Autor Thema: Die Haltestellen-Übung  (Gelesen 7782 mal)

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Offline Claudia

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Die Haltestellen-Übung
« am: 22. August 2009, 12:52:14 »
Die "Haltestellen-Übung"
Ziel: Unterschiedlichkeit der Gefühls-Konsequenzen durch unterschiedliche  Bewertung erkennen
Zeit: ca. 15 Minuten maximal
Es werden 5 MitspielerInnen benötigt, die getrennt instruiert werden.
Moderation:  Wir werden gleich eine Szene in drei verschiedenen Varianten erleben und bitten Euch, genau zu beobachten was geschieht und hinterher wieder geben zu können, wodurch sich die Varianten unterschieden haben.
Durchführung:
Die MitspielerInnen werden getrennt instruiert:
M ist ein Mann, der an einer Bushaltestelle steht und einen Hundert-Dollar-Schein in der Hand hat.
Wenn eine Frau vorbei kommt, hält er ihr den Schein hin. Er sagt aber nichts und bleibt während der ganzen Szene ruhig, in allen 3 Varianten..
A ist eine Frau, die weiß, dass in dieser Gegend viele Prostituierte unterwegs sind, und auch Zuhälter sich dort herum treiben.  Wenn ihr jemand auf offener Straße einen Hundert-Dollar-Scheinanbietet, denkt sie: Dieser arrogante Schnösel, für was hält der mich eigentlich? Sie wird total wütend... und gibt im empört eine Ohrfeige.
B ist eine Frau, die weiß, dass in dieser Gegend viele Prostituierte unterwegs sind, und auch Zuhälter sich dort herum treiben.  Wenn ihr jemand auf offener Straße einen Hundert-Dollar-Scheinanbietet, ist ihr das total peinlich: „Oje, denkt sie,  der hält mich tatsächlich für eine Prostiuierte – das ist ja furchtbar, ich schäme mich...“ Sie errötet und geht gesenkten Blickes rasch weg.
C ist eine Frau, die zwar schon gehört hat, dass in dieser Gegend viele Prostituierte unterwegs sind, und auch Zuhälter sich dort herum treiben, es aber nicht so recht glaubte. Sie ist gerade gut drauf, weil sie frisch verliebt ist, und wenn ihr jemand jetzt noch  einen Hundert-Dollar-Schein  anbietet – wie wunderbar! Also nimmt sie es, freut sich und geht damit weg.
D ist eine Frau, die sich in der Gegend nicht so auskennt, die aber oft mit dem Bus unterwegs ist und weiß, dass Busfahrer sehr aggressiv reagieren, ja einen auch schon mal stehen lassen, wenn man kein Kleingeld zum Bezahlen der Fahrkarte parat hat. Wenn ihr an einer Bushaltestelle jemand einen Hundert-Dollar-Schein hin hält, überlegt sie kurz, ob sie helfen kann, und sagt dann „Nee, leider habe ich gerade auch kein Wechselgeld“.
Nach: Harlich H. Stavemann: „Im Gefühlsdschungel. Emotionale Krisen verstehen und bewältigen“ Weinheim 2001, S. 49 ff



Diese Übung fand ich auf der Seite

http://www.anne-m-dietrich.net/9730.html?*session*id*key*=*session*id*val*


und ich habe mich sehr drüber gefreut... Ich glaube, ich hätte auch kein Kleingeld...
Unsere neuen oder erneuerten Beziehungen sind durchweg in Augenhöhe

Offline Träumling

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Re: Die Haltestellen-Übung
« Antwort #1 am: 22. August 2009, 13:07:11 »
Da kommen mir soviele Ideen in den kopf wie das ausgehen könnte das es richtig spannend ist.

Ich würde wohl verwirrt guckend weiter gehen und Nein, danke sagen. Ich bin von Grund auf eher skeptisch, das ist noch ein Überbleibsel aus der Kindheit und von den langen Schulwegen. Die Gegenden waren nicht die besten und da war mein Misstrauen sehr wichtig. Es rettete mir sogar das Leben.
Wenn etwas sich lohnt zu tun, dann lohnt es sich auch dann, wenn wir es nicht so gut können.
v.u.

Offline Sina

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Re: Die Haltestellen-Übung
« Antwort #2 am: 12. April 2013, 15:01:32 »
Wenn ich "gut drauf" wäre, hätt ich wahrscheinlich frech grinsend "O vielen Dank!" gesagt.
Wenn ich schlecht gepolt wäre, hätt ich wohl geknurrt: "Ja und?" Oder schlicht: "Hä?"
So rustikal, wie ich meist rumlaufe, fall ich eh nicht in die Rubrik Bordsteinschwalbe. :)

Das ist wirklich ein tolles Beispiel, wie unsere Bewertungen "automatisch" funktionieren!