Autor Thema: Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen...  (Gelesen 7269 mal)

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Offline Tany

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Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen...
« am: 19. Dezember 2012, 21:22:52 »
Verantwortung für unsere eigenen Gefühle: Unser Ziel ist es, unsere Gefühle mit unseren eigenen Bedürfnissen zu verbinden. Wir erkennen, dass andere nicht die Macht haben, uns irgendwelche Gefühle zu machen. Diese Erkenntnis befähigt uns, aktiv etwas für die Erfüllung unserer Bedürfnisse zu tun, anstatt darauf zu warten, dass die anderen sich ändern.


http://mosaik.homepage.t-online.de/gfk.htm#Grundannahmen


So oder so ähnlich habe ich es auch schon an anderer Stelle gelesen (weiß gerade nicht wo).

Bleibe an der Stelle hängen, wenn es darum geht, dass jemand eine Handlung vollzieht, die physischer Natur ist (jemand sticht mich z.B. mit nem Messer) und ich physischen Schmerz (Gefühl) empfinde.

In dem Moment hat er auf Grund der Beschaffenheit (zumindest) meines Körpers, die Macht, 'mir Gefühle zu machen'.

Ich vermute mal, dass sich das mit ' keine Macht uns  Gefühl zu machen' auf die abzielt, die vor, während und/oder im Anschluss dessen entstehen (können) also primär psychische - Wut, Angst, Mitgefühl, Empathie....je nachdem, wie ich den Menschen/seine Handlung bewerte...


Wie versteht ihr das?
« Letzte Änderung: 23. Dezember 2012, 11:52:58 von Tany »
Jenseits von richtig und falsch gibt es einen Ort.
Dort treffen wir uns.

Dschalal ad-Din Rumi

Offline matameko

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Re: Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen...
« Antwort #1 am: 22. Dezember 2012, 12:20:55 »
Hi Tany,

ich sehe es auch so wie du. Erklären tue ich mir es so, dass die Verantwortung von der "Verdrahtung" abhängt. Zusätzlich finde ich es wichtig, die Erfahrung eines Gefühls so zu sehen, dass es aus zwei Anteilen besteht. 

a) Zur "Verdrahtung":
A. Auf der einen Seite gibts "Gefühle", bei denen die Nervenzellen, welche die Informationen von außen aufnehmen, direkt mit den Gehirnregionen verbunden sind, die für die Gefühle zuständig sind. Das hat die Natur so eingerichtet, damit wir schnell reagieren können. Wenn mein Finger auf eine heiße Ofenplatte fasst ziehe ich ihn schnell weg.
(Zum Thema Geist&Gehirn, Angst usw. fand ich die Sendungen von Manfred Spitzer sehr interessant.
Übersicht:
http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/geist-und-gehirn/geist-und-gehirn-videos100.html
Zum Thema Angst:
http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/geist-und-gehirn/geist-und-gehirn-manfred-spitzer-gehirnforschung166.html)
Wenn wir in einer bestimmten Umgebung etwas sehen, das wie eine Schlange aussieht, ist es gut, erst mal das Adrenalin hochzufahren, bevor wir bewerten ob das Teil nur aus Plastik ist. 

B. Auf der anderen Seite gibt es Gefühle, die aus "Verdrahtungen" mit vielen Zwischenschichten entstehen. Diese werden direkt durch unsere Gedanken beeinflusst.

