Autor Thema: Wie bei uns Recht gesprochen wird  (Gelesen 34262 mal)

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Offline Claudia

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #15 am: 28. November 2009, 10:05:53 »
Hallo, Cynthia,


danke der Nachfrage. Bei mir ist es gerade im Moment sehr viel an allen "Fronten", da hat dieses Thema hier gerade nicht DEN Raum, den es grundsätzlich in meinem Leben hat. Ich wüsste gern, ob ich mit meinem Entsetzen so allein stehe. Mir macht das wirklich Angst, wie da mit einem Menschen umgegangen wird. Die gleiche Mechanik bei der aktuellen Berichterstattung über die beiden entlaufenen Häftlinge aus Aachen... Zwei unverletzte Taxifahrer, eine unverletzte Geisel, und die ganze Zeit wird der Blick nur auf die Verurteilungen der beiden Männer gerichtet. MÖRDER!


Nein, Menschen!


Was brauche ich?
ich glaube, ich wüsste gern, wie es anderen Menschen, speziell GfK'lern geht, wenn sie diese Zeilen lesen.


C.
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Offline Rübenigel

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #16 am: 28. November 2009, 10:40:33 »
Danke, Claudia für Deine schnelle Antwort. Ich lehne mich jetzt entspannt zurück, weil ich das, was diese Zeilen in mir ausgelöst haben ja bereits geschrieben habe und damit den Beitrag, den ich leisten konnte, um Dein Bedürfnis zu nähren bereits erfüllt habe.

Ich wünsche Dir ein entspanntes Wochenende!


Was brauche ich?
ich glaube, ich wüsste gern, wie es anderen Menschen, speziell GfK'lern geht, wenn sie diese Zeilen lesen.


C.
Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Tillmann

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #17 am: 30. November 2009, 23:39:25 »
Hallo Stevie,
ich komme noch mal zurück auf deine Frage:

Bitte wie darf ich die Aussagen zu meinem Mangel oder gar gänzlichem Fehlen der Menschlichkeit und Sensibibität übersetzen? Wäre es dir vlt. auch möglich, deine Sicht zu meiner angeblichen Schublade zu erläutern, die du bei mir aufgetan und wg. dem angeblichen Urteil auch zugeschoben siehst?  

Ich habe nur eine Aussage zu meinem Mangel gemacht , d.h. dass bei mir bestimmte Bedürfnisse nicht erfüllt waren.  Wenn jemand solche Beurteilungen über andere Menschen äußert und dazu für mich nicht  erkennbar seine dahinterstehenden Gefühle und Bedürfnisse mitteilt, fehlt mir der Zugang zu seinen Gefühlen und Bedürfnissen, also zu dem, was in ihm lebendig ist. Das verstehe ich unter "Menschlichkeit".
Ich meinte dann weiter, dass mir die Sensibilität oder der Fokus auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse sehr wichtig ist und ich habe in deinem Statement nicht erkennen können, dass du dich im Bewußtsein für die geäußerten Beurteilungen auch darum bemühst, herauszufinden, welche Gefühle und Bedürfnisse dahinter stehen bzw. in diesem Moment mit deinen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt warst.
Es war für mich nicht sichtbar und spürbar... und deshalb fehlte mir das. Ich las nur das massive Urteil und mehr konnte ich leider nicht erkennen.
Ich hatte in dem Moment auch keine Lust, dich danach zu fragen, weil ich erstmal mit meinem Mangel an Verstehen und mit meinem Schmerz beschäftigt war.

Selbstverständlich kann ich nicht wahrnehmen, wie es bei dir tatsächlich war. Ich versuchte, möglichst nur von mir und meiner Wahrnehmung zu reden.

LG Tillmann


Offline Tilaka

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #18 am: 01. Dezember 2009, 08:55:36 »
Hallo Tillmann,
danke für deine Antwort. Immernoch hab ich große Schweirigkeiten zu verstehen, wie es inn-dir-selbst an Menschlichkeit und Sensibilität mangeln kann, nach dem lesen MEINER Aussagen (?) insbes. im Zusammenhang mit den anschließenden Schubladen-Gedanken usw.  - doch was solls, ich mags dabei belassen.
 
