Autor Thema: Bitte sag mir, wie ich das mache...  (Gelesen 8944 mal)

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Offline Träumling

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Bitte sag mir, wie ich das mache...
« am: 03. Februar 2008, 15:54:29 »
Hallo Foris,

ich bin neu dazugekommen, heiße Teresa, bin 25 Jahre alt und Lese gerade "Gewaltfreie Kommunikation - Eine Sprache des Lebens".
Meine Eingangsbitte, der Titel dieses Fadens, ist wohl keine richtige, es fehlt wohl die spezifische machbare Handlung, aber wie mache ich es denn nun richtig?

Zu Bitten ist ein Problem für mich, ich will nichts fordern (und weiß dank dem Buch nun, dass ich doch meist irgendwie tue) und doch passiert es immer wieder das mein Mann springt ohne die Möglichkeit eines Neins in Betracht zu ziehen. Er sieht nur meine Forderungen.
Hintergrund könnten diese Gedanken sein, die auch Rosenberg beschreibt: "Er müsste seine plünnen doch selber wegräumen." "Er sollte seinen Teil zu unserem Zusammen leben beitragen." "Ich muss doch nicht immer alles alleine machen."

Ich hab das Kapitel über das "Bitten" durchgelesen und viel gelernt aber habe nun auch mehr fragen als vorher. Was mache ich wenn ich möchte das mein Mann etwas tut, das wir abgesprochen haben? (Stichwort Geschirr, seine Teilaufgabe und wenns mir zu bunt wird steh ich wieder da und mache alles sauber). Ist es vielleicht verkehrt da überhaupt bitten zu wollen? Zu fordern steht mir doch aber nicht zu und würde bei ihm dafür sorgen dass er es macht, sich aber unwohl fühlt.
Ich bin damit aufgewachsen dass man mich nicht zu bitten braucht, ich hatte alles am besten schon gestern erledigt, oder die Schuldgefühlmaschine wurde angeschmissen und ich im Feinwaschgang zum lieben, braven Mädel gemacht. Ich will es natürlich anders machen, aber ich verheddere mich total dabei, besonders wenn ich meine Bedürfnisse nennen soll. Das führt dann dazu das ich um etwas Bitte, dass meines erachtens doch eigentlich erledigt werden muss und ich dann meine Bedürfnisse so hinklatsche dass meinem liebsten die Schuldgefühle aus allen Poren quellen.

Ich hoffe ihr habt einen Tipp, für eine Anfängerin, auf jeden fall gibts jetzt aber einen Faden unter der Rubrik "Bitten".
Sagt könnt ihr das alle so gut, dass ihr nicht drüber zu sprechen braucht?
Gruß,
Teresa
Wenn etwas sich lohnt zu tun, dann lohnt es sich auch dann, wenn wir es nicht so gut können.
v.u.

Offline Rübenigel

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Re: Bitte sag mir, wie ich das mache...
« Antwort #1 am: 03. Februar 2008, 17:43:26 »
Hallo Teresa!

Erst einmal ein herzliches Willkommen von mir! Du hast das Buch ja schnell durchgearbeitet... Respekt! Zwischen dem Verstehen und der Umsetzung liegen manchmal Welten... Auch dafür haben wir jetzt dieses Forum und ich freue mich, dass Du es gleich mit einer konkreten Frage bereicherst, an der wir üben können.

Also: Du möchtest gerne, dass Dein Mann (wie abgesprochen) seinen Teil der Hausarbeit übernimmt? Wie schaffst Du es nun also GfK-gemäß ihn dazu zu bringen, dass er das tut? Meine Antwort: gar nicht. Das wäre Manipulation... und gar nicht gewaltfrei. Ups!

"Äh... ja... und was mach ich nu?" fragst Du Dich?

Du kannst natürlich erst einmal bei Dir bleiben und Dir Einfühlung geben:
Was für Gefühle hast Du, wenn er seinen "Part" nicht übernimmt? Bist Du enttäuscht, wütend, traurig, erschöpft, müde, hoffnungslos, genervt...? Magst Du dazu etwas schreiben?

Wenn Du die Gefühle hast (manchmal ist es ein ganzer Sack voll, auch teilweise durchaus widersprüchlich), dann schau mal nach Deinen Bedürfnissen: wünschst Du Dir Unterstützung, Gleichberechtigung...? Gibt Dir das Einhalten von Absprachen Sicherheit, Stabilität, Vertrauen... Leichtigkeit... und nun ist da ein Mangel? Magst Du auch dazu etwas schreiben?

Wenn Du Deine Gefühle und Bedürfnisse mit uns teilst, dann könnten wir zusammen überlegen, wie ein Dialog jetzt weitergehen könnte... es fehlt ja nur noch Schritt 4: die Bitte, also das, worum es Dir geht.

Ich freue mich auf Deine Antworten, Rübenigel
Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Claudia

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Re: Bitte sag mir, wie ich das mache...
« Antwort #2 am: 03. Februar 2008, 18:46:40 »
Hallo, Teresa,

auch von mir ein herzliches Willkommen.

Ich komme direkt aus dem GfK-Workshop und bin noch ziemlich geplättet, deshalb kann ich Dir im Moment nichts Konkretes antworten.

In einer Situation, an der ich heute gearbeitet habe, ist mir aber noch mal deutlich geworden, wie wichtig die vier Schritte - und gegebenenfalls eine angemessene Zeit/Aufmerksamheit in jedem einzelnen ist. Bitte halte mir zugute, dass ich Lernende bin, also den gleichen Status habe wie Du.

