Autor Thema: Verlässlichkeit  (Gelesen 8697 mal)

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Offline Claudia

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Verlässlichkeit
« am: 22. Mai 2010, 11:43:12 »
Hallo @ all!


Ich nehme gern Bezug auf mein Bedürfnis nach Verlässlichkeit, Es hat etwas zu tun mit Sicherheit, je nach Tagesform mit Schutz, mit Vertrauen, Verständnis und Verbindung.

Nun geriet ich neulich in eine Diskussion, Verlässlichkeit sei kein Bedürfnis, wobei zwei der Diskutanten aus ihrem Erleben schilderten, dass für sie Verlässlichkeit als Waffe eingesetzt würde. Du bist unzuverlässig...


Über diese Brücke zur Unterscheidung gehe ich nicht. Ich habe noch nie eine Diskussion dazu gehört, ob Respekt ein Bedürfnis ist,  (ich finde, ja, unbedingt!!!), und trotzdem kann ich jemandem vorwerfen, du bist respektlos... Also, dieser Schluss, dass man aus dem Begriff eine Waffe schmieden kann, reicht mir nicht, um Verlässlichkeit als Bedürfnis herabzustufen.



Ich wünsche mir eine rege Diskussion. Ist Verlässlichkeit ein Bedürfnis?


Herzliche Grüße.

Claudia
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Offline Mcyc

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Re: Verlässlichkeit
« Antwort #1 am: 26. Mai 2010, 11:30:20 »
Mh. Ich glaube ich kann gut nachvollziehen, warum dir Respekt und Verlässlichkeit wichtig sind.
Gleichzeitig bin ich mir bei diesen und einigen anderen Bedürfnissen nicht wirklich klar, ob sich nicht eine Strategie eingeschlichen hat, nämlich dass mein Gegenüber sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält.

Wenn ich in mich gehe und versuche herauszufinden, warum ich mir z.B. von meiner Partnerin Verlässlichkeit wünsche dann hat es etwas mit mir zu tun, damit dass ich mich auf etwas bestimmtes einstellen können möchte, dass ich sicher sein kann, dass sich meine Bedürfnisse erfüllen...im Grunde bräuchte ich diese Sicherheit und Verlässlichkeit nicht, wenn ich genügend Selbstvertrauen hätte. Damit meine ich das Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten, mit jeder Situation umzugehen und selbst dafür zu sorgen, dass sich meine Bedürfnisse erfüllen - zum Beispiel auch indem ich eine Bitte an mein Gegenüber stelle und klar mache, was ich grade brauche.
hmmmm...

Unterm Strich würde ich für mich sagen, ich wünsche mir Verlässlichkeit, Respekt, Sicherheit usw., aber ich bin ziemlich zuversichtlich, dass ich eines Tages nicht mehr darauf angewiesen sein werde, weil ich dann in mir selber diese Sicherheit und das nötige Vertrauen in das Universum und mich selber haben werde. Hoffentlich :-)

Ich muss grade an das denken was Simran mal sagte, nämlich, dass Bedürfnisse in Schichten kommen. Nach außen sieht vieles wie ein Bedürfnis aus was ich für mich, intern, noch tiefer ausbuddeln kann, so dass jede Schicht eigentlich eine Strategie darstellt bis ich beim ultimativen Grund-Bedürfnis ankomme (Glücklich sein oder wie auch immer man das nennen möchte).

Danke für deine Anregung zum nachdenken :-)

Lieber Gruß,

Markus
May the long time sun shine upon you,
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Offline Claudia

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Re: Verlässlichkeit
« Antwort #2 am: 01. Juni 2010, 21:20:15 »
Markus, ich würde dieses Posting von Dir gern woanders noch mal haben. Was hältst Du davon?

Ich bin ganz begeistert, vor allem von dem Tief-Schürfenden. Ich fühle mich sehr gesehen, verstanden und Ernst genommen.


Liebe Grüße

Claudia
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Offline Positives-Denken

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Re: Verlässlichkeit
« Antwort #3 am: 13. Juli 2010, 00:51:10 »
Schönen guten Tag Claudia,

ich hoffe auf Verständnis bei anderer Gelegenheit mich näher vorzustellen.

Verläßlichkeit erinnert mich so ein bischen an das "Bedürfnis" nach Pünktlichkeit. Alle Menschen brauchen Klarheit (könntest Du statt Verläßlichkeit auch Klarheit einsetzen?) denke ich und auch Effektivtät oder Wirksamkeit ist etwas das alle Menschen brauchen. Ist es Dir wichtig, das getroffene Vereinbarungen eingehalten werden - dann ist es vielleicht auch einer Deiner Werte?

Ein Bedürfnis seine Zeit sinnvoll oder wirksam einzuteilen / zu nutzen könnte unerfüllt bleiben, wenn eine bestimmte Vereinbarung nicht eingehalten wird.

Auch könnte es etwas mit Anerkennung und Wertschätzung zu tun haben.

