Gewaltfrei im Norden

Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation => Kritik an der Gewaltfreien Kommunikation => Thema gestartet von: Curious am 12. Februar 2015, 19:31:19

Titel: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 12. Februar 2015, 19:31:19
Bin ich nun also gewillt die  :g1:-Haltung vollständig zu verkörpern und treffe ich nicht nur auf einen  :wolf0: sondern gar eine Bande mit Bandenschef. Nennen wir Sie Firma Wolf von Wolfgang Wolf.

Wie ist es möglich sich vor gewaltätig übergestülpten  :wolf0:-Strategien zu schützen?

Soweit ich weis ist hier eine Strategie eigene Bedürfnisse bennen, Nein zu sagen zu den  :wolf0: :wolf0: und diesen versuchen mit  :g1:-Empathie zu besänftigen.

Ist dies eine realistische / wirksame Strategie sich vor gewalt zu schützen? Manche Beispiele aus den Büchern sagen ja. z. b. einer Frau die der Vergewaltigung durch Empathie und aufrichtigem Mitteilen ihrer Angst entgeht.

Doch gibt es nicht andere, effektivere Strategien sich in Firma Wolf zu schützen? Oder gibt es gar gar keine wirklich wirksame Strategie in unserer Wolfswelt? Wie wirksam ist die  :g1: bzw. der  :wolf0: wenn es darum geht sich zu schützen?

Und ja ich fühle mich unsicher weil mein Bedürfnis nach Schutz vor  :wolf0:-Gewalt nicht ausreichend erfüllt ist und bitte um Strategien, insb. einer Vergleichseinschätzung der beiden Tierchen:  :g1: :wolf0:

Grüße
Baby- :g1:
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: love_and_mind am 18. Februar 2015, 10:25:44
Hallo Curious,
wenn an deinem Arbeitsplatz gehäuft Dinge stattfinden, die es dir schwer machen dich wohl zu fühlen ist es sicher einen Versuch Wert diese Dinge anzusprechen. Um deinen Chef erreichen zu können ist es unabdingbar, dass er in dem was du sagst keinen Vorwurf hört. Wenn Menschen einen Vorwurf hören geht in der Regel sofort „der Rolladen runter“ und sie versuchen ihrerseits sich zu schützen, indem sie mauern, sich verteidigen oder aber einen Gegenangriff starten. Wenn du dir über deine Gefühle und deine, diesen Gefühlen zugrunde liegenden Bedürfnisse im Klaren bist, kannst du ein Gespräch suchen. Dazu brauchst du nur noch eine konkrete Situation, die du schildern kannst, damit Herr Wolf weiß worum es dir genau geht. Also die "Beobachtung" und nicht zu vergessen am Ende die "Bitte", was kann er für dich tun?
Magst  du etwas genauer beschreiben, welche deiner Bedürfnisse nicht erfüllt sind?
Vielleicht musst du Überstunden machen und dein Bedürfnis nach Freiheit und Selbstbestimmung kommt zu kurz? Arbeitsabläufe die dich betreffen werden über deinen Kopf hinweg entschieden?  - Du möchtest gefragt werden und nicht nur informiert? … Merkst du dass dein Einsatz wertgeschätzt wird?
LG Ingrid
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 18. Februar 2015, 14:53:33
Die Arbeitssituation steht für das Beispiel schlechthin, wie ich als einzelne  :g1: vorgehen könnte.

Das Beispiel ist momentan nur fiktiv.

Ein konkreter Fall:
Wenn jemand viel  :wolf0: spricht, z. b. sagt: "Es gab schon immer Alpha männchen, das es anderst sein kann stimmt einfach nicht."

Dann fühle ich mich überfordert und hab noch nicht die Routine mich in den anderen einzufühlen bzw. es fühlt sich auch ungut an.

Eine Selbstmitteilung zu machen ohne einzufühlen, eskaliert möglicherweise den Konflikt, wodurch ich noch überforderter wäre danach in  :g1: Haltung zu bleiben. Ist der übergangswolf, hier evtl. angesagt?
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: love_and_mind am 19. Februar 2015, 11:32:57
„Übergangswolf“ –   :)  den Begriff kannte ich noch nicht, obwohl ich auch so einen sehr treuen (und manchmal durchaus brauchbaren) Begleiter an meiner Seite habe  :wolf0:

Ja, klar kannst du den bemühen. Wenn du deinerseits „auf Wolf schaltest“ kannst du vielleicht dein Bedürfnis nach Sicherheit, evtl. Einbezogenheit und möglicherweise auch in irgendeiner Form nach Respekt erfüllen. 

Auf der anderen Seite vermute ich, dass es dir auch wichtig ist dich nicht verstellen zu müssen. Du willst dich für deine eigenen Belange einsetzen und befürchtest, dass du (angesichts der riesigen Wolfsohren deines Gegenübers) nicht richtig verstanden wirst, wenn du es versuchst und alles nur noch schlimmer wird?

Aber wenn GfK wirklich funktioniert und die Theorie dahinter nicht nur eine Theorie ist, dann muss es doch einen Weg geben, der kein schales Gefühl im Kontakt mit „(dem) Alphamännchen“ hinterlässt, sondern in eine Art verständiges, freundliches Miteinander mündet.

Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 25. Februar 2015, 18:03:04

Aber wenn GfK wirklich funktioniert und die Theorie dahinter nicht nur eine Theorie ist, dann muss es doch einen Weg geben, der kein schales Gefühl im Kontakt mit „(dem) Alphamännchen“ hinterlässt, sondern in eine Art verständiges, freundliches Miteinander mündet.


Ich glaube durchaus an die GfK. Ich sehe nur ehr einen blinden Fleck außerhalb des Gesprächs. Das Alphatierchen hat Macht. Der "untere" hat auch ein gewisse Dosis Macht. Ich kann mir schon vorstellen das das Alphatierchen nach gewissen umken, strafen und Macht einsetzten, einen andere akzeptiert - gerade wenn - er/sie sieht der andere ist eine friedliche Giraffe  :g1: von dessen Diensten der als  :g1: geborene und zum  :wolf0: erzogene, auch etwas hat.

Und 100%  :wolf0: is ja zum Glück auch keiner.

Dennoch ich habe gerade mit einer Person zu tun, die sagte wir sind nicht auf Augenhöhe... und ich habe entschieden schonmal nicht unter der Person zu sein. Die Person heult gerade  :wolf0: :wolf0: :wolf0: :wolf0:

Klar kenne ich meine Bedürfnisse und ihre krieg ich auch hin, nur... mir ist einfach Selbstrespekt unglaublich wichtig, das ich dieses ge :wolf0:e einfach nicht akzeptiere. Da ich die andere Person nicht ändern kann und will, bin ich einfach... unkooperative. Mir ist einfach Grenzen wahren wichtig, noch mehr als mich einfühlen zu wollen.

 Schutz:g1:?  Übergangs:wolf0:? Schutz :wolf0:? oder doch ein  :wolf0: der alle als Verlierer zurücklässt? Feedback erwünscht.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 25. Februar 2015, 20:52:53
Liebe curios,

erstmal ein herzliches willkommen für deine Gedanken und dafür, dass du dich hier damit zeigst. Deine Frage bewegt mich besonders weil ich gerade wieder nach einem Seminar "über die Brücke gegangen" bin und auch in einer Welt lebe, in der ich nicht immer von der gelebten GFK-Haltung der Menschen um mich herum getragen werde.

Ich weiß nichts über den Grad deiner Erfahrungen mit GFK, deshalb frage ich einfach mal: Sind dir die vier Ohren der GFK vertraut? In der Signatur von love_and_mind steht "In dem was du sagst zeigst du dich, aber was ich höre liegt bei mir.", das beschreibt ein mir wichtiges Konzept. Nämlich, dass ich deine Worte immer auf verschiedene Weisen hören kann, egal was du sagst.

Die Diskussion hier ist gerade eher ein "Metatalk" und sehr abstrakt. Ich kann mich immer viel besser mit konkreten Situationen verbinden und picke mir mal ein Beispiel heraus:

Jemand sagt "Es gab schon immer Alpha männchen, das es anderst sein kann stimmt einfach nicht."


Wie ich damit in einem konkreten Moment umgehen kann hängt von vielen zusätzlichen Faktoren ab.
Vielleicht bin ich nach einem langen Arbeitstag genervt und mir steht gerade nur der äußere Wolf zur Verfügung. Dann sage ich vielleicht etwas wie "Klar und du weißt, wie die Welt funktioniert und was richtig und falsch ist und wahrscheinlich hältst du dich auch noch für ein Alphamännchen weil du gar nicht merkst, dass dich niemand ernst nimmt."
Vielleicht habe ich aber auch mit dem inneren Wolfsohr zu kämpfen und denke "ja, ich bin hier das Würstchen, ich schaffe es ja nicht einmal giraffisch zuzuhören".
An einem guten Tag kann ich aber vielleicht auch ganz bei mir sein (innere Giraffenohren). Dann atme ich erst einmal durch (atmen ist für mich immer hilfreich) und frage mich dann, was löst dieser Satz bei mir aus? Ich bin nicht dieser Ansicht, ist es jetzt wichtig für mich das auszudrücken? Mir helfen dann die vier Schritte meine Position und meine Handlung zu bestimmen.
Bei Menschen, zu denen mir die Verbindung wichtig ist, frage ich mich vielleicht auch spontan (äußere Giraffenohren) was geht gerade in dir vor, das du mir so etwas sagst. Dann kann ich mich fragen, was im anderen vorgeht und versuchen in Verbindung zu kommen um wenigstens in großer Verbundenheit auszudrücken, dass wir in dieser Sache unterschiedlicher Ansicht sind, aber mir wichtig ist, dass wir uns gegenseitig in dieser Unterschiedlichkeit akzeptieren.

Das beschreibt ganz grob und schnell, wie ich mit unterschiedlichen Ohren die gleiche Botschaft hören kann. Ich interpretiere diesen Metatalk jetzt ein wenig so, dass die Frage ist, welche dieser Haltungen "richtig" oder "richtige GFK" ist. Darauf lautet meine Antwort alle, oder nein eher keine. GFK Denken befreit mich vom Denken in richtig und falsch, konsequenterweise gibt es keine "richtige GFK".

Es gibt eine Chance für mich, in Verbindung zu treten, diese wird signifikant größer, wenn ich etwa sage "ich höre dich sagen, dass du überzeugt bist, dass es Unterschiede zwischen den Menschen gibt, verstehe ich dich richtig?". Ich würde in dieser konkreten Situation erstmal kein Gefühl anbieten, weil meine Interpretation der Situation mich direkt auf "Unsicher" lenkt und ich weiter unterstellen würde, dass ich, wenn ich das Gefühl anbiete eher "den Wolf reize" als in Verbindung zu kommen. Sicher ist das nicht, das Wesentliche ist aber, dass ich wirklich versuche alles von mir selbst gedachte, interpretierte und bewertete abzulegen und einfach nur anzuhören, was mein Gegenüber zu sagen hat.

Das konkrete Beispiel ist schon eine Herausforderung und ich denke, es braucht eine Menge Erfahrung in der GFK-Haltung damit umzugehen. Ich bin auch völlig o.k., wenn ich das in der Situation mal nicht kann.

Mein Gegenüber hat dann übrigens auch die Wahl zwischen den vier Ohren und es kann mir durchaus passieren, dass ein Dialog ziemlich lange aus Verbindungsangeboten die mit Wolfsohren nicht gehört werden können besteht. Mir hilft es dann, mir vor Augen zu halten, dass mein Gesprächspartner auch das Beste gibt, was ihm gerade zur Verfügung steht. Und wenn Verbindung gerade nicht möglich ist, dann vielleicht morgen. Meist komme ich aber in Verbindung (vielleicht auch nach einer kleinen Pause) und dann entspannt sich der Dialog von allein.

Puh, jetzt habe ich ganz schön viel geschrieben. Wie geht es dir damit, ist etwas dabei, das dich anspricht, oder erschlägt dich der lange Text?

liebe Grüße
Uwe
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 25. Februar 2015, 21:51:44
1. Sind dir die vier Ohren der GFK vertraut? In der Signatur von love_and_mind steht "In dem was du sagst zeigst du dich, aber was ich höre liegt bei mir.",

Jemand sagt "Es gab schon immer Alpha männchen, das es anderst sein kann stimmt einfach nicht."


2. Ich interpretiere diesen Metatalk jetzt ein wenig so, dass die Frage ist, welche dieser Haltungen "richtig" oder "richtige GFK" ist. Darauf lautet meine Antwort alle, oder nein eher keine. GFK Denken befreit mich vom Denken in richtig und falsch, konsequenterweise gibt es keine "richtige GFK".

3. Ich würde in dieser konkreten Situation erstmal kein Gefühl anbieten,

4. Das konkrete Beispiel ist schon eine Herausforderung und ich denke, es braucht eine Menge Erfahrung in der GFK-Haltung damit umzugehen. Ich bin auch völlig o.k., wenn ich das in der Situation mal nicht kann.


So mal das was ich gehört habe, mit Nummern daran geklebt.

1. Die Theorie kann ich sehr gut. 4 Ohren etc. Nur praxistauglich ist es für mich noch nicht weil die giraffe in mir klein und der wolf noch hochkommt. Ganz auf  :g1: Schuhen laufen geht nicht.