Tatsächlich finde ich es auch sehr schwierig, diese Dinge hier im Netz befriedigend zu klären. Ich er-kenne mein Gegenüber (und sein ganzes Universum) nicht in Wirklichkeit, höre die Stimme des anderen nicht, Gestik und Mimik fehlen ebenso. Zum nachsinnen möchte ich einfach nur mal anklingen lassen, wann immer ich über jmd. anderen sage, dass er urteilt, urteile ich damit selbst gerade ebenso. Auch in der Methode GfK sind wir ganz schnell dabei, zu erkennen, was da beim anderen gerade "falsch" läuft bzw. in Not und Schieflage ist.
 
JedeR hat eine andere inhaltliche Bedeutung der gleichen Worte. Defacto sprach ich von einer Vermutung. Ich sehe darin kein Urteil, auch wenn du da eins sehen magst. Und wie auch immer die persönlichen Einschätzungen meiner einzelnen Worte nun sein mögen ... so meine ich, wenn Interpretationen ins Spiel kommen, und das tut es meist, und bitte richtig verstehen, ich persönlich verurteile Interpretationen nicht, dann gibt es auch eigentlich eine Chance, miteinander insbes. hier darüber ins Gespräch zu kommen. Über die Gefühle und Bedürfnisse von Staatsanwaltschaft und Gerichtsbarkeit können wir hier nur spekulieren, doch über unsere eigenen können wir ja sprechen.  Und selbst wenn es gelingen mag, diese auch noch konkret zu benennen, gehe ich davon aus, dass es ein ganz eigenes und individuelles Verständnis von den entsprechenden Gefühlen und Bedürfnissen gibt. Auch das sind ja erstmal nur Worte, und wie gesagt, hat JedeR eine eigene inhaltliche Bedeutung der gleichen.

Selbstverständlich kann ich nicht wahrnehmen, wie es bei dir tatsächlich war.
Ich versuchte, möglichst nur von mir und meiner Wahrnehmung zu reden.


Die mir wichtigste Aussage meines Statements (nennen wir es ruhig so) ist die: was auch immer jemand tut oder sagt, in dem Dresdener Fall der Tötung der Marwa al-Schirbini - ein mehr als ernstzunehmendes und bedenkliches Tötungsdelikt, wir alle haben ein Bedürfnis nach Schutz des Einzelnen - und auch das der Gesellschaft als ganzes.

Der Täter hat ebenso ein solches Bedürfnis nach Schutz - und auch ein Recht darauf.

Und was wir nicht beschützen brauchen, ist ein Recht auf Bestrafung und Verurteilung, Beschämung, Beschimpfung und weiterer Erniedrigung. Der Staatsanwalt repräsentiert als Ankläger den Staat, mit dem ich mich da nicht verbinden kann in seinen Aussagen, wenn er den damals noch Angeklagten verbal mit Schimpf und Schade überschüttet. Die ganze Tat ist sehr viel mehr als einfach nur bedauerlich, sondern abscheulich und verachtenswert. Und doch ist der Täter es eben nicht!  Er ist ein "Kind" unserer Gesellschaft, genau wie du und ich - und auch der Staatsanwalt. Und der Täter hat durch diese Tat einen menschlichen Mangel in außergewöhnlich-gewaltvoller Art und Weise zum Ausdruck gebracht. Wir alle als Gesellschaft tragen mit-Verantwortung! Wir haben nicht gut für uns gesorgt und es erst dazu kommen lassen. Wir waren und sind da immernoch nicht ausreichend achtsam.  
 
Bis jetzt ist und bleibt noch ungeklärt, was es da eigentlich beim Täter für ein unausgeheiltes Mangelbedürfnis noch zu erfüllen gilt, was er immernoch unerkannt und unbefriedet in sich trägt - und in ihm weiter gährt. Und was er mE. ganz sicher nicht braucht, ist Verachtung und den Verstoß aus unserer Gesellschaft, wie es der Staatsanwalt so unmissverständlich gewaltvoll zum Ausdruck brachte, denn das wird den Täter ganz sicher zu einem noch viel größeren / gefährlicheren Raubtier machen. Im Gegenteil bin ich davon überzeugt, dass er unsere volle und ganze Aufmerksamkeit, Sensibilität und Menschlichkeit braucht, genau wie die Opfer und deren Angehörigen selbstverständlich auch. "Was du dem geringsten meiner Brüder und Schwestern antust, hast du mir angetan", sagte der Mann aus Nazaret.
 
