Autor Thema: Fehlende Empathie  (Gelesen 11237 mal)

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Fehlende Empathie
« am: 12. September 2007, 13:00:35 »
Hallo,ich bin Fynn!

Ich habe Rosenbergs Buch schon vor längerer Zeit mit meiner Freundin zusammen gelesen und wir waren beide völlig begeistert.Mit der Umsetzung hapert es allerdings manchmal...gerade, was meine Mutter betrifft, - was ich hier mal zum Thema machen will..

Meine Mutter ist der mir wirklich einzige, nahestendste Mensch aus meiner Herkunftsfamilie. Zu meinem Vater, der direkt neben ihr wohnt, habe ich keinerlei Kontakt. Seit 5 Jahren Jahren ist sie auf dem rechten Bein unterschenkelamputiert, sitzt - mehr oder weniger - im Rollstuhl. Damit habe ich anscheinend ein echtes Problem. Ich bin seitdem ihr gegenüber ungewöhnlich aggressiv geworden. Schon bei der geringsten Kleinigkeit explodiere ich, im wahrsten Sinne des Wortes.Und ich bringe es auch nicht rüber,ihr das auch nur annähernd zu erklären,den Versuch auch nur zu machen! Das ist eine Sache,der stehe ich - zumindest bisher - absolut ohnmächtig gegenüber. Aber vielleicht habe ich jetzt ja doch einen kleinen Trick gefunden,der aber nicht direkt mit Rosenberg's Methode übereinstimmt...

Ich nehme mir jeden Tag einen Block und einen Kugelschreiber und schreibe dann ganz knapp und in einem Satz auf, wie es sich abgespielt hat. Zum Beispiel : <heute wieder sehr angespannte Stimmung bei Mutti> Dann schreibe ich darunter noch einmal exakt dasselbe,- bis auf ein Wort : ich ersetze <angespannt> >durch ent-spannt.> Das soll man 90 Tage machen,dann solles sich verändern. Und ganz wichtig : man soll es unmittelbar vor dem Schlafengehen machen,da das Gehirn immer nur den letzten Satz speichert.Ich mache das jetzt seit immerhin 80 Tagen und habe das Gefühl,das es zumindest leicht verbessert hat. Das sind eben Glaubenssätze,und ich denke,das Arbeiten damit funktioniert schon.

Es hat,wie gesagt,nicht viel mit Rosenberg zu tun. Aber mir hilft es.
Und vielleicht ist es ja auch für andere eine Anregung... ???

Gruß, Fynn

Offline Claudia

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Re: Fehlende Empathie
« Antwort #1 am: 12. September 2007, 15:05:06 »
Hallo, Fynn!
Ich nehme Dich aus diesen Zeilen ratlos, aber auch wütend wahr. Bist Du ärgerlich, weil Du fühlst, dass Deine Mutter auf Deine Hilfe angewiesen ist?

Die Methode, mit der Du zur Zeit die Situation mit Deiner Mutter handhaben möchtest, kenne ich nicht und kann deshalb überhaupt nichts dazu sagen.

Im Kurs wurde erläutert, dass hinter jeder Wut oder hinter jedem Vorwurf ein unerfülltes Bedürfnis steckt. Welches Bedürfnis könnte es denn sein, was bei Dir im Verhältnis zu Deiner Mutter unerfüllt ist?

Herzliche Grüße sendet
Claudia
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Offline Fynn

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Re: Fehlende Empathie
« Antwort #2 am: 13. September 2007, 13:00:21 »
Hallo Claudia...

ich weiß es einfach nicht...
kann nur was vermuten..