2. Um richtige GfK geht es mir nicht, sondern um Praxistaugliche "Krücken" bei denen der  :wolf0: solange er noch so präsent ist mithilft. Bedürfnisse erfüllen kann der  :wolf0: ja auch. Als  :g1: :wolf0: fehlt mir nur noch etwas die Orientierung.

3. Interessant. Wieder etwas gelernt. 4 Schritte sind nicht immer das "richtige" nur 4-Schrittig denken und intuitiv antworten könnts auch tun.

4. Ich im Prinzip auch. Ich frage sowohl Situationsbezogen als auch generell (vergangenes zählt nicht mehr so, die nächste Situation ist entscheidend für mich), nach Tipps während noch Wolf und Giraffenohren noch ständig wechseln.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 26. Februar 2015, 19:35:08
Liebe(r) curios,

verstehe ich deine Zeilen richtig, dass es sozusagen "dein Ziel" ist immer mit Giraffenohren zu hören und "den Wolf auszuschalten"?

Ich selbst habe für mich eher das Ziel, die Wolfsshow wirklich distanziert als Show sehen zu können und dem Wolf nicht die Kontrolle über mein Handeln zu überlassen. Ich finde es gar nicht schlimm zu sehen, dass der Wolf in mir lebendig ist und möchte ihn nicht missen. Und jedesmal tue ich das, was ich in dem Moment als mein Bestes geben kann.

Ich für mich denke, dass ich im rein kognitiven Verstehen der GFK kein Entwicklungspotential mehr habe und suche daher statt Verstehen nur noch Erleben in sicherer Umgebung. Und dieses Üben in GFK Seminaren und meiner Übungsgruppe erlebe ich kein bisschen mühsam, sondern sehr unterstützend und getragen. Und nach und nach wird es immer leichter. Und je mehr erfahrene Trainer ich kennenlerne desto sicherer bin ich, dass dies kein Prozess ist, der mich irgendwann an ein Ziel bringt an dem ich keine Selbst-Zweifel und keine Unsicherheit mehr habe. Dabei merke ich wie mir die Übung hilft und mich auch verändert.

Liebe Grüße
Uwe
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 28. Februar 2015, 14:08:22
Liebe(r) curios,

verstehe ich deine Zeilen richtig, dass es sozusagen "dein Ziel" ist immer mit Giraffenohren zu hören und "den Wolf auszuschalten"?

Ich selbst habe für mich eher das Ziel, die Wolfsshow wirklich distanziert als Show sehen zu können und dem Wolf nicht die Kontrolle über mein Handeln zu überlassen. Ich finde es gar nicht schlimm zu sehen, dass der Wolf in mir lebendig ist und möchte ihn nicht missen.

Wäre schön @100% Giraffe. Die Wolfsshow zu sehen ohne zu handeln wäre jedoch schon ein super Ziel. Solange das noch nicht der Fall ist, frage ich mich über den Sinn des Wolfes. Was genau möchtest du an ihm nicht missen? Was kann er besonders gut, vielleicht um es wölfisch auszudrücken, besser, als eine Babygiraffe?
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 28. Februar 2015, 23:33:12
Liebe(r) curios,
danke für deine Nachfrage. So ein Austausch "über GFK" statt Verbindung in GFK ist gar nicht so einfach. Da schreibt man so einen Satz wie "Ich finde es gar nicht schlimm zu sehen, dass der Wolf in mir lebendig ist und möchte ihn nicht missen" und bemerkt gar nicht, dass diese Aussage ganz und gar nicht klar ist.

Ich habe Gefühle wie Wut und Ärger, das ist einfach eine Tatsache. Es ist mir wichtig, diese als Teil von mir akzeptieren zu können. Das bin auch ich. Wenn ich meinen Wolf herauslasse (oft in schriftlicher Form, manchmal gegenüber einem nicht direkt beteiligten Dritten, der mich unterstützt, nicht gegenüber dem Menschen mit dem ich im Konflikt bin) und ihm aufmerksam zuhöre, komme ich viel besser in Verbindung mit diesen Gefühlen. Das unterstützt mich dabei z.B. in einem Wut-Prozess herauszufinden, worum es für mich eigentlich geht, sprich mit meinen Bedürfnissen, in Verbindung zu kommen.

Der Wolf hat große Kraft und unterstützt sozusagen die Veränderungs-Energie. Gefühle wie Wut und Ärger sind für mich nicht schlecht, sie zeigen mir, dass ich eine Veränderung brauche und Kraft habe, diese anzustreben und zu erreichen. Indem ich dem Wolf erlaube die Dinge zu sagen "die man nicht sagt" gewinne ich sehr viel Klarheit über die Situation, über das was mir eigentlich wichtig ist.

Wird für dich etwas klarer, was ich gemeint habe?

Liebe Grüße
Uwe
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 01. März 2015, 12:53:47

Der Wolf hat große Kraft und unterstützt sozusagen die Veränderungs-Energie. Gefühle wie Wut und Ärger sind für mich nicht schlecht, sie zeigen mir, dass ich eine Veränderung brauche und Kraft habe, diese anzustreben und zu erreichen. Indem ich dem Wolf erlaube die Dinge zu sagen "die man nicht sagt" gewinne ich sehr viel Klarheit über die Situation, über das was mir eigentlich wichtig ist.

Wird für dich etwas klarer, was ich gemeint habe?

Liebe Grüße
Uwe

Ja, wobei die Verwendung des Begriffs "Veränderungs-Energie" mir nur soviel sagt wie das Wort "Veränderung" was sonst noch dahinter stehen möge sagt mir nichts.

Ich befürchte halt durch die Wut Dinge zu sagen die meine Bedüfniserfüllung geringer machen, daher wäre ich gern am Endziel: Bedürfnisse fühlen und mitteilen. Mir scheint der Weg von Babygiraffe zu Giraffe führt über den Wolf...
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 01. März 2015, 23:54:36
Liebe(r) curios,

danke für deine Rückmeldung.

Ich merke, dass noch zwei Details gehört werden wollen. Das eine betrifft die Veränderungs-Energie. Ich bin ein Mensch, der sich gerne im Vorhandenen einrichtet. Eine Veränderung herbeizuführen oder auch nur anzustreben verlangt von mir Aktivität, den Einsatz von Energie. Dafür finde ich Unterstützung indem ich meinem Wolf zuhöre.

Das zweite betrifft den zweiten Satz den du schreibst: "Ich befürchte halt durch die Wut Dinge zu sagen die meine Bedüfniserfüllung geringer machen..." Vielleicht habe ich das nicht so deutlich gesagt, ich höre dem Wolf zu und äußere mich vielleicht gegenüber einem Unbeteiligten. Aber ich teile deine Befürchtung völlig und äußere die Wolfsgedanken keineswegs im aktuellen Gespräch. Da erlaube ich mir eine Auszeit und sage ganz deutlich "ich brauche jetzt etwas Zeit um etwas für mich zu klären und würde das Gespräch gerne später fortsetzen, kannst du da mitgehen?", wenn ich in guter Verbindung bin. In Situationen, in denen ich glaube, ich dürfte das nicht so klar sagen, gehe ich vielleicht kurz aufs Klo ("ich bin sofort wieder da" ist eigentlich immer akzeptabel) um im inneren Dialog etwas Abstand zu finden.

Wenn ich dann Klarheit über meine Bedürfnisse habe und den anderen wirklich hören kann, nehme ich den Dialog wieder auf und komme meist auch in eine gute Verbindung. Und wenn nicht, habe ich getan, was ich konnte und versuche es später wieder.

Liebe Grüße
Uwe

Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 02. März 2015, 19:26:48
Lieber curios,



Ich nehme mit die größere Betonung der Wichtigkeit auf nicht :wolf0:sagen und Abstand + Zeit.

Dennoch wenn es nicht geht (Abstand) / (Zeit) weil etwas wichtiges Angesprochen werden muss sehe ich  :wolf0:-Sprache noch wichtiger als nichts sagen. Wut statt Hilflosigkeit. Andere Meinung?
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 02. März 2015, 21:34:22
Liebe(r) curios,

:wolf0:-Sprache noch wichtiger als nichts sagen. Wut statt Hilflosigkeit. Andere Meinung?

Ja, andere Meinung. Wolfssprache genauso sinnlos wie nichts sagen.

Ich schätze meinen Wolf, der mir helfen kann, und ich schätze auch meine Wut, erlaubt sie mir doch, z.B. in einem Wutprozess, meinen Bedürfnissen näher zu kommen. In einem kontroversen Gespräch wird mein Gesprächspartner wohl leider, wenn ich ihn mit meiner Wut (meinem Wolf?) konfrontiere, dazu neigen sich zu verteidigen, mich anzugreifen, oder sich selbst nieder zu machen. Das bringt mich nicht in Verbindung. Vielleicht habe ich eine Chance auf Verbindung, wenn ich mich durch das Zeigen meiner Hilflosigkeit verletzbar mache, durch die Wut eher nicht. Im Wut-Prozess gehe ich durch den Schritt "Ich sage zu mir <meine Wolfsgedanken>", denn daher stammen sie, aus mir selbst. Mein Gesprächspartner kann damit nichts anfangen.

Wenn etwa sooo dringend gehört werden will, bleibt mir der Giraffenschrei, ich glaube nicht daran, dass der Wolfsschrei funktioniert.

Nichts sagen funktioniert allerdings mit absoluter Sicherheit nicht, woher soll denn mein Gesprächspartner wissen, was in mir vorgeht. Ich habe mich lange vom Gedankenlesen verabschiedet und erwarte das auch von niemandem mehr.



Liebe Grüße
Uwe

Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 04. März 2015, 11:54:21
Gut, macht Sinn.

Wobei ich es einschränken würde. Z.b Schützende anwendung von Macht. Wenn ich §§en aus dem Gesetz zitiere um eine Grenze zu setzen. Schützende Macht =  :g1: Sprach evtl. die  :wolf0:-Gesetze/Rechte zitieren. Meinung?

Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 04. März 2015, 20:07:16
Liebe(r) curios,

ich muss sagen, dein minimalistischer Schreibstil stellt eine ganz schöne Herausforderung für mich dar. Twitterst du viel? Würde ich deine Posts nicht als intellektuelle Stimulans schätzen, wäre jetzt wahrscheinlich der Zeitpunkt gekommen, einfach nicht mehr zu antworten. Ganz einfach, weil es mir schwer fällt eine Verbindung herzustellen, wenn ich einen Satz wie "Meinung?" lese (ist das überhaupt ein Satz?), da diese minimalistische Kommunikation in mir ganz viele Filme aus meiner Vergangenheit anstößt, in denen solche "Sätze" nicht auf Augenhöhe, sondern als Machtsprache gebraucht wurden. Da muss ich nachdem ich ein solches Posting gelesen habe erst mal viel in mir sortieren. Im Moment reicht der Anreiz dazu noch aus, kannst du mir sagen, wie das bei dir ankommt?

Aber ich schätze ja deinen Input, also schreibe ich dir mal, wie ich dein Posting verstehe:

Du stimmst mit mir überein, dass es sinnlos ist in einer Konfliktsituation den Gesprächspartner mit meinem Wolfsgeheul zu konfrontieren, denkst aber, ein Gesetz zu zitieren sei
1. Wolfssprache
2. schützende Anwendung von Macht
wobei ich annehme, dass du mit der schützenden Macht das meinst, was in der Literatur oft als "lebensdienliche Gewalt" bezeichnet wird. Macht über und Macht mit sind ja ein ganz eigenes Thema.

Magst du mir schreiben, ob ich dich da richtig interpretiere? Wenn ja, habe ich dazu eine Meinung, wenn nein, können wir das vielleicht zuerst klären.

liebe Grüße
Uwe
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 06. März 2015, 15:08:30
Hallo,

ich nutze in der Tat viel Facebook und ICQ. Ich reduziere die Textmenge jedoch auch bewusst um meine Informationsüberflutung zu reduzieren und um zu versuchen Dinge zu vereinfachen und auf den Punkt zurückzuführen, was ich frage.

Meine Strategie ist dabei die letzten 2 Posts (deinen, meinen) außen vorzulassen und von neuem in anderen Worten zu sagen worum es mir geht:

Wie kann ich, wie kann jeder der in Richtung gewaltfreier Kommunikation geht, mit seiner Babygiraffe sich in der Welt gut zurechtfinden?

Ich fühle mich unschlüssig, unsicher, verletzlich und brauche Sicherheit, Struktur, Informationen. Daher frage ich unter anderem in diesem Forum.

Eine andere Quelle für meine Informationssuche ist: https://www.youtube.com/watch?v=oHtDZ98CTDc

Darin wird unter anderem gesagt:
Lieber den authentischen Wolf, als eine versuchte noch nicht ausgereifte Giraffe

- Ich sage weder was ein Gesetz sei wie es sein soll oder nicht. Ich frage nach Meinungen diesbezüglich wie andere es sehen? Hier habe ich dich so verstanden, dass du lieber gar keinen Wolf aussprichst da er nichts bringt und sobald wie möglich in Giraffisch antwortest.

- Auch frage ich mich und dich und andere die das lesen, ob eine vollständig in  :g1:-Sprache ausgedrückte Art und Weise ausreicht in der Welt zurechtzukommen oder ob es doch Verwendung für den Wolf gibt?

- Des weiteren frage ich mich, dich und andere die das Lesen, ob die schützende, lebensdienliche Anwendung von Macht, auch in Wolfssprache erfolgen kann?

