüllt lassen...

Aber so war es nun mal und ich kann es nicht ändern.


Allseits einen schönen Freitag und einen guten Start ins Wochenende!

Claudia



P.S.: Ich stelle diese Zeilen auch bei "Gefühle und Bedürfnisse" ein, weil ich denke, dass es da gut hinpasst.
« Letzte Änderung: 11. Juli 2008, 06:17:17 von Claudia »
Unsere neuen oder erneuerten Beziehungen sind durchweg in Augenhöhe

Offline Rübenigel

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Zitat
Das größte Geschenk, das wir in eine Beziehung einbringen, ist: der zu sein, der wir sind.

Guten Morgen Claudia!

diesen Satz nehme ich als Geschenk mit in den Tag. - Authentizität, So-Sein, ICH-Sein-dürfen, mich selbst mit all meinen Ecken und Kanten und auch den wundervollen Seiten sehen und annehmen können und ... mich dem anderen genau SO zuzumuten stellt für mich in meinem bisherigen Leben die größte Herausforderung dar. Es auszuhalten, wenn jemand anders mich ultrablöde findet, ablehnt mit mir zu in Kontakt zu treten, mich zurückweist und trotzdem einen guten Schlaf zu haben ist etwas, was mir vor zwei Jahren (vor meiner Infizierung mit der GfK) noch unmöglich erschienen wäre. Ich hätte mich egoistisch, selbstherrlich, eingebildet, kalt, ... was auch immer, geschimpft.

Heute kann ich zu mir stehen (noch nicht immer, aber ich übe daran  ;)) und liebe meine Lebendigkeit und meine Echtheit. Ich will nicht mehr "nett" sein. Wenn ich nicht "Ich" sein kann, sondern mich verstellen/verbiegen soll, um mit einem anderen Menschen in Kontakt zu treten ... gehe ich weiter. Ich MUSS heute nicht mehr allen Menschen gefallen.

Manche Menschen meiner Umwelt waren davon zunächst schockiert ... befremdet, fühlten sich zurückgewiesen, wenn ich ihnen z.B. klar sagte: "Hey, wenn ich das jetzt gerade mit Dir mache, weil Du es willst ... ist es von meiner Seite nicht freiwillig. Ich mache es mit langen Zähnen und dann habe ich beim nächsten Mal wahrscheinlich weniger Lust, etwas mit Dir zu unternehmen. JETZT mag ich Dir grad nicht helfen." Inzwischen haben sie sich daran gewöhnt und fahren "gut" dabei. Die Beziehungen, die diese Umwälzung ausgehalten haben, sind tiefer und verbundener geworden und beide Seiten haben wirklich profitiert.

Ich hoffe, dass Du den Schmerz, den die Wunde "Ausbildung" (nenn ich grad mal so, weil mir nichts anderes einfällt) verursacht, bald hinter Dir lassen kannst und wünsche auch Dir einen lebendigen, bereichernden Freitag und ein friedvolles Wochenende.

Verbundene Grüße
Cynthia
Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Giraffenanfängerin

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Re: Kritik am (Zertifizierungs-) Konzept der "Gewaltfreien Kommunikation"
« Antwort #10 am: 22. Januar 2012, 10:19:41 »
Hallo zusammen,
das Thema ist schon lange her, aber eine Aussage hat mich so sehr berührt, dass ich diesen alten Thread nochmal "ausbuddeln" möchte.
Zwar weiß ich, dass hier leider nicht mehr viele schreiben, aber ich habe die Hoffnung, weil das Thema so spannend und wichtig ist, dass Ihr Euch doch einen "Schupps" gibt.

Was mich berührt hat war:

"Erstaunlicherweise (?) seien die meisten zertifizierten Trainer in Deutschland, fast genauso viele, wie derzeit weltweit. Die Deutschen hätten vermutlich einen besonderen Hang zu Zertifikaten, Prüfungen, Titeln, sagte mir die Ausbilderin. Dabei würde Rosenberg selbst das Anstreben von Titeln eher als hinderlich für eine persönliche Entwicklung einschätzen. Man solle mehr sein, am besten tief verbunden mit seinen wahren Bedürfnissen und nicht mit einem z.B. akademischen Schein."

Selbst ich war einmal am überlegen, so eine "Schein" (der schöne Schein?) anzugehen.
Ich meinem Beruf lieben die Menschen "Zertifikate" zu mindestens ist es so in Stellenbeschreibungen vermerkt. Ich weiß dann gar nicht mehr- wo soll ich anfangen? -wo soll ich aufhören?- und - wo soll ich das Geld hernehmen? Zuletzt kommt die große und bedeutende Frage: "Bin ich etwas das Zertifikat?"
Jedenfalls war es für mich eine Überraschung zu erfahren, dass es in Deutschland die meisten zertifizierten GFK Trainer gibt. Mir sagt die Aussage von Rosenberg sehr zu, da er das Anstreben von Titeln eher hinderlich für die persönliche Entwicklung sieht.

Mich interessiert, wo ich das nachlesen kann und ob Rosenberg das Thema vertieft hat?

Ich freue mich auf Eure Unterstützung dieses Thema zu vertiefen, denn ich denke, in unserer heutigen Zeit- dem Wahn Titeln anzustreben- sollten wir das Thema aufleben lassen und in einen Austausch gehen.

Danke.

Eure
 :g1: Anfängerin

Offline Giraffenanfängerin

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Re: Kritik am (Zertifizierungs-) Konzept der "Gewaltfreien Kommunikation"
« Antwort #11 am: 02. März 2012, 09:02:30 »
Niemand da? ???

