Autor Thema: Lernen Gefühle zu benennen, passende Begriffe lernen.  (Gelesen 8136 mal)

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Offline Marika

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Lernen Gefühle zu benennen, passende Begriffe lernen.
« am: 27. Juli 2010, 12:09:55 »
Hallo Allerseits !

Deutsch ist Fremdsprache für mich, deswegen entgehen mir die feinen Unterschiede in der Beschreibung der Gefühle. Vielleicht geht es manchen anderen auch so, weil die Gewohnheit über Gefühle zu reden fehlt? 
Ich lese und über mit Begeisterung mit dem Buch „Praktische Selbst-Empathie“. Bin auf der Seite 35. Es geht um die Gefühle die in dem Bereich „Interesse“ aufkommen.

Mir ist unklar der Unterschiede zwischen :
„Bezauberung“ -  „Verzauberung“,
„Angetan-Sein“ - „Angeregt-Sein“,
„Erregung“ – „Aufregung“.


Kann mir jemand helfen und Beispiele nennen, wann dieser Gefühle aufkommen? (oder hochkommen?)  ???

Beispiel den Wörtern „Hingerissen-Sein“, „Fasziniert“, „Bann“ würde mir sehr helfen die Klarheit zu dessen Bedeutung zu bekommen.


Liebe Grüße
Marika

Offline Marika

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Re: Lernen Gefühle zu benennen, passende Begriffe lernen.
« Antwort #1 am: 28. Juli 2010, 13:11:00 »
Wie unterscheiden sich die folgenden Gefühle
Ekstase – Euphorie – Rausch


Ist das richtig :
Euphorie – wenn ich auf eine Idee komme die ich genial finde und mit deren Hilfe ich meine Probleme leicht und elegant lösen kann ?

Rausch – bei einem tollen Fest, wo ich die Leute gut kenne und mag, kann fröhlich und ausgelassen sein, im Resonanz mit anderen bin, die gleiche Stimmung haben?

Ekstase – bei einem Tanz, wenn ich mit der Musik auf die gleiche Welle bin und die ich liebe?

Offline Tilaka

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Re: Lernen Gefühle zu benennen, passende Begriffe lernen.
« Antwort #2 am: 28. Juli 2010, 15:18:24 »
 
Tja Marika, nun hat es doch etwas gedauert,
hmm - lass uns mal schauen...
 
Angetan-Sein - von einer Unterhaltung, einem bestimmten Menschen oder Theaterbesuch, Kinofilm, Lektüre... Dies beschreibt wohl die Möglichkeiten, einen solchen Zustand zu erleben. Es besteht da wohl ein Interesse, sich dann selbiges jederzeit und gern nocheinmal "an-zu-tun" bzw. die Dankbarkeit & Fülle, Lebendigkeit & Freude darüber, sich dies angetan zu haben.
 
Anregend meint wohl stimmulierend - Stimmung aufhellend. Dies kann eine "zündende" Idee aber auch ein Gläs-chen Wein sein. Manchmal kommt es zu einer ganzen Kette anregender Teilaspekte. All dies betrachte ich als Inspirationen, erheiternd-erhellende Probierhäppchen - Angebote sozusagen. Bei fehlender Sorgfalt & Aufmerksamkeit können solch anregende Strategien betörend bis verstörend wirken oder gar zu geistiger Umnachtung & Ohnmacht führen.
 
Die Erregung bringt das Blut schon etwas tüchtiger in Wallungen, wobei Aufregung ja eher mit Ärger, Wut oder Zorn und durchaus auch mit Angst zusammenhängt. Da fängt das ganze dann an waage zu werden, es lauert die Gefahr zu kippen. Ein lange verkannter Mangel wird überdeutlich. Bei zornes-roten (blut-unterlaufenden) Augen vernebelt sich der Blick. Das Risiko ist erhöht, allerdings auch die Aufmerksamkeit...
 
Bezauberung / Verzauberung - das ist etwas schwieriger, wie ich finde.
Diese Zustände sind sehr nahe beieinander. Wenn ich etwas oder jemanden bezaubernd finde, ist Verzauberung eigentlich schon da. --- Verzaubert kann allerdings auch mit vollkommen anderer Bedeutung "verhext" oder "verflixt" meinen.
 
Fasziniert = Faszination - fällt mir *begeistert* noch am einfachsten ;)
schau mal bitte HIER - was es synonym alles noch sein kann...  

Bann -  ist ein okkult-magischer Begriff und kommt von Band, auf oder von etwas gebannt/ gefesselt zu sein, dh. es bindet förmlich die gesamte Energie bzw. Aufmerksamkeit. Es gibt auch noch die Verbannung. Beides allerdings vmtl. eher recht zwanghaft erlebte Gefühls-Situationen und somit erscheint es mir eher als ein sogen. Pseudogefühl.
 