Z. b. Sie rauchen in meiner Wohnung, ich fühle mich schockiert weil mir Grenzen wahren wichtig ist (soweit Giraffe) und (jetzt kommt der Wolfsteil) ich FORDERE sie auf mein Haus zu verlassen, weil es Hausfriedensbruch wäre wenn sie noch bleiben würden.

Was kam an? Ist es so verständlich?
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 07. März 2015, 00:39:33
Liebe(r) curios,

danke für deine Rückmeldung und ganz besonderen Dank für den Link auf das Video zur Straßengiraffe von Miki Kashtan, das ich noch nicht kannte. Kennst du ihre conflict hotline (https://www.youtube.com/user/baynvc)?

Ich höre Miki, da etwas anders als du, ich höre "Es geht um Echtheit, weil der Gesprächspartner merkt, wenn wir nicht echt sind und dann verwirrt ist.", wobei ich nicht höre, dass die Alternative die sie vermeiden möchte eine "nicht ausgereifte Giraffe" ist, sondern die formelhafte Anwendung von GFK, die eben nicht echt ist. GFK ist eine Haltung, keine Technik.

Für mich ist das ein Unterschied zu dem was du beschreibst.

In der GFK geht es für mich immer um Verbindung. Wenn ich jemanden aus meiner Wohnung herauswerfen will, hilft mir die GFK nicht, denn ich habe nur das Ziel (in deinem Beispiel) den Raucher aus meiner Wohnung zu entfernen. Damit ist klar, dass Verbindung kein Ziel für mich ist, also ist mir auch egal, ob er meine Gefühle oder Bedürfnisse sieht. Insofern reicht mir ein einfaches "Raus hier!"

Anders ist die Situation für mich, wenn mir die Verbindung wichtig ist, in diesem Fall würde ich allerdings die Verbindung und meine Chance sie zu erhalten in den Vordergrund stellen. Wandle ich also dein Beispiel etwas ab und stelle mir vor, jemand, der mir wirklich wichtig ist und zu dem ich wirklich gerne in Verbindung bleiben möchte, sagen wir meine Mutter, raucht in meinem Haus. Dann finde ich in der GFK Hilfsmittel, die mir erlauben in Verbindung zu bleiben und dennoch meinen Raum zu wahren.

Ich kann z.B. zuerst (Giraffenschrei) das Rauchen in meinem Haus unterbinden. "Du rauchst im Haus. Ich bin total sauer, weil ich den Geruch im Haus absolut nicht ausstehen kann, bitte geh auf den Balkon oder mach die Zigarre aus." Die Bitte ist sicher eine Forderung, aber für mich nicht eigentlich wölfisch.
Und anschließend kann ich (vielleicht auf dem Balkon) den eigentlich Konflikt adressieren: "Als ich dich eben im Haus rauchen sah, bin ich völlig ausgerastet, weil mir wichtig ist, dass die Kinder in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen. Ich habe etwas Sorge, dass du dich jetzt schuldig fühlst, aber darum geht es mir gar nicht, sondern nur darum, dass im Haus frische Luft ist, kannst du sehen, warum mir das wichtig ist?" (Das ist jetzt schon ein Versuch in Straßengiraffe, gegenüber Nicht-GFK Menschen.)

Kannst du damit etwas anfangen?
lg Uwe
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: love_and_mind am 08. März 2015, 09:48:49
Sobald, oder solange man Gedanken und Urteile im Kopf hat, die beinhalten, dass mit der bestimmten anderen Person "etwas nicht stimmt“ ist es zumindest authentischer und ehrlicher den Wolf von der Leine zu lassen (hin und wieder reißt er sich ja auch einfach los), als das „, :g1: Sprach-Übersetzungsprogramm laufen zu lassen. Wenn ich erst mal nichts sage laufe ich vielleicht Gefahr übersehen und nicht ernst genommen zu werden. Ist das deine Befürchtung?
So „Spielchen“ von Wolf zu Wolf finde ich schon in Ordnung, schließlich ist man als "GFK-ler(-nender)" ja keine abgehobene Lichtgestalt, die automatisch für alles und jeden Verständnis hat. Manchmal ist es vielleicht sogar besser etwas "blödes" als nichts zu sagen, weil man so zumindest in Verbindung bleibt.

Sich einfühlen (in sich und andere) braucht Zeit und evtl. auch den richtigen Zeitpunkt.

Solange ich keine wirkliche Klarheit und kein Verständnis für meinen Ärger habe (die Bearbeitung ist z. B. möglich durch „Auskotzen“ bei einem Freund, oder/und  Selbstempathie – worum geht es mir in dieser Situation? Warum reagiere ich darauf so heftig?) wird es kaum möglich sein "die Schönheit" in der anderen Person zu sehen, um ihr mit einer veränderten Haltung begegnen zu können.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 09. März 2015, 16:36:33
@Love_and_Mind
Kernpunkt war für mich: "Angst nicht ernstgenommen zu werden und ob das meine Befürchtung wäre".
Du hast etwas gesehen was ich nicht gesehen habe. Mir ging es nicht darum aber ist mir tatsächlich passiert, neulich. Mit authentischem Wolf in Verbindung zu bleiben macht für mich Sinn. Erinnere mich hier an Kelly Bryson: Sag was du authentisch sagen willst. Then clean up the mess. Then the beaty comes.

Zeitkritische Kommunikationen scheinen mir dabei ein wichtiger Faktor zu sein.

@Uwe
Bitte bzgl. Link zum Straßengiraffisch sprechen.
Danke für die "conflict hotline" das verschafft mir weitere Videos zum ansehen.

Ansonsten lese ich heraus, das ich meine das du meinst:
- GfK Haltung für Verbindung
- Andere Haltung für z.b. Grenzen setzten z.b. Rauchsituation.

Ich hoffe insgeheim, mit der GfK für ALLE Situationen eine Lösung zu finden. Nicht Praktisch, praktisch wird es nie für alles eine Lösung geben. Auf was ich jedoch schon hoffe sind GfK-Theorie-Hilfen für alle Lebenslagen als Orientierung. Also auch für Grenzen setzten, Selbstschutz, sich in der Welt zu behaupten etc. um einige wichtige Punkte zu nennen. Womit ich wieder nach einigen Exkursionen beim Threadtitel wär. Gibt es dazu noch Meinungen / Tipps?
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Claudia am 09. März 2015, 21:36:19
Liebe Alle,


ich habe diesen Austausch gerade eben erst entdeckt und bin ganz berührt von diesem Thread! Danke, dass Ihr das hier diskutiert!

Gruß


Claudia
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 09. März 2015, 22:30:23
Liebe(r) love_and_mind,

in fast allem, was du schreibst finde ich mich wieder. Besonders dein Hinweis auf den richtigen Zeitpunkt spricht mich an, denn manchmal bin ich gar nicht in der Lage jemandem emphatisch zuzuhören, weil ich selbst viel zu bedürftig bin. Dein Satz "Manchmal ist es vielleicht sogar besser etwas "blödes" als nichts zu sagen, weil man so zumindest in Verbindung bleibt." findet allerdings so gar keine Resonanz in mir. Tatsächlich kann ich mich an keine solche Situation erinnern und bin auch überzeugt, dass die Verbindung dann nur bestehen bleiben kann, wenn der andere sich sehr darum bemüht und dazu in der Lage ist meinen Wolfsschrei als Hilfeschrei zu hören und emphatisch darauf zu reagieren. Sonst muss ich die Verbindung danach wieder aufbauen.

Liebe(r) curios,

ich denke, du hast mich schon weitgehend gehört, nur, dass ich glaube, auch wenn ich in Verbindung bleiben möchte, durch den Giraffenschrei meine Grenzen wahren zu können. Aber mein Ziel ist halt einfach nicht immer und überall Giraffe zu sein.

Den Satz "Bitte bzgl. Link zum Straßengiraffisch sprechen." habe ich nicht verstanden.

Zu deiner Hoffnung mit der GFK für alle Situationen "eine Lösung" zu finden: Was meinst du damit genau? Das führt mich auch auf deinen Threadtitel. Kennst du die Schlüsselunterscheidung zwischen "Giraffe sein und sich wie eine Giraffe verhalten?" Wenn ich Giraffe bin, will ich mich gar nicht vor den Wölfen schützen, ich kann darauf vertrauen, dass meine Verletzlichkeit zu zeigen, die Verbindung verbessert. Wenn ich mich wie eine Giraffe verhalte werde ich merken, dass das der Verbindung gar nicht dient. Kann ich immer eine Giraffe sein? Ich nicht, aber das ist o.k. so, ich bin ich.

Letztlich ist es für mich persönlich gut, die GFK Haltung immer weiter zu verinnerlichen und mit dem zu gehen, was gerade passiert. Und wenn es eine Wolfsäußerung war, kann ich die Verantwortung dafür übernehmen und sehen, was mir gut tut.

lg Uwe
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: love_and_mind am 10. März 2015, 09:36:56
Lieber Uwe,

nach deiner Rückmeldung würde ich den Satz:
"Manchmal ist es vielleicht sogar besser etwas "blödes" als nichts zu sagen, weil man so zumindest in Verbindung bleibt."
gerne optimieren:
"Manchmal ist es vielleicht sogar besser etwas "blödes" als nichts zu sagen, weil man so zumindest in Kontakt, bzw. präsent bleibt."

Gefällt er dir so besser?
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 10. März 2015, 12:45:03
@Uwe:
Ich bezog mich auf den Link den ich gepostet habe und auf dein Danke dazu.
Dazu schrieb ich "Bitte bzgl...."

Okay du siehst den Giraffenschrei als wertvoll zum Grenzen setzten. Ich sehe es teilweise ebenso. Es ist sinnvoll wo das verbales Nein reicht. Und wo durch die GfK unnötiger Widerstand vermieden wird.

In Rechtsangelegenheiten bin ich für den Bürokratiewolf.

Im Büro, bin ich mir nicht sicher ob Giraffenschrei oder Wolfswörte oder Wolfshandlungen besser wären.

Du sagtest die Giraffe ist für dich für Verbindung. Könntest du definieren wofür der Wolf für dich besser ist als die Giraffe?

@Alle
Wofür schätzt ihr euren Wolf? Sei es als Übergangslösung zur Giraffe oder als Dauerlösung, wo der Wolf für immer zuständig bleibt?
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 10. März 2015, 21:07:55
Lieber Uwe,

nach deiner Rückmeldung würde ich den Satz:
"Manchmal ist es vielleicht sogar besser etwas "blödes" als nichts zu sagen, weil man so zumindest in Verbindung bleibt."
gerne optimieren:
"Manchmal ist es vielleicht sogar besser etwas "blödes" als nichts zu sagen, weil man so zumindest in Kontakt, bzw. präsent bleibt."

Gefällt er dir so besser?
Liebe(r) love_and_mind,

ganz ehrlich: ich weiß nicht so recht. Ich sortiere gerade die Filme in mir, da gibt es den "Wenn du etwas "blödes" sagst, bist du falsch", in diesem Film ändert deine Änderung gar nichts. Es gibt auch den "Ach, der Herr schweigt überlegen" der verändert sich radikal.

Aber auch mit der Änderung im zweiten Film bin ich eigentlich nicht glücklich. Denn worum geht es mir? Ich möchte echt und ehrlich sein und dabei die Chance auf Verbindung erhalten. Und ich genieße in GFK Umgebungen dann sagen zu können "In mir tobt der Wolf, bitte gib mir 10 Minuten, da ist etwas wichtiges, das ich noch nicht fassen kann." Ich wünsche mir den Mut, mich auch in anderen Umgebungen so verletzlich zeigen zu können und in anderen Worten meine Auszeit einfordern zu können. (Ja, fordern, nicht bitten, ich bin nicht offen für ein nein). Ich habe noch keine Worte und stehe jedesmal vor einem echten Dilemma. Es wird aber besser. Atmen ist gut. Verlangsamen auch. Und manchmal auch den Wolf von der Leine lassen und darauf vertrauen eine wichtige Verbindung später wieder herstellen zu können.

Als Prinzip kann ich dir nicht zustimmen, ist deutlich geworden, warum?

@Uwe:
Ich bezog mich auf den Link den ich gepostet habe und auf dein Danke dazu.
Dazu schrieb ich "Bitte bzgl...."
Liebe(r) curios,
das mit dem Link hatte ich noch verstanden, ich habe nicht verstanden, was die Bitte ist.
Geht es dir ums "Straßengiraffisch sprechen", das Miki als "natural NVC" bezeichnet? Suchst du mehr Informationen dazu, oder meine Meinung?
Zitat
In Rechtsangelegenheiten bin ich für den Bürokratiewolf.