Offline Claudia

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Re: Kritik am (Zertifizierungs-) Konzept der "Gewaltfreien Kommunikation"
« Antwort #12 am: 04. März 2012, 10:33:44 »
Hallo, Giraffenanfängerin,
spannend, dass Du gerade jetzt noch mal auf dieses Thema hinweist.

Mittlerweile hat sich ja in Sachen Zertifizierung einiges getan.
Es hat sich zum Beispiel der Fachverband gegründet,
http://www.fachverband-gfk.org/

der auf Trainer-Qualität achtet.

Und der Zertifizierungsprozess in den deutschsprachigen Ländern ist wieder eröffnet, Infos dazu unter folgendem Link:

http://www.gewaltfrei-dach.eu/zertifizierung.php


Ich selber habe mich ja gerade entschieden, diesen Weg zu gehen. Und ich schaue zurück auf Jahre mit durchaus gemischten Gefühlen zu diesem Thema. Einige Trainer, die mir sehr kostbare Impulse gegeben haben (Kit Miller, Dominic Barter) sind nicht zertifiziert. Ich habe das Ringen eines Freundes auf dem IIT miterlebt, der sich so sehr die Zertifizierung wünschte und dann in den Zertifizierungsstop geraten ist. Danach gab es neue Regeln und seine Trainingstage bei zertifizierten Trainern reichten nicht mehr aus... Dabei unterrichtet er GfK seit Jahren erfolgreich und lebt  - soweit ich das beurteilen kann - die Haltung von Herzen.

Ich denke, dass Außenstehende nicht wirklich einschätzen können, was einen "guten" Trainer ausmacht. Ich kenne einen sehr engagierten Coach und Trainer, der auch GfK unterrichtet und sich immer noch in einem System von Richtig oder Falsch bewegt. Das erfüllt nicht mein Bedürfnis nach Spiritualität oder Sinnhaftigkeit. GfK ist eben nicht einfach eine Kommunikationsform, die ich wie eine Monstranz vor mir her trage. Das ist schon etwas anderes...

 Die Seite CNVC.org listet 56 zertifizierte Trainer in den USA, wobei einige dabei sind, von denen ich weiß, dass sie eigentlich in England leben. Und sie listet 38 Trainer für Deutschland, von denen diverse nicht in Deutschland leben. Dafür sind andere nicht gelistet, von denen ich weiß, dass sie zertifiziert sind. Es scheint also schwierig zu sein, dazu einen Überblick zu bekommen. Als ich anfing, mich mit dem Thema zu befassen, gab es in Deutschland rund 40 Zertifizierte, und weltweit 200. Das ist aber auch schon wieder vier Jahre her.

Ich denke, auf der CNVC-Seite und in den Yahoo-Groups wird es dazu nähere Infos geben. Einer der Gründe, warum ich die Zertifizierung anstrebe, ist mein Bedürfnis nach Sicherheit. Ich möchte sicher sein, dass ich die Inhalte in einer Weise vertrete, wie es in Marshalls Sinn ist. Die Sicherheit wünsche ich mir für mich und für meine Teilnehmer.
Mich erfüllt es auch mit Unbehagen, wenn jemand eine Jahresgruppe gemacht hat und meint, er könne jetzt GfK unterrichten. Auch im sechsten Jahr des Lernens merke ich immer wieder, wie ich mir selbst ein Bein stelle. Ich merke, wie kostbar mir die Rückmeldungen der Giraffengemeinschaft sind, und dass mein eigenes Lernen noch lange, lange nicht abgeschlossen ist. Der Zertifizierungsprozess ist daher für mich ein individueller Lernprozess, der auf mich und mein Wachstum abgestimmt ist. Wo gibt es das sonst in dieser Welt?
Ich kenne jemanden, der nur wenige Tage bei zertifizierten Trainern im Seminar war, aber sich  ein unglaubliches Wissen über Internet-Teachings erworben hat. seine Unterrichts-Skripte sind fein ziselierte Unterlagen, bei denen mir der Atem stockt ob ihrer Tiefe. Und gleichzeitig nehme ich bei diesem geschätzten Menschen nur wenig Selbstempathie wahr, sondern höre Ansprüche an sich selbst, Druck und Bewertung. Nicht gegenüber anderen, aber gegenüber sich selbst. Ich glaube, wenn ich die Haltung der GfK wirklich verinnerlicht habe, kann ich auch mit mir selbst liebevoll sein. Und das wird mein Weg in die Zertifizierung sicher fördern.

Hilft Dir das irgendwie weiter?


Gruß


Claudia
Unsere neuen oder erneuerten Beziehungen sind durchweg in Augenhöhe

Offline Giraffenanfängerin

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Re: Kritik am (Zertifizierungs-) Konzept der "Gewaltfreien Kommunikation"
« Antwort #13 am: 06. März 2012, 14:54:29 »
Liebe Claudia

Ja, es hilft. Ich kann Deinen Beitrag sehr gut nachvollziehen.
GFK wird für mich persönlich immer mehr eine Lebenseinstellung- Gewaltfrei sein in der Sprache, in Gedanken und in den Taten.

In meinem Beruf sieht man leider auch auf Zertifikate und ich befürchte, dass man mich erst dann "ernst" nimmt, wenn ich ein ein dazugehöriges Papier habe. Wahrscheinlich ist es ein auch "westliches Bedürfnis" nach Zertifizierungen. Es überschwemmt uns eine Welle davon und ich drohe darin zu ertrinken.
Denn wo fängt man an und wo hört man auf?

Ich benötige einen authentischen Lehrer/in, denn ich gedenke auch, aus obig genannten Gründen so eine Zertifizierung anzustreben- allerdings so ganz mögen meine Magenschmerzen bei dem Gedanken nicht weggehen.

Mit nachdenklichen Grüße
 :g1: Anfängerin