C. Dazwischen gibt es ein kontinuierliches Spektrum, würde ich sagen. (Wenn eine Person auf Sado-Maso steht hat sie vielleicht auch schon Gefallen an physischem Schmerz. Daher wird es in den meisten Fällen Zwischenschichten in der "Verdrahtung" geben, nehme ich an.)

b) Zu den zwei Anteilen:
Marshall beschreibt in seinem Hauptbuch zwei aufeinander folgende Situationen. An einem Tag bekommt er einen Ellenbogen auf die Nase, als er versucht zwischen zwei Schülern zu vermitteln. Am nächten Tag wird ihm in einer ähnlichen Situation wieder auf die Nase geschlagen. Da die Nase schon beeinträchtigt war, war der Schmerz vom rein physischen Anteil noch stärker als der erste Schlag.
Für ihn war der erste Schlag aber trotzdem viel "schlimmer" als der zweite. Das lag daran, dass er den ersten Schüler in Gedanken als "schwierig" eingeordnet hatte. Nach dem Schlag dachte er sich so etwas wie "Er hat kein Recht das zu tun". Bei dem zweiten Schüler hatte er eher Mitleid und machte sich Sorgen um ihn. Dadurch war das Erleben des zweiten Schlages weniger schmerzhaft für ihn. Die Schmerzempfindung hing von der Beziehung zum jeweiligen Schüler ab.

                     Anteil 1                      Anteil 2
Situation A:  20 Punkte physisch + 80 Punkte geistig  = 100 Schmerzpunkte
Situation B:  40 Punkte physisch + 10 Punkte geistig =  50 Schmerzpunkte   

In unserem Alltag ist es glaube ich so, dass Anteil 2 meistens überwiegt (außer man ist schon eine geübte Giraffe).

Diese Nachricht gefällt mir: Wenn wir die Verantwortung für Anteil 2 übernehmen, haben wir die Möglichkeit, unsere "Schmerzpunkte" deutlich zu reduzieren. 

Etwas philosophisch gesehen könnte man auch sagen, dass wenn du kein Bedürfnis zur Erhaltung deines Körpers hättest (z.B. bedingt durch einen Defekt deines Nervensystems), du auch keinen Schmerz empfinden würdest. Somit ist die Ursache des Schmerzes dein unerfülltes Bedürfnis. Der Auslöser ist das Eindringen des Messers. Da du mit deinem Bewusstsein nicht in der Lage bist, dein Nervensystem/das Scherzempfinden zu steuern, würde ich nicht wo weit gehen zu sagen, dass du die Verantwortung dafür trägst. Jetzt könnten wir noch über Yogis und ihre mentalen Fähigkeiten diskutieren, aber ich glaube nicht dass uns das wesentlich weiter bringen würde. 


LG,

Stefan







 
« Letzte Änderung: 22. Dezember 2012, 12:31:25 von matameko »

Offline Tany

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Re: Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen...
« Antwort #2 am: 23. Dezember 2012, 11:50:37 »
Hallo Stefan,

danke Die für die, m.E., ausführlich Beschreibung Deines Verständnisses hinsichtlich meiner Fragestellung.
Sehe es jetzt noch klarer.

Ja - einerseits ist da das Bedürfnis nach physischer und psychischer Unversehrtheit - Bedürfnis nach Existenz sowie die Beschaffenheit unseres Körpers, der in der Regel auf ein Stich mit einem Messer mit Schmerz reagiert.

Und gleichzeitig unser subjektives Empfinden (s. Marshalls Erlebnis, Yogis,...) ob bzw. wie intensiv wir diesen Schmerz empfinden - und die Haltung, die wir dem 'Messerstecher' entgegenbringen.
Selbst, wenn wir den physischen Schmerz (aus welchen Gründen auch immer) nicht empfinden würden, könnte/n wölfische/s Gedanken/ Handeln aufkommen.

Das Fettgedruckte ist m.E. das, worum es in der gfK letztendlich geht. Da darauf meine (Re)aktion basiert. Habe ich alte Gedanken-/Verhaltensmuster von Schuldzuweisungen abgebaut (wenn sie da waren) - durch lebensdienliche ersetzt oder eben nicht.

Wie ist mein Menschenbild....
« Letzte Änderung: 24. Dezember 2012, 08:55:26 von Tany »
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Dschalal ad-Din Rumi

Offline matameko

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Re: Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen...
« Antwort #3 am: 23. Dezember 2012, 12:15:53 »
Hi Tany, meinst du mit "m.E." "meines Erachtens"?