Im Büro, bin ich mir nicht sicher ob Giraffenschrei oder Wolfswörte oder Wolfshandlungen besser wären.
Mit "Rechtsangelegenheiten" habe ich so mein Problem. Kann ich akzeptieren, dass es eine Instanz gibt, die für mich bestimmt, was richtig und falsch ist? Ganz klares nein. Das war einer der wichtigsten Punkte, der mich zur GFK gezogen hat, dass es eine solche Instanz nicht gibt! Im Falle einer Auseinandersetzung suche ich nach den Bedürfnissen, nicht nach Regeln in einem abstrakten Regelwerk.
Ich begegne dem "Bürokratiewolf" oft, und oft finde ich keine Bereitschaft nach den Bedürfnissen zu sehen, um die es wirklich geht. Ich bin dann traurig und hilflos, weil ich gezwungen bin die jeweilige Rechtsangelegenheit per Regelwerk (Gesetz) notfalls entscheiden zu lassen (Gericht). Ich bin dann traurig, weil ich die Loose-Loose Situation nicht in eine Win-Win Situation verwandeln kann, Wolfsshow tritt dabei fast nie auf.
So ist es auch im Büro. Ich setze mich nicht mit Wolfshandlungen durch, der Preis ist mir zu hoch. In dem Augenblick, in dem ich einen Unterlegenen schaffe, beginnt er Sabotagepläne zu schmieden. Nein, das brauche ich nicht. Tatsächlich habe ich gerade im Büro auch (anfangs für mich überraschende) positive Erfahrungen mit Ehrlichkeit und Verletzlichkeit gemacht und lernen dürfen, ich habe es dort mit Menschen zu tun, die wirklich kooperieren wollen, wenn ich sie nur lasse!
Zitat
Du sagtest die Giraffe ist für dich für Verbindung. Könntest du definieren wofür der Wolf für dich besser ist als die Giraffe?
In der Kommunikation ist der Wolf für mich nie besser als die Giraffe. Der wirklich große Wert des Wolfes liegt für mich in der Auseinandersetzung mit mir selbst, darin, mich zu meinen Bedürfnissen zu führen, dafür ist er (im Moment noch) in manchen Situationen unverzichtbar.

liebe Grüße
Uwe
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 10. März 2015, 22:03:59
@Uwe.

Bei "Bitte" fehlte der .
Also im Sinne von "Bitte." "Bitte schön" "Gerngeschen, freut mich das dir das video gefällt."

Der Preis bei Rechtsstreitigkeiten finde ich wichtig zu beachten. Doch was ist wenn du der Unterlegene bist und du grenzen setzten willst? Also Verletzlichkeit zeigen und damit gute erfahrungen machen, verstehe ich dich da richtig?

Was ich noch höre: Wolf für innere Klarheit/Auseinandersetzung.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 10. März 2015, 22:35:54
@Uwe.

Bei "Bitte" fehlte der .
Also im Sinne von "Bitte." "Bitte schön" "Gerngeschen, freut mich das dir das video gefällt."
Liebe(r) curios,
ich denke, da fehlte gar kein Punkt, ich denke ich war einfach etwas GFK-blockiert, als ich das Wort Bitte gelesen habe. Und eigentlich finde ich das, jetzt wo wir es geklärt haben, gar nicht schlimm, sondern mag es eher als GFK-Verbindung feiern, irgendwie ist das lustig.
Zitat
Der Preis bei Rechtsstreitigkeiten finde ich wichtig zu beachten. Doch was ist wenn du der Unterlegene bist und du grenzen setzten willst?
Tja, das ist mir leider sehr vertraut. Oft geht dann für mich um Autonomie (so ein zentrales Thema für mich) und es schmeckt wirklich bitter, keine Verbindung zu bekommen und fremdbestimmt Regeln akzeptieren zu müssen. Ich versuche dann wenigstens aus der Rebellion heraus zu kommen und auf Augenhöhe die freie Entscheidung zu treffen, zu akzeptieren, dass ich einen "Regelwolf füttern muss", und ich versuche heraus zu finden, worum es meinem Gesprächspartner (Konfliktpartner?) wirklich geht, um wenigstens meinerseits die Sabotage und die loose-loose Situation zu vermeiden.
Gerade hatte ich damit einen schönen Erfolg. Vor ein paar Jahren hatte ich einen Konflikt mit einem Nachbarn (einer Wohnungsbaugesellschaft) wegen "Wildwuchs an der Grundstücksgrenze". Ich bekam einen ganz unangenehmen Brief mit Verweis auf viele Paragraphen, habe mir dann die Situation angesehen und fand, dass von der anderen Seite genauso viel zu mir herüberwachse wie umgekehrt. Nach etwas Wolfsshow habe ich mich entschlossen, den Wildwuchs auf meinem Grundstück zu beseitigen (weil die Rechtslage das halt verlangt) ohne mir Gedanken über die andere Seite des Zauns  zu machen.
Was passierte? Auf dem Nachbargrundstück wurde der Wildwuchs auch beseitigt, ohne dass mich das besonders interessiert hätte. Jetzt, ein paar Jahre später, bekam ich wieder einen Brief, aber ganz ohne Paragraphen, einfach eine freundliche Bitte. Ich habe mir die Situation am Zaun angesehen und hatte gar kein Problem, den "Wildwuchs" zurück schneiden zu lassen, wenn es denn dem Nachbarn wichtig ist.
Zitat
Also Verletzlichkeit zeigen und damit gute erfahrungen machen, verstehe ich dich da richtig?

Was ich noch höre: Wolf für innere Klarheit/Auseinandersetzung.
Ja, dafür hilft mir der Wolf. Und Ja, ich habe gute Erfahrungen damit meine Verletzlichkeit zu zeigen. Das hat bislang nicht dazu geführt, dass ich das immer zeigen kann, aber ich werde langsam mutiger.

liebe Grüße
Uwe
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 14. März 2015, 18:11:12
Beim zweiten lesen hat der Fall mit dem angeklagten Gartengestrüp etwas in mir ausgelöst.

Das du nicht den anderen anklagst wegen seinem Gartenzeugs finde ich verständlich. Du hast also deines weggemacht und jetzt fragt er beim nächsten mal nett statt gleich zu klagen.

Was würde passieren wenn du diese... bitte... verneinen würdest? würde er wieder mit dem Klagen anfangen? Ist es ein kooperativer Frieden, oder ein sich ergeben?

Was wenn deine Bedürfnisse + Rechte misachtet würden? Ein realer Fall kam mir zu Ohren. 2 Männer hatten je 1 Zimmer bei einer älteren Dame gemietet. Dem einen Mann gefiel das Schnarchen des anderen nicht. Er wurde durch Klopfen geweckt. Die Dame kündigte beide weil sie keinen Ärger will.

Was nun wenn du dieser wärst der nicht mehr schlafen darf, weil du zu laut Schnarchst? Und vielleicht deine Arbeit und deine Gesundheit gefährdet wäre. Würdest du klarmachen: Schnarchen wird geduldet dazu gibt es Urteile und Wecken ist Ruhestörung und kann mit Bußgeld und Beugehaft geahndet werden? Also mit Schutzintention den §§ Wolf bemühen?

Nehmen wir an der Nachbar ist im Gespräch sehr verständlich, fühlt sich in dich ein, weckt dich aber weiter, weil ihm das Schnarchen auf den Keks geht.

Nur auf das Zurückschlagen zu verzichten heißt noch nicht das jemand sich für sich und die GfK Haltung einsetzt.

Gandhi der indirekte Namensgeber, hat Gesetzte gebrochen, Salz gesammelt, Verstalltungen organiziert um Indien friedlich von England zu befreien.

Sind wir Hobbygiraffen die wenn es ernst wird harmonisieren und auf eigene Bedürfnisse verzichten weil der andere fordert statt zu bitten? Er Gesetzte, Unkooperation, Strafen und Macht einsetzt. Oder wo ist die Stärke der Giraffenhaltung? So das eine kleine Gemeinschaft von dieser Philosophie beeinflusst, durchdrungen wird?

Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 16. März 2015, 21:36:58
Liebe(r) Curios,
vielen Dank für diese schönen Zweifel, das gibt gerade ein richtiges Feuerwerk in meinem Kopf, ich genieße das sehr! Ich mag gerne meine Gedanken dazu (mit-)teilen.
Was würde passieren wenn du diese... bitte... verneinen würdest? würde er wieder mit dem Klagen anfangen? Ist es ein kooperativer Frieden, oder ein sich ergeben?
Nein, das ist kein kooperativer Frieden von beiden Seiten und das ist ganz sicher kein sich ergeben.
Ich kann natürlich nur spekulieren, was passieren würde, wenn ich mich weigerte, die Sträucher schneiden zu lassen, ich nehme mal an, dann käme wieder so ein Schreiben mit vielen Paragraphen. Und das wäre dann auch ganz o.k. für mich. Der Unterschied liegt vor allem in mir, ich muss nicht rebellieren, ich kann den Wunsch akzeptieren (noch leichter, weil die Paragraphen diesmal fehlten, das ist das, was mein Nachbar im Augenblick für mich tun kann) und dazu Beitragen, dass es ein anderer etwas leichter hat, weil ihm wichtig ist, dass sein Garten auch an der Grenze seinen Vorstellungen entspricht. Ich mag diesen vollständig getrimmten Garten nicht, aber das macht ja nichts, der Nachbar mag meinen Garten wahrscheinlich auch nicht Wir sind uns einig, dass wir unterschiedliche Vorstellungen haben und das respektieren wir gegenseitig. Das ist für mich etwas ganz anderes als sich ergeben, kannst du sehen, was für einen Unterschied das für mich macht?

Deutlicher wird es vielleicht an deinem schönen Schnarchbeispiel.
Zitat
Würdest du klarmachen: Schnarchen wird geduldet dazu gibt es Urteile und Wecken ist Ruhestörung und kann mit Bußgeld und Beugehaft geahndet werden? Also mit Schutzintention den §§ Wolf bemühen?
Ich frage mal zurück: Angenommen du bist der Schnarcher, aber im Nebenzimmer liegt nicht irgendwer, der dich weckt, sondern, sagen wir deine über alles geliebte Tochter. Ändert das etwas?

Schnarchen ist ja auch oft zwischen Paaren ein Problem. Im Extrem kann ich mir einen Satz wie "Es zerreißt mir das Herz, aber ich kann neben dir nicht schlafen, weil ich einfach ganz real nicht schlafen kann, dabei brauche ich die Nähe eines geliebten Menschen, deshalb muss ich dich verlassen." durchaus vorstellen. Was für eine Tragik. Von Paragraphen weit entfernt.

Aber konkret zu deinem Beispiel: Ich würde die Strategie mit den Paragraphen nie wählen. Einmal, weil ich nicht ertragen könnte, dass ein Dritter (in diesem Fall ein Richter) entscheidet, was richtig und was falsch ist. Ja, jetzt und hier in Deutschland ist das vielleicht eine Strategie, die meine Wünsche durchsetzt, zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort kann das ganz anders sein. Es gibt Orte, an denen das Rechtssystem einen Systemkritiker zu 1000 Peitschenhieben verurteilt, so einem Rechtssystem möchte ich mich ganz sicher nicht unterwerfen. Ich gebe meine eigene Verantwortung an ein abstraktes Rechtssystem ab, auf das ich gar keinen Einfluss habe? Nein, das ist nichts für mich.
Für mich bedeutet GFK-Haltung dem anderen wirklich zuzuhören und seine Bedürfnisse genauso wichtig zu nehmen wie meine eigenen. Er kann nicht schlafen, weil ich so laut schnarche. Puh, das ist mir nicht gleichgültig. Können wir gemeinsame Strategien finden? Tausende! Vielleicht kann man meinen Raum schallisolieren, vielleicht kann einer von uns eine neue Unterkunft finden, vielleicht hilft auch einfaches Oropax. Wir können das gemeinsam herausfinden in einem Gespräch in dem wir dem jeweils anderen wirklich zuhören, das leistet für mich die GFK Haltung.
GFK ist für mich kein Mittel andere zu verändern oder dazu zu bringen meinen Strategien zu folgen. GFK ist für mich eine Haltung, die einen Dialog öffnet, in dem wir gemeinsame Strategien für win-win-Lösungen finden.
Zitat
Nur auf das Zurückschlagen zu verzichten heißt noch nicht das jemand sich für sich und die GfK Haltung einsetzt.
Ich setze mich nicht für die GFK-Haltung ein, die GFK-Haltung erleichtert mir das Leben und deshalb möchte ich die Chance diese zu haben mit anderen teilen!
Zitat
Sind wir Hobbygiraffen die wenn es ernst wird harmonisieren und auf eigene Bedürfnisse verzichten weil der andere fordert statt zu bitten? Er Gesetzte, Unkooperation, Strafen und Macht einsetzt.
Im ersten Augenblick habe ich über den Ausdruck "Hobbygiraffe" schmunzeln müssen. Eine interessante Bewertung. Beim zweiten Hinsehen scheint da für mich ein "es gibt richtige Giraffen und falsche" durch und damit bin ich unzufrieden. Tatsächlich unterwerfe ich mich, wenn jemand "Macht über" einsetzt in bestimmten Situationen. Ich fände es absurd jemandem der mir ein Messer an den Hals hält mein Geld zu verweigern. Und in dem Augenblick tue ich das Beste, was ich für mich tun kann und das ist gut so.
Tatsächlich ist aber in den realeren Situationen seit ich mich intensiv mit der GFK-Haltung auseinandersetze die Zahl meiner Konflikte eher größer geworden als kleiner, weil ich viel stärker für meine Bedürfnisse eintrete, weil ich sie viel klarer wahrnehme. Ich kann nur viel konstruktiver damit umgehen, mache weniger faule Kompromisse und höre viel deutlicher die Bedürfnisse des anderen, die ich genauso hoch schätze wie meine eigenen. Ich kann dabei auch sehen, wenn der andere Zuflucht in einer vermeintlich sicheren Rechtssiuation nehmen muss, wo meine Grenzen sind. Und das zu akzeptieren fällt mir leichter.
Zitat
Oder wo ist die Stärke der Giraffenhaltung?
Ich bin nicht ganz sicher, was du mit Giraffenhaltung meinst, sprichst du von Empathie? Deren Stärke ist gewaltig, weil sie Verbindung auch dann ermöglicht, wenn die Fronten zu Beginn des Gesprächs völlig verhärtet erscheinen.