Deine Beobachtung habe ich verstanden.
Deine Gefühle sind auch bei mir angekommen.

Schwächer erkenne ich Deine Bedürfnisse.

Und dann habe ich heute wieder einmal lernen dürfen:
Wenn ich selbst erst mal Einfühlung brauche, ist es nicht sinnvoll, den vierten Schritt vorzuziehen, bevor ich nicht selbst mit mir im Reinen bin. Ich nehme Dich traurig, ärgerlich und enttäuscht wahr und möchte Dich fragen, ob da Einfühlung nicht erst einmal wichtiger wäre als die korrekte Formulierung der Bitte?


Einen herzlichen Gruß schickt

Claudia
« Letzte Änderung: 03. Februar 2008, 18:56:44 von Claudia »
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Offline Träumling

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Re: Bitte sag mir, wie ich das mache...
« Antwort #3 am: 03. Februar 2008, 20:10:35 »
Hallo Rübenigel, ja ich bin deinem Link gefolgt und froh hier angekommen zu sein und direkt zwei tolle Antworten bekommen zu haben!
Hallo Claudia, schön dich kennenzulernen.

Als absolutem Neuling nehmt ihr mir meine Fehler hoffentlich nicht allzu übel, womit wir wohl auch beim ersten meiner Bedürfnisse sind - Sicherheit. Da herrscht ein Mangel und ich denke das mein Bedürfnis nach Sicherheit erfüllt(er) wäre, wenn ich wüsste dass mein Mann sich an absprachen hält. Ja, irgendwie will ich ihn schon dazu bringen und übe daher oft Druck aus.  :'(
Gut, Sicherheit, das ist Nummer eins. Gleichberechtigung oder Wertigkeit ist wohl das zweite. Ich habe das Bedürfnis Ernst genommen und Anerkennt zu werden (vielleicht etwas wirr durcheinander grad, ich versuche noch zu sortieren). Ich fühle mich in meiner Not (mit dem unerfüllten Bedürfnis nach Sicherheit, auch Hauptthema meiner Kindheit, leider) nicht gesehen.
Wie geht es mir damit?
Ich bin traurig, spüre eine Art verlust (Moment, ich schau doch lieber noch mal auf die Gefühlsliste, ich hab ja Zeit.)
Alamiert, weil mein Bedürfnis nach Sicherheit nicht erfüllt ist (und ich schlimmeres erahne?).
Empört, weil mein Bedürfnis ernst genommen zu werden nicht erfüllt wird (und die Gleichberechtigung!)
Enttäuscht, weil mein Bedürfnis.. (schwierig....)
Zornig, weil mein Bedürfnis nach autark sein nicht erfüllt ist. (Klingt völlig unlogisch, aber irgendwie denke ich, ich bin von ihm abhängig wenn er sich stur stellt)


Ist sich "ausgenutzt fühlen" ein Gefühl? Ich denke nicht, was ist das Bedürfnis dahinter denn? Vielleicht geachtet zu werden? Anerkennung zu erhalten in Form von Mithilfe?

Also davon das ich das Buch durchhabe kann leider noch keine Rede sein. Ich bin ziemlich am Schluss und weiß was ich danach mache, ich Blätter wieder nach vorne und leg nochmal los. Bzw. verteil eifrig Zettel auf die Seiten wo ich was verstanden und verinnerlicht habe um von da aus weiter gehen zu können.

Ich hab mich durch eure Beiträge angenommen gefühlt und bin gespannt auf den weiteren Austausch!

Grüße,
Teresa
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Offline Rübenigel

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Re: Bitte sag mir, wie ich das mache...
« Antwort #4 am: 03. Februar 2008, 20:37:48 »
Hallo Teresa!

Ich tanze hier gerade innerlich um den Tisch, weil ich mich so über Deine Beitrag freue. Boah! Der Hammer! Wie Du Deinen Gefühlen/Bedürfnissen so auf die Schliche gekommen bist... Das sollten wir feiern!!!

Ich bin so berührt davon, dass ich jetzt erst einmal gar nichts "Kluges" weiter dazu schreiben kann.

Ich schicke Dir eine herzliche und begeisterte Umarmung 

Rübenigel
Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Claudia

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Re: Bitte sag mir, wie ich das mache...
« Antwort #5 am: 03. Februar 2008, 20:42:40 »
Hallo, Teresa,

ich bin jetzt ein Jahr dabei und habe am WE wieder so häufig Rückmeldungen bekommen, dass ich bewerte oder einer Projektion aufsitze....Ich glaube, auch unsere Trainerin ist davon nicht immer total frei... Marshall erzählt Geschichten, wo er erst mal Empathie brauchte um weiterzumachen, und ER hat die Methode erfunden....

Also: Immer mit der Ruhe.

Ich finde, es gibt kein Richtig oder falsch, sondern nur ein

so gut ich es heute vermag

und das darf für uns ausreichen.

Einen Gruß schickt

Claudia
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Offline Träumling

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Re: Bitte sag mir, wie ich das mache...
« Antwort #6 am: 03. Februar 2008, 21:02:09 »
Danke Rübe! So macht die "Arbeit" richtig Spaß!

Danke Claudia! Das es ausreicht, wenn ich es so gut mache, wie ich es heut eben kann, dass erfüllt mein Bedürfnis nach Sicherheit innerhalb dieses Forums, das macht mich ruhiger und froh.
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v.u.