Ich kann und will den Staatsanwalt nicht be- oder verurteilen, sondern eher in Achtsamkeit dafür einstehen, dass diese Institutionen (Staatsanwaltschaft und Gerichtsbarkeit) von Menschen besetzt ist - mit den besten unserer Gesellschaft, welche mit Weisheit, Kraft und innerer Stärke beseelt sind, und es dann auch nicht für not-wendig erachten, Verbrecher zu beschämen, zu beschimpfen und sie verdammen und verbannen - hinter Gittern vergessen oder menschlich (seelisch-geistig) gar verrotten zu lassen, sondern in deren (und unserem gesellschaftlichen) Heilungsprozeß behilflich sind und eben dies mit-einleiten. Mir geht es da überhaupt nicht so sehr um die beiden Personen Staatsanwalt oder Richterin, denn auch diese sind für mich da nur Auslöser, ein Symptom unserer bestrafen-wollenden Gesellschaft - tragischer Weise ...  
 
In diesem Sinne beste Grüße
St.
 
-
 
last but not least:
Ich schaue gern, was du gelesen hast, von dem, was ich schrieb ...
« Letzte Änderung: 01. Dezember 2009, 09:43:04 von Tilaka »
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Offline Rübenigel

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #19 am: 02. Dezember 2009, 10:52:24 »
Ich habe Dein letztes Posting jetzt drei Mal gelesen ... gestern und heute ... und ich bekomme einfach keine Verbindung zu dem, was DICH dahinter ausmacht, Stevie.

Ich lese, was Du Dir für unsere Gesellschaft wünschst, aber ich kann nicht erkennen, was DU fühlst ... welche Bedürfnisse bei DIR im Mangel sind, wenn Du die "Gerichtsgeschichte" liest. Ich lese, was Du schwierig findest ... die Kommunikation/Klärung im Netz ... nur mit Worten, ohne Mimik und Gestik. Und wenn ich meinen GfK-Trainern glaube, dann wäre die Übersetzung: Du MÖCHTEST gerne Klärung und Du brauchst Vertrauen, dass es möglich ist.

Ich schaue auf Deine Zeilen und kann keine Zeichen von Bereitschaft finden, die dazu (für mich) nötigen Schritte zu tun: DICH zu zeigen, damit Du sichtbar/fühlbar wirst. Ich lese Diskussion ... aber keinen Kontakt. Ich lese Argumente ... aber keine Verbindung. Ich lese "Wir" und damit Verallgemeinerungen und bräuchte ein "Ich" und ein "Du".

Ich merke, wie mich diese Art der Kommunikation frustriert und ermüdet. Wie ich mich schwer fühle und seufze ... unzufrieden bin, beim Lesen Deiner Zeilen. Ich wünsche mir Leichtigkeit und Begegnung ... Fluß ... Austausch von Herz zu Herz. Und es ist mir, so sehr ich auch bemüht bin, nicht möglich, das in Verbindung mit Deinen Worten zu erleben. Da spüre ich Trauer. Trauer darüber, dass es jetzt nicht möglich ist. Und ich spüre ein Bedürfnis, mich zu schützen ... zu schützen vor der Schwere. Dorthin zu gehen, wo es leicht ist, wo ich Verbindung spüren kann. - Und dann spüre ich, wie Erleichterung eintritt. Erleichterung, weil ich meine Befindlichkeiten, mein Unwohlsein sichtbar gemacht habe. Und Dankbarkeit ist da ... Dankbarkeit, weil Du mir durch Dein Schreiben wieder einmal die Möglichkeit gegeben hast, zu erfahren, dass der Schmerz, mich nicht verbunden zu fühlen/mich nicht verbinden zu können, nur ein endlicher Schmerz ist. Dass ich, wenn ich ihm Raum gebe erlebe, dass ich meine Freiheit, an anderer Stelle für mich zu sorgen, zurückgewinne. Dass es wirklich stimmt, wenn Marshall sagt, unsere Bedürfnisse könnten universell erfüllt werden. Jetzt, wo ich erkannt habe, was mich beim Lesen Deines Postings widerholt unangenehm berührt hat, habe ich wieder Verbindung zu mir selbst.

