Autor Thema: "GFK-Abläufe grafisch darstellen" oder "Wie funktioniert die GFK-Mechanik?"  (Gelesen 7257 mal)

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Offline matameko

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Hallo zusammen,

ich bin dabei eine GFK-Spielesammlung zu entwickeln. Dazu beschäftige ich mich gerade mit der Frage wie die "Abläufe in unserem Leben" mit Hilfe der GFK-Begriffe idealerweise abgebildet werden könnten. Oder anders ausgedrückt: Was geschieht wenn "sich unsere Lebensenergie entfaltet"?
Was Marshall in Worten ausgedrückt hat versuche ich quasi durch Symbole darzustellen.

Beim GFK-Tanzparkett werden ja sozusagen die Abläufe der Gewaltfreien Kommunikation abgebildet. Meine Darstellung unterschiedet sich davon insovern als dass ich quasi versuche das Leben selbst mit abzubilden.

Bei den Überlegungen dazu habe ich mir so einige Knoten in den Kopf gemacht. Die Abläufe können in Bruchteilen von Sekunden ablaufen und sind uns glaube ich selten im vollen Umfang bewusst. Letztlich habe ich das Ganze auf vier Teilabläufe reduziert.  

Um zum Spiel zurück zu kommen: Als Spielregel könnte ich die Abläufe dann z.B. so umsetzen, dass Spielmarken mit bestimmten Bedeutungen in einer bestimmten Reihenfolge vom Spielfeld aufgesammelt werden.  

Was haltet ihr von den unten dargestellten Abläufen? Findet ihr das so vollständig? Würdet ihr die Abläufe verändern/ergänzen? Vielleicht ist es prinzipiell garnicht möglich unser kompliziertes Leben in so einfache Schemata zu quetschen?



Im oberen Rahmen sind die verschiedenen Symbole erklärt. Rechts oben sind die vier Schritte der GFK dargestellt. Ich habe zur Beschreibung der Abläufe drei weitere Symbole erstellt, die links oben zu sehen sind.


Aktion => Gefühl
-Aktion: Jemand tut etwas (Ich schreibe diesen Text) oder tut etwas nicht, es geschieht etwas (Es regnet) oder es gibt einen bestimmten Zustand (Ein Stein liegt auf einem anderen Stein.)
-Beobachtung/Wahrnehmung: Ein Lebewesen nimmt die Aktion wahr/wird dadurch beeinflusst.
-Bedürfnis: Durch die vorhergehende Interaktion zwischen Lebewesen und Aktion werden Bedürfnisse erfüllt oder nicht erfüllt.
-Gefühl: Durch die Erfüllung oder Nicht-Erfüllung von Bedürfnissen treten entsprechende Gefühle auf.

Gefühl => Strategie
- Ein Gefühl liegt aufgrund eines unerfüllten Bedürfnisses vor.
- Das Gefühl wird (mehr oder weniger bewusst) wahrgenommen.
- Das Lebewesen entwickelt Strategien mit denen das Bedürfnis erfüllt werden könnte.

Strategie => Bitte
- Es liegen Strategien vor, nach denen ein Lebewesen handeln/nicht handeln kann.
- Das Lebewesen entscheidet sich für eine Strategie.
- Dementsprechend bittet das Lebewesen sich selbst oder andere Lebewesen, diese
Strategie zu erfüllen.

Bitte => Aktion
- Es liegt eine Bitte vor.
- Das Lebewesen entscheidet sich 1. diese Bitte umzusetzen: Aktion 1 oder 2. etwas anderes zu tun: Aktion 2 (z.B. nichts zu tun.)  
  
Die Abläufe sind immer aus der sicht des Agierenten zu sehen. Wenn ich z.B. jemanden um etwas bitte befindet sich mein Gegenüber im Ablauf "Bitte => Aktion" und das "selbst" ist dann auf mein Gegenüber bezogen.
 