Soweit zu meiner Haltung, ich würde es sehr schätzen, wenn wir noch ein paar andere Ansichten hier lesen könnten.

Liebe Grüße
Uwe
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Claudia am 16. März 2015, 22:32:18
Liebe Alle,


das Gartenbeispiel spricht mich sehr an. Ich habe auch solche Erlebnisse, und zwar immer wieder. Für mich ist es dann eine bewusste Entscheidung, auf Verbindung zu setzen. Zum Beispiel im Familienkreis oder mit einer Kollegin bei der Arbeit. GFK ist ja keine "Sprache" oder Ausdrucksform, auch wenn ich das schon oft gehört habe. GFK ist eine Haltung. Und für die entscheide ich mich immer wieder neu. Geht es mir um Frieden und um Verbindung, oder will ich Recht haben? Mal ganz ehrlich: Es gibt Situationen, da will ich Recht haben. Aber ich merke immer öfter, dass ich dafür teurer bezahle als ich eigentlich bereit bin. Wenn ich die Bedürfnisse der/des anderen nicht mit im Auge behalte, werde ich "dafür bluten", einen Preis zahlen. Die Verbindung zahlt dafür. Ist es das wirklich wert? Zum Beispiel unter Nachbarn? ich glaube immer öfter: Nein.


Gruß,


Claudia
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 21. März 2015, 12:20:48
Aber konkret zu deinem Beispiel: Ich würde die Strategie mit den Paragraphen nie wählen. Einmal, weil ich nicht ertragen könnte, dass ein Dritter (in diesem Fall ein Richter) entscheidet, was richtig und was falsch ist. Ja, jetzt und hier in Deutschland ist das vielleicht eine Strategie,
Liebe Grüße
Uwe

Ich sag mal so zum meisten nicht-zitierten stimme ich zu. Der hier zitierte Punkt ist mir der wichtigste.
Du räumst ein, das das Gesetz eine Option zum Grenzen setzten sein könne, würdest aber selbst die Option nicht wählen.

Ich glaube um immer konkreter zu werden, meine Frage ist, was wenn sehr wichtige Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Dies der Fall ist weil der andere seine Bedürfnisse auf Kosten anderer erfüllt und er oder sie ein verbales "Nein" nicht akzeptiert. Was wären Giraffen Handlungen wenn es Empathisch einfach nicht weiter geht, entweder weil man (noch) nicht die Kraft hat oder der andere sich quer stellt.

Habt ihr ein paar Beispiele für mich (beliebig) wo das so war (Grenzen waren um vor Gewalt zu schützen) und was ihr dann aus einer  :g1:-Haltung tatet um euch zu schützen (Schützende Anwendung von Macht/Zwang)?


Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 21. März 2015, 12:24:24
Aber konkret zu deinem Beispiel: Ich würde die Strategie mit den Paragraphen nie wählen. Einmal, weil ich nicht ertragen könnte, dass ein Dritter (in diesem Fall ein Richter) entscheidet, was richtig und was falsch ist. Ja, jetzt und hier in Deutschland ist das vielleicht eine Strategie,
Liebe Grüße
Uwe

Ich sag mal so zum meisten nicht-zitierten stimme ich zu. Der hier zitierte Punkt ist mir der wichtigste.
Du räumst ein, das das Gesetz eine Option zum Grenzen setzten sein könne, würdest aber selbst die Option nicht wählen.

Ich glaube um immer konkreter zu werden, meine Frage ist, was wenn sehr wichtige Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Dies der Fall ist weil der andere seine Bedürfnisse auf Kosten anderer erfüllt und er oder sie ein verbales "Nein" nicht akzeptiert. Was wären Giraffen Handlungen wenn es Empathisch einfach nicht weiter geht, entweder weil man (noch) nicht die Kraft hat oder der andere sich quer stellt.

Habt ihr ein paar Beispiele für mich (beliebig) wo das so war (Grenzen waren um vor Gewalt zu schützen) und was ihr dann aus einer  :g1:-Haltung tatet um euch zu schützen (Schützende Anwendung von Macht/Zwang)?

und um auch mal die GfK zu bemühen.

Es gab Situationen bei denen es bei mir so war und ich mich schwach und hilflos fühlte weil mir sicherheit und klarheit im vorgehen wichtig war. Ich schwankte zwischen wolf und giraffe und frage welche Haltung zwecks Schützen stärker sei. Daher bitte ich um die Beisipele.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 22. März 2015, 23:25:15
Liebe(r) Curios,
danke, dass du schreibst, was du von mir gehört hast. Ich möchte meine Worte noch etwas präzisieren.
Aber konkret zu deinem Beispiel: Ich würde die Strategie mit den Paragraphen nie wählen. Einmal, weil ich nicht ertragen könnte, dass ein Dritter (in diesem Fall ein Richter) entscheidet, was richtig und was falsch ist. Ja, jetzt und hier in Deutschland ist das vielleicht eine Strategie,
Ich rede dabei nur von Situationen, in denen ein Dialog möglich ist. In eskalierten Situationen, in denen ich meine Sicherheit gefährdet sehe, zögere ich nicht mir auch Hilfe von der Polizei zu holen, über alternative Wege denke ich dann nicht nach.
Zitat
Zitat
Dies der Fall ist weil der andere seine Bedürfnisse auf Kosten anderer erfüllt und er oder sie ein verbales "Nein" nicht akzeptiert. Was wären Giraffen Handlungen wenn es Empathisch einfach nicht weiter geht, entweder weil man (noch) nicht die Kraft hat oder der andere sich quer stellt.
Hier wird es für mich wieder schwierig über eine unklare Situation zu reden. Die Bewertung, dass jemand seine Bedürfnisse auf meine Kosten erfüllt, kommt mir bekannt vor. Ich frage mich dann aber immer worum es mir eigentlich im Moment wirklich geht und tappe nicht in die Falle die Verantwortung für den inneren Film, den ich gerade sehe, meinem Gegenüber zuzuschieben.
Wenn jemand ein klares "Nein" nicht akzeptiert bin ich vielleicht schon in einer Situation, in der ich Schutz brauche, nicht Verbindung. Dann unterbreche ich die Situation (erklären, weggehen, Polizei je nachdem, wobei ich praktisch noch nicht in Situationen war, in denen ich die Polizei gebraucht hätte).
Situationen, in denen ich nicht die Kraft habe empathisch zu reagieren sind mir vertraut. Da bin ich dann einfach ehrlich und sage etwas wie "ich kann dich im Moment nicht wirklich hören, weil mich unser Gespräch überfordert (... ich zu aufgeregt bin ... ich zu müde bin ...), bist du bereit das Gespräch morgen weiterzuführen?"
Dass der andere sich querstellt heißt doch übersetzt nur, dass er nicht mit meiner Strategie einverstanden ist. Ich denke, du meinst hier etwas schwerwiegenderes, kann es aber nicht wirklich greifen.
Zitat
Zitat
Habt ihr ein paar Beispiele für mich (beliebig) wo das so war (Grenzen waren um vor Gewalt zu schützen) und was ihr dann aus einer  :g1:-Haltung tatet um euch zu schützen (Schützende Anwendung von Macht/Zwang)?
Ich lese deinen Satz so, dass es dir wichtig ist, aus einer Giraffenhaltung heraus zu handeln. Das ist mir auch wichtig, insbesondere auch mir selbst gegenüber. Wenn ich einer konkreten Situation für mich keine Verbindung möglich ist, dann kann ich das annehmen. Ich kann es bedauern, und ich kann hinnehmen, dass ich es in dem Augenblick nicht ändern kann. Es hat keinen Sinn für mich, wenn ich einen Anspruch an mich selbst aufbaue, dem ich nicht genügen kann.
Ich kann deinen Wunsch sehr gut verstehen, aber ich kann ihm nicht wirklich nachkommen. Es gibt, glaube ich, im Buch von Marshall die Beschreibung einer Situation in der eine Frau überfallen wird und dadurch dass sie emphatisch zuhört einer Vergewaltigung entgeht. Ich lese so etwas und denke, ja, das könnte es schon geben, aber ich würde das wenn ich ehrlich bin nicht können. Und dann wünsche ich mir auch nachvollziehbare Geschichten aus dem realen Leben, in denen ich mich selbst wiederfinden kann. Und vielleicht gibt es in meinem Leben Situationen, die ich vielleicht sogar in einem Workshop preisgeben würde, hier in einem öffentlichen Forum eher nicht.
Zitat
Es gab Situationen bei denen es bei mir so war und ich mich schwach und hilflos fühlte weil mir sicherheit und klarheit im vorgehen wichtig war. Ich schwankte zwischen wolf und giraffe und frage welche Haltung zwecks Schützen stärker sei. Daher bitte ich um die Beisipele.
Solche Situationen sind mir keineswegs fremd. Wenn ich schwanken kann, also in der Lage bin bewusst zu entscheiden, ist die Wolfshaltung für mich keine Option. Das ist natürlich alles sehr abstrakt. Kannst du dir vorstellen, die Situation(en) im Setting einer Anliegenarbeit in einem Workshop oder einer Übungsgruppe oder in einem Coaching näher anzuschauen?
lg Uwe
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 08. April 2015, 16:37:37
Danke beantwortet sehr viel.

Konkrete Situationen habe ich keine. Mir gehts um die Zukunft also hypotetische Situationen.

Eine Frage hätt ich noch: In non-GfK ist wut zum Grenzen setzten da. Wird das in der GfK auch genau dafür verwendet?
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Claudia am 10. April 2015, 21:59:41
Hallo, Curious,


ich verstehe nicht ganz, was mit
Zitat
In non-GfK ist wut zum Grenzen setzten da.
gemeint ist. Wut ist ein Gefühl, die Gelehrten streiten sich noch, ob ein Primärgefühl oder Sekundärgefühl. In der "reinen GFK-Lehre" gehen wir davon aus, dass unter oder hinter der Wut immer ein oder mehrere andere Gefühle stecken, also etwa Trauer, Schmerz, Einsamkeit oder vielleicht sogar Scham. Es gibt aber einige Trainer, die der Ansicht sind, dass es auch eine Wut-Kraft gibt, die wir für uns  nutzen können und sollen. Das setzt voraus, dass wir gut mit uns verbunden sind und erkennen, dass unsere Wut uns gerade bedeutet, dass wir etwas so nicht mitmachen wollen, nicht aushalten, nicht haben. Und dann kommen wir wieder zu den Schritten, um dank der Schubkraft unserer Wut FÜR UNS einzustehen, nicht aber gegen den anderen.


Hilf Dir das weiter?

Gruß,


Claudia
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 12. April 2015, 15:41:34
Damit war gemeint, das manche Wut als Tool zum Grenzen setzten sehen. (nicht-GfK Leute).

Wut einsetzten, für uns aber nicht gegen andere, hilft als aussage.

Jedoch zweifle ich an der Umsetzbarkeit. Als ob man von A zu C wechselt ohne über B zu gehen.

Jesus hatte so schützenden Zorn, wo es um einen Tempel ging. Gandhi sagte lieber gewalttätig sein als Feige. Und Rosenberg, er wäre der letzte der gegen das ausleben Wut, statt Nettigkeit sei.

Als Idealziel alles sehr sinnvoll und von dem her danke für die Beantwortung meiner Frage. Praktisch halte ich es für möglierweise/teilweise unrealistisch gleich dorthinzuhopsen ohne nicht auch Wut im Sinne einer Verurteilung anderer oder der Situation, zu betreiben.

Danke auch für die Nennung der Kontroverse bzgl. Nutzung von Wut als Energie unter GfK Trainer.

Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 12. April 2015, 20:21:49
Hallo Curios.
Damit war gemeint, das manche Wut als Tool zum Grenzen setzten sehen. (nicht-GfK Leute).
Ein Tool ist für mich ein Hilfsmittel, das ich bewusst einsetzen kann. Wut ist ein Gefühl. Wie kann ich das als Tool verwenden?
Zitat
Jedoch zweifle ich an der Umsetzbarkeit. Als ob man von A zu C wechselt ohne über B zu gehen.

Jesus hatte so schützenden Zorn, wo es um einen Tempel ging. Gandhi sagte lieber gewalttätig sein als Feige. Und Rosenberg, er wäre der letzte der gegen das ausleben Wut, statt Nettigkeit sei.
Ich lese hier, dass du nach einer Berechtigung oder Rechtfertigung für Wut suchst und diese auch darin findest, dass die zitierten Menschen Wut zuließen. Interpretiere ich dich da richtig?

Im Jesus-Zitat meinst du wahrscheinlich die "Tempelaustreibung", die in allen vier Evangelien vorkommt und einen sehr aggressiven Jesus zeigt, ganz im Gegensatz zur Bergpredigt. Von Gandhi kann ich mir das Zitat nicht vorstellen, da hätte ich gerne eine Quelle, und von Marshall kenne ich auch kein entsprechendes Zitat. Natürlich kenne ich von Kelly Bryson "Sei nicht nett, sei echt", da geht es aber nicht um Wut. Kannst du meinem Verständnis hier weiter helfen?