Und der Vollständigkeit halber ;-) ... habe ich jetzt eine Bitte an mich selbst, diese Verbindung jetzt mit einem Heißgetränk zu feiern und diesen Moment mit anderen Menschen zu teilen.
Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Tilaka

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #20 am: 02. Dezember 2009, 16:24:05 »
Ja Cynthia, danke für deine Anteilnahme.
Es schaut ganz danach aus, als ob du da während des schreibens noch einiges für dich selbst gut klären konntest. Und wiedermal bestätigt sich auf wundervolle Weise, dass jedeR für das eigene Glück und Leid selbst verantwortlich ist, und dies auch steuern kann. Oder brauchst du diesbezgl. vlt. noch irgendwas von mir?
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Offline Rübenigel

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #21 am: 02. Dezember 2009, 17:51:20 »
Nö ... das ist ja das Schöne. Ich bin schon satt. Genau DAFÜR liebe ich GfK: ich fühle mich vielleicht manchmal ausgesprochen unkomfortabel ... aber wenn ich die Biege bekomme, mir selbst Empathie geben zu können, dann habe ich vollkommen in der Hand, mich auch wieder "gut" zu fühlen.
Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Träumling

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #22 am: 02. Dezember 2009, 19:41:13 »
Ich merke es fällt mir schwer etwas zum Thema zu sagen.
Diese Frau war dort anwesend, weil dieser Mann sie bereits einmal verbal angegriffen hat und statt eine Wiedergutmachung zu bekommen (zum Beispiel in Form einer öffentlichen Bekundung: Ja, wir berschimpfen einander nicht und er wird nun zu irgendwas verurteilt!) hat diese Frau gewaltsam ihr Leben verloren. Ihr ungeborenes Kind ebenso. Ihr Sohn hat mit ansehen müssen wie seine Mutter starb. Ihr Mann ebenso und wurde noch, angeblich weil man ihn zuerst für den Täter hielt, angeschossen.

Ich finde das Unrecht, was dieser Familie wiederfahren ist so unfassbar hoch, dass ich gar nichts darüber wissen will wie man den Täter behandelt hat. Alles was ich momentan mir Wünsche, wenn ich an dieses Thema denke ist: Würdigung dieser Menschen und ihrer Leben die auf so fatale Art und Weise endeten und traumatisiert wurden. Würdigung des Schmerzes den sie durchlitten haben.
Wenn ich lese was der Staatsanwalt gesagt hat, dann lese ich auch: "Ich möchte betonen, weil es mir ein Anliegen ist diese Emotionen auszudrücken, wie schockiert und fassungslos ich darüber bin, dass so etwas hier geschehen konnte und ich möchte, dass jeder auch über unsere Landesgrenzen hinaus versteht, dass wir so eine Tat verurteilen."
Ich gebe zu, so wie er es wirklich sagte, klingt es etwas, naja... holprig... aber dafür habe ich gleich den passenden schuldigen *diagnosewolf aus der Schublade zerr*
Wir (ohne Verallgemeinerung macht der Wolf nicht soviel Spaß!) beschäftigen uns erst und häufig sogar mehr, mit dem Täter als mit dem was die Leidtragenden brauchen.
Das sage ich unter anderem weil ich den Eindruck habe, dass unsere Staatsanwälte zwar oft glauben, sie würden den Leidtragenden helfen, aber dies häufig gar nicht tun - dafür wären andere Schritte (zuhören zum Beispiel) nötig und viele der üblichen Schritte der Gerichtsverfahren kratzen die eigentlichen Hilfestellungen nur leicht an. (Wie zum Beispiel das öffentliche Bekunden: "Diese Handlung, die dir Leid brachte, ist für unsere Gesellschaft nicht okay und wir möchten dass dir das nicht wieder passiert." - Im Grunde wird das vor Gericht ja gesagt, aber ich denke es fehlt dem oft an Nachdruck und persönlicher Ansprache - wegsperren mag auch hilfreich sein wenn Angst und weitere Bedrohung im Spiel ist, aber ist eben auch kein Patentrezept)

