Autor Thema: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation  (Gelesen 16602 mal)

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Offline Claudia

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Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« am: 03. Oktober 2007, 10:50:04 »
Dankbarkeit ausdrücken mit gewaltfreier Kommunikation

Gestern Abend habe ich das Ende der ersten DVD von Rosenbergs Münchner Seminar zur Gewaltfreien Kommunikation gesehen. Da referiert er in den letzten fünf Minuten darüber, wie man Dankbarkeit ausdrückt, und dass sich Komplimente und Schmeicheleien fundamental unterscheiden von echter Wertschätzung. Bei echter Wertschätzung lasse ich den anderen wissen, in welcher Weise sein Verhalten mein Leben bereichert und wie ich mich dabei fühle. Dazu hier eine Text-Info aus Ingrid Hollers "Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation".


Wertschätzung <=> Schmeicheln
Der Prozess der GfK gibt Ihnen die Möglichkeit, anderen Menschen ohne Bewertungen mitzuteilen, weswegen Sie sich freuen und worüber Sie dankbar sind. So können Sie auch die Dankbarkeit anderer Menschen genießen. Dass sie erfahren, welches Bedürfnis des anderen durch Ihre Handlung zufrieden gestellt wurde, hat noch einen anderen Effekt: In einer Lebensgestaltung, die auf Werten und Bedürfnissen basiert, und die davon ausgeht, dass Menschen miteinander verbunden sind, kann das für die eigenen Handlungen eine wertvolle Orientierungshilfe sein.

Übung: Ihre eigenen Erfahrungen

Es ist heutzutage nicht ungewöhnlich, dass versucht wird, über Lob und Schmeicheleien das Verhalten anderer Menschen in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen. Das kann auch funktionieren, weil in unserer Kultur Menschen dazu erzogen werden, sich an Urteilen von äußeren Autoritäten zu orientieren -  ob das jetzt negative Urteile sind oder positive Urteile in Form von Komplimenten. Manche haben es erlebt, dass sie als Kinder so manipuliert wurden.

In der folgenden Übung können Sie Ihre eigenen Erfahrungen zu diesem Thema noch einmal betrachten. Beantworten Sie dazu bitte die folgenden Fragen:

Welche Schmeicheleien haben Sie schon einmal gehört?


Welche Gedanken sind Ihnen da durch den Kopf gegangen?


Welche Gefühle und Bedürfnisse waren angesprochen?


Hatte das Auswirkungen auf Ihr Selbstvertrauen und auf Ihr Verhalten diesen und anderen Menschen gegenüber? Wenn ja, welchen?

 
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Offline Fynn

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #1 am: 07. Februar 2008, 20:14:52 »
Ich les' das hier grad und denke so : ich hab' schon ziemlich oft gehört, das ich schöne Komplimente machen könne. Aber eigentlich sage ich nur, was ich meine. Komplimente halte ich oft nicht für ehrlich, denke, das man oft einfach *nur etwas damit erreichen*, bezwecken will. Also, Kompliumente müssen, m.M. nach, schon ehrlich gemeint sein.

Offline Rübenigel

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #2 am: 07. Februar 2008, 20:41:51 »
Ich habe für mich festgestellt, dass ich, seit ich verstanden habe, dass auch Lob ein Urteil darstellt, geradezu allergisch darauf reagiere. Mich hat es richtig wütend gemacht, wenn ich gesehen habe, wie manipulativ Lob und Komplimente verwendet werden.

Dankbarkeit mit der GfK auszudrücken ist dagegen etwas, was eine Qualität hat, die für mich immer noch unbeschreiblich ist. Wenn ich meinem Gegenüber sagen kann, was es FÜR MICH bedeutet, dass er/sie etwas getan/gesagt hat, was in meinem Leben einen Unterschied gemacht hat, erlebe ich Dankbarkeit bei mir auch viel tiefer und umfassender. Ich möchte sogar sagen, dass ich wirkliche Dankbarkeit erst seitdem ich es so in Worte fassen kann, überhaupt empfinden kann. "Ich bin dankbar" gehörte für mich vorher nicht wirklich zu meinem aktiven Wortschatz.

Welchen Unterschied es macht, wenn ich Dankbarkeit heute äußere, finde ich auch phänomenal. Ich kann richtig sehen, wie es beim anderen arbeitet und wirklich ankommt. Es ist so, also würde diese Form der Dankbarkeitsäußerung regelrecht glückliche Gefühle generieren.
Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Claudia

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #3 am: 07. Februar 2008, 21:35:52 »
Ich möchte mich Rübenigels Worten voll und ganz anschließen.


Aus beruflichen Gründen hatte ich vor drei Monaten einen Termin bei einem Prominenten, der wahrscheinlich in seinem Leben schon unzählige Komplimente gehört hat. Irgendwann habe ich mir ein Herz gefasst und habe ihm gesagt, wie sehr seine Arbeit (er ist Koch) mein Leben bereichert und was er mir damit für eine Freude bereitet.

Es war eine Weile still, dann sagte er, ich glaube, das ist eines der nettesten Komplimente, die ich je bekommen habe, und dann führte er mich in sein Arbeitszimmer in seinem Privathaus und signierte sein neueste Buch für mich.

Das war ein unglaubliches Erlebnis für mich. Seither versuche ich meine Wertschätzung nur noch auf diese Weise zum Ausdruck zu bringen. Als mein Chef vor ein paar Wochen zu mir sagte, Du bist so so fleißig, habe ich richtig gemerkt, wie wütend mich das machte. Urteile, nichts als  Urteile...