Ich selbst gehöre zu denen, die in Wut eine Veränderungskraft sehen und ihr auch einen hohen Wert beimessen, wie oben schon geschrieben. Ich habe aber, ganz wie Claudia schreibt, die Erfahrung gemacht, dass hinter Wut oft andere Gefühle stehen und es sich lohnt darauf zu schauen und heraus zu finden, welche Bedürfnisse gerade im Mangel sind. Es kann z.B. durchaus sein, dass Wut gefühlt wird, weil das eigentliche Gefühl Trauer nicht zugelassen werden kann. Die Veränderungskraft, die die Wut bereitstellt kann dann gar nicht genutzt werden, weil es um etwas geht, das nicht verändert werden kann. Das tragische ist dann, dass sie in solchen Situationen auch zerstörerisch wirken kann, einfach, weil sie da ist.
Zitat
...ohne nicht auch Wut im Sinne einer Verurteilung anderer oder der Situation, zu betreiben.
Wenn ich das lese, frage ich mich, was mir das nützt. Klar, es ist ja nicht verboten andere zu verurteilen. Aber wozu?

Gerade da bietet mir die GFK doch alternative Handlungsmöglichkeiten eine echte Veränderung anzustreben und auch zu erreichen.

lg Uwe
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Claudia am 12. April 2015, 21:29:52
Hallo, Ihr Lieben!

Ich habe SO eine große Sehnsucht, dass diese Verurteilerei aufhört, auf allen Ebenen. Zwischenmenschlich und auch bezogen auf Situationen. Ich weiß nicht mehr, wozu das gut sein soll. Wenn ich daran denke, dass ich das vor einigen Jahren noch intensiv betrieben habe - zum Beispiel, um Schuld von mir abzuweisen - dann weiß ich, da will ich nie wieder hin.


Claudia
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 13. April 2015, 16:07:15

Ich lese hier, dass du nach einer Berechtigung oder Rechtfertigung für Wut suchst und diese auch darin findest, dass die zitierten Menschen Wut zuließen. Interpretiere ich dich da richtig?

Ich sehe du Interpretierst und bewertest meine Worte als suche nach Rechtfertigung für Wut. Und du fragst, möchtest also wissen ob ich deiner Interpretation / Urteil zustimme.

Mir ist es wichtig das die urteile nicht verurteilt werden, etwas was ich selbst tue und etwas von dem ich der Meinung bin du mir gegenüber tust, während du gleichzeitig dafür wirbst das ich den GfK Weg gehe. Nicht verurteilen ist für mich nicht gleich Rechtfertigen.

ich glaube mir geht es um Grenzen wahren, nicht indoktriniert zu werden. Es geht mir auch darum akzeptiert zu werden, auch wenn ich Urteile.

Bitte schreib mich nicht mehr an, ich habe auch den Rest deines Postes nicht mehr gelesen.

Und Claudia... ich vermute die Urteilerei erinnert dich an deinen  :wolf0:. Auch hier seh ich den Wunsch in den Grenzen des anderen. Das der/die anderen aufhören zu Urteilen.

Ich bin enttäuscht, weil ich gerne starke Giraffen gesehen hätten. Wahrscheinlich liegt es einfach daran das wir alle darin neu sind. Und das der Wolf in uns alle noch sehr stark ist bzw. er herausprovoziert wird wenn andere Urteilen.

So oder so unterm Strich:; Wie behauptet sich die  :g1: während ge :wolf0:et wird, ist für mich gerade hier am Schluss eine offene Frage. Die Theorie kann ich auch, wie es sein "sollte". Unterm Strich bleiben mir große Zweifel bzgl. der Integrität, Stärke und authenitscher Anwendbarkeit im realen Leben. Nicht weil es nicht theoretisch möglich wäre, sondern weil praktisch wir alle (?) in alte Verhaltensmuster zurückfallen.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: uwe am 13. April 2015, 20:51:05
Hallo an alle an diesem Strang beteiligten und alle Mitleser.

Die Bitte von Curios
...
Bitte schreib mich nicht mehr an,
...
kann ich erfüllen und nicht mehr auf dieses Post antworten.

Dem Fazit, das Curios für sich gezogen hat
Zitat
...
Nicht weil es nicht theoretisch möglich wäre, sondern weil praktisch wir alle (?) in alte Verhaltensmuster zurückfallen.
möchte ich aber noch hinzufügen, dass es mir nur natürlich scheint, dass man ein Verhalten, das man über 30, 40 oder 50 Jahre verinnerlicht hat, nicht "einfach so" ablegen kann. Aber es ist möglich, dabei spreche ich sowohl von eigener Erfahrung, als auch von etlichen Trainern, die ich kennenlernen durfte.

Der Weg dahin ist sicher nicht einfach und sehr fordernd. Es braucht immer wieder viel Unterstützung und praktische Übung und dauert seine Zeit. Und ich bin überzeugt, der Aufwand lohnt sich!

lg Uwe
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Claudia am 13. April 2015, 22:08:28
Liebe Alle,


ich stimme Curious nicht zu, und habe auch nicht grundsätzlich ein Problem mit Urteilen. Ich muss urteilen, davon hängt mein Leben ab. Aber ob ich moralische Urteile fälle oder Werturteile - das macht für mich einen großen Unterschied.


Meine Kollegin an der Schule ist heute u.a. als Fotze beschimpft worden. In meinem früheren Leben wären Schulverweis, Tadel, Strafe die Antwort gewesen. So etwas sagt man nicht, das ist falsch und beleidigend.

Heute entscheide ich, dass so ein Verhalten Konsequenzen hat. Weil ICH nicht mit jemandem arbeiten möchte, der so mit meiner Kollegin umgeht. Hier übe ich vielleicht Gewalt aus, aber es geht nicht um Strafe. Aus meiner Sicht braucht es keine Strafe. Für was? Dass auch der Schüler ein unerfülltes Bedürfnis hat? Aber es braucht Konsequenzen, weil mir Würde, Respekt und achtsamer Umgang miteinander hohe Werte sind. Und dafür möchte ich mich einsetzen. Kompromisslos.

Gruß,


Claudia
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: love_and_mind am 14. April 2015, 07:51:08
Lieber curious,

es sieht für mich so aus, dass du hier in irgendeiner Form Unterstützung gesucht hast und dass es offensichtlich gerade überhaupt nicht funktioniert. Das finde ich sehr schade und ich denke, es liegt auch daran, dass es bisher nicht gelungen ist dich "zu sehen". Mir hast du von Anfang an Rätsel aufgegeben, auch weil du eher hypothetische, allgemeine und keine konkreten Situationen aus deinem Leben geschildert hast. Ich habe mir öfter überlegt, worum es dir geht, warum du so tickst wie du tickst. Ich fand das spannend.

Vor einigen Wochen erinnerte ich mich an ein Lied von Udo Lindenberg, das ich als Teenager sehr mochte. Den Text kenne ich immer noch:

" Kleiner Junge "
Als er ein kleiner Junge war
 und mal nix essen wollte, sagte Ma
 daß viele Kinder hungrig sind und sterben
 er war so geschockt und dachte: So 'n Wahnsinn
 und rannte zu seinem Sparschwein hin
 da war sein ganzer Reichtum drin
„Mutter, wir müssen was tun!"

„Mit deinen paar Groschen", sagte Ma
„kriegste diese Welt leider auch nicht klar
 das ist hier nun mal so 'n bekloppter Planet
 wo die Menschheit schon immer total durchdreht
 daran wirst du dich gewöhnen, damit muß man leben
 auch wenn es manchmal traurig macht."
 Doch er beschloß, wenn ich mal groß bin, werde ich das ändern
 und heulte die ganze Nacht
.............
Kleine Jungs werden größer
 und wenn's dann immer mehr um das Ego geht
 ist ein palästinensisches Flüchtlingsghetto
 bald so weit weg wie der fernste Planet
 doch bei ihm war das anders - er wurde groß
 doch sein Gewissen wurd' nicht kleiner
 und wenn er mal ausflippte, schrie und weinte, im Büro, einfach so
 lachten sie ihn aus
 Psychiatrie - Irrenhaus
 Psychiatrie - Irrenhaus
.........


Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr sehe ich in dir ein Stück weit diesen kleinen Jungen, dessen Ideale später im Alltagsgeschäft, anders als bei den meisten anderen, nicht klaglos auf der Strecke geblieben sind. Das ist für mich etwas sehr wertvolles!
Der Songtext steht für das, was für mich rüber kommt. Ich gehe selbstverständlich nicht davon aus, dass du manchmal im Büro schreist und weinst  8)

LG Ingrid
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 14. April 2015, 12:20:30
Claudia / Uwe
Beides hilft mir nicht beides lese ich nicht, außer die ersten 5 Wörter bis es mir zuviel. Ist mit nicht mit mehr reden meine ich natürlich auch nicht über mich reden. Aber auf meine Bitte habe ich letztendes eh keine Umsetzungsmöglichkeit.

love and mind.
Schreien und weinen tat ich tatsächlich wörtlich die letzten Tage viel. Kein Büro weit und breit.

Mir geht es tatsächlich um das Ideal und die Frage wie weit jemand, außer der nun verstorbene Rosenberg, in dieser Haltung sein kann ohne sich abzugrenzen, andere zu belehren etc.

Ich mein es steht ja nicht das Überleben der Menschheit auf dem Spiel... oder doch? Wir leben in einer Wolfswelt, zementiert durch Machtstrukturen, außerdem ist der Wolf ist noch in jedem von uns. Die GfK ist die theroretische Lösung. Für Alles. Oder Vielles. Die Lösung für diesen Kindergarten und pathologische Sanktionsorgie gegen und von Russland. Die Spannungen durch den Krieg Reich gegen Arm bauen sich auf, Atom- und biogene Waffen haben inzwischen das Potential eines Nuklearen Winters oder sich selbst verbreitende Viren.

Und im Alltagsleben findet sich zwar nicht in der Dramatik jedoch in dem selben Muster das Wolfsdenken. Bin ich der einzige der nachdem ihm das bewusst geworden ist, wahnsinnig wird? Ist authentisch sein und Wütend werden nicht ein erster Schritt? Oder ein notwendiger da wir nunmal alle keine Heiligen sind? Würd nun über GfK geredet oder in GfK? Ich habe dafür gerade nicht die Kraft.

Und wenns hier nicht klappt, in einem Trivialen anonymen Chat, wie können wir wirklich der Welt helfen?

Ich kann nicht anderster als so zu Argumentieren wo ich gerade bin. Die Worte der GfK nutzen kann ich... aber sie wären nur hohl, nur heuchlerisch. Wohl vom Kopf her wissend das das Endziel dort liegt wenn es ... menschlich sein will.

Momentan wäre das Gefühl wohl Enttäuschung, Ohnmacht, Resignation, Frust. weil die GfK und ihre Mitglieder - oft - nicht immer. In meinen Augen die Giraffe nur aufgesetzt haben. Und ich gerade glücklich bin das ich, wenn ich auch (nicht hier) oft  :g1: war, ich momentan zumindest authentisch bin.

Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: love_and_mind am 17. April 2015, 10:49:48
Lieber curious,
ich kann mit deinem letzten Beitrag viel anfangen, mehr als mit allen deinen anderen. Du hast damit einiges in mir angestoßen, was mir sehr wichtig ist.
Mir geht es tatsächlich um das Ideal und die Frage wie weit jemand, außer der nun verstorbene Rosenberg, in dieser Haltung sein kann ohne sich abzugrenzen, andere zu belehren etc.
Dabei handelt es sich ja um einen Entwicklungsprozess. Ich denke man wird immer an Grenzen stoßen, an innere und äußere, ich bin davon überzeugt, dass es Rosenberg da nicht anders ging. Von ihm ist ja auch die Aussage, dass alles was es wert ist getan zu werden, es auch wert ist in einer dürftigen oder unvollkommenen („poor“) Weise getan zu werden.
Ich mein es steht ja nicht das Überleben der Menschheit auf dem Spiel... oder doch?
Die Spannungen durch den Krieg Reich gegen Arm bauen sich auf, Atom- und biogene Waffen haben inzwischen das Potential eines Nuklearen Winters oder sich selbst verbreitende Viren.
Wir rennen sehenden Auges ins Verderben, wir zerstören unseren Lebensraum.

So ähnlich wie wenn wir an einem Autounfall vorbei fahren ohne etwas zu tun.
>Irgendjemand wird schon anhalten,… ich könnte was falsch machen,… ich habe gerade keine Zeit, .. oder: ich kann nichts ausrichten...<

Und dann die leise Ahnung den Schlüssel in der Hand zu halten, die Welt könnte ein besserer Ort sein. Great expectations

Was folgt ist die Ernüchterung, die Frustration ihn nicht so benutzt zu sehen wie erhofft, ihn selbst nicht so nutzen können… einfach so weiter machen wie bisher, …wie bitter.

Wir leben in einer Wolfswelt, zementiert durch Machtstrukturen


Ich würde Uwe und Claudia gerne einladen hier wieder einzusteigen. Ist das OK für dich?

LG Ingrid
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 21. Mai 2015, 15:21:29

Und dann die leise Ahnung den Schlüssel in der Hand zu halten, die Welt könnte ein besserer Ort sein. Great expectations

Was folgt ist die Ernüchterung, die Frustration ihn nicht so benutzt zu sehen wie erhofft, ihn selbst nicht so nutzen können… einfach so weiter machen wie bisher, …wie bitter.