Mein erster Entwurf für den Ablauf nach einem unerfüllten Gefühl sah etwas anders aus und ich bin mir noch nicht ganz sicher. Nach dem "Gefühl" kam eine "Entscheidung". Danach kam entweder "Strategie entwickeln" oder alternativ kann das Lebewesen sich dazu entscheiden beim unerfülltem Bedürfnis zu bleiben:

                ...
     Unerfülltes Bedürfnis
                +
Gefühl bei unerfülltem Bedürfnis
                +
        Entscheidung
     +                    +
Strategie          Unerfülltes Bedürfnis
     +                          +
  Bitte               Gefühl bei unerfülltem Bedürfnis
    ...                            ...

Dann habe ich mir überlegt, dass es auch schon wieder eine Strategie ist, beim unerfüllten Bedürfnis zu bleiben. Daher habe ich das Symbol der Entscheidung entfernt, so dass nach dem unerfülltem Gefühl sofort die Strategie kommt. Wir haben nach einem Gefühl bei einem unerfülltem Bedürfnis sozuagen gar keine andere Möglichkeit als eine Strategie zu besitzen. :) (Und wenn es nur die Strategie ist "nichts zu tun".)  

Edit: @Claudia: Ich wusste nicht so recht, wo ich diesen Beitrag am besten unterbringen kann. Du kannst ihn gerne verschieben, wenn er wo anders besser hin passt.
« Letzte Änderung: 02. Februar 2011, 19:44:56 von matameko »

Offline Claudia

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Lieber Matameko,


gerade entdeckte ich, dass einer unserer Besucher auf diesem Posting weilte und klickte mich selbst hin. Schade, dass ich diese Anregungen vergessen hatte, schön, dass sie jetzt noch mal "aufgetaucht" sind in meinem Bewusstsein! Danke für die Anregungen und die Erläuterungen zu den Symbolen. Hier sind sie genau am richtigen Platz!


Claudia
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Offline matameko

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Habe mir gerade durchgelesen was ich hier vor fast nem Jahr geschrieben habe und verstehe beim ersten Durchlesen kaum was davon. :)

Wirkt mit etwas Distanz ziemlich abstrakt... wenn ich gedanklich in einer Sache drin stecke... scheint alles so klar und einfach zu sein. Jetzt fällt mir erst auf was an Erklärung dazu noch fehlt.   

So nach und nach dämmerts mir wieder.

Hmm, diese Art von Komplexität ist wohl auch der Grund dafür, wieso das GFK-Gesellschaftsspiel noch nicht fertig ist. Es gibt viele Möglichkeiten und man kann viele Spielregeln aufstellen, wodruch alles recht schnell komplex und unübersichtlich wird.

Die Kunst besteht wohl darin, die Regeln möglichst einfach zu halten und gleichzeitig Abwechslung zu bieten.

 

Offline matameko

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Für Logik-Fans hier noch einige Ergänzungen:

- Die Grundidee des Schemas oben ist, dass es hilfreich sein kann, innere Prozesse grafisch auf einem Spielfeld darzustellen.

- Weiter hatte ich angenommen, dass sich alle inneren Prozesse aus einigen wenigen "Legosteinen" aufbauen lassen. (Ich war begeistert wie gut und schön logisch das manchmal bei den GFK-Tanzparkett-Abläufen funktioniert, auch für die scheinbar kompliziertesten Situationen.)

- Die Bestandteile/Teilprozesse oder "Legosteine" die ich mir überlegt habe sind folgende:
+ Übergang von einer Aktion zu einem Gefühl/Gefühlen
+ Übergang von einem Gefühl zu einer Strategie
+ Übergang von einer Strategie zu einer Bitte
+ Übergang von einer Bitte zu einer Aktion
... und dann gehts wieder von vorne los

- Die Übergänge sind mit Hilfe von sieben Grundsymbolen dargestellt:
+ Strategie
+ Entscheidung
+ Aktion
+ Beobachtung
+ Gefühl
+ Bedürfnis
+ Bitte

Dabei entsprechen die letzten vier den bekannten Vier Schritten aus der GFK

- Die Worte, die neben den Symbolen stehen, geben zusätzliche Informationen:
Um wessen Bedürfnis geht es? Wer hat sich die Strategie ausgedacht? An wen
ist die Bitte gerichtet? usw.

Eine Aktion kann z.B. ich selbst ausüben, ein anderes Lebewesen (z.B. meine Katze) oder
die Natur (z.B. der Wind der mir am Strand frisch um die Ohren weht.)