Claudia
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Offline Tillmann

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #4 am: 07. Februar 2008, 23:35:34 »
Liebe Claudia,
ich bin neugierig und möchte dich gerne unterstützen, dir Klarheit über deine Gefühle und Bedürfnisse zu verschaffen, die in der beschriebenen Situation in dir lebendig waren.
Wenn du sagst, das Kompliment deines Chefs hätte Wut in dir ausgelöst, würde mich als nächstes interessieren, welche "schönen" Dinge du in diesem Zusammenhang über deinen Chef gedacht hast (er liest hoffentlich nicht mit in diesem Forum, sonst gibt's noch 'ne Abmahnung "ggg"). Ne, sinnvoll ist wahrscheinlich, die "Wolfsshow "in einem geschützten Rahmen zu genießen, um dann die dahinterstehenden Bedürfnisse zu identifizieren). Ich könnte mir vorstellen, du hast gedacht: "dieser Blödmann, will mich mit einem Kompliment ködern, sich einschmeicheln, der kann einfach seine Wertschätzung nicht gewaltfrei ausdrücken....."
(Reine Spekulation von mir!)
Wichtig ist mir, auch in einem solchen Fall mal zu schauen, ob ich Lust habe, mich mit den Gefühlen und Bedürfnissen zu verbinden, die hinter dem Kompliment des Chefs stehen; und die natürlich auch hinter meinen Gedanken und Interpretationen um Einfühlung bitten/schreien.

Kann es sein, dass du entmutigt oder irritiert warst, als du das Kompliment hörtest, weil du gerne verstanden hättest, was er genau wertschätzt und welche Bedürfnisse bei ihm durch dein Fleißig-Sein erfüllt waren? ...oder warst du unzufrieden, traurig, weil dir in diesem Moment Verbindung fehlte und du auf deiner Arbeit gerne zu einer bestimmten Qualität von Kommunikation beigetragen hättest, die in diesem Moment für dich nicht gewährleistet war?
(= ein paar kleine Angebote, die dich vielleicht unterstützen, dem Ganzen auf die "Spur" zu kommen...).
LG und eine gute, ruhige Nacht!


Offline Träumling

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #5 am: 08. Februar 2008, 11:30:18 »
Ich hab noch Schwierigkeiten mit dem neuen Danke und durch das was ich nun weiß auch mit dem alten: "Du bist so..."

Komplimente waren für mich immer ein schmerz, ich fühlte mich irgendwie benutzt und konnte nicht Recht identifizieren wieso. Jetzt weiß ich es, ich spürte schon den Druck es wieder genauso zu machen, wieder zu funktionieren. Jetzt sehe ich Komplimente mit anderem Blick und neige dazu sie zu Hinterfragen - Willst du dass ich es jetzt immer so tue, oder möchtest du zum Ausdruck bringen dass etwas das ich getan habe dir positive Gefühle einbrachte?


Doch wenn ich jetzt Komplimente machen will, oder mich bedanken will bin ich total gehemmt. Ich wills nicht falsch machen.

Gruß,
Teresa
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Offline Rübenigel

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #6 am: 08. Februar 2008, 12:12:09 »
Ich wills nicht falsch machen.

Das kenn ich! Wenn ich bemerke, dass ich gerade wieder in dieser Schleife sitze, setze ich mir einen Miniatur-Marshall auf die Schulter, der mir ins Ohr flüstert:

"Hey Rübe... denk dran... wir machen keine Fehler... wir lernen die ganze Zeit!"
Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Träumling

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #7 am: 08. Februar 2008, 12:19:07 »
"Hey Rübe... denk dran... wir machen keine Fehler... wir lernen die ganze Zeit!"

Oh! Darf ich mir den Miniatur Marshall mal ausleihen? Vielleicht lohnt sich ja so eien Anschaffung auch für mich!
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Offline Rübenigel

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #8 am: 08. Februar 2008, 17:09:47 »
Oh! Darf ich mir den Miniatur Marshall mal ausleihen? Vielleicht lohnt sich ja so eien Anschaffung auch für mich!

Absolut lohnenswerte Anschaffung und beliebig multiplizierbar *rüberreich*  ;D
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Offline Fynn

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #9 am: 10. Februar 2008, 14:02:21 »
.

Das kenn ich! Wenn ich bemerke, dass ich gerade wieder in dieser Schleife sitze, setze ich mir einen Miniatur-Marshall auf die Schulter, der mir ins Ohr flüstert:



Das ist ja genial, mußte grad laut lachen ! Möchte hier darüber meine Wertschätzung an Träumling für diese schöne Bemerkung zeigen und darum bitten, mir den *Mini - Marshall* doch auch mal auszuleihen. Könnte ihn sicher des öfteren brauchen !  ;D

Offline Fynn

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #10 am: 10. Februar 2008, 14:07:45 »
Huch, da ist wohl beim Zitieren was danebengegangen...na ja, ihr wißt schon, wie ich's meine...

Fynn

Offline Rübenigel

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #11 am: 10. Februar 2008, 19:12:27 »
Möchte hier darüber meine Wertschätzung an Träumling für diese schöne Bemerkung zeigen und darum bitten, mir den *Mini - Marshall* doch auch mal auszuleihen. Könnte ihn sicher des öfteren brauchen ! 

Mach ich gern... der Mini-Marshall war nämlich von mir *wertschätzungeinstreich*  ;)
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Offline Fynn

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #12 am: 10. Februar 2008, 20:08:18 »
Hi Rübenigel,

das war ja das, was danebengegangen war...  ;D

Fynn

Offline Rübenigel

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Re: Dankbarkeit in Gewaltfreier Kommunikation
« Antwort #13 am: 11. Februar 2008, 12:46:54 »
O.k.... jetzt hab ich's auch verstanden  ;D
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