wie gesagt, meine Mutter ist mein mir einzig nahestehendes Familienmitglied. Vor 5 Jahren hat sie ihren Unterschenkel amputiert bekommen und ist ziemlich hilflos geworden mit ihren 73 Jahren. Sie hat früher praktisch mir gegenüber gewohnt,2 Min.zu Fuß.Seit ihrer Behinderung ist sie nun von einer 130qm Wohnung in eine mit 50qm gezogen, aber näher an der Stadt und nun ungefähr 10 Min. von mir weg.Ich denke,ich habe das Gefühl,*sie langsam zu verlieren*...und damit geht es mir nicht gut...kommt dazu,das ich ziemlich unselbstständig bin,sie auch immer noch für mich wäscht..*schäm*
Ich halte es für ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis und ich sehe auch,das ich gezwungen bin,mich wirklich damit auseinanderzusetzen. Und ich glaube, das Wut eine nicht geringe Rolle dabei spielt, - nur,aus irgendeinem blöden Grund bring ich es einfach nicht,das mal zu erklären und es bleibt immer alles ziemlich diffus...

Rainer

Offline Claudia

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Re: Fehlende Empathie
« Antwort #3 am: 13. September 2007, 13:07:28 »
Lieber Fynn,

für mich liest sich das so, als ob Du aber auch ganz schön traurig bist. Hast Du Angst, dass sie vielleicht bald gar nicht mehr da ist?


Gruß

Claudia
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Offline Fynn

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Re: Fehlende Empathie
« Antwort #4 am: 16. September 2007, 05:32:00 »
Ja,ich glaub'schon,das es viel damit zu tun hat...
ich fühle mich machtlos und ausgeliefert, ja,
eben als absolut typisches Opfer..

Das ist etwas,womit ich mich spätestens seit ihrem 60.Geburtstag
befasse und was seitdem auch ständig präsent bei mir ist..


Rainer

Offline Claudia

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Re: Fehlende Empathie
« Antwort #5 am: 16. September 2007, 09:25:57 »
Guten Morgen, Fynn,

ich versuche mal, zu formulieren, und DU korrigierst mich bitte.


Wenn ich sehe, wie hilflos du mit deinem amputierten Bein bist, fühle ich mich... <machtlos und ausgeliefert?> , denn es widerspricht meinem Bedürfnis nach Unterstützung und Leichtigkeit. Mutter, wärest Du bereit...




Wenn Du die Lücken ausfüllst, was würde dann da stehen?

Grüße

Claudia
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Offline Fynn

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Re: Fehlende Empathie
« Antwort #6 am: 18. September 2007, 07:27:44 »
Guten Morgen, Claudia !


<Wenn ich sehe, wie hilflos Du mit Deinem amputiertem Bein bist, fühle ich mich <machtlos und ausgeliefert>, denn es widerspricht meinem Bedürfnis nach Unterstützung und Leichtigkeit. Wärest Du bereit, meine Ohnmacht und meine Wut anzuerkennen in meinem Schmerz ? Könntest Du mich verstehen, in meiner Wut, meiner Ohnmächtigkeit ? Könntest Du mich sehen damit ? Ich fühle mich dieser Situation ausgeliefert, sehe mich als Opfer der Umstände und meiner Wut, meiner fehlenden Empathie. Ich weiß, das ist nicht richtig,und ich glaube, wir müssen beide zu einem gegenseitigen Verständnis des anderen, sowie auch zu uns selbst kommen. Ich liebe und achte Dich als meine Mutter und sehe, das ich gerade deshalb aus einer falsch verstandenen Wut und Ohnmacht heraus agiere. Ich bitte Dich um Verzeihung und auch evtl. Verständnis..>

Ja..so, denke ich, sollte ich es wohl formulieren. Aber leider tue ich es nicht. Und ich sehe - gerade am Beispiel der GFK, wie(!) schwierig es dann sein kann, *nur bei sich zu bleiben...* Weil ich eben weiß, das sie nichts, aber wirklich gar nichts, damit anfangen könnte. Vermutlich bin ich ein viel größeres Problem für sie, als ihr fehlendes Bein. Nein, ich wüßte nicht, was ich bei Dir in diesem Falle korrigieren könnte, das ist schon okay so, nur leider kann ich das so auch nicht rüberbringen...ich KANN's einfach nicht...und da wäre ich schon wieder nur bei mir selbst, denn damit hat es zu tun, nicht mit ihr. Es ist und bleibt meins...