Okay, ich fasel zuviel... vielleicht kriege ich es aber nochmal auf den Punkt.
Ich denke der Staatsanwalt hat zuviele Stühle gleichzeitig besetzen wollen und musste in den Ritzen dazwischen unter gehen - aber prinzipiell ist mir sowas gerade lieber, als alles andere Täterbezogene, weil ich (verdammt nochmal! *auf den tisch klopf und fassungslosigkeit nochma gestikulier*) möchte das das Leid was diesen Menschen wiederfahren ist gewürdigt wird und wir (diesmal meine ich schon irgendwie Deutschland und alle) aufstehen und sagen: So wollen wir nicht miteinander Leben, sondern in respekt und einander beschützend! (Geht doch nicht an, dass so etwas in einem unserer Gerichtssääle passiert - wie kann man bei einem Prozess über ausländerfeindliche Bemerkungen nur so pennen, das dies überhaupt möglich war????)

Lieben Gruß,
Teresa
Wenn etwas sich lohnt zu tun, dann lohnt es sich auch dann, wenn wir es nicht so gut können.
v.u.

Offline Tillmann

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #23 am: 03. Dezember 2009, 22:52:04 »
@ Cynthia,
ich beziehe mich auf deinen Beitrag von gestern.
Ich freue mich darüber,  dass du versuchst zu präzisieren, worum es dir besonders geht. Da ist mein Bedürfnis nach Klarheit und Verständnis richtig satt erfüllt...

Ich habe dich so verstanden,  dass es dir nicht um eine inhaltliche Diskussion, Meinungen, Standpunkte, Argumente zu dem Anfangsthema (Äußerungen des Staatsanwaltes in dem besagten Verfahren) geht, sondern darum, welche Gefühle dieses Geschehen bei dir ausgelöst hat und welche Bedürfnisse damit unerfüllt waren bzw. sind. Ist das so?
Und im Kontakt mit Stevie geht es dir darum, Kontakt mit dem aufzunehmen, was ihn in diesem Zusammenhang bewegt, berührt hat und welche Bedürfnisse erfüllt bzw. unerfüllt waren und sind?

Möchtest du mit diesem Bedürfnis nach Verbindung, Austausch, Kontakt auf der Herzensebene gehört und gesehen werden, weil dir einfach diese Art von Kommunikation sehr am Herzen liegt?

Wenn dem so ist, dann drückst du damit genau das aus, was ich mit meinen Beiträgen versuchte zu beschreiben! Insofern schreit eine Stimme in mir ganz laut: "genau, genau, so habe ich es gemeint!!!"   Wie wohlig sich das bei mir anfühlt, damit gehört zu werden!
Deshalb bin ich dir sehr dankbar, dass du nicht "locker gelassen " hast und durch deinen Beitrag - ungewollt - auch zu meinem Wohlbefinden beigetragen hast.
 
Ich fühlte mich da zwischendurch auch schon ziemlich verzweifelt und frustriert, weil ich dachte, dass meine Strategie, hier schriftlich um Verständnis zu ringen, ziemlich aussichtslos sei und wollte diese Strategie schon in die Tonne treten und meine "Wunden" lecken. Auch hatte ich einigen Ärger in mir, weil mir die Leichtigkeit fehlte und es für mich anstrengend war, genau die Worte finden zu wollen, um verstanden zu werden.

...und dabei hatte ich noch nicht mal eine klare Bitte nach Unterstützung geäußert.
Dafür bin ich wirklich dankbar und fange gerade an zu schmunzeln...
Lieben Gruss
TILLMANN

Offline Rübenigel

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #24 am: 03. Dezember 2009, 22:55:47 »
Tillmann ...
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Offline Tilaka

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #25 am: 04. Dezember 2009, 00:00:27 »
Hallo Leute,
fein-fein - und ich gönne euch den Tanz --- ehrlich, möchte eure Festivitäten auch nicht stören! Doch weil da schon lange ganz schwere Kost in meinen Gedärmen grummelt. Und weils ja keine Zufälle gibt bzw. sichs grad so passend anbietet, stell ich nun mal meine Verständnisfrage:
 
Ist Leichtigkeit und Schwere sowas wie Richtig und Falsch? Was ist mit Trauer und Betrübnis? Gehört das nicht genauso zum Leben dazu? Ich sehe da kein Licht am Ende des Tunnels und hätte sehr gerne mal eine Übersetzung für - danke.
« Letzte Änderung: 04. Dezember 2009, 02:28:32 von Tilaka »
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Offline Rübenigel

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #26 am: 04. Dezember 2009, 08:10:44 »

Ist Leichtigkeit und Schwere sowas wie Richtig und Falsch? Was ist mit Trauer und Betrübnis? Gehört das nicht genauso zum Leben dazu? Ich sehe da kein Licht am Ende des Tunnels und hätte sehr gerne mal eine Übersetzung für - danke.