Ich würde Uwe und Claudia gerne einladen hier wieder einzusteigen. Ist das OK für dich?

LG Ingrid

Genau. Mir kommt es so vor als würden viele Die  :g1: dem  :wolf0: auf den Kopf setzten. Wenn es wirklich hard auf hard kommt habe ich noch keinen erlebt der  :g1: sein kann.

Nein, mein Bedürfnis nach wertschätzendem Umgang ist für mich, bei den anderen nicht erfüllt.

Ich bin enttäuscht, ernüchtert, dennoch aber wissend und hoffnungsvoll, weil die Gewaltfreie Kommunikation für mich Sinn macht. Ich freue mich auf weitere Begegnungen mit der Gewaltfreien Kommunikation.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Tany am 28. Mai 2015, 20:03:21
Die Arbeitssituation steht für das Beispiel schlechthin, wie ich als einzelne  :g1: vorgehen könnte.

Das Beispiel ist momentan nur fiktiv.

Ein konkreter Fall:
Wenn jemand viel  :wolf0: spricht, z. b. sagt: "Es gab schon immer Alpha männchen, das es anderst sein kann stimmt einfach nicht."

Dann fühle ich mich überfordert und hab noch nicht die Routine mich in den anderen einzufühlen bzw. es fühlt sich auch ungut an.

Eine Selbstmitteilung zu machen ohne einzufühlen, eskaliert möglicherweise den Konflikt, wodurch ich noch überforderter wäre danach in  :g1: Haltung zu bleiben. Ist der übergangswolf, hier evtl. angesagt?

Hallo Curious,

ich denke da gerade an einen Ausspruch von M.B. Rosenberg, der sinngemäß lautet:

Zitat
Nimm dir Zeit aus einer Kraft heraus zu handeln, die du bewusst wählst - statt aus einer Kraft, die dir einprogrammiert wurde.

Du könntest in solchen Momenten dazu übergehen, darum zu bitten, die Unterhaltung zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen, da Du die Aussage erst einmal reflektieren möchtest.

Wenn Du Dich in der Lage siehst - und die Bereitschaft vorhanden ist, vereinbart ihr einen Termin.

Befürchtest Du, dass der Wolf jeden Moment ausbrechen könnte  :wolf0: könntest Du auch sagen, dass Du die Unterhaltung jetzt für x Minuten unterbrechen möchtest, da Du Zeit für Dich brauchst, um Dich zu sortieren.

In der Zeit lässt Du Deinen Wolf heulen ^^  - evtl. hast Du auch jemanden, dem Du Dich anvertrauen magst.

Danach hast Du sicher wieder mehr Raum, Dich mit Deinen und seinen Bedürfnissen zu verbinden und aus entsprechender Haltung heraus zu kommunizieren.

Viele Grüße

Tany
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 29. Mai 2015, 11:43:49
Ich bin mir bewusst das es diesen Ratschlag gibt. Er ist hilfreich. Ich bin dennoch überfordert ;)

Was ich mich auch immer Frage ist was die  :g1: nicht ist, welche Fähigkeiten der Wolf hat.

Dazu fand ich eine Kultur die die  :g1: repräsentiert und ihr  :wolf0: Gegenteil.

Die eingeborene Wolfskultur hat keine Empathie. Hilfsbitten gibt es ebenso nicht. Allerdings ist jeder Selbständig, Autonom, Stark. Auch Freudig. Gleichzeitig haben Sie ein Gefühl der Leere, wohl wegen mangelnder Verbindung.

Die  :g1: eingeborenen Kultur ist zwar friedlich. Sie sieht sich jedoch als Schwach an. Als abhängig von anderen und der Umwelt.

Das erhöht meine Vermutung, das ein wirklich gutes Ziel evtl. doch nicht so viel  :g1: wie möglich ist. Sondern eine Fusion der Beiden.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Tany am 29. Mai 2015, 18:31:26

Die eingeborene Wolfskultur hat keine Empathie. Hilfsbitten gibt es ebenso nicht. Allerdings ist jeder Selbständig, Autonom, Stark. Auch Freudig. Gleichzeitig haben Sie ein Gefühl der Leere, wohl wegen mangelnder Verbindung.

Die  :g1: eingeborenen Kultur ist zwar friedlich. Sie sieht sich jedoch als Schwach an. Als abhängig von anderen und der Umwelt.

Das erhöht meine Vermutung, das ein wirklich gutes Ziel evtl. doch nicht so viel  :g1: wie möglich ist. Sondern eine Fusion der Beiden.

Hallo Curious,

mir ist noch nicht klar, was genau Du meinst, wenn Du von 'Kulturen' sprichst.

Magst Du das konkretisieren?

Ich spreche für mich - von mir: Ich bin in der Lage, meine Bedürfnisse zu befriedigen - und mich kraftvoll und autonom zu erleben - ohne den Wolf heulen zu lassen.

Gleichzeitig ist es so, dass der Empfänger eine Botschaft auch dann als gewaltvoll erleben kann. Das habe ich selbst schon mehrfach erlebt.

Wobei - es gibt ja keine Wölfe - es gibt lediglich Giraffen mit Sprachstörungen ^^

Wer einen Wolf hört, bei dem sind die Giraffenohren nicht empfangsbereit.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 30. Mai 2015, 14:59:55

Hallo Curious,

mir ist noch nicht klar, was genau Du meinst, wenn Du von 'Kulturen' sprichst.

Magst Du das konkretisieren?


Die Semai (Malaysia) =  :g1: irgendwo irgendwan von Rosenberg referenziert
The Huaorani, Waorani or Waodani, also known as the Wao(Amazonas) = bekamen den Ruf als gewalttätigst überhaupt. Sehr hohe Mordrate. In einer Studie (gibt Deutsche Doku) wurden sie gezeigt.

https://www.youtube.com/watch?v=O4tUVqsjQ2I

Was ich an diesem Beitrage feiere, außer das in 9 std. viel Information drin ist, ist eine Situation gegen Ende.

Einer meint zu Frau (früher) Hosen tragen soll man als Frau nicht. Sie sagte "Go to hell". Das sehe ich als schönen und wichtigen Zwischenschritt zu dem 4 Schritte Programm
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Tany am 30. Mai 2015, 15:36:54

Hallo Curious,

mir ist noch nicht klar, was genau Du meinst, wenn Du von 'Kulturen' sprichst.

Magst Du das konkretisieren?


Die Semai (Malaysia) =  :g1: irgendwo irgendwan von Rosenberg referenziert
The Huaorani, Waorani or Waodani, also known as the Wao(Amazonas) = bekamen den Ruf als gewalttätigst überhaupt. Sehr hohe Mordrate. In einer Studie (gibt Deutsche Doku) wurden sie gezeigt.

https://www.youtube.com/watch?v=O4tUVqsjQ2I

Was ich an diesem Beitrage feiere, außer das in 9 std. viel Information drin ist, ist eine Situation gegen Ende.

Einer meint zu Frau (früher) Hosen tragen soll man als Frau nicht. Sie sagte "Go to hell". Das sehe ich als schönen und wichtigen Zwischenschritt zu dem 4 Schritte Programm

 
Was ziehst Du für Dich aus den Informationen des Beitrags - erkennst Du Parallelen zu Deinem alltäglichen (Er)Leben?

Was ist die Essenz die Du daraus ziehst?

Siehst Du es so, dass dass ein Mensch, mit der inneren Haltung einer :g1: per se kein selbstbestimmtes, glückliches Leben führt?

Wohingegen der :wolf0: per se autonom und kraftvoll handelt - dafür, aufgrund mangelnder Verbindung, eine innere Leere verspürt.



Deine Kernaussage ist demnach, dass nur eine Mensch, mit einer Mischung aus beiden Anteilen, ein Leben führen kann, in dem er Autonomie, Frieden und Lebensfreude erlebt?
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Tany am 30. Mai 2015, 15:51:15
Der Mensch ist ein vielschichtiges Individuum.

Es gibt weder die  :g1: - noch den  :wolf0:


Es gibt Menschen - und Menschen unterscheiden sich (u.a.) hinsichtlich ihrer Fähigkeiten, Fertigkeiten - hinsichtlich ihres Selbstbewusstseins, ihres Selbstwertgefühls, ihres Selbstvertrauens - ihrer Selbstsicherheit.

Darüber hinaus haben sie unterschiedliche Präferenzen.
 
All das spiegelt sich auf unterschiedliche Art und Weise in der Denke und dem Handeln eines Menschen wider.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 30. Mai 2015, 18:35:18

1. Siehst Du es so, dass dass ein Mensch, mit der inneren Haltung einer :g1: per se kein selbstbestimmtes, glückliches Leben führt?

2. Wohingegen der :wolf0: per se autonom und kraftvoll handelt - dafür, aufgrund mangelnder Verbindung, eine innere Leere verspürt.

3. Deine Kernaussage ist demnach, dass nur eine Mensch, mit einer Mischung aus beiden Anteilen, ein Leben führen kann, in dem er Autonomie, Frieden und Lebensfreude erlebt?

Ich hab deine Fragen mal Nummeriert:

1. Ich weis es nicht.

2. Möglicherweise

3. Nein, ich glaube die 3 Bedürfnisse kann man mit  :wolf0: oder  :g1:-Haltung erleben.
Ich frage mich jedoch in der Tat, ob die beiden Haltungen nicht auch Fusioniert werden können, oder sich gegenseitig ergänzen um einen "ganzeren" Menschen zu ergeben.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Tany am 30. Mai 2015, 18:58:46


3. Nein, ich glaube die 3 Bedürfnisse kann man mit  :wolf0: oder  :g1:-Haltung erleben.
Ich frage mich jedoch in der Tat, ob die beiden Haltungen nicht auch Fusioniert werden können, oder sich gegenseitig ergänzen um einen "ganzeren" Menschen zu ergeben.

Ich verstehe Dich so, dass Du Dich fragst, ob ein Mensch erst dann ein 'ganzer' Mensch ist, wenn beide Grundhaltungen - die sich widersprechen - vereint sind.

Wie könnte das aussehen - magst Du das, anhand eines Beispiels, verdeutlichen?

Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 30. Mai 2015, 19:14:52
Ich frage mich das. Und ich habe die Intuition das es so sei. Den wer X Ausklammert, (Während X die Gewalt und das Urteil über andere wäre). Bedeutet das das X Unterdrückt wird, damit Unbewusst und auf andere Weise in Erscheinung treten könnte.

Wie eine  :g1: :wolf0: Fusion aussehen könnte (oder ob das überhaupt möglich und sinnvoll ist) weiß ich nicht. Ich bin Neugierig. Die Neugierde führte mich zur GfK. Und vielleicht darüber hinaus.

Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Tany am 30. Mai 2015, 20:54:55
Ich frage mich das. Und ich habe die Intuition das es so sei. Den wer X Ausklammert, (Während X die Gewalt und das Urteil über andere wäre). Bedeutet das das X Unterdrückt wird, damit Unbewusst und auf andere Weise in Erscheinung treten könnte.

Das ist mir zu abstrakt - mir fehlt da der praktische Bezug.

gfK ist mehr als die Summer seiner Einzelteile... ^^

Deine These ist: Wenn X -> Gewalt (meine Anmerkung: moralische Urteile sind ein Teil  dessen) ausgeklammert wird, bedeutet das, dass sie unterdrückt wird und unbewusst in anderen Bereichen in Erscheinung treten könnte.

Deine These impliziert, dass Du davon ausgehst, dass Gewalt etwas Eigenständiges ist - und nicht das Ergebnis von etwas, was dem vorangegangen ist.

1) Was meinst Du mit unbewusst?


2) Wie definierst Du Gewalt?

Wie eine  :g1: :wolf0: Fusion aussehen könnte (oder ob das überhaupt möglich und sinnvoll ist) weiß ich nicht. Ich bin Neugierig. Die Neugierde führte mich zur GfK. Und vielleicht darüber hinaus.


Kann es sein, dass Du Dir wünschst, dass eine Fusion möglich ist, weil Du Dich manchmal hilflos und ohnmächtig fühlst, wenn Du mit Menschen in Kontakt bist, die ihre Wölfe heulen lassen?

Bist Du im Zwiespalt, weil Dir ein wertschätzender Umgang wichtig ist - und Du gleichzeitig noch nicht die Mittel hast, die Giraffe schreien zu lassen?
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 30. Mai 2015, 21:11:42

Kann es sein, dass Du Dir wünschst, dass eine Fusion möglich ist, weil Du Dich manchmal hilflos und ohnmächtig fühlst, wenn Du mit Menschen in Kontakt bist, die ihre Wölfe heulen lassen?

Bist Du im Zwiespalt, weil Dir ein wertschätzender Umgang wichtig ist - und Du gleichzeitig noch nicht die Mittel hast, die Giraffe schreien zu lassen?

Das mag ein Teilgrund sein. Authentisch sein ein anderer. Die Wolfswelt verändern zu können ein weiterer. Und jedoch auch das was ich sagte. Es heißt  :wolf0:-Sprache ist "liefealienating", künstlich, nicht unser wahre Natur. Vielleicht aber doch auch eine Option, ein Aspekt der Möglichkeit. Und auch mit Sinn in einigen Lebensbereichen.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Tany am 30. Mai 2015, 22:33:15
Hallo Curious,

hast Du schon hierauf Antworten?