Hingerissen-Sein - hört sich im ersten Moment auch recht gewaltvoll & unfreiwillig an. Manchmal sage ich dazu auch: von etwas oder jmd. magisch angezogen-sein.  Wenn es allerdings nicht so klar ist, sage ich gerne auch mal ambivalent - also "hin- & her"-gerissen.
 
---
 
Eine gefühlte Interessenslage ist ein großes Feld und
vielleicht finden wir dazu hilfreich ein paar weiter Bedürfnisse?

 
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Ekstase – Euphorie – Rausch
 
Ich finde das schon sehr treffend von dir beschrieben. Wobei ich meine, dass diese drei Gefühle durchaus auch zusammen auftreten können. Euphorie kommt bei mir auch nicht "nur" bei genialen Ideen auf,  sondern ebenso bei berauschenden Festen und / oder exstatischer Musik.

Ex-stase meint sicher nicht nur Dynamik, sondern auch *aus-sich* herausfahren, also durchaus das Ende (ex) von Statik und Starre. Nichts ist sicher und Alles kommt ins fließen. Da braucht es viel Vertrauen. Auch Rauscherfahrungen sind wohl eher grenzwertig zu betrachten, wobei der Alltag sodann ja auf der Strecke bleiben würde. Euphorisch hingegen kann ich beschwingt durch den All-tag ziehen...  
 
---
 
Ganz persönlich möchte ich mich mithilfe der Gewaltfreien Kommunikation von Äußeren Umständen, dh. scheinbar "gefühlen" - also eher gedachten Einschränkungen und Bedingungen *facettenreich* verabschieden können, um somit tatsächlich bei mir (bzw. beim anderen) - dem eigentlichen Wesenskern zu landen. Und da kann *erwartungsvoll* schon auch gut und gerne mal was offen bleiben. Das erst macht das Ganze spannend und mich übt es in Geduld...
 
 
Vielen Dank für deine inspirierenden (anregenden) Fragen.  
Und ich habe großes Interesse, zu hören, was du von meinen Antworten hältst...  
 
Schönen Tag und auf bald
LG Stevie
 
« Letzte Änderung: 28. Juli 2010, 16:55:32 von Tilaka »
"It`s simple but not easy"

Offline Marika

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Re: Lernen Gefühle zu benennen, passende Begriffe lernen.
« Antwort #3 am: 29. Juli 2010, 09:47:23 »
Liebe Stevie,
vielen DANK für die ausführliche Antwort. Ich habe es überflogen  bin dabei es langsam Satz für Satz durchzudenken und mir vorstellen wie diser Gefühle in mir wirken.

Mehr Feedback werde ich spätter noch geben  :)


Offline Tilaka

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Re: Lernen Gefühle zu benennen, passende Begriffe lernen.
« Antwort #4 am: 31. Juli 2010, 13:42:39 »
Gerne - liebe Marika,
selbst verständlich möchten dich all diese Infos nicht "erschlagen". So lese ich erfreut, dass du dir dafür Zeit nimmst :) Und wenn ich dich dabei noch etwas weiterführender unterstützen darf, gerne...
  
Machmal erschrecke, doch oft staune, wundere & genieße ich einfach nur - eigentlich jeden Tag aufs neue, wie komplex Sprache ist. Und besonders Deutsch (als Werkzeug) hat ja *wort-wörtlich* die Neigung zur Präzision. Allein dieser Umstand mag schon oft als Falle zu Missverständnis & Streit verleiteten - manchmal sogar Kommunikation verleiden, wenn es dann heißt: "Nein, das meinte ich ganz anders". Eigentlich jedoch beinhaltet es die Chance zu Fülle, Vielfalt, Bereicherung und insbes. auch zur Gelassenheit, nach dem Motto: Ich "muss" den anderen gar nicht vollständig und in jedem Moment verstehen. Verständnis ist meines Erachtens eh nochmal was ganz anderes - und auch dafür gibt es ja kein Muss.
 
In einem persönlichen Live-Gespräch läuft Austausch und Information allerdings nicht so stark frequentiert über die Buchstaben ab, sondern viel eher über Körpersprache, Gestik, Mimik, Stimme. Das heißt Authentizität - also die Haltung hinter dem Wort wird damit LIVE wesentlich deutlicher und das fehlt hier natürlich gänzlich...
 
Bitte frag nach, wenn da irgendwas (egal was) unklar für dich ist.
Danke - LG St.
 
--ähm--
bin übrigens männlich, also keinen Schreck bekommen ;)
 
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