Für mich sind Leichtigkeit und Schwere gleich "wert" und gleich lebendig. Nur hab ich Leichtigkeit einfach lieber in meinem Leben. Trauer finde ich z.B. wundervoll ... sie kann so erfüllend, wärmend sein ... für mich als "Melancholikerin" ist sie eben auch schön. "Sweet pain", wie Marshall es nennt, genieße ich wirklich.

Ich glaube aber, dass das für jeden anders ist. Sicherlich gibt es Menschen, die bemühen sich ihr gesamtes Leben Schwere und Trauer zu vermeiden ... manche sogar um den Preis, bevor sie sie erleben, lieber gar nichts zu fühlen. Manche wählen auch die Strategie, sich ihre unangenehmen Gefühle mit was-auch-immer weg zu machen. Ich sehe zu, dass ich mich immer mehr mit Menschen umgebe, die diese Wege nicht beschreiten, sondern sich mit all ihren Befindlichkeiten mir zumuten. DAS ist etwas, was mir wirklich gut tut. Schmerz zu fühlen, wenn er da ist ... in der Gewissheit, dass er endlich ist ... und schon im Schmerz feiern zu können, dass das Licht am Ende des Tunnels bereits da ist, auch wenn ich es vielleicht noch nicht sehe.
Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Wenn ich nicht froh wäre, wäre es auch so!

Offline Tilaka

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #27 am: 04. Dezember 2009, 14:34:25 »
... also egal ob schwer oder leicht, wenn der oder die andere sich so&so fühlt, weil ich das&das sage, tue oder auch unterlasse, nun - dann ist das ein Urteil oder Kritik, die der Gewaltfreien Kommunikation im Wege steht, und gleichzeitig Stolperstein oder auch Sprungbrett sein kann.
 
Ist es nicht unmittelbar wichtig für den weiteren Verlauf, dies gemeinsam zu klären? Und führe ich ihn (sie)  nicht erstmal aufs Glatteis, weil der Wolf ihm (ihr) die not-wendige Sicherheit gibt? Und je nach Ge-wichtig-keit, kann es nicht auch sein, dass er (resp. sie) mich selbst auch aus dem Ruder bringen kann, wenn ihm oder ihr - egal uns, aus dem Gleichgewicht (Rhythmus, Takt) kommend, die Beine wegrutschen? Weil ich vlt. im entscheidenden Moment meiner Aufmerksamkeit verlußtig ging, und meinen Schwer-Punkt (Standpunkt) zu leicht-gläubig aufgab / verließ oder einfach nur verlagerte? Ist die Handlungsweise - der nächste Schritt & Tritt des anderen planbar? Braucht es nicht erst Vertrauen? Und auch etwas Nähe? Wieviel Nähe bedarf es? Wer entscheidet das? Beide und zwar gleich-wertig oder? Und, und, und ... viele offene - im Vorfeld nicht kalkulierbare Fragen.
 
Also wie begegne ich jemandem, der dies *so-wie-es-ist* nicht aushalten kann und eben auch darin noch kein ausreichendes Vertrauen in mich & Nähe mit mir hat?
 
Ja Cynthia, und da hat mich dein Satz: "dass das für jeden anders ist." - ungemein beruhigt. Und jeder Augenblick ist auch anders. Für mich stellt sich dies Tänzchen der Unterschiede und Gemeinsamkeiten (Dualität) durchaus auch als Ausgleich zwischen Dominanz und Schwäche dar, und dabei gibt es bekanntlich kein Schema F...
 
... also *alles-in-allem* eigentlich recht einfach und doch auch *ach-so* schwer.
 