*Unterstützung und Leichtigkeit*...das hast Du aber schön formuliert...

Fynn

Offline Claudia

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Re: Fehlende Empathie
« Antwort #7 am: 18. September 2007, 09:21:14 »
Guten Morgen lieber Fynn,


wir kennen uns ja schon ein paar Tage und finden auch an anderer Stelle einen freundlichen Umgang, das macht mich hier etwas kühner.

Ich such jetzt mal in den verschiedenen Listen hier im Forum, um Dir GfK-mäßig antworten zu können. Bitte sei gnädig, ich übe noch  ::)

Wenn ich Deine Zeilen lese,

fühle ich mich aufgeregt, betroffen, hilflos, unter Druck und zappelig, denn ich fühle das Bedürfnis nach Anerkennung, Frieden und Harmonie.


<boah, ey, ist das anstrengend und fremd, bei sich zu bleiben. >


Also, mein altes Verhalten wäre, Dir Lösungsvorschläge zu machen.

aber, wie hier an anderer Stelle steht:

Meine Freundin Holly Humphrey hat einige weitverbreitete Verhaltensweisen entdeckt, die uns davon abhalten, dass wir mit anderen in empathischen Kontakt treten können. Hier einige Beispiele solcher Hindernisse:


1. Ratschläge „Ich finde, Du solltest...“, „Warum hast Du nicht?“
2. Noch eins draufsetzen „Das ist ja noch gar nichts. Hör erst mal, was mir pasiert ist
3. Belehren „Das kann sich in eine ganz positive Erfahrung verwandeln, wenn Du nur...“
4. Trösten „Das war nicht Dein Fehler, Du hast Dein Bestes getan.“
5. Geschichten zum Besten geben „Das erinnert mich an die Zeit...“
6. Über den Mund fahren „Komm, lach mal wieder, lass Dich nicht so hängen“
7. Bemitleiden „Ach, Du Armer...“
8. Verhören „Wann hat das angefangen?“
9. Erklärungen abgeben „Ich hätte ja angerufen, aber...“
10. Verbessern „So“ ist das nicht gewesen...


<snip>


Damit entfällt das also.

Hm. *lach* Jetzt weiß ich gar nicht mehr, wie ich mit Dir kommunizieren soll.

Ich mach mal wie ne Rückmeldung nach den Regeln, die wir woanders vereinbart haben.

Also: Ich sehe, dass Du Dir <mit diesen Zeilen im oberen Posting> Empathie von Deiner Mutter wünschst. Gleichzeitig hast Du das Thema gestartet, weil Du mit Dir unzufrieden bist, dass Du Deiner Mutter in ihrer schwierigen Situation nicht die Empathie geben kannst, die Dir angemessen erscheint. Und ich habe die Vermutung, dass Du der Mensch bist, der in dieser Situation Empathie braucht, Selbsteinfühlung und Anerkennung Deiner Bedürfnisse. Ist das so richtig?


Herzliche Grüße schickt

Claudia
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Offline Fynn

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Re: Fehlende Empathie
« Antwort #8 am: 18. September 2007, 15:24:30 »
Hallo Claudia,

ja, Du kannst ruhig *kühn* sein...
..ich habe dieses Problem ja auschließlich ohnehin nur mit meiner Mutter...und schäme mich auch dabei noch, das einfach so zu sagen...was letzteres angeht,da hast Du sicher recht : ich fühle mich empathiebedürftig - aber eben auch oft schrecklich schuldig. Und ich bin sicher,das ich keineswegs der bin, der allein an dieser Stelle die Empathie nötig hat, denn offensichtlich bin ich ja selbst auch nicht in der Lage,sie zu geben. Und ich weiß nicht, warum.Ja,ich denke,das sind sehr gute Beispiele, die Deine Freundin da angeführt hat. Und ich kenne jedes einzelne davon selbst gut... Aber Du hast natürlich recht...wir sind alle auf dem Weg ..

Fynn