Deine These ist: Wenn X -> Gewalt (meine Anmerkung: moralische Urteile sind ein Teil  dessen) ausgeklammert wird, bedeutet das, dass sie unterdrückt wird und unbewusst in anderen Bereichen in Erscheinung treten könnte.

Deine These impliziert, dass Du davon ausgehst, dass Gewalt etwas Eigenständiges ist - und nicht das Ergebnis von etwas, was dem vorangegangen ist.



1) Was meinst Du mit unbewusst?


2) Wie definierst Du Gewalt?



Ich verabschiede mich für heute - Nachti, sweet dreams...
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 31. Mai 2015, 12:34:09
1) Was meinst Du mit unbewusst?
Das entsprechende Impulse aus 2) nicht gelebt werden. Bzw. dieser Teil der menschlichen Möglichkeit verneint werden. Wobei es denke ich zu unterscheiden gilt ob etwas innerlich abgelehnt wird, oder gar nicht erst erzeugt wird.

2) Wie definierst Du Gewalt?
Hier nehme ich die GfK definition. Strafe, Moralische Urteile über andere, Lob, Kritik etc.

Ich denke wir sind sowohl Pflanzenfresser als auch Fleischfresser, können sowohl Kooperation als auch Gewalt und ich denke beides als Möglicherkeit zu haben ergibt ein ganzeres Potential das wir und andere Tiere haben.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Tany am 31. Mai 2015, 14:15:11
1) Was meinst Du mit unbewusst?
Das entsprechende Impulse aus 2) nicht gelebt werden. Bzw. dieser Teil der menschlichen Möglichkeit verneint werden. Wobei es denke ich zu unterscheiden gilt ob etwas innerlich abgelehnt wird, oder gar nicht erst erzeugt wird.



2) Wie definierst Du Gewalt?
Hier nehme ich die GfK definition. Strafe, Moralische Urteile über andere, Lob, Kritik etc.


Ok - fällt Dir jetzt n konkretes Beispiel ein, um das

[...] ich habe die Intuition das es so sei. Den wer X Ausklammert, (Während X die Gewalt und das Urteil über andere wäre). Bedeutet das das X Unterdrückt wird, damit Unbewusst und auf andere Weise in Erscheinung treten könnte.


unter Einbezug hiervon:

-
Zitat
Das entsprechende Impulse aus 2) nicht gelebt werden. Bzw. dieser Teil der menschlichen Möglichkeit verneint werden. Wobei es denke ich zu unterscheiden gilt ob etwas innerlich abgelehnt wird, oder gar nicht erst erzeugt wird.

-
Zitat
Hier nehme ich die GfK definition. Strafe, Moralische Urteile über andere, Lob, Kritik etc.

zu verdeutlichen?
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Tany am 31. Mai 2015, 14:52:42


Zitat
Im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation sind wir – wie der Name es schon vermuten lässt – bestrebt auf Gewalt in der Kommunikation zu verzichten. Ein wesentlicher Bestandteil ist hierbei das Vermeiden verbaler Äußerungen, die eine Form von psychischer Gewalt auf unser Gegenüber ausübt. Es geht auch, aber weniger um das “Anschreien”, “Beschimpfen” oder “Beleidigen” unserer Kommunkationspartner und keinesfalls darum “nett” und “freundlich” zu kommunizieren.

In der Definition von Marshall B. Rosenberg, dem Gründer der Gewaltfreien Kommunikation, ist Gewalt ein Ausübung von Macht gegenüber anderen. Bei dieser Machtausübung werden die Bedürfnisse des einen mit wenig oder keiner Rücksicht auf den anderen durchgesetzt.

Diese Form der Macht findet sich beispielsweise bei Schuldzuweisungen und dem Erzeugen von Scham- und Pflichtgefühlen, aber auch beim Einsatz von Belohnung und Bestrafung.
[......]

Quelle: http://www.gewaltfrei-miteinander.de/gewaltfreie-kommunikation/gfk-einfuehrung/die-definition-von-gewalt/


Hierzu
Zitat
[...] ich habe die Intuition das es so sei. Den wer X Ausklammert, (Während X die Gewalt und das Urteil über andere wäre). Bedeutet das das X Unterdrückt wird, damit Unbewusst und auf andere Weise in Erscheinung treten könnte.

Denn, wer Gewalt (in all seinen Facetten) unterdrückt...,

Unterdrückung versus Transformation

In der gfK (siehe auch wie sie "entstanden" ist) geht es (so sehe ich es) nicht um Unterdrückung.

Es geht darum, sich bewusst zu werden, was - und weshalb, etwas gewaltvoll ist - bzw. so erlebt wird.

Und es geht darum, Wege zu finden, seine Bedürfnisse im Einklang mit seinen (keine Ausschließlichkeit) Mitmenschen im Einklang zu befriedigen.

Es ist vor allem wichtig, die Essenz zu erkennen - Form und Inhalt zu differenzieren - zu verstehen, dass es mehr als nur eine Perspektive gibt.

Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns. (Rumi)

Ist es Gewalt, wenn jemand zu mir sagt:

"Du dummes A********"

Ist es Gewalt, auch, wenn ich es nicht als gewaltvoll erlebe, da ich über ausreichend Selbstwertgefühl verfüge - und seinen Ausspruch als Ausdruck seiner Wut erkenne?

Anderes Beispiel:

F. sitzt in einem Bus; außer ihm sind noch 3 Fahrgäste im Bus - was bedeutet, dass die meisten Sitzplätze frei sind.

An der nächsten Bushaltestelle steigt E. ein - und ist im Begriff sich neben ihn zu setzen, dabei schnauft er und etwas Speichel fließt aus seinem Mund.

Ist es Gewalt, wenn F. zu G. sagt:

Wenn ich dich sehe (G. hat ne körperliche Behinderung - Spastik) > Beobachtung

fühle ich Ekel > Gefühl

weil mein Bedürfnis nach Ästhetik nicht befriedigt wird > Bedürfnis

würdest du dich bitte *nach vorne zeig* iwo dort hinsetzen? > Bitte

G. hört das - seiner Mimik ist zu entnehmen, dass er traurig ist.

Er denkt (ich bin traurig - mir fehlt es an Akzeptanz, Wertschätzung und Gemeinschaft) - weint und setzt sich weg...
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 31. Mai 2015, 16:42:24
Transformierte oder gar nicht erst geschaffene Gewalt sehe ich auch als Chance zu mehr Frieden.

Ich weis nur nicht ob "unnational Thinking" die zu Gewalt führt, wirklich nicht teil eines natürlichen Menschen ist. Abgesehen von Walter Wink der den Grund für gewalttätige Dominanzstrukturen vor 5-10.000 Jahren sieht (als wir Städte in Europa gründeten), sehe ich halt auch das es früher auch Gewalt gab. Bei der Ausrottung der Neandertaler oder der existenz uncivilizierter Gewalttätiger Kulturen wie den Waorani.
Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Tany am 31. Mai 2015, 19:50:00
Transformierte oder gar nicht erst geschaffene Gewalt sehe ich auch als Chance zu mehr Frieden.

Was verstehst Du unter transformierte oder gar nicht geschaffene Gewalt?

Kannst Du das bitte anhand eines Beispiels ausführen?


Ich weis nur nicht ob "unnational Thinking" die zu Gewalt führt, wirklich nicht teil eines natürlichen Menschen ist. Abgesehen von Walter Wink der den Grund für gewalttätige Dominanzstrukturen vor 5-10.000 Jahren sieht (als wir Städte in Europa gründeten), sehe ich halt auch das es früher auch Gewalt gab. Bei der Ausrottung der Neandertaler oder der existenz uncivilizierter Gewalttätiger Kulturen wie den Waorani.


1) Ok - Du weißt es nicht (was meinst Du mit "unnational Thinking"?) Kannst Du es iwie mit Sicherheit herausfinden?

2) Angenommen, es wäre so - was würde das für Dich bedeuten?

3) Angenommen, es wäre nicht so - was würde das für Dich bedeuten?

Mir fehlt der praktische Bezug.

Kannst Du bitte erläutern, worum es Dir praxisbezogen - in Bezug auf Dein alltägliches (Er)leben geht?



Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Curious am 22. August 2015, 18:25:19
Antworten mit "***"

Transformierte oder gar nicht erst geschaffene Gewalt sehe ich auch als Chance zu mehr Frieden.

Was verstehst Du unter transformierte oder gar nicht geschaffene Gewalt?

Kannst Du das bitte anhand eines Beispiels ausführen?

*** "nicht geschaffene gewalt" ist für mich wenn jemand aufgrund einer situation gar nicht erst Urteile bildet und daher erst gar keine Wut und die darauf möglicherweise folgenden gewalt (Handlungen, ausgesprochene Urteile)

"Transformierte Gewalt" heißt für mich wenn bereits Urteile/Wut da sind, diese aufzulösen (z.b. Empathie)


Ich weis nur nicht ob "unnational Thinking" die zu Gewalt führt, wirklich nicht teil eines natürlichen Menschen ist. Abgesehen von Walter Wink der den Grund für gewalttätige Dominanzstrukturen vor 5-10.000 Jahren sieht (als wir Städte in Europa gründeten), sehe ich halt auch das es früher auch Gewalt gab. Bei der Ausrottung der Neandertaler oder der existenz uncivilizierter Gewalttätiger Kulturen wie den Waorani.


1) Ok - Du weißt es nicht (was meinst Du mit "unnational Thinking"?) Kannst Du es iwie mit Sicherheit herausfinden?

*** im wesentlichen meine ich damit Wolfssprache und nutzte die Worte unnatural Thinking aus einem Rosenberg Video "anger is a natural feeling created by unnatural thinking". Letztendes weis ich nicht was konkret du unter "mit sicherheit herausfinden meinst", da es ein subjektives Werturteil ist und die Frage erfüllt mein Bedürfnis nach Leichtigkeit und Klarheit nicht. Ich will schlicht mehr Infromationen darüber zusammentragen und hoffte jemand antworte und könnte Quellen, Informationen, Meinungen liefern die zu mehr Klarheit führen würden.

2) Angenommen, es wäre so - was würde das für Dich bedeuten?
*** Ob es "mit Sicherheit heraufindbar" ist weiß ich nicht, weiß auch nicht wie du es definierst. Es ist mir auch egal ob das jemand mit "mit sicherheit herausfindbar" definiert oder nicht. Mehr Sicherheit durch mehr Infrormationen bedeutet für mich eben das: Sicherheit. Im Sinne einer Klarheit darüber in wie weit ich der GfK Vertrauen möchte.

3) Angenommen, es wäre nicht so - was würde das für Dich bedeuten?
*** siehe 2


Kannst Du bitte erläutern, worum es Dir praxisbezogen - in Bezug auf Dein alltägliches (Er)leben geht?

*** Die Frage impliziert das ich ein praktisches Beispiel oder dazugehöriges alltägliches (Er)leben hätte. Da das nicht der Fall ist kann ich diese Frage auch nicht beantworten. Ich will jedoch interlektuell die GfK tiefer verstehen um die Anwendbarkeit, die Art der Anwendbarkeit und damit meine Ausprägung der Nutzung und des Vertrauen zu evaluieren und daraufhin bestimmen wo, wann wie und in wie weit ich die GfK verwenden möchte. Dafür möchte ich zu den jeweiligen Themen Meinungen, Quellen, Referenzen zu Aussagen von Rosenberg oder Historischen, Anthropologischen, Psychologischen etc. Verweisen.

Beispielsweise lese ich jetzt William Ury, The Third Side. Darin wird näher auf die Veränderung des Menschlichen Denkens und Handelns bei/durch beginn des Niederlassens und Ackerbauens eingegangen. Informationen / Quellen wie darin sind es die mir weiterhelfen.


Titel: Re: Wie schützen sich Giraffen vor Wölfen?
Beitrag von: Tany am 02. Juli 2017, 12:06:58
Is schon ne Zeit lang her - wer weiß, wie es bzw. Du Dich seither entwickelt hast ^^

Zitat
Die Frage impliziert das ich ein praktisches Beispiel oder dazugehöriges alltägliches (Er)leben hätte. Da das nicht der Fall ist kann ich diese Frage auch nicht beantworten. Ich will jedoch interlektuell die GfK tiefer verstehen um die Anwendbarkeit, die Art der Anwendbarkeit und damit meine Ausprägung der Nutzung und des Vertrauen zu evaluieren und daraufhin bestimmen wo, wann wie und in wie weit ich die GfK verwenden möchte. Dafür möchte ich zu den jeweiligen Themen Meinungen, Quellen, Referenzen zu Aussagen von Rosenberg oder Historischen, Anthropologischen, Psychologischen etc. Verweisen.

Du scheinst gfK auf einer rein rationalen Ebene verstehen zu wollen. Das funktioniert nicht.

Das Vertrauen kommt mit der "Anwendung". Mit anderen Worten: learning by doing.

Ich nehme mal Honig, um es zu verdeutlichen. Du kannst Dich informieren, wo die Honogbiene heimisch ist, wie sie lebt, wie sie Honig herstellt.

Du kannst Dir auch Bilder von Bienen, Blumen, den Behausungen der Bienen und Honig anschauen - Dich informieren, welche Konsistenz er hat u.s.w.

Wie er schmeckt, weißt Du dann immer noch nicht - dazu ist es notwendig, dass Du ihn kostest.