« Letzte Änderung: 04. Dezember 2009, 17:03:25 von Tilaka »
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Offline Tilaka

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #28 am: 05. Dezember 2009, 16:23:01 »
“Pain is inevitable but the Suffering is optional.”
 
Nach meiner Kenntnis bezeichnet Rosenberg "sweet pain" als den emotionalen Spannungsbogen, indem das Bedürfnis zwar schon erkannt, jedoch noch nicht erfüllt oder befriedet ist. Trauer zeichnet für mich nicht das Gefühl von "sweet pain" aus, sondern unterstreicht und erfüllt mein Bedürfnis nach würdevollem Abschied und Neubeginn. Melancholie hingegen erlebe ich als schwebend, wie ein Adler das tiefe Tal auslotend. Das hat dann also viel eher etwas tragisch- oder besser tragend-schwereloses. Ganz im Gegensatz zu fliegend, wie ein loses Blatt oder eine Feder im Wind. Dieses letztere Bild würde bei mir eher in einer ausweg- und hilflosen Situation großer Angst entstehen. Depression hingegen hat für mich etwas ohnmächtiges an-sich.
 
Allerdings fühle ich in all diesen Zuständen noch wesentlich mehr an unterschiedlichen Nuancen...
« Letzte Änderung: 05. Dezember 2009, 16:39:18 von Tilaka »
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Offline Tillmann

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Re: Wie bei uns Recht gesprochen wird
« Antwort #29 am: 05. Dezember 2009, 18:02:54 »
Hallo Stevie,


Zitat
... also egal ob schwer oder leicht, wenn der oder die andere sich so&so fühlt, weil ich das&das sage, tue oder auch unterlasse, nun - dann ist das ein Urteil oder Kritik, die der Gewaltfreien Kommunikation im Wege steht, und gleichzeitig Stolperstein oder auch Sprungbrett sein kann.

Mit dieser Aussage bin ich nicht einverstanden:
Aus meiner Sicht zeigt sich bei deiner Aussage ein großer Unterschied zur GfK-Haltung; diese würde sich eher darin ausdrücken, dass ich z.B. sage:  "Du hast gerade zu mir HERZLICH WILLKOMMEN gesagt (=Beobachtung u. Auslöser);  ich fühle mich wohl damit (=Gefühl), weil mein Bedürfnis nach Zugehörigkeit erfüllt ist"

Dies ist etwas anderes als wenn ich sage: " ich fühle mich wohl, weil (=Ursache) du etwas gemacht hast" (hier wird die andere Person als Ursache für meine Gefühle angesehen).
Die GfK-Haltung schlägt uns vor: "ich fühle mich wohl, weil mein Bedürfnis  erfüllt ist..."

Insofern sehe ich deine Aussage von oben nicht als Urteil oder Kritik an, sondern als Versuch, die Verantwortung für deine Gefühle der anderen Person zu geben.

Ansonsten stehen Urteile und Kritik aus meiner Sicht nicht der GfK im Wege, weil sie ja als wichtige Signale genutzt werden für erfüllte und unerfüllte Bedürfnisse, die dahinter stehen.
Im Grunde genommen wird in der GfK nur anders als gewohnt geurteilt und bewertet, nämlich welche Gefühle und Bedürfnisse hinter einer entsprechenden Aussage stehen (könnten).
Die Ansicht, dass Urteile und Kritik der GfK im Wege stehen würden und insofern nicht in Ordnung wären, ein leider sehr weit verbreitetes Missverständnis in der GfK-Szene (ICH DARF NICHT URTEILEN, BEWERTEN und KRITISIEREN)

...und ich möchte hiermit  zu der Klarheit beitragen, dass sich dieses Missverständnis nicht weiterverbreitet und einige in die IRRE führen könnte.
Ich selbst habe ziemlich lange gebraucht, um dieses für mich zu verstehen, was mich jetzt gerade freut, weil mein Bedürfnis nach Lernen und innerem Wachstum damit erfüllt ist. Juchu!

An meinem eigenen Urteil, dass dies hier ziemlich "oberlehrerhaft" rüberkommen könnte, arbeite ich erstmal für mich weiter....  ;)
Tillmann


« Letzte Änderung: 05. Dezember 2009, 18:13:39 von Tillmann »