Ich stelle bei mir  gerade fest, das Sicherheit bei mir oft ein Kern ist, den ich zuerst sehe und die äußeren Schichten durch Angst schnell ein wenig abgedunkelt sind.

Ich denke Verläßlichkeit ist nah dran an einem Bedürfnis, denn alle Menschen sind irretiert wenn das was jemand sagt dann nicht geschieht und dann brauchen sie Klarheit oder?

Das schöne bei der Gewaltfreien Kommunikation ist ja das man die Dinge auf verschiedene Art und Weise hören kann zwischen Wolf und Giraffe hin und herübersetzen.
Ich glaube das Wort Verläßlichkeit läd eher dazu ein die Wolfsohren aufzuiehen (er könnte ein Erwartung / Forderung hören) als Klarheit.


Lieben Gruß

Tobias







Offline Claudia

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Re: Verlässlichkeit
« Antwort #4 am: 13. Juli 2010, 21:49:43 »
Hallo, Tobias,


es hat für mich viel mit Sicherheit zu tun. Aber ich merke, dass ich da noch immer im Prozess bin!

Danke für deine Anregungen! ich denke weiter drüber nach.

Herzliche Grüße

Claudia
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Offline matameko

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Re: Verlässlichkeit
« Antwort #5 am: 27. September 2010, 16:12:49 »
Ich glaube dass bei einigen Begriffen keine "intrinsische Zuordnung" möglich ist und
es vor allem darauf ankommt was in mir lebendig ist wenn ich sie verwende.

Ich kann z.B. sagen "ich fühle mich verletzt, verärgert, verwirrt". Das kann ich mit
einem "Giraffenbewusstsein" tun und "verletzt" ist dann ein Ausdruck des Schmerzes
in mir. Oder ich kann es auch  mit einem "Wolfsbewusstsein" tun und "verletzt"
ist dann eine Verurteilung meines Gegenübers als Täter.

Bei dem Bedürfnis "Verlässlichkeit" sehe ich das ähnlich.

Bei der Methode ESPERE gibt es das Modell des Beziehungsschals: Ein Beziehungssystem
besteht aus drei Komponenten, z.B. mir, einer zweiten Person und der Beziehung zwischen
uns. Die Beziehung kann durch einen Schal symbolisiert werden, den wir beide halten:



Ich trage die Verantwortung für meine Seite des Beziehungsschals. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich kann also versuchen, mich auf meiner Seite möglichst klar und authentisch auszudrücken.
Die Verantwortung dafür, wie es auf der anderen Seite aufgenommen wird, trage ich
meiner Meinung nach nicht.  
  
Wenn mir mein Gegenüber sagt, dass es ihm/ihr schwer fällt, den Begriff "Verlässlichkeit" mit
Giraffenohren zu hören würde ich wahrscheinlich "emotionale Sicherheit" als Alternative anbieten.
Und wenn der Person das auch nicht gefällt, könnte ich an der Stelle dann noch sagen dass ich ratlos
bin und um Hilfe bitten, welches alternative Bedürfnis das Gegenüber vermutet.



 
« Letzte Änderung: 27. September 2010, 16:19:38 von matameko »

Offline Claudia

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Re: Verlässlichkeit
« Antwort #6 am: 27. September 2010, 22:29:53 »
Ich hab auch ein Buch über Espere. Findest Du das Prinzip hilfreich?


Gruß,


Claudia
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Offline matameko

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Re: Verlässlichkeit
« Antwort #7 am: 30. September 2010, 14:10:39 »
Das Prinzip mit dem Schal finde ich wirklich hilfreich, gerade da ich beim
Lernen eher visuell veranlagt bin. Bei der GFK heißt es ja quasi auch:
"Du weil Du" und "Ich weil ich". Die Vorstellung des Schals hilft mir
auf meiner Seite zu bleiben.

*offtopicmodusan*
Insgesamt hatte ich mir von den ESPERE Büchern allerdings etwas mehr erwartet.
Falls sich noch jemand anderes dafür interessiert, empfehle ich, direkt das Übungsbuch
von Monika Wilke zu kaufen/auszuleihen. Das Buch von Jacques Salome beschäfitgt
sich eher mit seinem Lebensweg als mit der praktischen Anwendung von ESPERE.

Und beim Übungsbuch heulten meine Wölfe auch manchmal "Die wollen ja nur Werbung für
ihre Seminare machen. Jetzt komm mal zum Punkt." Einige Dinge die neu und
sehr interessant für mich waren habe ich hier zusammengefasst:
http://matameko.wikispaces.com/GFK#Espere
  
« Letzte Änderung: 30. September 2010, 19:55:38 von matameko »

Offline Claudia

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Re: Verlässlichkeit
« Antwort #8 am: 30. September 2010, 16:33:43 »
Danke, ich hab nur das Buch von Salome und dachte, nö, nicht für mich....


Gru0,


Claudia
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