Offline Tany

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Re: Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen...
« Antwort #4 am: 23. Dezember 2012, 14:39:51 »
Ja, Stefan - das meine ich. Es war für mich sehr ausführlich und hat für noch mehr Klarheit gesorgt...danke
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Dschalal ad-Din Rumi

Offline matameko

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Re: Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen...
« Antwort #5 am: 23. Dezember 2012, 16:00:27 »
Gern geschehen.

Offline Claudia

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Re: Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen...
« Antwort #6 am: 23. Dezember 2012, 20:11:10 »
Hallo, @ all,


ich bin ein großer Fan von Melody Beattie und ihren Tagesmeditationen. Jahre bevor ich das erste Mal auch nur die Buchstaben GfK gekannt habe, beeindruckte mich diese TM vom



23. August – Sorge tragen für sich selbst

Wann sind wir liebenswert? Wann fühlen wir uns sicher? Wann werden wir all den Schutz, die Fürsorge und Liebe bekommen, die wir so sehr verdienen? Wir bekommen das alles, wenn wir anfangen, es uns selbst zu geben.

Der Gedanke, uns das zu geben, was wir wollen und brauchen, kann verwirrend sein, zumal dann, wenn wir viele Jahre nicht gewusst haben, dass wir ungestraft sorgsam mit uns selbst umgehen können. Wir können aufhören, unsere Kraft auf andere und deren Verantwortungen zu konzentrieren; statt dessen können wir diese Kraft für uns und unsere Verantwortungen verwenden. Dieses Verhalten können wir uns aneignen und in die tägliche Praxis übertragen.

Wir entspannen uns, atmen tief durch und lösen uns von unseren Ängsten, um so weit wie möglich zur Ruhe zu kommen. Dann fragen wir uns: Was muss ich heute oder jetzt in diesem Augenblick tun, um Sorge zu tragen für mich selbst?

Was muss ich uns was will ich tun?

Wodurch kommen Liebe und Selbstverantwortung zum Ausdruck? Bin ich der Überzeugung, andere seien für mein Glück verantwortlich? Dann gilt es zunächst, das System meiner Überzeugungen zu korrigieren. Ich bin für mich selbst verantwortlich.

Fühle ich mich unsicher und besorgt wegen eines Verantwortungsbereiches, den ich vernachlässig habe? Dann muss ich mich von meinen Ängsten befreien und diese Verantwortung wahrnehmen.

Fühle ich mich überfordert, habe ich mich nicht in der Hand? Möglicherweise muss ich zu dem ersten der Zwölf Schritte des Al-Anon-Programms zurückkehren.

Habe ich zuviel gearbeitet? Vielleicht muss ich mir Zeit nehmen und etwas tun, was mir Spaß macht.

Habe ich meine Arbeit oder meine täglichen Aufgaben vernachlässigt? Dann muss ich mich disziplinieren und zu meiner Alltagsroutine zurückfinden.

Es gibt kein Patentrezept, keine Formel, keinen Leitfaden für den sorgsamen Umgang mit sich selbst. Wir alle haben einen Ratgeber, und dieser Ratgeber ist in uns selbst. Wir stellen uns die Frage: Was muss ich tun, um liebevoll und verantwortlich mit mir selbst umzugehen? Dann vernehmen wir die Antwort. Es ist nicht all zu schwierig, Sorge zu tragen für sich selbst. Das größte Problem dabei ist; der Antwort zu vertrauen und den Mut zu haben, demgemäß zu handeln, sobald wir sie erhalten haben.

Heute will ich mich darauf konzentrieren, sorgsam mit mir selbst umzugehen. Ich habe Vertrauen zu mir und meiner Höheren Macht, die mich in diesem Prozess führt.



Das hat für mich sehr viel mit Verantwortung zu tun - vor allem Verantwortung für mich selbst und meine eigenen Gefühle.

Gruß

Claudia
Unsere neuen oder erneuerten Beziehungen sind durchweg in Augenhöhe